Kroatien · Region

Zwei Hügel, ein Zentrum.

Zagreb wuchs aus zwei Siedlungen auf benachbarten Hügeln zusammen. Um die Hauptstadt liegen Berge, Burgen, Weinhänge und eine der grössten Auen Europas.

Auf einen Blick

Einwohner767'131 in der Stadt, 1'086'528 im Grossraum (2021)
Lagean der Save, am Südhang der Medvednica
Höherund 158 m, Sljeme bis 1035 m
Bistumgegründet 1094, Kaptol am Dom
Gradecfreie königliche Stadt seit 1242
VereinigungGradec und Kaptol 1850 oder 1851
Erdbeben1880 (Stärke 6,3) und 2020 (Stärke 5,5)
Strassenbahnseit 1891, ab 1910 elektrisch

Zwei Hügel, zwei Städte

Das Zagreber Zentrum geht auf zwei getrennte Orte zurück. 1094 gründete König Ladislaus das Bistum, rund um den Dom wuchs Kaptol. Auf dem Nachbarhügel erhielt Gradec 1242 durch die Goldene Bulle König Bélas IV. das Recht einer freien königlichen Stadt mit eigener Gerichtsbarkeit. Der Name Zagreb selbst taucht erstmals 1134 in einer Urkunde auf.

Beide Siedlungen stritten lange um Pacht und Besitz. Der Streit dauerte bis 1667. Auch um die Wassermühlen am Bach Medveščak gab es Zwist. 1850 oder 1851, je nach Zählung, wurden Gradec und Kaptol vereinigt. Heute heisst der obere Teil Gornji grad, die Oberstadt, der untere Donji grad. Er ist in regelmässigen Blöcken angelegt.

Nach dem Beben

Am 9. November 1880 erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,3 die Stadt. Der Dom wurde schwer beschädigt, ein Turm war nicht mehr zu retten. Beim Wiederaufbau erhielt die Kathedrale ihr neugotisches Aussehen. Am 22. März 2020 folgte ein weiteres Beben der Stärke 5,5, das auch die Arkaden von Mirogoj beschädigte.

Zagreb gehörte ab 1527 zur Habsburgermonarchie, später zu Österreich-Ungarn und ab 1918 zum Königreich Jugoslawien. Nach der Unabhängigkeit erklärte das Parlament die Stadt 1991 zur Hauptstadt. Mit der Moderne kam der Nahverkehr: 1891 fuhr die erste Pferdebahn, 1910 und 1911 löste die elektrische Strassenbahn sie ab. Sie ist neben der in Osijek das einzige Tramnetz Kroatiens.

Berg, Park und Au

Zagreb liegt an der Save, auf den südlichen Hängen der Medvednica. Das Stadtgebiet misst 641 Quadratkilometer und ist etwa 30 Kilometer lang und 20 Kilometer breit. Der tiefste Punkt liegt auf 122 Metern, der höchste ist der Sljeme mit 1035 Metern. Im Osten liegt der Maksimir-Park mit rund 316 Hektar. Flussabwärts wird das Überschwemmungsgebiet der Save zum Naturpark Lonjsko polje, der als grösstes geschütztes Feuchtgebiet Kroatiens gilt.

Das Klima ist ozeanisch, mit vier deutlichen Jahreszeiten, regnerischen Sommern und kalten, oft bedeckten Wintern. Es fallen etwa 850 Millimeter Niederschlag im Jahr. Die Stadt besitzt rund dreissig Sammlungen mit über 3,6 Millionen Objekten, ohne kirchliche und private Bestände.

Burgen, Wein und Dörfer im Umland

Nördlich von Zagreb beginnt Hrvatsko Zagorje, das den grössten Teil der Gespanschaft Krapina-Zagorje ausmacht. 120'702 Menschen leben dort (2021). Zu den Burgen zählen Veliki Tabor, Miljana, Bežanec, Hellenbach und Milengrad. In Krapina fand Dragutin Gorjanović-Kramberger 1899 Neandertaler-Reste, es sind über 800 Funde. In Kumrovec an der Sutla, der Grenze zu Slowenien, wurde 1892 Josip Broz Tito geboren. Das Freilichtmuseum Staro Selo zeigt dort Dorfhäuser aus der Zeit um 1900.

Etwa eine Autostunde von Zagreb liegt Plešivica, eine Weinregion am Südhang des Žumberak. Die Reben stehen auf rund 500 Metern Höhe, etwa 2300 Hektar sind bepflanzt. Der kalkhaltige Boden erinnert an die Champagne, Schaumwein gilt als Spezialität der Gegend.

Orte

Zehn Orte zeigen Zagreb von der Oberstadt bis zum Friedhofspark und das Umland von der Barockstadt bis zur Überschwemmungsaue.

Oberstadt (Gornji grad)

Die Oberstadt ist der alte Kern von Gradec. König Béla IV. erklärte den Ort 1242 zur freien königlichen Stadt auf dem Hügel von Zagreb, die Bürger durften ihren Richter selbst wählen. Mittelpunkt ist der Markusplatz mit der Markuskirche, der Pfarrkirche von Alt-Zagreb. Ihre Ursprünge liegen im 13. Jahrhundert, belegt durch ein romanisches Fenster und den halbrunden Grundriss der Marienkapelle. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde sie zu einer spätgotischen dreischiffigen Kirche umgebaut. Zwischen 1878 und 1882 folgte eine neugotische Renovierung, an der Friedrich von Schmidt und Hermann Bollé beteiligt waren.

Das Dach ist mit glasierten Ziegeln gedeckt, die das Wappen Zagrebs und die Wappen von Kroatien, Slawonien und Dalmatien bilden. Das Südportal gilt als wertvollster Teil, es wird Bildhauern der Familie Parler aus Prag zugeschrieben und stammt vom Ende des 14. Jahrhunderts: fünfzehn Figuren in elf Nischen. Auf der Ostseite des Platzes sitzt seit 1734 das kroatische Parlament, der Sabor. Die Banski dvori, zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Sitz des Banus gebaut, beherbergen heute die Regierung.

Zur alten Stadtbefestigung gehört der Lotrščak-Turm. Er wurde 1266 fertig und ist 30 Meter hoch. Seit dem 1. Januar 1877 fällt dort täglich um zwölf Uhr ein Kanonenschuss, im Ersten Weltkrieg ruhte der Brauch, 1927 wurde er wieder aufgenommen. Der Name kommt vom lateinischen «campana latrunculorum», der Diebesglocke, die ab 1646 das Schliessen der Stadttore anzeigte. Das Steinerne Tor ist das einzige der vier mittelalterlichen Stadttore, das noch steht. An der Stelle des 1812 abgebrochenen Tors Dverce verläuft heute die Strossmayer-Promenade.

Wer von der Unterstadt hinaufkommt, kann die Standseilbahn nehmen. Sie fährt seit 1890 durch die Tomićeva-Strasse und verbindet die Ilica mit der Promenade. Die Strecke ist nur 66 Meter lang. Zuerst trieb eine Dampfmaschine sie an, seit 1934 ein Elektromotor.

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Kathedrale

Die Kathedrale von Zagreb steht in Kaptol. Sie ist Mariä Himmelfahrt und den Königsheiligen Stephan und Ladislaus geweiht. 1094 machte König Ladislaus I. eine bestehende Kirche in Kaptol zum Sitz des neuen Bistums, um 1102 begann der Bau eines neuen Doms. Die erste Kathedrale war 1217 fertig. Bischof Timotej baute sie ab der Mitte des 13. Jahrhunderts neu auf, sie wurde 1510 vollendet. Aus der romanischen Anlage wurde ein gotischer Bau.

Nach 1469 liess Bischof Osvald Thuz Mauern mit Türmen rund um Kaptol bauen, bis etwa 1478. Später ergänzte Kardinal Tomas Bakač Erdődy eine Festung mit Wällen und Türmen um den Dom. Von dieser Befestigung ist unter anderem der Prislin-Turm gut erhalten.

Am 9. November 1880 beschädigte ein Erdbeben die Kathedrale schwer. Das Hauptschiff stürzte ein, ein Turm war nicht mehr zu retten. Der Architekt Hermann Bollé leitete den neugotischen Wiederaufbau, der von 1880 bis etwa 1902 dauerte. Die beiden Glockentürme errichtete er zwischen 1889 und 1899. Die Höhenangaben schwanken: Genannt werden 104 und 108 Meter, der Gesamtbau gilt als 108,4 Meter hoch. Bollé, 1845 in Köln geboren, war seit 1878 dauerhaft in Zagreb ansässig und restaurierte auch die Markuskirche. Der Dom, der Friedhof Mirogoj und das Museum für Kunst und Gewerbe gehören zu seinen Werken.

In der Schatzkammer liegen Metallgefässe, Gewänder und liturgische Bücher. Dazu zählen ein mittelalterlicher Mantel des heiligen Ladislaus, ein Elfenbein-Plenarium und eine barocke Reliquienbüste des heiligen Stephan. In der Kathedrale ist Alojzije Stepinac begraben, der von 1937 bis zu seinem Tod 1960 Erzbischof von Zagreb war. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1998 selig.

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Ban-Jelačić-Platz und Dolac

Der Ban-Jelačić-Platz liegt zwischen Gradec und Kaptol und ist der wichtigste Verkehrsknoten der Stadt. 1641 entstand hier auf einer Ebene unterhalb der beiden Hügel ein neuer Markt, in der Nähe der Quelle Manduševac. Die Gegend hiess Harmica, nach der Abgabe, die Händler für den Verkauf bezahlten. 1848 erhielt der Platz seinen heutigen Namen, von 1946 bis 1990 hiess er Platz der Republik.

Im Zentrum steht das Reiterdenkmal von Josip Jelačić. Der österreichische Bildhauer Anton Dominik Fernkorn schuf die Bronze, aufgestellt wurde sie im Oktober 1866. Die damaligen Behörden entfernten das Denkmal 1946 oder 1947, 1990 kehrte es zurück und wurde am 16. Oktober enthüllt, an Jelačićs Geburtstag. Ursprünglich schaute es Richtung Gradec, heute blickt es nach Süden. Im östlichen Teil des Platzes liegt der Manduševac-Brunnen an der Stelle eines früheren Brunnens, der die Stadt mit Wasser versorgte. Die Fassaden reichen vom Klassizismus über den Wiener Jugendstil bis zur Moderne. Die Pferdebahn von 1891 fuhr über diesen Platz, mehrere Tramlinien kreuzen sich noch heute hier.

Eine Treppe führt vom Platz hinauf zum Dolac, der seit 1930 der wichtigste Markt der Stadt ist. Er liegt auf einem erhöhten Platz zwischen den alten Vierteln Gradec und Kaptol. 1926 riss man dafür enge Gassen ab. Der obere Teil ist der Markt unter freiem Himmel mit den roten Schirmen. Bauern aus den umliegenden Dörfern verkaufen dort Obst, Gemüse, Blumen und selbstgemachte Produkte, dazu sir i vrhnje, frischen Käse und Rahm. Im unteren Teil befindet sich eine Markthalle mit Metzgern und Fischhändlern. Die Fischmarkthalle neben dem Markt ist jeden Tag ausser montags geöffnet.

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Tkalčićeva und Kaptol

Die Tkalčićeva-Strasse ist nur rund 500 Meter lang. Sie führt von der Nähe des Ban-Jelačić-Platzes bis zur Mala ulica, zwischen Gornji grad im Westen und Nova Ves im Osten. Wo sie liegt, floss früher der Bach Medveščak, auch Crikvenik genannt. 1898 deckte man ihn ab und riss die beiden Wassermühlen ab, die Strasse hiess danach Ulica Potok, Bachstrasse. 1913 erhielt sie den Namen des Zagreber Historikers Ivan Tkalčić, der aus dem nahen Nova Ves stammte. Der Bach fliesst bis heute unter der Erde. Heute säumen Cafés, Restaurants und Bars die Strasse.

Die meisten Häuser stammen aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Gepflastert hatte man die Strasse mit Kies aus der Save, der in Trnje ausgegraben wurde. Um die Wassermühlen stritten Kaptol und Gradec häufig. Ein Friedensvertrag von 1392 verbot neue Mühlen entlang der gemeinsamen Grenze, zwei Mühlen blieben bestehen, beide gehörten einem Zisterzienserkloster. Um 1900 soll der Architekt Milan Lenucci die Umgestaltung des Bachtals geleitet haben, 1908 legte Viktor Kovačić Ideen für die damalige Ulica Potok vor. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Strasse modernisiert und asphaltiert, aus der Mühlenindustrie wurden kleine Geschäfte.

Kaptol, das Viertel um den Dom, trägt seinen Namen vom lateinischen «capitulum», dem Domkapitel. Es entstand mit der Gründung des Bistums 1094, der Bischofssitz lag im südöstlichen Teil des Hügels. Im Mittelalter schützten nur Holzzäune die Siedlung, zwischen 1469 und 1473 entstanden Mauern und Türme, der Prislin-Turm gehört zu den am besten erhaltenen. Die Franziskanerkirche aus dem 13. Jahrhundert ist gotisch, dazu gehört ein Franziskanerkloster. Die Glasfenster mit Blumenmotiven schuf Ivo Dulčić.

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Mirogoj

Mirogoj ist ein Friedhofspark und gehört zu den bekannten Bauwerken Zagrebs. Er wurde am 6. November 1876 eröffnet, auf einem Grundstück des Politikers Ljudevit Gaj, und ersetzte acht damalige Friedhöfe. Die Anlage liegt im Stadtteil Gornji grad–Medveščak, an der Mirogojska cesta und an der Hermann-Bollé-Strasse. Sie ist öffentlich und gehört der Stadt Zagreb.

Den Hauptbau entwarf Hermann Bollé. Er wurde 1845 in Köln geboren, besuchte eine Fachschule für Bauingenieurwesen, arbeitete im Atelier von Heinrich Wiethase und studierte ab 1872 an der Wiener Kunstakademie, wo er auch für Friedrich von Schmidt tätig war. 1876 ging er nach Đakovo, 1878 liess er sich dauerhaft in Zagreb nieder. Er starb 1926 in Zagreb. Zu seinen Werken zählen ausser Mirogoj die Kathedrale von Zagreb, das Museum für Kunst und Gewerbe und die griechisch-katholische Kathedrale in Križevci. Die Kathedrale von Đakovo vollendete er gemeinsam mit Friedrich von Schmidt.

Die Arkaden begann man 1879 zu bauen, sie wurden 1917 fertig. Der mittlere Teil mit den Kuppeln, den Portalen und der Kirche kam erst 1929 zum Abschluss, die Arbeiten waren zwischendurch mangels Geld ins Stocken geraten. Der Bau reichte damit über fünfzig Jahre, von 1879 bis 1929. Der Stil ist neorenaissancehaft, mit Symmetrie, klaren Blickachsen und einem bewussten Wechsel von Licht und Schatten. Nach den ersten Statuten waren alle Konfessionen gleichgestellt, deshalb stehen auf der Kuppellinie katholische und orthodoxe Kreuze neben jüdischen Sternen.

Rund 60'000 Gräber und 322'000 Bestattungen sind verzeichnet. Auf dem Gelände stehen mehrere Denkmäler sowie ein deutscher Soldatenfriedhof von 1996. Beim Beben vom 22. März 2020 erlitten die Arkaden Schäden.

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Maksimir und Medvednica

Der Maksimir-Park ist nach dem Bischof Maksimilijan Vrhovac benannt, der ihn 1787 gründen liess. 1794 wurde er eröffnet. Er misst rund 316 Hektar und gilt als frühes Beispiel eines Landschaftsparks im Stil der englischen Romantik. Fünf Seen sind erhalten, ein sechster, der Ribnjak, ist verschwunden. Der Echo-Pavillon von 1840 ist der einzige erhaltene Pavillon. Reste des ursprünglichen Waldes bilden einen Gürtel rund um den Park. Im südlichen Teil liegt seit dem 27. Juni 1925 der Zoo. Der Park ist als Kulturgut Kroatiens eingetragen. Das Stadion von Dinamo liegt daneben, nicht im Park.

Die Medvednica, der Hausberg Zagrebs, liegt unmittelbar nördlich der Stadt. Ihr höchster Gipfel ist der Sljeme mit 1035 Metern. Den grössten Teil der Berge schützt ein Naturpark, am Wochenende zieht er viele Besucher aus der Stadt an. Am südwestlichen Rand steht die mittelalterliche Burg Medvedgrad, deren Name auf das kajkavische Wort für Bär zurückgeht. Von 1963 bis 2007 fuhr eine Gondelbahn von Gračani aus, am 23. Februar 2022 eröffnete eine neue mit Kabinen für je zehn Personen.

Im Winter dient der Berg als Skigebiet: Auf den Nordhängen gibt es einen Dreier-Sessellift und zwei Schlepplifte. Der Slalom um die Snow Queen Trophy gehörte zum FIS-Weltcup. Mit Kunstschnee verlängert man die Saison auf über vier Monate.

Die unteren Hänge tragen vor allem Hainbuchen-Eichenwald, in mittleren Lagen wachsen Buchen, weiter oben Tannen. Bekannt sind 64 Höhlen, rund 90 Prozent davon im Südwesten. Die Veternica ist die längste und hat mit 170 Metern den grössten Höhenunterschied. Ein Eisbruch 1980 schädigte Buchen, Stürme 1983 die Tannen.

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Varaždin

Varaždin liegt im Norden Kroatiens am südlichen Ufer der Drau, etwa 87 Kilometer von Zagreb entfernt, und ist Sitz der gleichnamigen Gespanschaft. 2021 zählte die Stadt 43'782 Einwohner. Erstmals erwähnt wird sie unter dem Namen Garestin in einer Urkunde König Bélas III. vom 20. August 1181. Bekannt ist sie für ihre Barockbauten und Paläste.

Ban Ferenc Nádasdy machte Varaždin 1756 oder 1766 zu seiner Residenz. Dort tagten der Sabor und der Königlich-Kroatische Rat, die Stadt war damit zeitweise Hauptstadt. Ein Brand am 25. und 26. April 1776 beendete diese Rolle. Je nach Angabe wurden etwa 80 Prozent der Stadt zerstört, nach anderer Zählung 316 von 614 Häusern.

Die Altstadtburg wurde vom 14. bis ins 19. Jahrhundert gebaut, ihr ältester Teil ist der Mittelturm. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in den Kriegen gegen die Osmanen, baute man sie zu einer Renaissance-Festung um, mit Wällen, Bastionen und einem doppelten Wassergraben. Italienische Baumeister aus Como unter Domenico Dell'Allio führten die Arbeiten aus. Zu den Besitzern zählten die Grafen von Cilli, Ivan Ungnad, Juraj Brandenburg und Ban Toma Erdődy samt seinen Erben. Seit 1925 beherbergt die Burg das Stadtmuseum mit 40 Räumen.

Die Kathedrale ist eine ehemalige Jesuitenkirche von 1647 mit barockem Portal. Das spätbarocke Rathaus zeigt eine Wachablösung, die Stadtgarde heisst Purgari und steht seit 2017 auf Kroatiens Liste des immateriellen Kulturerbes. Der Friedhof stammt von 1773. Ab 1905 verwandelte ihn Herman Haller in einen Park nach französischem Vorbild, rund 7000 Bäume pflanzte er dort, darunter Zypressen, die zu geometrischen Formen geschnitten sind. Die Varaždiner Barockabende finden seit 1971 jährlich statt, das Strassenfestival Špancirfest dauert etwa zehn Tage von Ende August bis in den September.

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Samobor

Samobor liegt rund 20 Kilometer westlich von Zagreb, im Tal zwischen den östlichen Hängen der Samoborer Berge und dem östlichen Teil des Žumberak. 2021 zählte die Stadt 37'435 Einwohner. Eine Urkunde Bélas IV. von 1242 nennt Samobor unter den mittelalterlichen freien königlichen Märkten.

Auf dem Hügel Tepec stehen die Reste der alten Burg aus dem 13. Jahrhundert. Man erreicht sie in etwa zehn Minuten zu Fuss vom Zentrum. Das Zentrum zeigt mittelalterliche Holzelemente und Barockfassaden, ein Spazierweg führt an der Gradna entlang. Die Stadt wirbt mit Dutzenden alter Kapellen, fast auf jedem Hügel eine. Im Ort selbst gibt es einen Barockplatz, eine Pfarrkirche, ein Franziskanerkloster, das Stadtmuseum und mehrere Herrenhäuser. Samobor war bereits ab 1810 ein früher Ausflugsort, Angler, Jäger und Wanderer fanden dort Unterkunft. Die erste organisierte Wanderung Kroatiens soll 1875 in der Gegend stattgefunden haben, die Tourismusstelle nennt über 200 Kilometer markierte Wanderwege im Žumberak.

Bekannt ist die Stadt für ihr Handwerk, besonders für handpoliertes Samoborer Kristall. Zur Küche gehören die Samoborska kremšnita, eine Cremeschnitte mit Blätterteig, die Samoborska muštarda, ein scharfer, dicker Senf zu Rind und Wurst, und der Bermet, ein roter Aperitifwein, den jede Familie etwas anders ansetzt. Die Forellen stammen aus dem Bach Gradna und aus Fischzuchten. Dazu kommen Salami, scharfe Würste und die Greblica, ein herzhafter Kuchen aus dem Nachbardorf Rude.

Der Fašnik ist der Karneval, der am Dienstag vor der Fastenzeit seinen Höhepunkt hat und nach örtlicher Darstellung seit über 170 Jahren das wichtigste Fest des Jahres ist. Dazu isst man Fašnik-krafne, mit Marmelade oder Schokolade gefüllte Berliner.

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Trakošćan und Veliki Tabor

Trakošćan liegt im Norden Kroatiens in der Gespanschaft Varaždin, in der Nähe von Bednja. Die kleine Burg entstand im späten 13. Jahrhundert als Teil des Verteidigungsnetzes über der Strasse von Ptuj ins Bednja-Tal. Der Name erscheint 1334 erstmals schriftlich, seine Herkunft ist umstritten. Besitzer waren zunächst die Grafen von Cilli, die auch das Fürstentum Zagorje beherrschten. 1584 kam der Besitz an die Familie Drašković, die ihn bis 1944 hielt.

Im 18. Jahrhundert verfiel die Anlage. Von 1840 bis 1862 baute die Familie sie im Geist der Romantik zu einem Wohnschloss um, nach dem Vorbild deutscher Burgen. Ab 1853 gestalteten Juraj IV. Drašković und seine Frau Sofija sie neugotisch. Ein Damm verwandelte das Tal in einen grossen See, auch der Park wurde angelegt. 1944 mussten die Familienmitglieder nach Österreich ausreisen, das Schloss wurde enteignet. 1953 entstand ein Museum, heute gehört es der Republik Kroatien.

Veliki Tabor steht bei Desinić im Zagorje, etwa acht Kilometer westlich von Pregrada, auf 334 Metern Höhe. Der älteste Teil stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die heutige Gestalt vor allem aus dem 16. Jahrhundert. Den grössten Teil baute die ungarische Adelsfamilie Rattkay, die ihn bis 1793 besass. Der Kern ist ein spätgotisches Fünfeck mit vier halbrunden Renaissance-Türmen, die Vorburgmauer misst etwa 225 Meter. Zwischen November 2008 und November 2011 wurde die Burg renoviert, heute ist sie ein Museum in Staatsbesitz.

Um die Burg erzählt man sich die Legende von Veronika von Desinić. Hermann II. von Cilli soll sich gegen die Liebe seines Sohnes Friedrich zu dem Mädchen aus armer Familie gestellt, sie der Hexerei beschuldigt und ertränkt haben. Ihr Körper sei angeblich in der Burg eingemauert worden. Belegt ist das nicht.

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Lonjsko polje

Lonjsko polje ist ein Überschwemmungsgebiet der Save in Zentralkroatien. Der Naturpark erstreckt sich von östlich von Sisak bis westlich von Nova Gradiška. Er misst je nach Angabe zwischen 505 und 512 Quadratkilometern und gilt als das grösste geschützte Feuchtgebiet Kroatiens und des Donauraums. Die Verwaltung sitzt in Krapje, in der Gemeinde Jasenovac. Der Park steht seit 1993 auf der Ramsar-Liste mit der Nummer 584, die Weltnaturschutzunion IUCN führt ihn in der Kategorie V.

Hochwasser der Save und ihrer Zuflüsse Lonja, Pakra, Struga, Una und Kupa prägt das Gebiet. Es besteht vor allem aus Auwäldern, dazu kommen feuchte Wiesen und Weiden. Überflutete Tieflandwälder aus Eiche, Esche und Erle bedecken nach Angaben der Parkseite fast 70 Prozent. 1995 bezeichnete die IUCN den Park als Musterbeispiel für Schutzplanung im ländlichen Raum Mitteleuropas. Rund 250 Vogelarten sind verzeichnet, mehr als zwei Drittel aller in Kroatien nachgewiesenen. Etwa 138 brüten im Park, darunter Weissstorch und Löffler. Dazu kommen Schwarzstorch und Seeadler. Auch gefährdete Fische wie der Donaulachs, der Lederkarpfen und der Hundsfisch nutzen den Fluss zum Laichen. Krapje đol, der älteste Altarm der Save, ist ein Vogelreservat für brütende Löffler und mehrere Reiherarten.

Zur Landschaft gehört die traditionelle Weidewirtschaft. Nach dem Hochwasser grasen Haustiere auf gemeinsamen Weiden, was zum Erhalt alter lokaler Rassen beiträgt, darunter das Turopolje-Schwein und die Posavina-Gans. Entlang der Save und ihrer Altarme stehen die traditionellen hölzernen Häuser der Posavina. Krapje ist als Architekturdorf geschützt, Čigoč wird als Storchendorf bezeichnet.

Als Bedrohungen gelten Entwässerung und eingeschleppte Arten. Der Managementplan sollte für den Zeitraum 2019 bis 2029 aktualisiert werden.

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Reisebericht folgt. Unsere Beiträge und Tipps zu Unterkunft und Essen schreiben wir noch auf.