Am Damm geboren.
Amsterdam wuchs aus einem Damm in der Amstel zu einer der reichsten Handelsstädte Europas. Die Grachten, die damals entstanden, prägen das Bild bis heute.
Auf einen Blick
Ein Damm in der Amstel
Der Name sagt es schon: Amsterdam ist der Damm an der Amstel. In einer Urkunde von 1275 gewährt Graf Floris V. den Leuten «apud Amestelledamme» einen Zollerlass, es ist die erste bekannte Erwähnung. Der Damm entstand vermutlich zwischen 1264 und 1275. Aus dem kleinen Fischerort wurde im 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter, eine der reichsten Handels- und Finanzstädte der westlichen Welt.
Die Stadt liegt etwa zwei Meter unter dem Meeresspiegel. Das hat die Bauweise bestimmt, denn der Boden trägt nur mit Hilfe von Pfählen, und das Wasser gehört zum Stadtbild. Heute leben in der Stadt gut 940 000 Menschen, im grösseren Raum rund 2,5 Millionen.
Wasser und Brücken
Amsterdam hat mehr als 100 Kilometer Grachten, rund 90 Inseln und über 1200 Brücken. Von den gut 219 Quadratkilometern Stadtfläche sind rund 166 Land. Kern des Systems ist der Grachtengürtel, mit dessen Bau man 1613 begann. Bis 1656 war der südliche Teil fertig. Er besteht aus drei ringförmigen Kanälen, die sich in einem Halbkreis um die mittelalterliche Altstadt legen, und steht seit Juli 2010 auf der Welterbeliste.
Wer von Brücke zu Brücke geht, versteht rasch, dass das Wasser hier nicht Kulisse ist, sondern Teil des Stadtplans. Das Pumpwerk Zeeburg spült die Kanäle seit 1879 mit Wasser aus dem früheren Zuiderzee. Die Kanalisation der Innenstadt wurde 1935 angeschlossen, der Grachtengürtel war erst 1987 vollständig angebunden.
Zu Fuss, mit dem Rad, mit der Bahn
Das Radfahren prägt den Charakter der Stadt, es gibt zahlreiche Radwege und Radspuren. Wer zu Fuss geht, achtet darauf, dass Radwege keine Gehwege sind. Auch Strassenbahn und Bus bringen einen durch die Stadt.
Amsterdam Centraal ist der Verkehrsknoten, von dem aus sich die Stadt nach Süden auffächert. Der Bahnhof wurde am 15. Oktober 1889 eröffnet und steht auf drei künstlichen Inseln im IJ, getragen von 8687 Holzpfählen. Rund 192 000 Fahrgäste nutzten ihn 2018 pro Tag. Dort beginnt die Hauptstrasse Damrak, die zum Dam führt und damit in die Altstadt. Der Flughafen Schiphol ist der Heimatflughafen der KLM, der verkehrsreichste des Landes und nach Passagieren der drittgrösste Europas.
Wetter und Zeit
Amsterdam hat ein gemässigtes Meeresklima, das von der Nordsee ausgeglichen wird, nach Köppen der Typ Cfb. Pro Jahr fallen im Schnitt rund 838 Millimeter Niederschlag, an etwa 133 Tagen. Wer plant, packt ein Regendach ein, auch wenn es morgens klar war.
Die grossen Museen liegen im Süden der Stadt, die Altstadt mit den Grachten im Zentrum. Die Orte unten lassen sich zu Tagesplänen kombinieren, zum Beispiel ein Museum am Vormittag und ein Spaziergang am Wasser am Nachmittag. Die Wege innerhalb der Altstadt sind kurz, für die Strecke zu den Museen am Museumplein bieten sich Strassenbahn oder ein längerer Fussweg an.
Orte
Zehn Orte zeigen die Stadt von der Gracht bis zum Hafen, von Rembrandt bis Anne Frank.
Grachtengürtel
Der Grachtengürtel ist das Herzstück der Altstadt: drei konzentrische Kanäle, die im 17. Jahrhundert angelegt wurden, als die Stadt aus ihren mittelalterlichen Grenzen wuchs. Mit dem Bau begann man 1613 im nordwestlichen Sektor, der südliche Teil war 1656 fertig. Es sind Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht. Die Herengracht ist nach den «heren regeerders» benannt, den Stadtherren des 16. und 17. Jahrhunderts, die Prinsengracht nach dem Prinzen von Oranien. Für die Keizersgracht wird Kaiser Maximilian I. genannt. Der Singel, der innerste Ring, diente von 1480 bis 1585 als Stadtgraben der mittelalterlichen Stadt.
Im Juli 2010 wurde der Grachtengürtel in die Welterbeliste aufgenommen, die geschützte Fläche misst 198 Hektar. Entlang der drei Hauptkanäle stehen rund 1550 Denkmäler. Insgesamt hat Amsterdam mehr als 100 Kilometer Grachten, rund 90 Inseln und über 1200 Brücken. Dass die Stadt etwa zwei Meter unter dem Meeresspiegel steht, ist nur mit Pfählen im Untergrund möglich: Selbst der Königliche Palast am Dam ruht auf 13 659 Holzpfählen. Geplant waren ursprünglich mehr als hundert Brücken.
Der Zustand der Kanäle ist bis heute Gegenstand von Pflege und Aufwand. Jedes Jahr werden zwischen 12 000 und 15 000 Fahrräder aus den Grachten gezogen. Am besten lernt man die Ringe zu Fuss kennen, von Brücke zu Brücke. Wer die Seitenstrassen mitnimmt, hat es oft ruhiger als an den Hauptkanälen. Der Blick auf die Hausfronten gelingt auch vom Wasser aus, wenn man sich für eine Rundfahrt entscheidet.
Anne-Frank-Haus
Das Anne-Frank-Haus steht an der Prinsengracht 263 bis 267, nahe der Westerkerk. Das Haus mit der Nummer 263 wurde 1635 gebaut. Die Familie Frank und vier weitere Menschen, insgesamt acht, lebten hier zwei Jahre und einen Monat im Hinterhaus versteckt. Otto Frank, Annes Vater, war der Einzige der Untergetauchten, der die Lager überlebte. Er stellte das Tagebuch später zusammen, die niederländische Ausgabe «Het Achterhuis» erschien 1947. Auch die Stiftung, die das Haus betreibt, geht auf ihn zurück. Das Museum wurde am 3. Mai 1960 eröffnet.
Das Hinterhaus liegt in den oberen Stockwerken hinter dem Haupthaus. Auf Otto Franks Wunsch blieb es nach dem Krieg leer. Im Museum erzählen Zitate, Fotos, Videos und Originalgegenstände die Geschichte. Zu sehen sind Annes Zimmer, das sie mit Fritz Pfeffer teilte und dessen Wände sie mit Bildern von Filmstars und aus ihrer Postkartensammlung schmückte, das drehbare Bücherregal, das den Zugang verbarg, und Grössenmarkierungen von Anne und Margot an der Wand. Eine Karte von Otto Frank zeigt, wie er das Vorrücken der Alliierten verfolgte.
Im Tagebuchraum liegt Annes rot-kariertes Originaltagebuch, dazu die umgeschriebene Fassung auf 215 losen Blättern, von denen einige im Wechsel gezeigt werden. Der Eingang befindet sich in einem Eckbau, der bei der Umgestaltung 1999 entstand, dort sind auch Kasse und Café. Im Jahr 2024 kamen gut 1,2 Millionen Besucher. Tickets und Einlassregeln ändern sich, sie sollten vor der Reise auf der offiziellen Seite des Museums geprüft werden. In der Nähe steht die Westerkerk, deren Turm Anne im Tagebuch erwähnt: Sie sah die Uhr vom Hinterhaus aus und empfand das Glockenspiel als tröstlich. Am Westermarkt erinnert eine Statue an sie.
Rijksmuseum
Das Rijksmuseum ist das grösste Museum des Landes. 1798 beschloss die Regierung, ein Nationalmuseum nach französischem Vorbild zu gründen, 1800 eröffnete es als Nationale Kunstgalerie im Huis ten Bosch in Den Haag. Louis Bonaparte holte die Sammlung 1808 nach Amsterdam in den Königspalast am Dam, wo sie 1809 als Königliches Museum öffnete. Ab 1813 war sie im Trippenhuis untergebracht und hiess nun Rijks Museum. Rembrandts «Nachtwache» gehörte schon früh zum Bestand.
Das heutige Gebäude entwarf Pierre Cuypers. Der Bau begann 1876, am 13. Juli 1885 wurde das Museum eröffnet. Zwischen 1904 und 1916 kam der Philips-Flügel dazu, in den 1950er- und 1960er-Jahren füllte man die beiden Innenhöfe mit Ausstellungsfläche auf. Von Dezember 2003 an war das Haupthaus geschlossen und wurde in fast zehn Jahren für 375 Millionen Euro saniert. Königin Beatrix eröffnete es am 13. April 2013 wieder. Seither folgt die Ausstellung einer Zeitachse und zeigt Kunst, Kunsthandwerk und Geschichte zusammen.
Die Sammlung umfasst rund eine Million Objekte aus der Zeit von 1200 bis 2000, ausgestellt sind etwa 8000. Die «Nachtwache» von 1642 hängt wieder im Nachtwachensaal, die Ehrengalerie verläuft entlang der Mittelachse im ersten Stock, und zu den Werken gehört Vermeers «Milchmädchen» von etwa 1657/58. Eine Besonderheit ist die Cuypers-Passage, ein Durchgang mit Eingängen auf Bodenhöhe, der auch als Radtunnel dient. Das Museum steht am Museumplein, in der Nähe von Van Gogh Museum und Concertgebouw. Nach 2013 kamen mehr als zwei Millionen Besucher im Jahr. Bei dieser Grösse empfiehlt es sich, eine Auswahl zu treffen: ein Saal, ein Maler, ein Thema.
Van Gogh Museum
Das Van Gogh Museum steht am Museumplein, Paulus Potterstraat 7, und wurde am 2. Juni 1973 eröffnet. Das Hauptgebäude entwarf Gerrit Rietveld, der 1963 den Auftrag erhielt und ein Jahr später starb. Den Ausstellungsflügel von Kisho Kurokawa ergänzte man bei der Renovierung 1998 und 1999. Das Museum besitzt nach eigener Angabe die grösste Sammlung an Gemälden und Zeichnungen von Vincent van Gogh. Der Museumplein wurde nach der Fertigstellung des Rijksmuseums um 1885 angelegt, zuvor standen dort eine Wachskerzenfabrik und sümpfige Wiesen. 1883 fand auf dem Gelände eine Kolonial- und Exportausstellung statt, 1999 gestaltete Sven-Ingvar Andersson den Platz neu. Am Platz liegen auch das Stedelijk Museum und das Concertgebouw. Im Winter lässt sich der Teich in eine Eisbahn verwandeln.
Es sind rund 200 Gemälde, 400 Zeichnungen und 700 Briefe, viele davon an seinen Bruder Theo gerichtet. Die Herkunft der Sammlung ist ungewöhnlich. Nach Vincents Tod 1890 erbte Theo die unverkauften Werke. Er starb ein halbes Jahr später, seine Witwe Johanna van Gogh-Bonger bewahrte die Sammlung auf. 1925 ging sie an ihren Sohn Vincent Willem van Gogh über, Vincents Neffen. 1962 wurde sie der staatlich initiierten Vincent van Gogh Stiftung übertragen, die den Grundstock des Museums bildet.
Die Ausstellung folgt den Stationen seines Lebens. Zu den bekannten Werken zählen «Die Kartoffelesser» von 1885 aus der Zeit in Nuenen und die Sonnenblumen von 1889 aus Arles. «Die Kartoffelesser» wurden 1991 gestohlen und rund 35 Minuten später wiedergefunden. Das Museum ist stark besucht: 2017 kamen etwa 2,3 Millionen Menschen, es war damals das meistbesuchte der Niederlande, 2019 waren es rund 2,1 Millionen. Wer das Haus besucht, sollte sich für einen Abschnitt des Lebens Zeit nehmen statt für alle.
Jordaan
Der Jordaan liegt westlich des Grachtengürtels. Begrenzt wird er von der Brouwersgracht im Norden, der Prinsengracht im Osten, der Leidsegracht im Süden und der Singelgracht im Westen. Der Bau begann 1612 als «Het Nieuwe Werck», das Neue Werk. Die Strassen und Kanäle folgen älteren Gräben und Wegen, daher die ungewöhnliche Ausrichtung des Viertels. Woher der Name stammt, ist nicht gesichert. Meist wird das französische «jardin» genannt, Garten.
Das Viertel war lange ein Arbeiterviertel und eine Hochburg der Linken. Es gab schwere Unruhen in den Jahren 1835, 1886, 1917 und 1934, und der Februarstreik von 1941 begann mit Versammlungen auf dem Noordermarkt. Im 19. Jahrhundert wurden sechs Kanäle zugeschüttet, darunter die Rozengracht, die heute die wichtigste Verkehrsader ist. Ab den 1960er-Jahren zogen viele Bewohner nach Almere und Purmerend. In den 1970er-Jahren waren die meisten Hofjes, die Innenhöfe, in schlechtem Zustand. Viele wurden saniert und beherbergen heute Künstler, Studenten und einige ältere Bewohner. Das Hofje Huiszitweduwenhof von 1650 dient heute als Sozialwohnungen.
Heute gehört der Jordaan zu den teuersten Wohnlagen des Landes und ist bekannt für Galerien, kleine Läden und Restaurants. Märkte finden auf dem Noordermarkt, in der Westerstraat und an der Lindengracht statt. Die Westerkerk wurde zwischen 1620 und 1631 nach Plänen von Hendrick de Keyser gebaut. Ihr Turm, 87 Meter hoch, ist der höchste Kirchturm der Stadt und trägt die Kaiserkrone von Österreich, die an Maximilian I. erinnert. Rembrandt wurde hier am 8. Oktober 1669 beigesetzt, sein genaues Grab ist unbekannt. Die Gedenktafel an der Nordwand stammt von 1909. Der Jordaan hat auch eine eigene Musiktradition, die das jährliche Jordaanfestival feiert.
Dam und Königlicher Palast
Der Dam ist der zentrale Platz der Stadt. Um 1270 wurde hier ein Damm in der Amstel gebaut, der dem Platz und der Stadt den Namen gab. Später ersetzte man ihn durch Schleusen, die den abgesperrten Fluss mit dem neuen Hafenbecken, dem Damrak, verbanden. 1808 liess Louis Bonaparte die Waage auf dem Platz abreissen, weil sie ihm die Sicht aus dem Palast versperrte.
An der Westseite steht der Königliche Palast. Er wurde als neues Rathaus gebaut, Jacob van Campen übernahm das Projekt 1648, das Gebäude ruht auf 13 659 Holzpfählen. Für Bauzeit und Eröffnung nennt die Literatur verschiedene Daten, gesichert ist, dass der Bau Mitte des 17. Jahrhunderts fertig war und 1655 in Betrieb ging. Ab 1808 machte Louis Bonaparte die öffentlichen Räume zum Nationalmuseum und nutzte den Rest als Königspalast. Heute ist König Willem-Alexander der Nutzer. Das Gebäude dient Staatsbesuchen und offiziellen Empfängen, die öffentlich zugänglichen Etagen sind an den meisten Tagen als Museum geöffnet. Wann, sollte man vorab auf der offiziellen Seite prüfen.
Neben dem Palast stehen die gotische Nieuwe Kerk aus dem 15. Jahrhundert und das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds, das Grand Hotel Krasnapolsky blickt auf den Platz. 1837 entstand die Börse von Zocher, seit 1914 steht das Kaufhaus De Bijenkorf hier. Das Nationaldenkmal von J. J. P. Oud erinnert seit 1956 an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Am 4. Mai, dem Gedenktag für die Kriegsopfer, versammeln sich die Menschen alljährlich am Nationaldenkmal.
Vondelpark
Der Vondelpark öffnete 1865 als «Nieuwe Park». Er misst 47 Hektar und wurde von Jan David Zocher im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt, was geschwungene Wege, Teiche und weite Rasenflächen statt geometrischer Beete bedeutet. Später erhielt er den Namen des Dichters und Dramatikers Joost van den Vondel aus dem 17. Jahrhundert. Bei der Eröffnung war er nur für Mitglieder des Trägervereins frei, andere Bürger zahlten Eintritt. Heute gehört er mit rund zehn Millionen Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Orten der Stadt. Joost van den Vondel lebte von 1587 bis 1679 und gilt als der bedeutendste Dichter des Goldenen Zeitalters. Die Zochers waren eine Familie von Landschaftsarchitekten, Jan David Zocher lebte von 1791 bis 1870.
Im Sommer, von Juni bis August, gibt es im Freilufttheater kostenlose Aufführungen mit Musik, Tanz und Kabarett. Eine Spende von einem Euro ist erbeten. Das Blaue Teehaus, 't Blauwe Theehuis, ist ein runder, moderner Bau von 1937. Im Park steht auch Picassos Skulptur «Der Fisch» von 1965, die der Überlieferung nach zum 100-jährigen Bestehen des Parks geschenkt wurde.
In den 1960er-Jahren, in der Zeit der Blumenkinder, wurde der Park zum Symbol für einen Ort, an dem alles möglich und fast alles erlaubt ist. Das hat dem Park einen Ruf gegeben, der bis heute nachwirkt. Er liegt im Stadtteil Oud-Zuid und bietet eine grüne Pause zwischen Museen und Altstadt. Zehn Millionen Besucher im Jahr bedeuten im Schnitt gut 27 000 am Tag.
Begijnhof
Der Begijnhof ist ein stiller Innenhof mitten in der Altstadt, hinter Häusern versteckt. Er entstand als Wohnstätte der Beginen, frommer Frauen, die ohne Ordensgelübde in einer Gemeinschaft lebten. Wann genau er gegründet wurde, ist unklar. Ein von Beginen genutztes Haus ist für 1346 belegt, der Hof wird erstmals 1389 erwähnt. Ursprünglich führte nur die Begijnensteeg hinein, der Zugang vom Spui kam im 19. Jahrhundert dazu. Beginenhöfe entstanden im Mittelalter in den Niederlanden und in Flandern. Die Frauen legten kein Ordensgelübde ab, sie lebten in Gemeinschaft und blieben in der Regel frei, die Gemeinschaft wieder zu verlassen.
Im Hof steht Het Houten Huis, das als ältestes Holzhaus Amsterdams gilt und auf etwa 1420 datiert wird. Die Kapelle im Hof stand nach der Reformation von 1578, der sogenannten Alteration, rund 30 Jahre leer, dann erhielten sie englische Presbyterianer. Gegenüber dem Eingang der Kapelle baute Philip Vingboons 1671 zwei Häuser zu einer geheimen katholischen Kirche um, der Kirche der Heiligen Johannes und Ursula. Dass sie verborgen entstand, liegt daran, dass katholische Gottesdienste damals nicht öffentlich stattfinden durften.
Der Begijnhof ist bis heute bewohnt. Seit der Renovierung 1979 leben dort ständig 105 Frauen. Besucher bewegen sich deshalb leise: Es ist kein Museum, sondern ein Wohnort. Der Hof lässt sich in wenigen Minuten sehen, ein Abstecher bietet sich bei einem Spaziergang durch die Altstadt an. Auch das Gebäude der geheimen katholischen Kirche steht noch. Es erinnert daran, wie sich Religionsgemeinschaften nach der Reformation in der Stadt neu einrichten mussten.
Albert-Cuyp-Markt
Der Albert-Cuyp-Markt findet in der Albert Cuypstraat im Viertel De Pijp statt, im Stadtteil Oud-Zuid. Benannt ist er nach dem Maler Albert Cuyp aus dem 17. Jahrhundert, der 1620 geboren wurde und 1691 starb. Gegründet wurde der Markt 1905, als die Stadt beschloss, einen Markt einzurichten, zunächst nur an Samstagabenden. Seit 1912 ist er ein Tagesmarkt an sechs Tagen in der Woche. Er gilt als der belebteste Strassenmarkt der Niederlande. Welche Tage und Zeiten heute gelten, lässt sich auf der Seite der Stadt Amsterdam nachlesen.
Das Angebot ist breit: Gemüse, Obst, Fisch, Kleidung, auch Kameras. Frisch zubereitet werden die bekannten Stroopwafels, zwei dünne Waffeln mit Sirup dazwischen. Der Markt ist nicht nur ein Ort für Besucher, sondern eine Einkaufsstrasse für den Alltag des Viertels.
De Pijp liegt südlich der Singelgracht, zwischen Boerenwetering im Westen und Amstel im Osten. Der ältere Teil, die Oude Pijp, wurde im 19. Jahrhundert nach dem Plan Kalff von 1876 billig und rasch gebaut. Typisch sind vierstöckige Häuser mit zwei Fenstern Breite. Der südliche Teil folgte um 1925 im Stil der Amsterdamer Schule. Zu den früheren Bewohnern zählen die Maler Piet Mondrian und Carel Willink. Die frühere Heineken-Brauerei ist heute eine Touristenattraktion, daneben liegt der Marie Heinekenplein mit Bars und Cafés. Zum Viertel gehört auch der Sarphatipark. Die U-Bahn-Station De Pijp wurde im Juli 2018 eröffnet. Der Markt passt zu einem Nachmittag nach den grossen Museen.
NEMO und Hafen
NEMO ist das grösste Science Center der Niederlande und liegt am Oosterdok 2, zwischen der Oosterdokseiland und Kattenburg, nahe dem Hauptbahnhof. Das Haus hat fünf Etagen und ist auf Mitmachen ausgelegt: Wer kommt, soll ausprobieren, anfassen und verstehen. Gebaut hat es das Büro Renzo Piano Building Workshop, das auch das Centre Pompidou in Paris mit Richard Rogers entwarf. 1997 zog das Museum in den Neubau.
Die Geschichte des Hauses reicht weiter zurück. 1923 öffnete es als Museum der Arbeit an der Rozengracht, gegründet vom Künstler Herman Heijenbrock. 1954 wurde es in NINT umbenannt, das Niederländische Institut für Arbeit und Technik. Nach dem Umzug 1997 hiess es newMetropolis, ab 2000 Science Center Nemo und seit 2016 NEMO Science Museum. Rund 728 000 Besucher kamen 2023, damit liegt NEMO auf Platz sieben der meistbesuchten Museen des Landes.
Das Haus liegt am Oosterdok, einem Hafenbecken beim Hauptbahnhof, und bildet einen Gegenpol zu den engen Gassen der Altstadt. Der Hafen hat Amsterdam im 17. Jahrhundert reich gemacht, als die Stadt eine der wichtigsten Handels- und Finanzstädte der westlichen Welt war. Der Hauptbahnhof steht am IJ, seine Lage am Wasser war bei der Planung umstritten, weil sie die Stadt vom Wasser trennte. Vom Kai auf der Nordseite fahren kostenlose Fähren nach Amsterdam-Noord. Bei Regen ist NEMO eine gute Wahl, denn in Amsterdam fallen an rund 133 Tagen im Jahr Niederschläge. Eintrittspreise und Öffnungszeiten stehen auf der Internetseite des Museums.