Weite, Wein und Wasser.
Slawonien liegt zwischen Save, Drau und Donau und ist im Osten fast flach. Festungen aus der Habsburgerzeit, grosse Auen und alte Weinkeller prägen die Region.
Auf einen Blick
Zwischen drei Flüssen
Slawonien ist eine der vier historischen Regionen Kroatiens, neben Dalmatien, Istrien und Kroatien im engeren Sinn. Es liegt im Pannonischen Becken, begrenzt von Save, Drau und Donau. Im Westen gibt es Flusstäler und Berge wie Papuk und Psunj, der Osten besteht überwiegend aus Ebene. Das Klima ist gemässigt kontinental und eher niederschlagsarm. Der Name geht auf die Slawen zurück, die sich selbst «Slověne» nannten.
Die fünf Gespanschaften heissen Brod-Posavina, Osijek-Baranja, Požega-Slawonien, Virovitica-Podravina und Vukovar-Syrmien. Sie bedecken zusammen 12'556 Quadratkilometer, rund 22 Prozent des Landes. 2011 lebten dort 806'192 Menschen, 2021 waren es 665'858. Die grösste Stadt ist Osijek, gefolgt von Slavonski Brod und Vinkovci.
Römer, Osmanen, Habsburger
Slawonien gehörte zur römischen Provinz Pannonien. Später siedelten hier Ostgoten, Langobarden, Awaren und Slawen, die dem Land seinen Namen gaben. Im 16. Jahrhundert eroberten die Osmanen die Region, Požega fiel 1537. Nach dem Frieden von Karlowitz um 1699 kam sie an die Habsburger, die eine Militärgrenze einrichteten.
1868 wurde Slawonien Teil des Königreichs Kroatien-Slawonien. Nach 1918 gehörte es zum südslawischen Staat, der zu Jugoslawien wurde, im Zweiten Weltkrieg zum Unabhängigen Staat Kroatien. Die Habsburger bauten in Osijek zwischen 1712 und 1735 die Tvrđa und in Slavonski Brod von 1715 bis 1780 die Festung. Älter sind der Keller von Kutjevo (1232) und die Burg von Ilok.
Krieg und Wiederaufbau
Zwischen 1991 und 1995 gab es in Ostslawonien schwere Kämpfe, darunter die Schlacht um Vukovar im Herbst 1991. Mit dem Abkommen von Erdut von 1995 wurde die Region schrittweise an Kroatien zurückgegeben, bis die UN-Übergangsverwaltung UNTAES im Januar 1998 endete. Seither gehört die ganze Region wieder zu Kroatien.
Osijek wurde im Krieg stark beschossen und danach wiederaufgebaut. In Vukovar restaurierte man das Herrenhaus Eltz, den von Einschusslöchern übersäten Wasserturm erhielt man bewusst als Zeugnis der Ereignisse. Heute prägen Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Verkehr die Wirtschaft. Das Bruttoinlandprodukt der fünf Gespanschaften betrug 2008 zusammen 6454 Millionen Euro, pro Kopf 8005 Euro, gut 27 Prozent unter dem Landesschnitt.
Boden, Wein und Küche
Slawonien hat etwa 45 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Kroatiens. Zentren des Weinbaus sind Erdut, Ilok und Kutjevo, vorherrschend ist die Sorte Graševina. Der Weinbau in Kutjevo geht auf die Zisterzienser zurück, der Keller besteht seit 1232 und gehört zu den ältesten, die noch in Betrieb sind. Slawonische Eiche dient unter anderem für grosse Fässer, zum Beispiel für den Nebbiolo im Piemont.
Die Küche verbindet ungarische, mitteleuropäische, türkische und arabische Einflüsse. Bekannt sind der Kulen, eine geräucherte Wurst mit EU-Schutz, und der Eintopf Čobanac. Das Instrument der Region ist die Tamburica, und der Bećarac, eine Gesangsform mit Zehnsilbern, steht auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Orte
Zehn Stationen zeigen Slawonien von der Festungsstadt Osijek bis zu den Kellern von Ilok und den Traditionen der Šokci.
Osijek und Tvrđa
Osijek ist mit 96'313 Einwohnern (2021) die vierte Stadt Kroatiens und die grösste Slawoniens. Sie liegt am Südufer der Drau, etwa 25 Kilometer oberhalb der Mündung in die Donau. Die Römer gründeten hier Mursa, das die Siebte Legion besetzte und das 133 n. Chr. zur Kolonie erhoben wurde. Der heutige Name taucht 1196 erstmals auf. 1809 wurde Osijek freie königliche Stadt, 1975 entstand die Universität. Seit 1884 fährt hier eine Strassenbahn, das einzige Tramnetz Kroatiens ausser dem von Zagreb.
Die Tvrđa, die Festung, liegt am rechten Ufer der Drau. Es ist eine barocke Sternfestung der Habsburger auf rund 80 Hektar. Der Bau begann 1712 nach den Plänen von Maximilian Gosseau de Henef, dem ein erster Plan von Mathias von Kaiserfeld aus dem Jahr 1691 vorausgegangen war. Bis 1715 standen fünf Bastionen und zwei Tore, bis 1721 das Vorwerk über der Drau, bis 1733 die Innenstadt, 1735 waren die nördlichen Bastionen fertig. Auf dem Hauptplatz steht die Dreifaltigkeitssäule, eine Pestsäule von 1730, zu der 1784 vier Heiligenfiguren hinzukamen. Die Jesuitenkirche St. Michael, Schutzpatron der Tvrđa, wurde 1725 begonnen. Das nördliche Wassertor ist erhalten.
Nach dem Berliner Kongress 1878 verlor die Festung an militärischer Bedeutung. 1923 bis 1926 wurden die meisten Mauern abgetragen, die Jugoslawische Volksarmee unterhielt dort bis in die 1980er-Jahre eine Garnison und ein Militärspital. Heute steht die Tvrđa auf der Vorschlagsliste Kroatiens für das Welterbe. Die Stadt ist im Krieg 1991 bis 1995 stark beschossen worden und wurde danach wiederaufgebaut.
Zum Stadtbild gehört die Ko-Kathedrale St. Peter und Paul, eine neugotische Kirche mit einem rund 90 Meter hohen Turm, dem zweithöchsten Kirchturm Kroatiens. Eine Hängebrücke für Fussgänger aus den 1980er-Jahren verbindet die Stadt über die Drau mit Baranja. Am Ufer liegt das Freizeitzentrum Copacabana mit Pools und Sandstrand, 1980 eröffnet.
Đakovo
Đakovo ist ein Städtchen in Slawonien mit 23'577 Einwohnern (2021), Zentrum der fruchtbaren Gegend Đakovština. An derselben Stelle stand zur Römerzeit Certissia, das in der Völkerwanderungszeit verschwand. König Béla IV. übergab die Siedlung 1239 dem Bistum Bosnien, 1246 verlegte der Bischof seinen Sitz hierher.
Die Kathedrale ist das bekannteste Bauwerk. Bischof Josip Juraj Strossmayer, der Bischof von Đakovo und Srijem, liess sie zwischen 1866 und 1882 bauen. Karl Rösner entwarf sie, er starb aber 1869. Friedrich von Schmidt führte die Arbeiten ab 1870 bis zur Weihe 1882 weiter. Es ist ein Bau im neuromanischen Stil mit neugotischen Elementen, 84 Meter hoch, mit einer Fassade aus rotem Backstein und drei Portalen mit weissen Steinreliefs. Etwa zwölf weitere Jahre arbeitete man an der Ausstattung. Die 43 Fresken mit über 1000 Quadratmetern malten vor allem Alexander Maximilian Seitz und sein Sohn Ludwig, zwei weitere Achille Ansiglioni. In der Krypta liegen Strossmayer und seine Nachfolger, das weisse Marmorepitaph schuf Rudolf Valdec 1913.
Das Gestüt in Đakovo wurde 1506 von Bischof Mijo Mesarić gegründet, zunächst mit 90 arabischen Pferden. 1526 starb Mesarić in der Schlacht von Mohács, die Osmanen übernahmen das Gestüt, nach 1687 wurde es neu aufgebaut. 1806 kamen die ersten Lipizzaner aus Lipica, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, unter Strossmayer, blieb Lipizzaner die einzige Rasse. Das Nebengestüt Ivandvor, 6,5 Kilometer entfernt, entstand 1912 und beherbergt etwa 120 Lipizzaner. Heute leben etwa 160 Pferde in Đakovo und Umgebung.
Seit 1967 findet jährlich das Festival Đakovački vezovi statt, ein Folklorefest mit Trachten, Tänzen und Liedern aus ganz Kroatien. Es dauert zwei Wochen und endet in der Regel am ersten Juliwochenende. Zum Programm gehören Pferde- und Hochzeitswagen-Schauen sowie Rennen der weissen Lipizzaner.
Vukovar
Vukovar liegt im Nordosten Kroatiens, am Zusammenfluss von Vuka und Donau, in Ostslawonien und Ostsyrmien. Die Stadt hatte 2021 rund 23'000 Einwohner. Der Hafen an der Donau ist der grösste Flusshafen des Landes. Nach der Volkszählung 2021 sind 63 Prozent der Einwohner der Gemeinde Kroaten und knapp 30 Prozent Serben.
Die Gegend ist alt besiedelt. Etwa vier Kilometer donauabwärts liegt der Fundort Vučedol, der Mittelpunkt der gleichnamigen Kultur (um 3000 bis 2400 v. Chr.). 1938 fand man dort die Vučedol-Taube, ein rituelles Gefäss aus der Zeit um 2800 bis 2500 v. Chr., das heute als Symbol der Stadt gilt. Das Museum der Vučedol-Kultur wurde 2015 eingerichtet.
Das Herrenhaus Eltz stammt aus dem 18. Jahrhundert, wurde im Krieg schwer beschädigt, ist heute wiederhergestellt und beherbergt ein Museum und eine Galerie. Der Wasserturm ist von Einschusslöchern übersät, die Stadtplaner erhielten ihn bewusst als Zeugnis der Ereignisse der frühen 1990er-Jahre.
Die Schlacht um Vukovar dauerte vom 25. August bis zum 18. November 1991. Rund 1800 leicht bewaffnete Verteidiger und freiwillige Zivilisten hielten die Stadt 87 Tage gegen eine weit überlegene Streitmacht der Jugoslawischen Volksarmee, bis sie fiel. Nach der Schlacht wurden bis zu 264 Verwundete und Spitalmitarbeiter aus dem Krankenhaus gebracht und getötet, das Massaker von Vukovar. Nach dem Abkommen von Erdut von 1995 verwaltete die UN-Übergangsverwaltung UNTAES die Region von Vukovar aus, bis sie 1998 vollständig an Kroatien zurückgegeben wurde.
Im Park von Dudik erinnert ein Denkmal an 455 Menschen, die im Zweiten Weltkrieg von Behörden des Unabhängigen Staates Kroatien hingerichtet wurden. Es entstand zwischen 1978 und 1980 nach einem Entwurf von Bogdan Bogdanović, ein Beinhaus birgt die Überreste von 388 Opfern.
Kopački rit
Der Naturpark Kopački rit liegt im Nordosten Kroatiens, in Baranja, der nordöstlichsten Region des Landes, nordwestlich der Mündung der Drau in die Donau. Je nach Abgrenzung misst er 177 bis 231 Quadratkilometer, davon etwa 71 Quadratkilometer im Süden als zoologisches Sonderreservat. Seit 1967 steht das Gebiet unter Schutz, 1993 kam es auf die Ramsar-Liste mit der Nummer 583. Es gehört zum kroatisch-ungarischen Biosphärenreservat Mur-Drau-Donau, das die UNESCO 2012 einrichtete.
Die Lebensräume folgen den natürlichen Hochwasserzyklen von Donau und Drau. Die Drau mündet hier in die Donau und bildet ein inneres Delta. Der Kopačko jezero ist der grösste See, der Sakadaš der tiefste. Bei Zlatna Greda steht eine Pumpstation, in der Gegend wird gefischt und gejagt. Die Zeit der Habsburger hat bei Tikveš einen Jagdsitz hinterlassen, der als Informationszentrum hergerichtet wird.
Rund 300 Vogelarten sind verzeichnet, etwa 80 Prozent der Arten Kroatiens. Über 140 davon nisten regelmässig oder gelegentlich. Zu den Brutvögeln zählen Seeadler und Schwarzstorch, der Park beherbergt nach eigenen Angaben die grösste Population des Seeadlers im Donauraum. Eine grosse Graureiher-Kolonie ist bekannt, ebenso die grösste Spechtpopulation im Donaubecken. An Fischen leben über 50 Süsswasserarten im Gebiet, darunter Hecht, Schleie, Karpfen, Wels, Zander und Barsch. Unter den Säugetieren fällt der Rothirsch auf.
Bilje, einen kurzen Weg von Osijek, gilt als Tor zum Park. Das Besucherzentrum liegt am Rand von Kopačevo, einem Dorf, das früher vom Fischfang lebte. Von dort aus fahren Ausflugsboote, Ruderboote und Kanus. In der ersten Septemberhälfte feiert das Dorf die Fischtage, es ist auch für seinen Paprika bekannt.
Ilok
Ilok ist die östlichste Stadt Kroatiens. Sie liegt auf einem Ausläufer der Fruška Gora über der Donau, die hier die Grenze zur serbischen Bačka bildet. Bei der Volkszählung 2021 zählte sie 5045 Einwohner, 2011 waren es noch 6767. Die Römer errichteten im 1. oder 2. Jahrhundert die erste Grenzbefestigung an der Donau, Cuccium.
1526 kam Ilok unter osmanische Herrschaft, es war damals überwiegend muslimisch. 1669 gab es zwei Moscheen. Die Habsburger eroberten die Stadt 1697 endgültig zurück. Das Franziskanerkloster und die Kirche des heiligen Johannes von Capestrano erinnern an die Zeit danach. Das Schloss wurde im 15. Jahrhundert von Nikola Iločki gebaut. Nach der Schlacht von Wien 1683 übertrug Kaiser Leopold I. Schloss, Besitz und den Titel Herzog von Syrmien an Livio Odescalchi. Die Familie besass es zwei Jahrhunderte und baute es im 18. Jahrhundert barock um. 1945 wurde es verstaatlicht, 2010 nach der Restaurierung für Besucher geöffnet. In den zwei unteren Stockwerken liegt das Stadtmuseum.
Den Keller unter dem Schloss betreibt heute das Unternehmen Iločki podrumi. Gebaut haben soll ihn um 1450 Nikola Iločki, der damalige Herrscher von Slawonien. Die Reben wachsen auf den Hügeln Principovac und Vukovo, den Westhängen der Fruška Gora zur Donau hin. Livio Odescalchi liess 1710 rund um sein Sommerhaus auf dem Principovac die ersten Traminer-Reben pflanzen. Neben dem Traminer wächst hier Graševina. Nach Angaben der Betreiber wurde Wein aus Ilok bei den Krönungen von Elizabeth II. 1953 und Charles III. 2023 ausgeschenkt. Der Weinbau in der Gegend soll über 2000 Jahre zurückreichen.
Das Schloss ist ein beliebtes Ausflugsziel für Tagesgäste aus dem In- und Ausland. Ilok gehört mit Erdut und Kutjevo zu den Zentren des slawonischen Weinbaus.
Požega
Požega liegt im Požega-Tal in Mittelslawonien. Die Römer nannten die Ebene Vallis Aurea, Goldenes Tal, die Einheimischen sagen es bis heute so. Das Tal misst 1249 Quadratkilometer und wird von Bergen eingefasst: Psunj, Papuk und Krndija im Norden und Westen, Požeška gora und Dilj im Süden und Osten. Der Hauptfluss ist die Orljava, 89 Kilometer lang. 2011 lebten im Tal 60'599 Menschen, die Stadt Požega zählte 2021 etwa 22'300 Einwohner. Zum Tal gehören drei Städte: Požega, Pleternica und Kutjevo. Požega ist Verwaltungssitz der Gespanschaft Požega-Slawonien.
Im Mittelalter war Požega Sitz eines Komitats mit Festung (1227) und königlichem Gut. Die Zisterzienser gründeten in Kutjevo eine Weinbautradition, der Keller dort ist seit 1232 ohne Unterbruch in Betrieb. 1537 fiel Požega an die Osmanen, die rund 150 Jahre blieben. Am 12. März 1688 befreiten Bürger unter dem Franziskaner Luka Ibrišimović die Stadt. Die Osmanen eroberten sie 1690 zurück und hielten sie ein Jahr lang. Danach wurde Osijek anstelle von Požega zum Verwaltungs- und Militärzentrum des Königreichs Slawonien.
Der Dreifaltigkeitsplatz im Zentrum ist ein unregelmässiges Dreieck mit romanischen Zügen. Sein barockes Aussehen erhielt er in der Barockzeit, kennzeichnend sind Lauben, genannt «bolte», am Fuss der meisten Häuser auf der Westseite. Die Dreifaltigkeitssäule wurde 1749 errichtet, als Votivdenkmal für 798 Menschen, die 1739 an der Pest starben. Sie trägt oben eine Dreifaltigkeitsfigur mit den Heiligen Rochus, Sebastian, Franz Xaver und Karl Borromäus. Als Bildhauer gilt der Italiener Gabriel Granicije. Am Platz stehen ein Franziskanerkloster und das Stadtgebäude, dazu das Stadttheater. Die Jesuiten errichteten dort 1727 ein Theater.
Slavonski Brod
Slavonski Brod ist ein grosser Flusshafen an der Save und zählte 2021 49'891 Einwohner. Die Stadt entstand an einem Flussübergang nach Bosnien. Die ersten Siedlungsspuren gehören zu Marsonia aus der Römerzeit, ob es eine Poststation, eine Raststätte oder eine echte Siedlung war, ist unter Historikern umstritten. Zur österreichischen Zeit hiess der Ort Brood, nach 1934 Brod na Savi, danach Slavonski Brod, «Slawonisches Brod».
Die Festung Brod entstand zwischen 1715 und 1780 am Ufer der Save, im System des Franzosen Vauban. Sie war Teil einer Verteidigungslinie gegen das Osmanische Reich, die Prinz Eugen von Savoyen plante. Die Anlage ist rechteckig, ein sternförmiges Netz von Verteidigungsanlagen umgibt sie. Sie misst etwa 33 Hektar und war für 4000 Soldaten und 150 Kanonen ausgelegt. Gebaut wurde sie aus Stampflehm, Backstein, Holz und teils Stein. Sie wird als eine der am besten erhaltenen Festungen Europas beschrieben. Von 1945 bis zum Krieg in den 1990er-Jahren lagen Soldaten der Jugoslawischen Armee dort. Heute gehört sie der Stadt, die mit der Erneuerung beginnt. Teile beherbergen die Galerie Ružić und eine Musikschule.
Das barocke Franziskanerkloster aus dem 18. Jahrhundert besitzt eine reiche Bibliothek, 1720 öffnete dort eine philosophische Fakultät. Der zentrale Platz der Stadt trägt den Namen der Kinderbuchautorin Ivana Brlić-Mažuranić, ihr Haus steht dort. Ihr zu Ehren findet im April und Mai ein Kinderfestival statt.
Zu den grossen Arbeitgebern zählt Đuro Đaković, ein Verbund von Metallbetrieben. Er stellt für den Export unter anderem Lokomotiven, Strassenbahnen, Wagen und Brücken her. Die Einwohnerzahl sank zwischen 2011 und 2021 von 59'141 auf 49'891.
Papuk und Našice
Der Papuk ist mit 953 Metern der höchste Berg Slawoniens. Das Gebirge gehört zum slawonischen Hügelland am Rand des Pannonischen Tieflands. Der Naturpark Papuk wurde im September 2007 zum ersten Geopark Kroatiens und war damit das 30. Mitglied des Europäischen Geopark-Netzwerks. 2011 verlängerte die UNESCO die Lizenz. Der Geopark misst 33'600 Hektar und liegt in zwei Gespanschaften, Požega-Slawonien und Virovitica-Podravina.
Zu den bekanntesten Orten gehört Rupnica bei Voćin, ein Aufschluss mit säulenartig abgesondertem Gestein und ehemaliger Steinbruch. Er wurde am 14. Oktober 1948 zum ersten Naturdenkmal Kroatiens erklärt. Wie alt die Säulen sind, ist umstritten: Einige Forscher sprechen von bis zu 70 Millionen Jahren, andere von einem jüngeren Alter. Auch die Gesteinsart wird unterschiedlich angegeben, genannt werden Rhyolith und Basalt. Beim Jankovac-See führt ein Wanderweg zum Wasserfall Skakavac, der im Frühling bis zu zehn Meter breit sein kann. Die Burg Ružica bei Orahovica wird 1228 und 1357 erstmals erwähnt, im Park stehen insgesamt acht mittelalterliche Befestigungen, die meisten aus dem 13. und 14. Jahrhundert.
Našice liegt am Nordhang der Krndija. Die Stadt wird 1229 erstmals unter dem Namen Nekche erwähnt, 2021 lebten dort rund 14'300 Menschen. Das Schloss Pejačević liess Graf Vincencije Ljudevit Pejačević 1812 bauen. Die Familie besass bis 1945 einen grossen Teil der Stadt als Lehen, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie enteignet und ausgewiesen. Das kleine Herrenhaus Pejačević ist ein Beispiel für den neoklassizistischen Stil. Neben beiden Häusern liegt ein Park, der als gartenbauliches Denkmal gilt.
Zur Wirtschaft von Našice gehören Landwirtschaft, Metall- und Holzverarbeitung, Zement, Textilien und Lebensmittel.
Baranja
Baranja liegt zwischen Donau und Drau und gehört heute zu Kroatien und Ungarn. Der kroatische Teil ist die nordöstlichste Region des Landes und die einzige, die an Ungarn und Serbien grenzt. Städte gibt es dort keine. Bilje, ein kurzer Weg von Osijek, ist das Tor zum Kopački rit, Zmajevac ein Weinort an der Donau, In Batina steht auf dem Plateau Gradac über der Donau ein Denkmal, das 1947 zur Erinnerung an eine Schlacht des Zweiten Weltkriegs errichtet wurde. Draž hat einen Flussstrand am alten Donauarm.
Das Baranja-Gebirge verläuft von Nordosten nach Südwesten zwischen Beli Manastir und Batina, rund 21 Kilometer lang und drei Kilometer breit. Seine Hänge sind weitgehend mit Reben bepflanzt. Eine Besonderheit sind die Surduks, enge Hohlwege mit wurzelgesäumten Wänden, und die Gatori, in den Hang gebaute Weinkeller. Ein Surduk mit Gatori ist in Kroatien auf Baranja beschränkt. Am verbreitetsten ist die Graševina, hinzu kommen Sauvignon und ein roter Verschnitt. Belje ist der bekannteste Grossproduzent.
Die Küche der Region wird als die schärfste Kroatiens beschrieben, geprägt von Paprika. Gängig sind Fiš-Paprikaš (Flussfischeintopf), Šaran u rašljama (Karpfen, am offenen Feuer gegart) und Čobanac, ein Eintopf mit Wildfleisch. Dazu kommen das Schwarze Schwein und der Kulen. Der Baranjski kulen besitzt den Status einer geografischen Angabe der FAO. In Suza produziert eine Metzgerei Kulen, im Dorf Karanac gibt es ein Ethnodorf mit dem Restaurant Baranjska kuća.
Die Strecke Beli Manastir–Villány, eröffnet am 20. Dezember 1870, gilt als erste Personenbahn Kroatiens. Über die Weinmengen sagt man in Baranja: «Gerade genug für uns und unsere Gäste.»
Šokci und Traditionen
Die Šokci sind eine südslawische Volksgruppe aus Baranja, Bačka, Slawonien und Syrmien, heute vor allem im Osten Kroatiens, im Südwesten Ungarns und im Norden Serbiens. Die meisten verstehen sich als Untergruppe der Kroaten. Sie sprechen einen alten slawonisch-štokavischen Dialekt, in Baranja, Posavina und Bačka überwiegt die ikavische Aussprache. Sie sind römisch-katholisch. In Dörfern gibt es oft eine Hauptstrasse mit Wassergräben, die Höfe haben Brunnen. Jedes Dorf hat meist einen Kulturverein, der Lieder und Tänze pflegt. Im Februar findet bei Županja das «Šokačko sijelo» statt.
Die Tamburica-Musik gilt als das auffälligste Merkmal. Früher spielte man auch Dudelsack. Der Bećarac ist ein Gesang in Zehnsilbern, den Sänger im Moment bilden, nachahmen und kombinieren. Wer führt, braucht eine kräftige Stimme und ein grosses Repertoire an alten und neuen Strophen, eine Gruppe von Sängern und Tamburica-Kapellen begleitet ihn. Er ist lebhaft, wetteifernd und oft witzig. 2011 nahm die UNESCO den Bećarac in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Verbreitet ist er in Slawonien, Baranja und Syrmien.
Die slawonische Tracht gilt als sehr aufwendig, mit Blumenmustern, Stickerei, Spitze, Seide oder Wolle sowie Bändern und Schleifen aus Seide. Die Farben sind kräftig, oft stehen Gold, Rot, Blau, Weiss und Schwarz in einem Kleid nebeneinander. Frauen tragen Schmuck aus Gold oder Silber, Korallen, Bernstein und Perlen. Die Männer kleiden sich in weniger Farben, ihre dicken Westen tragen Stickmuster. Die traditionelle Tracht der Šokci, die Rubina, besteht aus weissem Leinen mit Spitze, Frauen tragen sie vor allem im Sommer. Golddukaten auf der Brust zeigten eine wohlhabende Familie an.
Der Kulen ist Hackfleisch vom Schwein mit Paprika und Knoblauch, im Herbst bei der Schlachtung gemacht, mehrere Monate geräuchert und weitere Monate luftgetrocknet. Der ganze Vorgang kann bis zu einem Jahr dauern. Der Slavonski kulen hat in Kroatien einen geschützten Ursprung. Zur Küche zählen auch der Eintopf Čobanac. Das Festival Đakovački vezovi, seit 1967, führt Trachten, Tänze und Lieder zusammen.