Über tausend Inseln und ein Land dahinter.
Kroatien reicht von der Adria bis in die Ebenen im Osten. Dazwischen liegen Küstenstädte aus römischer und venezianischer Zeit, Karstberge, Seen und Wälder.
Auf einen Blick
Zwischen Pannonien und Adria
Kroatien hat die Form eines Bogens. Im Nordosten reichen die Ebenen Slawoniens bis an die Donau, im Südwesten bildet die Adria die gesamte Grenze. Mit 56’594 Quadratkilometern ist das Land gut ein Drittel grösser als die Schweiz. Den höchsten Punkt, 1831 Meter hoch, bildet die Dinara in der Gespanschaft Šibenik-Knin. Zwischen Küste und Binnenland ziehen sich Gebirgsketten wie der Velebit, dessen höchster Gipfel, der Vaganski vrh, 1757 Meter erreicht. Der Naturpark Velebit gehört zum UNESCO-Programm «Der Mensch und die Biosphäre». Dahinter beginnt eine Karstlandschaft mit Seen, Höhlen und dichten Wäldern, die nach Norden in Hügelland und schliesslich in die Flussebenen übergeht.
Zwei Klimazonen
Das Land liegt klimatisch auf zwei Seiten. Im Inland ist es überwiegend kontinental, die mittlere Monatstemperatur schwankt zwischen minus 3 Grad im Januar und 18 Grad im Juli. An der Küste gilt Mittelmeerklima, wobei die nördliche Adria und das dalmatinische Hinterland eher gemässigt warm sind und die mittlere und südliche Küste mediterran. Auf den höchsten Erhebungen herrscht Gebirgsklima. In den Bergen sind die Winter frostig und schneereich, an der Küste fallen sie im Süden milder aus als im Norden.
Ein Wind prägt die Küste besonders: die Bora, kühl, trocken und stark. Auf der Insel Pag trägt sie Salzstaub über das Land, was zusammen mit den aromatischen Pflanzen den Geschmack der Schafsmilch beeinflusst.
Acht Landesteile
Das Land gliedert sich in zwanzig Gespanschaften. Für Reisende sind die historischen Regionen anschaulicher. Istrien ist die grosse Halbinsel im Nordwesten, die Kvarner Bucht um Rijeka umfasst die Inseln Krk, Cres, Lošinj und Rab. Dalmatien zieht sich als schmaler Küstenstreifen entlang der Adria und wird hier in drei Teile gegliedert, mit Split als grösster Stadt. Zagreb liegt im Zentrum des Landes, Slawonien im Osten an Donau und Sava. In Lika, wo die Plitvicer Seen liegen, und in Gorski kotar, der bewaldeten Bergregion zwischen Karlovac und Rijeka, trifft das Binnenland auf die Küste. Kleinere Landschaften wie das Zagorje nördlich von Zagreb, Međimurje an der Mur oder die Banovina zwischen Sava, Una und Kupa werden den grösseren Regionen zugeschlagen. Jede dieser acht Regionen hat eine eigene Seite.
Kroatien heute
Die Volkszählung von 2021 ergab 3’871’833 Einwohner, Amtssprache ist Kroatisch, Hauptstadt ist Zagreb. 2009 trat das Land der NATO bei, im Juli 2013 wurde es als 28. Mitglied in die Europäische Union aufgenommen. Seit dem 1. Januar 2023 zahlt man mit dem Euro, am selben Tag wurde Kroatien als 27. Mitglied in den Schengen-Raum aufgenommen. In Teilen Istriens ist neben dem Kroatischen auch Italienisch Amtssprache.
Der Tourismus spielt wirtschaftlich eine grosse Rolle: Nach Angaben der Quelle erreicht sein Anteil am Bruttoinlandsprodukt regelmässig 10 bis 15 Prozent. Zehn Stätten stehen auf der Welterbeliste der UNESCO, acht Gebiete tragen den Status eines Nationalparks.
Regionen
Acht Regionen und vier Themen zeigen, wie vielfältig das Land zwischen Adria, Karst und Pannonien ist.
Nationalparks
Acht Gebiete in Kroatien tragen den Status eines Nationalparks. Der älteste ist der Nationalpark Plitvicer Seen, der am 8. April 1949 unter Schutz gestellt wurde. Er umfasst knapp 297 Quadratkilometer. Sechzehn Seen sind von der Oberfläche aus zu sehen, sie liegen in Kaskaden übereinander und sind durch Barrieren aus Travertin getrennt. Diese Kalkdämme wachsen weiter, am Kozjak-See um bis zu 13 Millimeter im Jahr. Der höchste Wasserfall, der Veliki slap, misst 78 Meter. Seit 1979 steht der Park auf der Welterbeliste der UNESCO. Die Seen schimmern je nach Mineralgehalt und Sonnenstand zwischen Azurblau, Grün und Grau.
Drei Parks liegen im Gebirge hinter der Küste. In Paklenica, an den Südhängen des Velebit, schneiden die Schluchten Velika und Mala Paklenica tief in den Fels. Mit über 360 eingerichteten Kletterrouten ist der Park das meistbesuchte Klettergebiet des Landes. Der Nationalpark Nördlicher Velebit, 1999 gegründet, umfasst 109 Quadratkilometer und enthält mit der Lukina jama die tiefste Berghöhle Kroatiens, 1392 Meter tief. Im Nationalpark Risnjak in Gorski kotar wachsen Buchen- und Tannenwälder rund um den Veliki Risnjak (1528 Meter). Sein Name geht vermutlich auf das kroatische Wort für Luchs zurück, «ris».
Die übrigen vier haben mit Wasser zu tun. Der Nationalpark Krka, 1985 gegründet, folgt dem Fluss auf 109 Quadratkilometern, bekannt ist der Skradinski buk, eine Folge von 17 Wasserfällen. Der Nationalpark Kornati schützt seit 1980 die südlichen Inseln, Eilande und Riffe des gleichnamigen Archipels, die meisten unbewohnt. Zu den Brijuni vor der Westküste Istriens gehören vierzehn kleine Inseln. Auf Mljet, wo der Park seit dem 11. November 1960 besteht, liegen zwei Salzwasserseen, im grösseren die Insel St. Marien.
Die Buchenwälder in Paklenica und im Nördlichen Velebit sind seit 2017 Teil des Welterbes «Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas».
Inselwelt
Wie viele Inseln Kroatien hat, hängt davon ab, was man zählt. Eine Untersuchung von 2004 kommt auf 1246 Inseln, Eilande und Felsen: 79 Inseln im engeren Sinn, 525 Eilande und 642 Felsen oder Riffe. Das Statistikamt führt eine andere Liste mit 1185 Inseln, Felsen und Riffen, davon 48 bewohnt. Andere Quellen nennen 47 dauerhaft bewohnte Inseln. Die Küste misst auf dem Festland rund 1777 Kilometer, die Inselufer kommen mit 4058 Kilometern dazu.
Die grössten Inseln liegen im Norden und in der Mitte. Cres und Krk sind praktisch gleich gross, je rund 405 Quadratkilometer, welche die grössere ist, hängt von der Messmethode ab. Es folgen Brač mit 395, Hvar mit 297, Pag mit 284 und Korčula mit 271 Quadratkilometern. Die meisten Einwohner hat Krk, 2021 waren es 19’916. Dugi Otok, Mljet, Vis, Rab und Lošinj sind deutlich kleiner und liegen zwischen 74 und 113 Quadratkilometern.
Einige Inseln hängen an Brücken. Die Brücke nach Krk wurde im Juli 1980 eröffnet, ihre beiden Betonbögen mit zusammen 1430 Metern Länge ruhen auf dem Eiland Sveti Marko. Maut kostete sie bis zum 15. Juni 2020. Auf Pag verbindet ein 300 Meter langer Bogen den südlichen Inselteil mit dem Festland. Cres und Lošinj waren einst eine Insel, bei Osor trennt sie heute ein Kanal, über den eine kleine Brücke führt. Für die meisten übrigen Inseln braucht es ein Schiff.
Manche Inseln waren lange nicht frei zugänglich. Vis diente in jugoslawischer Zeit der Armee als Stützpunkt und war für die Öffentlichkeit gesperrt, bis 1989. Auf Hvar gründeten Kolonisten von der Insel Paros 384 v. Chr. die Siedlung Pharos im heutigen Stari Grad. Die Regionsseiten stellen die grösseren Inseln einzeln vor, von Krk und Cres im Kvarner bis zu Hvar, Brač und Vis in Mitteldalmatien.
Küche und Wein
Die kroatische Küche besteht aus mehreren Regionalküchen. Istrien kennt handgerollte Teigwaren wie pljukanci und fuži, den Eintopf jota, der an Minestrone erinnert, und luftgetrockneten Schinken, den pršut. In Dalmatien prägen Olivenöl, Kräuter und Fisch das Essen. Typisch sind pašticada, ein Rindfleischgericht mit Backpflaumen und Feigen, meist mit Gnocchi, der Fischeintopf brudet und die peka, bei der Fleisch oder Oktopus unter einer Metallglocke gart, auf der Glut liegt.
Im Landesinneren dominieren Paprika, Knoblauch und Schmalz. Slawonien ist bekannt für kulen, eine scharfe Wurst, und čobanac, einen Fleischeintopf mit viel Paprika. Im Zagorje nördlich von Zagreb gehören štrukli dazu, gefüllte Teigtaschen, die salzig oder süss gebacken werden. Dort mischt man Weisswein mit Mineralwasser, das Getränk heisst gemišt, an der Küste entspricht ihm die bevanda aus Wein und stillem Wasser. Salzkabeljau, bakalar, gehört traditionell zu Heiligabend und Karfreitag, weiss zubereitet mit Olivenöl und Knoblauch oder rot in Tomatensauce.
Als geschützte Ursprungsbezeichnung der EU ist seit dem 25. November 2019 der Pager Käse aus Schafsmilch eingetragen, je nach Sorte reift er zwischen zwei und 18 Monaten. Insgesamt sind in der EU 46 landwirtschaftliche und Lebensmittelerzeugnisse aus Kroatien geschützt.
Beim Wein unterscheidet man im Wesentlichen das kontinentale Kroatien mit überwiegend weissen Weinen von der Küste mit Istrien, Dalmatien und den Inseln. Über 300 Weinbaugebiete sind geografisch abgegrenzt. In Slawonien ist Graševina die wichtigste Sorte, in Istrien stehen die weisse Malvazija und der rote Teran im Vordergrund. Fast alle kroatischen Rotweine kommen aus Mittel- und Süddalmatien, allen voran der Plavac mali. Die Lagen Dingač und Postup auf der Halbinsel Pelješac waren die ersten geschützten Weinlagen des Landes. Plavac mali gilt als verwandt mit dem kalifornischen Zinfandel.
Geschichte und Sprache
Im Jahr 10 n. Chr. teilten die Römer die Provinz Illyricum, Dalmatien reichte seitdem über das Dinarische Gebirge und die östliche Adriaküste. Kaiser Diokletian zog sich 305 in einen Palast bei Salona zurück, aus dem später die Stadt Split hervorging. Im frühen 7. Jahrhundert kamen die Kroaten, das Datum ist umstritten, neuere Funde sprechen für das späte 6. bis frühe 7. Jahrhundert. 818 erscheint Herzog Borna in den Chroniken Einhards als Herrscher des Herzogtums Kroatien. 879 erkannte Papst Johannes VIII. das Land unter Herzog Branimir als Staat an, das Königreich wird auf das Jahr 925 unter Tomislav datiert.
1102 trat Kroatien in eine Personalunion mit Ungarn ein. Die Küste dagegen lag oft in anderen Händen: Venedig kaufte 1409 Rechte an Dalmatien und herrschte dort bis 1797, die Republik Ragusa mit Dubrovnik war ab 1358 unabhängig und bestand bis 1808. 1527 wählten Adlige in Cetingrad Ferdinand I. von Habsburg zum Herrscher. 1918 entstand das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, später Jugoslawien. 1945 wurde Kroatien Teilrepublik des neuen Jugoslawien.
Am 25. Juni 1991 erklärte das kroatische Parlament die Unabhängigkeit, ein dreimonatiges Moratorium endete am 8. Oktober. Der darauf folgende Krieg, in Kroatien Heimatkrieg genannt, endete im August 1995 faktisch. Zu den ersten bewaffneten Zusammenstössen mit Todesopfern gehörte im März 1991 der Zwischenfall an den Plitvicer Seen.
Die Schrift ist heute lateinisch, im Mittelalter schrieb man glagolitisch, lateinisch und bosnisch-kyrillisch. Die Tafel von Baška auf der Insel Krk, um 1100 entstanden, ist glagolitisch beschriftet und nennt den Namen der Kroaten in ihrer eigenen Sprache. Das erste gedruckte kroatische Buch, ein glagolitisches Messbuch, stammt von 1483. Marko Marulić veröffentlichte 1521 in Venedig sein Epos «Judita» im čakavischen Dialekt.