Stein, Salz und offenes Meer.
Im Süden Kroatiens liegen eine Stadt mit fast zwei Kilometern Mauer, eine Insel mit Salzwasserseen und eine Halbinsel, die einst einen eigenen Stadtstaat schützte. Die Region ist klein, aber dicht an Geschichte.
Auf einen Blick
Am Ende der Küste
Süddalmatien bildet den südlichsten Abschnitt Kroatiens. Die Region gehört zur Gespanschaft Dubrovnik-Neretva, deren Sitz die Stadt Dubrovnik ist. Von der Stadt ist es nicht weit bis zur montenegrinischen Grenze bei Prevlaka, dem äussersten Ende der Gemeinde Konavle. Im Norden schliesst das Delta der Neretva an. Vor der Küste liegen die Inseln Korčula und Mljet, zwischen ihnen und dem Festland die Halbinsel Pelješac.
Die Landschaft wechselt auf kurzen Strecken. Hinter der schmalen Küstenebene von Konavle steigt die Sniježnica auf 1234 Meter an, der höchste Punkt der Gespanschaft. Auf Pelješac erreicht der Sveti Ilija 961 Meter. Dazwischen liegen Buchten, Salinen, Weinberge und Plantagen. Die Wege sind kurz, die Unterschiede gross: Auf wenigen Dutzend Kilometern folgen Felsküste, Schwemmland, Bergdörfer und Inselhäfen aufeinander.
Eine Republik am Meer
Dubrovnik war über Jahrhunderte ein eigener Staat. Die Republik Ragusa regierte sich ab dem 14. Jahrhundert selbst, bis Marschall Marmont sie 1808 aufhob. Zu ihrem Gebiet gehörten Konavle, das als grösste Kornkammer galt, die Halbinsel Pelješac mit den Salinen von Ston und Teile der Inseln. Mljet wurde 1410 förmlich angegliedert.
Die Spuren dieser Zeit sind überall zu sehen: Wehrmauern wie in Ston und Dubrovnik, ein Grafenpalast in Konavle, ein Franziskanerkloster auf Lopud, ein Sommersitz mit Garten in Trsteno. Das Erdbeben von 1667 zerstörte allerdings die meisten öffentlichen Gebäude, das heutige Stadtbild stammt deshalb zu einem guten Teil aus der Zeit danach. Die Stadtmauern überstanden das Beben dagegen weitgehend.
Inseln, Halbinsel, Festland
Korčula misst 279 Quadratkilometer und ist die sechstgrösste Insel der Adria. Mljet ist 37 Kilometer lang, aber im Mittel nur gut drei Kilometer breit. Zwischen beiden liegt Pelješac, eine 65 Kilometer lange Halbinsel mit 348 Quadratkilometern Fläche. Dazu kommen die Elaphiten vor Dubrovnik: 13 Inseln, von denen nur drei dauerhaft bewohnt sind.
Inseln, Halbinsel und Festland liegen nah beieinander. Seit Juli 2022 verbindet die Pelješac-Brücke die Halbinsel mit dem übrigen Festland. Sie umgeht den Küstenstreifen von Neum, der zu Bosnien und Herzegowina gehört. Die Fahrt vom Festland nach Pelješac führte zuvor durch diesen Abschnitt, mit einer Grenze auf dem Weg. Von Pelješac aus fahren zudem Autofähren nach Korčula, und von Trpanj nach Ploče.
Klima und Reisezeit
Dubrovnik hat ein heisses Mittelmeerklima mit den mildesten Wintern aller kroatischen Städte. Schnee ist dort sehr selten. Die Sonne scheint im Schnitt gut 2600 Stunden im Jahr, der Niederschlag beträgt im Mittel etwa 1060 Millimeter.
Im Sommer wird es heiss: Der Höchstwert in Dubrovnik liegt bei 38,9 Grad, gemessen am 13. August 2025, der tiefste Wert bei minus 7 Grad im Januar 1968. Der Flughafen bei Čilipi, rund 20 Kilometer südöstlich der Stadt, zählte 2024 knapp drei Millionen Ankünfte und ist der drittgrösste Kroatiens. Das Klima gehört zum heissen Mittelmeertyp und liegt nahe an der Grenze zum feucht-subtropischen.
Orte
Zehn Orte zeigen, wie nah Stadtmauer, Insel, Delta und Garten in Süddalmatien beieinanderliegen.
Dubrovnik, Altstadt
Dubrovnik liegt an der südlichen Adriaküste und ist der Sitz der Gespanschaft Dubrovnik-Neretva. Bei der Volkszählung 2021 zählte die Stadt 41'562 Einwohner. Gegründet wurde sie vermutlich im 7. Jahrhundert von Flüchtlingen aus Epidaurum, dem heutigen Cavtat. Ab dem 14. Jahrhundert regierte sie sich als freier Stadtstaat, die Republik Ragusa. Marschall Marmont hob diese 1808 auf und schlug ihr Gebiet dem napoleonischen Königreich Italien zu.
Das Bild der Altstadt geht stark auf das Jahr 1667 zurück. Ein Erdbeben tötete damals über 5000 Menschen und zerstörte die meisten öffentlichen Gebäude, nur wenige Renaissancebauten blieben erhalten. Die Hauptachse ist der Stradun, von den Einheimischen Placa genannt. Er ist rund 300 Meter lang, mit Kalkstein gepflastert und führt vom Pile-Tor im Westen zum Ploče-Tor im Osten. Wo er heute verläuft, trennte im Mittelalter ein sumpfiger Kanal die Stadt von der Siedlung Dubrava. Man schüttete ihn im 13. Jahrhundert zu.
Am westlichen Ende steht der grosse Onofrio-Brunnen. Der neapolitanische Baumeister Onofrio della Cava vollendete 1438 eine rund 20 Kilometer lange Wasserleitung mit zwei öffentlichen Brunnen. Der Rektorenpalast verbindet Gotik und Renaissance und beherbergt heute ein Museum. Das Franziskanerkloster betreibt seit 1317 eine Apotheke, die als älteste noch geführte Apotheke Europas gilt. Das Dominikanerkloster wirkt von aussen wie eine Festung, im Inneren liegen ein Kunstmuseum, eine gotisch-romanische Kirche und eine Bibliothek mit 216 Inkunabeln.
Die Altstadt ist seit 1979 Welterbe. Im Herbst 1991 geriet sie unter Beschuss: Die Jugoslawische Volksarmee begann am 1. Oktober eine Belagerung, die rund sieben Monate dauerte. Etwa 56 Prozent der Gebäude der Stadt wurden in unterschiedlichem Mass beschädigt, die ummauerte Altstadt erhielt rund 650 Treffer. Der Wiederaufbau im ursprünglichen Stil nach UNESCO-Richtlinien war grösstenteils zwischen 1995 und 1999 abgeschlossen. 1998 strich die UNESCO Dubrovnik von der Liste des gefährdeten Welterbes.
Stadtmauern von Dubrovnik
Die Stadtmauer umschliesst die Altstadt von Dubrovnik fast lückenlos und ist rund 1940 Meter lang. An der höchsten Stelle misst sie etwa 25 Meter. Die Mauer zum Land hin ist vier bis sechs Meter dick, auf der Meerseite sind es 1,5 bis 5 Meter. Gebaut wurde sie hauptsächlich zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert. Ein Stadtplan von 1292 legte die heutige Anlage fest, die intensivsten Bauarbeiten fielen vom frühen 15. bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. Das Erdbeben von 1667 tat der Mauer vergleichsweise wenig.
Zur Anlage gehören drei runde und 14 viereckige Türme, fünf Bastionen und zwei Winkelbefestigungen. Der Minčeta-Turm im Nordwesten ist ein Rundturm, den Michelozzo um einen älteren viereckigen Bau legte. Fertig wurde er 1464, seine Mauern sind sechs Meter dick. Das Fort Bokar im Südwesten baute Michelozzo zwischen 1461 und 1463, es ist ein zweigeschossiges Kasemattenfort. Die Festung Lovrijenac steht auf einem Felsen 37 Meter über dem Meer und war mit zehn grossen Kanonen bestückt. Das Revelin am Ploče-Tor wird seit 1462 gebaut, der Entwurf von Antonio Ferramolino wurde 1538 genehmigt, die Arbeit dauerte elf Jahre.
Die Brücke am Pile-Tor entwarf Paskoje Miličević 1471, das äussere Ploče-Tor Mihajlo Hranjac 1628. Das Hafentor Ponte stammt von 1476, das Fischmarkt-Tor von 1381. Das Buža-Tor im Norden entstand erst im frühen 20. Jahrhundert.
Die Mauer gehört zum Welterbe, das die Altstadt 1979 erhielt. Auch die Fernsehserie «Game of Thrones» nutzte sie: Dubrovnik diente dort ab der zweiten Staffel hauptsächlich als Königsmund, die Stadtmauer war ein wichtiger Drehort.
Korčula
Korčula liegt vor der dalmatinischen Küste, getrennt von der Halbinsel Pelješac durch eine Meeresstrasse, die zwischen 900 und 3000 Meter breit ist. Die Insel misst 279 Quadratkilometer, ist 46,8 Kilometer lang und im Mittel 7,8 Kilometer breit. Höchster Punkt ist die Klupca mit 568 Metern. 2021 lebten dort 14'594 Menschen. Die grössten Orte sind die gleichnamige Stadt Korčula, Blato und Vela Luka. Von Vela Luka im Westen verkehren Fähren nach Split und nach Lastovo.
Griechische Siedler gründeten im 6. Jahrhundert v. Chr. die Kolonie Melaina Korkyra, die Kolonisten kamen von Korfu. Im 3. Jahrhundert v. Chr. liessen sich Griechen aus Issa, dem heutigen Vis, in Lumbarda nieder. Die dort gefundene Inschrift, das Lumbarda-Psephisma, gilt als ältestes schriftliches Steindenkmal Kroatiens. Das Statut von Korčula entstand um 1214. 1221 übergab Papst Honorius III. die Insel der Familie Šubić. 1571 erhielt Korčula von Papst Pius V. nach der Schlacht von Lepanto den Titel «Fidelissima».
Die ummauerte Altstadt von Korčula hat ein Gassennetz im Fischgrätmuster. Die Strassen verlaufen so, dass die Luft zirkulieren kann und enge Wege vor starkem Wind schützen. Im Mittelalter standen zwölf Türme in der Befestigung, sieben davon sind erhalten. Die Kathedrale St. Markus verbindet Gotik und Renaissance, ihr Bau zog sich von 1301 bis 1806 hin. Zur Insel gehört auch die Marco-Polo-Überlieferung: Nach einer im 16. Jahrhundert aufgezeichneten Tradition war Polo Befehlshaber einer venezianischen Galeere, die bei der Seeschlacht von Curzola 1298 gefangen genommen wurde. Andere Forscher verorten seine Gefangennahme an anderer Stelle, der Bezug zur Insel ist deshalb umstritten.
Zum Kulturleben zählt die Moreška, ein Schwerttanz, der mindestens bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurückreicht und mittelalterliche Wurzeln hat. Zwei Gruppen führen einen Scheinkampf um eine verschleierte junge Frau auf. Heute zeigt man verkürzte Fassungen im Sommer für Besucher. In den Dörfern der Insel tanzt man die verwandte Kumpanija. Als lokale Besonderheit gilt der Weisswein Grk.
Mljet
Mljet ist 37 Kilometer lang, im Mittel 3,2 Kilometer breit und mit 98 Quadratkilometern Fläche eine der grösseren Inseln Süddalmatiens. Sie liegt südlich von Pelješac, der Mljet-Kanal trennt beide. Über 84 Prozent der Fläche sind bewaldet. Die Insel zählte 2021 rund 1062 Einwohner. Der höchste Punkt ist der Veliki grad mit 514 Metern. Antike Autoren kannten sie als Melite. Sobra ist der Haupthafen, von dort fährt eine Autofähre nach Dubrovnik-Gruž und nach Ston.
Der Westen der Insel steht seit dem 11. November 1960 als Nationalpark unter Schutz. Er umfasst etwa 5300 Hektar, fast ein Drittel der Insel, dazu einen 500 Meter breiten Meeresstreifen. Im Zentrum liegen zwei Seen, der Veliko jezero (Grosser See) und der Malo jezero (Kleiner See). Beide sind tiefe Meeresbuchten mit Salzwasser. Auf einer Insel im Grossen See, St. Marien, steht ein ehemaliges Benediktinerkloster. Die Benediktiner aus Pulsano wurden 1151 Feudalherren der Insel und gaben ihre Herrschaft 1345 auf. In napoleonischer Zeit, 1809, wurde das Kloster aufgelöst. Die Republik Ragusa gliederte Mljet 1410 förmlich an.
Die Orte Pomena und Polače im Park sind Anlegestellen der Ausflugsboote, Fusswege führen von dort zu den Seen. In Polače stehen römische Ruinen. Aussicht bieten die Gipfel Montokuc und Veliki Sladin Gradac, mit Blick auf Pelješac und Korčula. Im Park kann man mit Kanus zu Stränden und Meereshöhlen paddeln. Boote fahren ab Dubrovnik, Split und Pelješac, im Herbst findet auf der Insel ein Half-Ironman-Triathlon statt.
Eine Besonderheit der Fauna: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden kleine indische Mangusten ausgesetzt, um die Population der Sandotter zu verringern. Das gelang, doch die Tiere töteten auch viele Vögel. Noch heute fehlen auf der Insel Heckenvögel wie Sperlinge.
Pelješac und Ston
Pelješac ist 65 Kilometer lang und 348 Quadratkilometer gross. Gemessen wird von der Landenge bei Ston bis zum Kap Lovišta. 2021 lebten dort 7401 Menschen. Der höchste Punkt ist der Sveti Ilija mit 961 Metern. Die grösste Gemeinde ist Orebić, von dort fährt eine Autofähre nach Korčula. Seit dem 26. Juli 2022 führt die Pelješac-Brücke von der Halbinsel bei Brijesta zum Festland bei Komarna und erspart den Weg durch den Küstenstreifen von Neum. Sie ist 2404 Meter lang, ihre fünf mittleren Felder messen je 285 Meter, die Pylone ragen 98 Meter über das Meer. Die Kosten betrugen 420,3 Millionen Euro, der Bau begann am 30. Juli 2018.
Ston liegt an der Landenge, mit dem Nachbarort Mali Ston verbinden es die Stadtmauern von Ston. Der Bau begann nach 1358 und zog sich durch das 14. und 15. Jahrhundert. Ursprünglich massen die Mauern über sieben Kilometer, heute sind es etwas mehr als fünf. Sie bilden ein unregelmässiges Fünfeck. Von den ursprünglich etwa 40 Türmen und fünf Festungen stehen noch 20 Türme. Die Anlage schützte Ston, die Salinen und Dubrovnik. Nach fast 50 Jahren Restaurierung wurde sie 2009 wieder eröffnet. Die Salinen sind bis heute in Betrieb.
Mali Ston ist für seine Austern bekannt. Die Republik Dubrovnik soll die Bucht von Bistrina 1333 von Ban Stjepan Kotromanić gepachtet haben, um dort Austern zu züchten.
Die Halbinsel ist ausserdem Weinland. Der Dingač wächst aus der Sorte Plavac mali auf einer Fläche von nur etwa 60 Hektar. 1965 wurde er als Wein der Premiumklasse unter Schutz gestellt. Er ist dunkelrot bis violett, voll und leicht herb.
Elaphiten
Die Elaphiten sind eine Inselgruppe nordwestlich von Dubrovnik. Man zählt 13 Inseln, acht grössere und fünf kleinere, mit zusammen rund 30 Quadratkilometern Land. Nur drei sind dauerhaft bewohnt, insgesamt leben etwa 850 Menschen dort: auf Šipan, Lopud und Koločep. Der Name geht auf Plinius den Älteren zurück, der die Inseln im 1. Jahrhundert als Elaphitische Inseln erwähnte, nach dem altgriechischen Wort für Hirsch. Hinweise darauf, dass je Hirsche auf den Inseln lebten, gibt es allerdings nicht.
Koločep liegt rund fünf Kilometer vom Hafen Gruž entfernt und ist die nächste der drei. In der Zeit der Republik Ragusa war sie ein wichtiger Ort des Schiffbaus. Heute zählt man auf der Insel sieben vorromanische Kirchen aus dem 9. bis 11. Jahrhundert, etwa 163 Menschen leben dort. Šipan ist mit 15,8 Quadratkilometern die grösste und am weitesten entfernte Insel. Sie hat 419 Einwohner und zwei Siedlungen, Šipanska Luka und Suđurađ, die beide von Jadrolinija-Fähren angelaufen werden.
Lopud, die mittlere der drei, misst 4,63 Quadratkilometer und hatte 2021 noch 278 Einwohner. Sie gehörte zur Kommune Dubrovnik und später als eigene Grafschaft zur Republik Ragusa. Das Franziskanerkloster wurde 1483 gegründet, seine Mönche trugen zur Verbreitung der Schreibkunst auf der Insel bei. Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte Lopud sein goldenes Zeitalter, getragen von Schifffahrt und Seehandel, auch mit Amerika. Die Handelsflotte zählte angeblich rund achtzig Schiffe, der höchste Bevölkerungsstand lag bei etwa 2000 Menschen. Sandstrände sind selten: Nur 1,2 von 11,5 Kilometern Küste bestehen aus Sand, am bekanntesten ist die Bucht von Šunj.
Unter den unbewohnten Inseln liegt Daksa mit einem im 13. Jahrhundert gegründeten Franziskanerkloster, das beim Einmarsch Napoleons aufgegeben wurde. Sveti Andrija ist ein Vogelschutzgebiet mit einem Leuchtturm von 1873, auch Olipa im Westen trägt einen Leuchtturm. Täglich fährt eine Fähre von Dubrovnik zu den drei bewohnten Inseln. Wegen der kurzen Distanzen lassen sich zwei oder drei davon in einem Tag verbinden.
Cavtat
Cavtat liegt an der Adriaküste südlich von Dubrovnik und ist der Hauptort der Gemeinde Konavle. 2021 zählte der Ort 2189 Einwohner auf 5,8 Quadratkilometern. Zwischen Cavtat, Mlini und Dubrovnik verkehren Boote. Die Gemeinde Konavle, zu der Cavtat gehört, reicht bis zur montenegrinischen Grenze. Der Name kommt vom lateinischen «Civitas Vetus», der «alten Stadt», und verweist auf die lange Geschichte des Platzes.
Siedler aus Korinth gründeten im 6. Jahrhundert v. Chr. eine Stadt, die als Epidauros bekannt wurde. Unter den Römern hiess sie Epidaurum, deren Herrschaft setzt man ab 228 v. Chr. an. Im 7. Jahrhundert plünderten und zerstörten Awaren und Slawen die Stadt. Die Bewohner flohen auf die nahe Insel Laus, das spätere Ragusa und heutige Dubrovnik. Im Mittelalter wurde der Ort als Ragusa Vecchia, «Alt-Ragusa», neu besiedelt und kam unter die Herrschaft der Republik Ragusa. Der westliche Teil von Konavle mit Cavtat wurde am 31. Dezember 1426 von Radoslav Pavlović gekauft.
Auf dem höchsten Punkt des Friedhofs von Cavtat steht das Mausoleum der Familie Račić, einer örtlichen Reederfamilie. Der Bildhauer Ivan Meštrović errichtete es zwischen 1920 und 1922 als achteckigen Kuppelbau aus Stein und Marmor mit Bronzetüren. Für das Werk soll er 1925 auf der Pariser Ausstellung für dekorative Kunst den Grand Prix erhalten haben.
Der Maler Vlaho Bukovac (1855 bis 1922) stammt aus Cavtat, sein Elternhaus in der Altstadt ist heute ein Museum. Am Hafen reihen sich Restaurants und Cafés, zunehmend legen dort auch Yachten an. In der Umgebung bestehen die Strände aus Kies, dahinter wachsen Pinienwälder. Dubrovnik und der Flughafen liegen in der Nähe.
Konavle
Konavle liegt südöstlich von Dubrovnik zwischen dem Gebirgszug der Sniježnica und der Adria. Die Gemeinde misst 210,1 Quadratkilometer und hatte 2021 insgesamt 8607 Einwohner in 32 Siedlungen. Sie erstreckt sich von Cavtat bis zur montenegrinischen Grenze bei Prevlaka. Cavtat war 2011 mit 2153 Einwohnern die grösste Siedlung, gefolgt von Ćilipi mit 933 und Gruda mit 741. An der Küste liegen nur Cavtat und Molunat, alle übrigen Dörfer sind Binnendörfer. Die Sniježnica ist mit 1234 Metern der höchste Gipfel der Gespanschaft, Kuna auf etwa 700 Metern das höchstgelegene Dorf.
Der Name wird mit dem lateinischen «canalis» verbunden, den Bewässerungskanälen, die Wasser von Vodovađa Richtung Epidaurum führten. Die Republik Ragusa kaufte den östlichen Teil am 24. Juni 1419 von Sandalj Hranić, den westlichen mit Cavtat am 31. Dezember 1426 von Radoslav Pavlović. Sie verwaltete Konavle durch einen Grafen mit Sitz in Pridvorje. Der Grafenpalast dort und der Soko-Turm in Dunave gehören zu den sichtbaren Resten dieser Zeit. Bis zur Auflösung der Republik 1808 blieb Konavle die grösste Kornkammer des Stadtstaats.
Angebaut wurden Weizen, Gerste, Oliven, Wein, Feigen, Mandeln und Zitrusfrüchte, dazu Gemüse wie Kohl und Kartoffeln. Man hielt Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde und Esel. Nach dem alten Pachtsystem behielten die Bauern drei Viertel der Ernte, ein Viertel ging an die Grundherren.
Die Einwohnerzahl blieb stabil: 8577 im Jahr 2011, 8607 im Jahr 2021. Beim Dorf Ćilipi liegt der Flughafen von Dubrovnik. Ćilipi bekam 1907 eine Poststelle und 1909 einen Telegrafen. Von Oktober 1991 bis Mai 1992 war Konavle besetzt und wurde dabei stark beschädigt. Heute zählt die Gemeinde zu den wohlhabenderen in Dalmatien und in Kroatien.
Neretva-Delta
Die Neretva ist rund 225 Kilometer lang. Sie entspringt in den Dinariden, durchfliesst Bosnien und Herzegowina und legt die letzten 22 Kilometer in Kroatien zurück, bevor sie in die Adria mündet. Ihr kroatisches Delta ist ein Ramsar-Gebiet mit der Nummer 585. Es bedeckt heute noch rund 11'490 Hektar, das ursprüngliche Schwemmland war auf etwa 19'000 Hektar geschätzt. Durch die Landgewinnung sind aus zwölf Flussarmen drei geworden. Das Feuchtgebiet setzt sich im Hutovo Blato in der Herzegowina fort.
Zum Delta gehören Schilfgürtel, Seen, nasse Wiesen, Lagunen, Sandbänke und Salzwiesen. Man hat dort 313 Vogelarten verzeichnet, darunter Löffler, Seeregenpfeifer und Stelzenläufer. Das Gebiet liegt auf der Zugroute zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer und dient Watvögeln, Seeschwalben und Möwen als Rastplatz. Drei ornithologische Reservate heissen Prud, Orepak und Podgredom, dazu kommt eines an der Flussmündung. An Fischen kommen 35 Süsswasserarten vor, 18 davon sind endemisch.
Neben traditionellen Feldern gibt es intensiv bewirtschaftete Flächen mit Mandarinenplantagen und Gemüsegewächshäusern. Die Gegend zwischen Ploče, Metković und Opuzen gilt als Zentrum des Mandarinenanbaus. Für die Ernte im Herbst 2024 schätzte man etwa 30'000 Tonnen. Als Bedrohungen gelten Überdüngung, Landgewinnung und die Zerstückelung der Lebensräume.
Typisch für die Gegend ist die Lađa, ein schmales Boot aus dem unteren Neretva-Lauf. Früher beförderte man damit Menschen, Erntegut, Tiere und Geräte, auch zu Hochzeiten und Beerdigungen. Seit 1998 findet der Marathon der Lađen statt, ein Amateurrennen von Metković nach Ploče über 22,5 Kilometer. Er wird am zweiten Samstag im August ausgetragen. Bei Vid, vier Kilometer südwestlich von Metković, liegen die Reste des römischen Narona.
Trsteno
Das Arboretum von Trsteno ist eine der ältesten Gartenanlagen Kroatiens. Die Adelsfamilie Gučetić-Gozze legte es im späten 15. Jahrhundert an. Der genaue Beginn ist unbekannt, 1492 bestand es bereits, als Gründungsjahr wird auch 1494 genannt. Der Garten umgibt ein Sommerhaus, die Parkanlage um das Gebäude wurde 1502 entworfen und gilt als ältester Renaissancepark des Landes. Das geschützte Gelände misst etwa 255'000 Quadratmeter. Das Anwesen gehörte Adligen der Republik Ragusa und ist ein seltenes Beispiel für eine «villeggiatura», einen Landsitz zwischen Kultur und Landwirtschaft.
Bekannt ist die Anlage für ihre Bäume. Zwei orientalische Platanen auf dem Dorfplatz sind über 500 Jahre alt, ihr Stamm misst rund fünf Meter im Durchmesser. Zur Bewässerung diente ein Aquädukt, der spätestens 1492 gebaut wurde und noch heute in Betrieb ist. 1736 baute man den ursprünglichen Renaissancebrunnen zu einem barocken Nymphäum um, in dessen Mitte ein Neptun steht. Dazu kommen ein Olivenhain, ein Bambushain, ein neuromantischer Garten aus dem späten 19. Jahrhundert und eine Mühle mit erhaltenen Ölpressen. Mehrere hundert Pflanzenarten wachsen im Garten, darunter viele exotische.
Zweimal erlitt der Garten schwere Schäden. Am 2. und 3. Oktober 1991 beschossen Kanonenboote und Flugzeuge der Jugoslawischen Volksarmee die Gegend, ein grosser Teil des Gartens brannte. Ein Waldbrand während einer Dürre zerstörte im Jahr 2000 etwa 120'000 Quadratmeter.
1948 erhielt die Kroatische Akademie der Wissenschaften und Künste das Anwesen als Schenkung und stellte es unter Schutz. Sie verwaltet es seit 1950. Die Fernsehserie «Game of Thrones» nutzte den Garten in der dritten und vierten Staffel als Schauplatz der Gärten der Roten Burg in Königsmund.