Süden, der bleibt

Sechs Wochen Südthailand

Es gibt Reisen, die man macht, und es gibt Reisen, die etwas mit einem machen. Sechs Wochen sind lang genug, um diesen Unterschied am eigenen Leib zu spüren. Nach der zweiten Woche hört man auf, die Tage zu zählen, und beginnt, in Gezeiten zu denken: Ebbe, Flut, die Fähre, die kommt oder nicht kommt, das Licht, das kurz nach sechs verschwindet, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Der Körper gewöhnt sich an die Hitze, das Ohr an die Sprache, das Auge an Türkis in all seinen Schattierungen, bis man irgendwann nicht mehr Gast ist und für eine Weile einfach dort lebt. Deshalb wiegt der Abschied am Ende schwerer, als man es zu Beginn hätte vorstellen können.

Die Route: Langkawi, Koh Lipe, Koh Mook, Koh Phi Phi, Samet Nangshe, Krabi, Koh Lanta, Phuket. Acht Stationen, zwei Länder, ab Mitte Februar 2024.

Langkawi, das Tor

Begonnen hat alles noch gar nicht in Thailand, sondern eine Grenze weiter, auf der malaysischen Insel Langkawi, mit vier Stunden Verspätung und einem Flughafen, der so klein war, dass zwei Flugzeuge genügten, ihn voll aussehen zu lassen. Die Hitze schlug uns entgegen, noch bevor wir draussen waren, drückend, feucht, vom Beton zurückgeworfen, jener typische Atem des Äquators, den man kennt und der einen trotzdem jedes Mal wieder überrascht. Erschöpft, aber angekommen, sassen wir am Abend am Wasser, Aisha und ich, und sahen zu, wie die Sonne hinter dem Dschungel verschwand. Drei Abende lang spielte direkt neben unserem Zimmer dieselbe Band dieselben Lieder, bis um elf, und doch: Man vergisst den Ohrwurm, man erinnert sich an das Licht.

Langkawi zeigte sich uns nicht spektakulär, aber grosszügig. Wir liessen uns treiben, brunchten im Schatten der Frangipani-Bäume, und an einem der Tage fuhren wir vierzig Minuten quer über die Insel, gesteuert von einem jungen Lehrer, der drüben auf dem Festland in Penang unterrichtete, hin zu Tanjung Rhu, dem schönsten Strand der Insel. Fünfunddreissig Grad, Sand, der unter den Füssen brannte, und Karstfelsen, die wie versteinerte Wächter aus dem Wasser ragten. Kaum fünfzig Menschen teilten diesen Strand mit uns, ein Nachbarsmann verlangte für ein paar Liegen einen Preis, über den man nur den Kopf schütteln konnte, während der kleine Sportverleih nebenan uns für ein Nichts denselben Blick aufs Meer bot. Das ist die stille Ironie des Reisens: Das Schönste lässt sich selten kaufen, es liegt einfach da, wenn man bereit ist, es zu sehen. Am Abend, in einem winzigen Lokal namens Maya Restaurant, drei Gehminuten vom Hotel, drei Franken das Menü, ass ich ein einfaches, sehr gutes Essen, kein Dekor, keine Karte in vier Sprachen, nur ein Wok und ein Lächeln. Nicht das beste, aber das ehrlichste der ganzen Reise, und ein Auftakt, der Lust auf mehr machte.

Auf einen BlickLangkawi
Unterkunft
Lot 33 Boutique Hotel
Dauer
3 Nächte, 17. bis 20. Februar
Preis
rund 68 CHF pro Nacht (gebucht für 204 CHF total)
Essen
Maya Restaurant, Menü für 3 CHF
Unser Tipp
Tanjung Rhu, am besten früh und mit Auto oder Fahrer

Koh Lipe, die Schwelle

Von Langkawi aus überquert man das Meer nicht einfach, man überquert eine Grenze. Das Speedboot, das uns anderthalb Stunden später auf Koh Lipe absetzte, brachte uns von einem Land ins nächste, von Malaysia nach Thailand. Am Checkpoint zuvor hatten wir früh genug erscheinen müssen, inmitten hunderter anderer Reisender, die alle irgendwohin weiter wollten, Koh Lanta, Phuket, Koh Lipe, während sich eine Reisegruppe mit ihren Koffern durch die Schlange drängte, als gälte das Anstehen nur für die anderen. Kleine menschliche Szenen, wie sie das Reisen mit sich bringt, und die man am Ende doch vergisst, sobald der erste Blick auf Koh Lipe fällt: Sand, weiss und fein wie Puderzucker, Wasser in einem Türkis, das keine Fotobearbeitung braucht, um zu überzeugen. Man versteht mit einem Mal, warum diese Insel die Malediven Thailands genannt wird, und man versteht auch, warum dieser Titel ihr eigentlich nicht gerecht wird. Sie ist etwas Eigenes.

Casa de Lipe, unser Resort, war ein Traum in Weiss: gebleichte Holzplanken, ein eigener Pool, direkter Zugang zum Strand. Die Tage dort hatten einen eigenen Rhythmus. TukTuk-Töffs mit Seitenwagen brachten uns knatternd über den Hügel zur Walking Street, ständig hupend, weil man um die Kurven nicht sehen konnte, und wir genossen es, ohne uns zu fragen, ob wir das nötig hatten. Alessio und Aisha wagten sich zu einem Schnuppertauchgang hinaus, während Beatrice und ich am Sunrise Beach blieben, schnorchelten, nichts taten und lernten, dass auch das eine Kunst ist. Dort gönnte ich mir meine erste Massage, vermeintlich sanft, tatsächlich eine Kokosöl-Behandlung, bei der ich dachte, ich würde die Prozedur nicht überleben, und danach spürte ich, entgegen jeder Erwartung, keinen einzigen Muskel. Abends assen wir bei Bombay Indian in der Walking Street, das beste Naan seit unseren Jahren in London, und wer zu spät kam, stand eine Stunde an. Auch dieses Paradies hatte seine Risse: Plastik im Sand, Schwärme winziger Quallen am Nachmittag, und die Geschichte, die uns Einheimische erzählten, von den Bambus-Abfalleimern, die der Bürgermeister aufstellen liess und die Bangkok wieder abbauen liess, weil das Design nicht gefiel. Bürokratie findet ihren Weg selbst an die entlegensten Ränder des Paradieses.

Auf einen BlickKoh Lipe
Unterkunft
Casa De Lipe, Family Villa Ocean View mit privatem Pool, Frühstück inklusive
Dauer
4 Nächte, 20. bis 24. Februar
Preis
rund 268 CHF pro Nacht für die Villa (gebucht für 1'074 CHF total), das Teuerste der Reise nach Samet Nangshe
Essen
Bombay Indian, Walking Street, früh kommen
Unser Tipp
Schnorcheln am Sunrise Beach, für Drohnenbilder ist das Wasser ideal
Wieder hin: ja.

Koh Mook, die Perle

Und dann, ein Stück weiter nördlich, kam jener Ort, der im Rückblick vielleicht am meisten unterschätzt wurde, obwohl er sich in der Erinnerung am längsten hält: Koh Mook. Klein, unaufgeregt, kaum grösser als ein Dorf mit Stränden drumherum, und doch mit zwei Bildern, die sich für immer eingebrannt haben. Das erste: die Emerald Cave, die Morakot-Höhle, in die man hineinschwimmt, minutenlang durch absolute Dunkelheit, den Fels so nah, dass man ihn mit ausgestreckten Armen berühren könnte, bis man plötzlich auftaucht, in einer kreisrunden, von senkrechten Wänden umschlossenen Lagune, mit nichts als einem schmalen Streifen Himmel über sich. Kein Foto kann diesen Moment des Auftauchens einfangen, dieses Gefühl, aus dem Inneren eines Berges heraus in ein geheimes Zimmer der Natur zu treten.

Das zweite Bild: die Landzunge im Süden der Insel, von den Reisenden nur «The Wing» genannt, ein schmaler Flügel aus feinstem, fast weissem Sand, der sich weit ins türkisfarbene Meer hinausstreckt und bei Ebbe noch länger wird, als würde die Insel selbst nach dem Wasser greifen. Man läuft auf diesem Sandstreifen hinaus, das Meer auf beiden Seiten, das Festland von Trang als blauer Streifen am Horizont, und begreift, dass es Orte gibt, die keine Attraktion sind, sondern schlicht ein geologischer Zufall von grosser Schönheit. Dazwischen, im kleinen Dorf am Pier, roch es abends nach gegrilltem Fisch, der Stunden zuvor noch im Meer geschwommen war, nach Kokosmilch und frischem Koriander, und man sass an Plastiktischen, während Kinder mit Motorrollern durchs Dorf kurvten und Männer Kokosnüsse von den Bäumen holten, als wäre das die selbstverständliche Arbeit der Welt. Koh Kradan und Koh Ngai, die beiden Nachbarinseln, rundeten den Tag ab: zwei Flecken Sand, an denen das Wasser die Farbe wechselt, sobald eine Wolke vorbeizieht, von Türkis zu einem Blau, für das es eigentlich keinen eigenen Namen gibt.

Wenn wir eine Insel als Favoriten nennen müssten, dann diese. Und das beste Thai-Essen der ganzen Reise gab es hier bei P‘Su.

Auf einen BlickKoh Mook
Unterkunft
Koh Mook Bungalows, zwei Chalets, Frühstück inklusive
Dauer
4 Nächte, 24. bis 28. Februar
Preis
rund 45 CHF pro Nacht für beide Chalets zusammen (gebucht für 180 CHF total)
Essen
P‘Su, das beste Thai-Essen der Reise
Ausflüge
Emerald Cave, Koh Kradan und Koh Ngai als Tagestour
Wieder hin: ja, und länger.

Koh Phi Phi, zwischen Mythos und Menge

Auf Koh Phi Phi holte uns kurz die Realität des Reisens ein, bevor der Mythos wieder übernahm. Der Anbieter unseres privaten Longtailboots für den Maya-Bay-Ausflug begann plötzlich zu zögern, angeblich wegen des Wellengangs, meldete sich stundenlang nicht zurück, liess uns bis in den Abend hinein hängen, bis wir kurzerhand umbuchten. Eine kleine Lektion, die man auf solchen Reisen immer wieder lernt: Man plant genau, und man bleibt trotzdem beweglich.

Wer nur die berühmten Bilder von Phi Phi kennt, kennt nur die halbe Insel. Abseits der Postkartenmotive, am Long Beach und auf dem Weg zum View Point, der sich über die zwei ineinander verschlungenen Buchten legt, liegt ein ruhigeres Phi Phi, in dem man ins Schwitzen kommt, bevor man den Blick verdient, der einen dann für jeden Schritt entschädigt. Und Maya Bay selbst, jene Bucht aus dem Kinofilm, einst so überlaufen, dass man sie schliessen musste, um sie zu retten: Auch mit Besucherlimit noch ein Bild, das man zu kennen glaubt, bevor man es sieht, und das einen trotzdem überrascht, weil kein Bildschirm der Welt die Grösse dieser Felswände wiedergeben kann, die sich fast senkrecht aus türkisfarbenem Wasser erheben.

Die Kinder fanden den touristischen Teil der Insel übrigens am besten. Das Dorf mit seinem Trubel war für sie der Ort, an dem etwas los war.

Auf einen BlickKoh Phi Phi
Unterkunft
Phi Phi Hotel, Ton Sai Bay, zwei Zimmer, ohne Mahlzeiten
Dauer
4 Nächte, 28. Februar bis 3. März
Preis
rund 137 CHF pro Nacht für beide Zimmer (gebucht für 549 CHF total)
Ausflug
Maya Bay per Longtailboot, Anbieter wenn möglich vor Ort und am selben Tag buchen. So früh wie möglich gehen oder spät gegen den Abend, um den Massen zu entkommen
Unser Tipp
Long Beach und View Point, bevor die Tagesgäste kommen

Samet Nangshe, der Blick über allem

Wenn man mich fragen würde, welcher einzelne Moment dieser sechs Wochen am meisten mit einem stehen bleibt, wäre die Antwort kein Strand. Es wäre ein Hügel im Hinterland von Phang Nga, zu dem man sich lange vor Sonnenaufgang hinaufbringen lässt. Samet Nangshe. Man steht dort oben und wartet, und dann beginnt es: Der Himmel über der Bucht färbt sich, eine Wolkenkulisse, wie sie sich nicht hätte ausdenken können, in Rosa und Gold gestaffelt, während unten die Kalksteinkarste der Phang-Nga-Bucht einer nach dem anderen aus dem letzten Dunkel treten, Dutzende, Hunderte, so weit das Auge reicht. Kein Filter, keine Übertreibung ist nötig. Es ist der eindrücklichste Ausblick, den wir in diesen sechs Wochen gesehen haben, vielleicht der eindrücklichste, den wir überhaupt je gesehen haben.

Man steht da und merkt, wie klein die eigenen Sorgen von zu Hause plötzlich sind, gemessen an einer Landschaft, die sich um niemanden schert und trotzdem jeden Morgen dieses Geschenk macht.

Auf einen BlickSamet Nangshe
Unterkunft
Sametnangshe Boutique, zwei Zimmer, Frühstück inklusive
Dauer
2 Nächte, 3. bis 5. März
Preis
rund 200 CHF pro Zimmer und Nacht (gebucht für 806 CHF total), sehr teuer, aber perfekt
Unser Tipp
Sonnenaufgang einplanen, früh aufstehen, die Nacht davor nicht zu spät
Wieder hin: ja.

Krabi, wo die Felsen ins Meer stürzen

Zurück an der Küste, in Krabi, bezogen wir Quartier auf der Halbinsel bei Tonsai Beach, dort, wo Railay direkt nebenan liegt, aber eine andere Welt ist: mehr Kletterer als Touristen, mehr Dschungelpfad als Promenade, kein Auto und kein Roller weit und breit, weil keine Strasse hierhin führt und keine je führen wird. Tagsüber beobachteten wir Kletterer, die sich wie Ameisen an senkrechten Kalksteinwänden nach oben arbeiteten, über einem Meer, das um die Felsnadeln herum in jedem Licht eine andere Farbe annahm. Ein kurzer Fussmarsch weiter, auf der anderen Seite der Halbinsel, liegt Railay mit dem Phra Nang Beach, jenem Strand, an dessen Ende eine kleine, den Fischern heilige Höhle in den Fels geschnitten ist: weisser Sand, senkrechte Kalksteinwände auf drei Seiten und ein Wasser, das so unwirklich türkis ist, dass man versteht, warum dieser Ort auf jeder Liste der schönsten Strände Thailands auftaucht. Abends sassen wir bei einem kleinen, unscheinbaren Thai-Restaurant, das nichts weiter wollte, als eine gute Khao Soi zu servieren, und genau darin lag seine Grösse.

Einen Tag widmeten wir einem ethisch geführten Elephant Sanctuary im Hinterland, ohne Reiten, ohne Vorführungen, nur das gemeinsame Zubereiten von Futter, ein Spaziergang im Tempo der Tiere und ein gemeinsames Bad im Fluss mit zwei ausrangierten Arbeitselefanten, die hier ihren Ruhestand verbringen. Es ist ein anderes Krabi als das der Kalksteinfelsen, leiser, erdiger, aber genauso eindrücklich: die raue Haut unter der Hand, der Rüssel, der neugierig nach der nächsten Frucht tastet, das Wissen, dass diese beiden Tiere nie wieder für jemanden arbeiten müssen. Für die Kinder war das der Höhepunkt der Reise.

Auf einen BlickKrabi
Unterkunft
Tinidee Hideaway Tonsai Beach, ein Zimmer
Dauer
6 Nächte, 5. bis 11. März, ein bis zwei Tage zu lang
Preis
rund 148 CHF pro Nacht (gebucht für 885 CHF total)
Ausflug
Elephant Sanctuary, der Favorit der Kinder
Unser Tipp
vier bis fünf Nächte reichen, Railay und Phra Nang Beach zu Fuss

Koh Lanta, die vertraute Ruhe

Koh Lanta, ein Stück weiter, war entspannter, fast schon häuslich, wie ein Ort, an dem man ausatmet, ohne es bewusst zu merken. Weil Oma Christine dabei war, fiel der Roller aus, den man sich sonst jeder mietet, und wir nahmen ein Auto. Im Rückblick war das die klügere Entscheidung, denn die Strassen im Süden der Insel sind steiler und löchriger, als es von der Fähre aus wirkt. Kantiang Bay hat uns am längsten festgehalten, mit dem Pimalai-Resort im Hintergrund, das wir uns nicht leisten konnten und auch nicht mussten, denn der Blick vom Hügel gehörte uns genauso. Weiter südlich, am Khlong-Chak-Beach, wurde es ruhiger, fast leer, und ganz im Süden der Insel, dort wo die Strasse endet, beginnt der Mu-Ko-Lanta-Nationalpark: dichter Dschungel, der bis an die Klippen reicht, ein Leuchtturm, von dem aus man die Andamanensee in alle Richtungen überblickt, und eine Stille, die nach den quirligeren Stränden im Norden fast schon ungewohnt war.

In der Lanta Old Town an der Ostküste zeigte sich die Insel dann von ihrer anderen Seite: chinesische Kaufmannshäuser auf Stelzen, ein Nebeneinander aus Moschee, Tempel und Seefahrer-Vergangenheit, ohne dass irgendetwas davon für uns inszeniert wirkte. Abends, wenn die Lampen in den Strandrestaurants angingen, traf man sie: Menschen, die eigentlich nur kurz bleiben wollten, ein Koch aus Texas zum Beispiel, den wir dort kennenlernten. Koh Lanta wirbt nicht. Es hält fest, mit einer leisen Beharrlichkeit, die man erst versteht, wenn man selbst dabei ist, die Abreise zu verschieben.

Auf einen BlickKoh Lanta
Unterkunft
Coco Lanta Resort
Dauer
5 Nächte, 11. bis 16. März
Preis
rund 76 CHF pro Nacht (gebucht für 381 CHF total)
Hinkommen
Fähre, vor Ort ein Auto mieten, die Strassen im Süden sind steil
Unser Tipp
Old Town am Morgen, Mu-Ko-Lanta-Nationalpark am Südende
Wieder hin: ja, die entspannteste und ursprünglichste Insel der Reise, abgesehen von Koh Mook.

Phuket, das Heimkommen

Und dann Phuket, das für uns nie ganz fremd war. Unsere Eltern leben hier, und jede Ankunft fühlt sich seither anders an als jede andere Landung in Thailand: kein Auschecken aus der Distanz, sondern ein Ankommen bei Menschen. Wir trafen Rebecca und Jacob, Freunde, die kurzfristig zwei Wochen frei genommen hatten und einen Teil unserer Route nachreisten, am ruhigeren Nai Yang Beach im Norden. Unser eigentlicher Favorit auf der ganzen Insel liegt aber im Südwesten, zwischen Kata Noi und Nai Harn: Nui Beach, eine kleine Bucht zwischen Palmen, Felsen und Wellen, zu der man entweder mit dem Longtailboot fährt oder, viel spektakulärer, mit dem Pickup steile Rampen durch den Dschungel hinunterfährt. Nicht der feinste Sand, nicht die grösste Bucht, aber ein Ort, an dem alles stimmt. In Rawai stand der Fischmarkt genauso da, wie man ihn sich vorstellt, laut, salzig, voller Eis und Geschäftigkeit, und ein paar Buchten weiter, am Treebay Clubhouse, zeigte sich das andere Phuket: DJ-Sound, Instagram-Ecken, ein jüngeres Publikum, das den Sonnenuntergang mit dem Drink in der Hand fotografiert, statt ihn einfach nur zu sehen. Dazwischen die Realität eines modernen Phukets, das längst kein Aussteiger-Eiland mehr ist: Verkehr, Einkaufszentren wie das neu eröffnete Central Phuket. Man muss Thailand nicht schönreden, um es zu lieben.

Mittendrin, auf einem der Märkte, stand ein Dumpling-Stand mit drei jungen Männern und einem Bambusdämpfer. Dumplings, dünn wie Papier, Schweinefleisch und Ingwer, für rund zwanzig Rappen das Stück. Wir haben für vier Personen keine fünf Franken ausgegeben und uns dabei gefühlt wie auf einem Bankett.

Am letzten Tag vor der Abreise fuhren wir noch einmal zum Freedom Beach, über den Hügel Richtung Karon, zu Fuss hinunter, weil auch der letzte Weg noch zum Abschied gehört. Unten war das Wasser so klar, dass wir keine fünf Meter vom Strand entfernt zwischen Fischschwärmen schnorchelten, in einer Menge, die man nicht erwartet hätte. Ein letzter, fast zu perfekter Nachmittag, bevor der Koffer wieder zuging.

Auf einen BlickPhuket
Unterkunft
bei den Eltern, deshalb fast kostenlos
Dauer
rund zwei Wochen, im Rückblick eine Woche zu lang
Favoriten
Nui Beach, Freedom Beach, Rawai Seafood Market, Dumpling-Stand
Unser Tipp
Nui Beach mit dem Pickup oder Longtailboot, Freedom Beach zu Fuss ab Karon-Seite

Was bleibt

Sechs Wochen, acht Stationen, zwei Länder: Langkawi, Koh Lipe, Koh Mook, Phi Phi, Samet Nangshe, Krabi, Koh Lanta, Phuket. Jede dieser Stationen hätte für sich schon eine Reise gerechtfertigt, und doch ergaben sie zusammen etwas, das grösser war als die Summe der Orte, etwas, das man erst im Rückblick als Ganzes erkennt. Es war die Reise, auf der wir gelernt haben, dass Schönheit selten dort liegt, wo man sie erwartet, sondern oft daneben: nicht in der teuren Liege, sondern im Sportverleih nebenan, nicht in der berühmten Bucht allein, sondern auch im namenlosen Hügel davor, an dem sich der Nebel hebt.

Es war auch die Reise, auf der wir begriffen haben, dass ein Paradies kein makelloser Ort ist, sondern ein Ort, der trotz seiner Risse, seines Plastikmülls, seiner Bürokratie noch immer imstande ist, einem den Atem zu nehmen.

Man merkt, wie unterschiedlich diese Region sein kann, je nachdem, ob man auf einer stillen Insel im Süden aufwacht oder im Verkehr von Phuket steht, ob man mit der Grossmutter im Auto sitzt oder mit alten Freunden am Strand, ob man durch eine dunkle Höhle schwimmt oder auf einem Sandstreifen ins offene Meer hinausläuft. Und doch war es bei aller Verschiedenheit ein einziges, langes Gefühl: die Gewissheit, dass man an einem Ort sein darf, der einen nicht braucht und einen trotzdem beschenkt. Wenn man am Ende am Flughafen steht, den letzten Blick zurück auf die Andamanensee wirft und weiss, dass man dort nicht nur Orte, sondern Familie zurücklässt, dann ist das kein gewöhnlicher Abschied mehr. Es ist ein Versprechen, still gegeben, ohne Worte. Man kommt zurück. Das war schon nach der ersten Reise klar, und nach dieser, nach sechs Wochen Süden, die geblieben sind, noch viel klarer.

Praktisch: Was es gekostet hat

Für vier Personen kamen wir auf grob 10'000 bis 12'000 CHF. Aisha war nur rund dreieinhalb Wochen dabei, die zwei Wochen Phuket bei den Eltern kosteten fast nichts. Alle Zahlen sind Schätzungen aus Buchungen und Erinnerung.

PostenCHF, grobWas drin ist
Flügerund 4'000alle Flüge der Reise
Unterkünfterund 4'100sieben Unterkünfte, 28 Nächte, Buchungspreise (Details pro Station oben)
Alles andere2'000 bis 4'000Essen, Ausflüge, Speedboote, 12Go.Asia, Autofahrten

Was wir anders machen würden

  • Pro Insel einen Tag länger bleiben.
  • Phuket von zwei Wochen auf eine kürzen und die Zeit für andere Inseln nutzen.
  • Zwei bis drei Wochen länger unterwegs sein und weitere Inseln dazunehmen.
  • Mit den Kindern einen weiteren Tauchkurs machen.
  • Krabi um ein bis zwei Tage kürzen.

Drei Tipps

Plant die Fähren und Speedboote grosszügig und bleibt beweglich, denn Anbieter melden sich manchmal nicht zurück. Auf Koh Lanta lohnt sich das Auto, auf Koh Mook die Ruhe. Und wenn ihr nur einen Morgen frei habt: Sonnenaufgang in Samet Nangshe.

Weiterlesen: das Reisetagebuch mit allen Tagen, Fotos und kleinen Geschichten, dazu die Routenseite.