Kroatien · Region

Rom, Venedig und rote Erde.

Istrien ist die grösste Halbinsel der Adria. Römische Bauten, venezianische Hafenstädte und Hügeldörfer liegen hier nur ein paar Dutzend Kilometer auseinander.

Auf einen Blick

RegionIstrien (Istarska županija), Kroatien
Fläche2’813 km² (Gespanschaft)
Einwohner195’794 (Volkszählung 2021)
VerwaltungssitzPazin, grösste Stadt ist Pula
SprachenKroatisch und Italienisch amtlich
WelterbeEuphrasius-Basilika in Poreč, seit 1997
Tourismus27 % aller Gäste Kroatiens
OlivenölBeste Olivenölregion laut Flos Olei, 2017 bis 2024

Eine Halbinsel für drei Staaten

Istrien ist die grösste Halbinsel der Adria und liegt zwischen dem Golf von Triest und der Kvarner Bucht. Drei Staaten teilen sie sich, Kroatien, Slowenien und Italien, wobei rund 90 Prozent der Fläche zu Kroatien gehören. Die Gespanschaft Istrien misst 2813 Quadratkilometer und zählte 2021 knapp 196’000 Einwohner. Mirna und Raša sind die bekanntesten Flüsse, an der Raša verlief im Mittelalter die Grenze des kroatischen Königreichs. Im Osten steigt hinter der Küste von Opatija das Učka-Gebirge an, ein rund 20 Kilometer langer Zug zwischen dem Poklon-Pass und der Bucht von Plomin. Vom Gipfel reicht der Blick über Istrien und die Kvarner Bucht, bei klarer Sicht bis zu den Inseln um Dugi Otok.

Venedig, Wien, Rom

Die Römer unterwarfen die Histri, ein Volk, das sie als Piraten beschrieben, nach zwei Feldzügen im Jahr 177 v. Chr. Venedig gewann später die Küstenstädte: 1267 trat Poreč als erste istrische Stadt der Republik bei, 1278 folgte Motovun, 1283 Rovinj. Nach dem Ende Venedigs 1797 gehörte Istrien zu Österreich.

1920 sprach der Vertrag von Rapallo das Österreichische Küstenland Italien zu. Im Frieden von Paris 1947 kam der grösste Teil der Halbinsel an Jugoslawien, am 15. September 1947 wurde Istrien mit Jugoslawien vereinigt. Seit 1991 gehört der kroatische Teil zum unabhängigen Kroatien. Jede dieser Herrschaften hat Spuren hinterlassen, von der Arena bis zu den Namen auf den Ortsschildern.

Zwei Sprachen

Kroatisch und Italienisch sind in der Gespanschaft beide Amtssprache. Istrien hat die grösste italienischsprachige Bevölkerung Kroatiens, im Alltag ist ausserdem der čakavische Dialekt verbreitet. Viele Orte tragen zwei Namen: Pula heisst auf Italienisch Pola, Poreč Parenzo, Rovinj Rovigno.

Nach 1947 verliess ein grosser Teil der italienischsprachigen Bevölkerung die Region und wurde durch Zuzug aus anderen Teilen Jugoslawiens ersetzt. In Poreč gaben bei der Volkszählung 2011 3,2 Prozent der Einwohner an, istrische Italiener zu sein. Neben dem Lateinischen hat Istrien eine eigene Schrifttradition: Die glagolitischen Wandinschriften in Hum stammen aus dem 12. Jahrhundert, die Glagolitische Allee bei Roč zeichnet die Geschichte der Schrift nach.

Gäste und Wirtschaft

Istrien ist das wichtigste Reiseziel Kroatiens. Die Gespanschaft stellt nur 4,8 Prozent der Bevölkerung des Landes, empfängt aber 27 Prozent aller Gäste des Landes und kommt auf 35 Prozent der touristisch verbrachten Zeit. In Poreč kann die Einwohnerzahl in der Hochsaison auf über 120’000 steigen. Pula ist mit 52’220 Einwohnern die grösste Stadt, Verwaltungssitz ist das kleinere Pazin. Daneben tragen die verarbeitende Industrie, der Handel, der Schiffbau, die Baustoffindustrie und die Landwirtschaft zur Wirtschaft bei.

Zwischen 1902 und den 1930er-Jahren verband die Schmalspurbahn Parenzana Triest mit Poreč und führte unter Motovun entlang. Heute ist ihre Trasse an vielen Stellen ein Weg für Wanderer und Velofahrer.

Orte

Neun Orte zeigen, wie dicht römische, venezianische und österreichische Spuren in Istrien beieinanderliegen.

Pula und das Amphitheater

Das Amphitheater von Pula steht ausserhalb der römischen Stadtmauern an der Via Flavia und gehört zu den sechs grössten erhaltenen römischen Arenen. Die Quellen datieren den Bau auf die Zeit zwischen 27 v. Chr. und 68 n. Chr., die Angaben schwanken. Unter Vespasian wurde die Anlage 79 n. Chr. erweitert. Die äusseren Achsen messen rund 132 und 105 Meter, an der höchsten Stelle ragt die Mauer gut 32 Meter auf. Die Kampffläche ist 68 mal 42 Meter gross. Ursprünglich fanden etwa 23’000 Zuschauer Platz, heute sind es rund 7000 Sitzplätze, bei Veranstaltungen im Stehen 12’500.

Kaiser Honorius verbot im 5. Jahrhundert die Gladiatorenkämpfe, Kämpfe zwischen Verurteilten und wilden Tieren wurden erst 681 untersagt. Über Jahrhunderte brach man Steine aus dem Bau, bis 1789 zuletzt Material für das Fundament des Glockenturms der Kathedrale entnommen wurde. Heute finden in der Arena Konzerte, Opern und das Filmfestival statt, in den unterirdischen Gängen zeigen Ausstellungen den Weinbau und die Olivenkultur Istriens. Die Arena war auf den kroatischen Zehn-Kuna-Scheinen abgebildet, ausgegeben 1993, 1995, 2001 und 2004.

Auch die Stadt selbst war römisch. Cäsar erhob sie zwischen 46 und 45 v. Chr. zur Kolonie, nach einer Zerstörung wurde sie unter dem Namen «Colonia Pietas Iulia Pola Pollentia Herculanea» wieder aufgebaut. Erhalten sind der Augustustempel am Forum aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der Triumphbogen der Sergier aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., das Doppeltor aus der Mitte des 2. Jahrhunderts und das Herkulestor.

1859 bestimmte der dänische Admiral Dahlerup in österreichischen Diensten Pola zum Marinestützpunkt, der Hafen wurde zum wichtigsten Kriegshafen Österreichs. Von Oktober 1904 bis März 1905 unterrichtete James Joyce hier an der Berlitz-Schule Englisch, vor allem Marineoffiziere. 1918 kam die Stadt zu Italien, am 15. September 1947 zu Jugoslawien. 2021 zählte sie 52’220 Einwohner.

Zurück zu den Orten

Rovinj

Rovinj zählte 2021 rund 13’000 Einwohner, im Stadtkern leben etwa 11’600. Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel, die einst eine Insel war: 1763 wurde der Kanal zum Festland zugeschüttet. Von 1283 bis 1797 herrschte Venedig über den Ort, danach Österreich bis zum Ersten Weltkrieg, von 1918 bis 1947 Italien. Seither heisst die Stadt amtlich Rovinj, die italienische Form Rovigno ist laut Stadtstatut gleichberechtigt, auch wenn der Staat das nicht garantiert.

Über der Altstadt steht die Kirche der heiligen Euphemia. Sie wurde von 1725 bis 1736 im Stil des Barock erbaut, die Fassade stammt von 1883. Der Glockenturm entstand schon zwischen 1654 und 1680 nach Plänen von Antonio Manopola. Er ist rund 60 Meter hoch und dem Campanile von San Marco in Venedig nachempfunden. Auf der Spitze dreht sich eine Statue der Heiligen als Wetterfahne. Die Kirche ist eine aktive Pfarrkirche im Bistum Poreč-Pula, im Innern stehen gotische Statuen aus dem 15. Jahrhundert und Gemälde des 16. und 17. Jahrhunderts, darunter ein Abendmahl und Christus in Gethsemane.

Die Gebeine der Euphemia ruhen in einem römischen Sarkophag aus dem 3. oder 4. Jahrhundert, der im 15. Jahrhundert angepasst wurde. Nach der Überlieferung fanden zwei Fischer im Sturm einen Sarkophag, der nahe am Ufer zu versinken drohte, Ochsen zogen ihn den Hügel hinauf. Später gelangten die Reliquien nach Genua und kamen im 14. Jahrhundert zurück, der linke Arm soll in Venedig geblieben sein.

Am alten Hafen widmet sich die Casa della Batana dem flachen Fischerboot der Region, der Batana. Das Ecomuseum steht im UNESCO-Register guter Praxis zur Erhaltung des immateriellen Erbes. Vor der Stadt liegt ein Archipel aus 19 Inseln, Steineichenwälder prägen die Küste. Am Molo steht der Balbi-Bogen von 1680 mit einem Uhrturm aus der Spätrenaissance.

Zurück zu den Orten

Poreč und die Euphrasius-Basilika

Die Euphrasius-Basilika in Poreč wurde ab 553 an der Stelle einer älteren Kirche gebaut, unter Bischof Euphrasius. Die erste Kirche an diesem Ort, dem heiligen Maurus geweiht, stammt aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, Münzen von Kaiser Valens (365 bis 378) stützen die Datierung. Heute sind vor allem die Mosaike bekannt, grösstenteils auf Goldgrund und aus dem 6. Jahrhundert. Zur Anlage gehören ein Atrium mit Säulengängen auf allen vier Seiten, ein achteckiges Baptisterium und ein Glockenturm aus dem 16. Jahrhundert. Seit 1997 ist die Basilika UNESCO-Welterbe. Sie ist die Kathedrale Mariä Himmelfahrt und Teil eines Bischofskomplexes mit Pfarrkirche, Sakristei und Cella trichora, Baptisterium, Oratorium des Maurus und Bischofspalast, der nach neuerer Forschung aus derselben byzantinischen Zeit stammt. Aus dem 5. Jahrhundert haben sich Bodenmosaike erhalten.

Der Stadtplan folgt bis heute dem römischen Kastell. Die Römer errichteten es im 2. Jahrhundert v. Chr., unter Augustus wurde der Ort zur «Colonia Iulia Parentium». Decumanus und Cardo Maximus, die beiden Hauptstrassen, haben ihre ursprüngliche Form behalten. Am Platz Marafor steht ein Tempel aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der Neptun geweiht war.

1267 schloss sich Poreč als erste istrische Stadt Venedig an, die Herrschaft dauerte mehr als fünf Jahrhunderte. Venezianisch-gotische Paläste und einzelne romanische Häuser stehen noch, die Dieta Istriana wurde im Barock umgebaut. Zur Stadt gehört die Baredine-Höhle, das einzige für Besucher geöffnete geologische Denkmal Istriens.

2021 hatte Poreč 16’607 Einwohner, im städtischen Kern 8841. Der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle, die touristischen Einrichtungen erstrecken sich über 37 Kilometer Küste. Das älteste Hotel, das Riviera, stammt von 1910. Die Parenzana verband die Stadt einst mit Triest.

Zurück zu den Orten

Motovun

Motovun liegt auf einem Hügel von rund 270 Metern über dem Tal der Mirna. Die Quellen nennen auch 277 Meter. 2021 hatte die Gemeinde 912 Einwohner, im Ort selbst lebten 397. Auf dem Hügel bauten schon Kelten und Illyrer Befestigungen. Im 10. und 11. Jahrhundert gehörte der Ort dem Bischof von Poreč, ab 1278 stand er unter venezianischer Herrschaft. Der Ort wurde zu einem grossen Teil in venezianischer Zeit gebaut, Mauern und Gebäude gelten als die am besten erhaltenen Istriens. Mit über tausend Stufen führt eine Treppe zum Ort hinauf, sie gilt als die längste Kroatiens.

Unten im Tal erstreckt sich der Wald von Motovun, rund zehn Quadratkilometer gross. 280 Hektar davon stehen unter besonderem Schutz. Hier wächst der Trüffel, der unterirdisch gedeiht und nur mit speziell ausgebildeten Hunden gefunden wird. Der Wald hiess in venezianischer Zeit Markuswald, damals durften nur ausgewählte Personen dort suchen. Das Trüffelgebiet reicht bis Buzet und Lupoglav im Nordosten und nach Süden bis in die Gegend von Pazin. Die Mirna ist der grösste Fluss Istriens. Rund 20 Minuten vom Ort entfernt führt der Weg «Sieben Wasserfälle der Mirna» an der Mirna und ihrem Nebenfluss Draga entlang.

Seit 1999 findet in Motovun das Motovun Film Festival statt, es zeigt unabhängige und avantgardistische Filme und dauert in der Regel fünf Tage, Ende Juli oder Anfang August. Die Mirna, auf Italienisch Quieto, fliesst unterhalb des Hügels. Die Schmalspurbahn Parenzana, die von 1902 bis in die 1930er-Jahre Triest mit Poreč verband, fuhr unter dem Ort entlang. Im Oktober findet in Motovun ausserdem ein Fest statt, das den Teran mit Trüffelgerichten zusammenbringt.

Zurück zu den Orten

Brijuni

Die Brijuni bestehen aus vierzehn kleinen Inseln vor der Westküste Istriens, zusammen 7,5 Quadratkilometer gross. Die grösste, Veli Brijun, misst 5,6 Quadratkilometer. Rund vier Fünftel des Nationalparks sind Meer. Fast 600 einheimische und etwa 80 eingeführte Pflanzenarten sind erfasst, im Park leben über 700 Damhirsche und über 200 Mufflons. Von Fažana aus dauert die Überfahrt nach Veli Brijun etwa 15 Minuten.

1893 kaufte der Wiener Unternehmer Paul Kupelwieser den gesamten Archipel und baute einen Badeort auf. 1900 lud er Robert Koch ein, auf den Inseln Versuche zur Ausrottung der Malaria durchzuführen. 1901 wurden die Brijuni für malariafrei erklärt. Kupelwieser starb 1919 in Wien.

Nach 1945 gehörten die Inseln zu Jugoslawien. Tito machte sie zu seiner Sommerresidenz, die Quelle nennt 1949 als Beginn, die Besuche reichten von 1947 bis 1979. Er starb 1980, wenig später wurde der Archipel Nationalpark. Zum Safaripark gehörten Tiere, die Tito geschenkt wurden, etwa zwei indische Elefanten, Sony und Lanka, ein Geschenk von Indira Gandhi. Sony starb 2010. Titos Cadillac von 1953 steht heute beim Museum.

Auf Veli Brijun lassen sich Funde aus mehreren Jahrtausenden sehen: über 200 Fussabdrücke von Dinosauriern an vier Stellen, die Reste einer römischen Villa in der Bucht Verige aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., ein byzantinisches Kastrum und die gotische Kirche St. Germain von 1481 mit Kopien mittelalterlicher Fresken. Ein Olivenbaum auf der Insel wird auf etwa 1600 Jahre geschätzt. Mali Brijun, rund 100 Hektar gross, ist durch einen Kanal von Veli Brijun getrennt. Ein Mittelmeergarten erstreckt sich über 17’000 Quadratmeter, eine naturkundliche Sammlung zeigt rund 200 präparierte Tiere, im Park leben vierzehn Fledermausarten.

Zurück zu den Orten

Rabac und Labin

Rabac ist ein Küstenort an der Kvarner Bucht, südöstlich der Bergstadt Labin. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war es ein kleines Fischerdorf. 1876 besuchte der britische Forscher Richard Francis Burton den Ort und beschrieb ihn in «The Seaboard of Istria». Das erste Hotel, das Quarnaro, eröffnete am 11. Juni 1889. Die Familie Prohaska baute die erste Sommervilla, sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. In den 1970er-Jahren wuchs Rabac zum Badeort, mit vielen Villen und Apartmenthäusern. 2021 hatte es 1257 Einwohner, 2001 waren es 1472. Das älteste erhaltene Gebäude ist die Kirche des heiligen Andreas aus dem 15. Jahrhundert, der Glockenturm daneben ist 35 Meter hoch. Das erste Hotel hatte nur drei Zimmer.

Labin liegt zwischen 210 und 320 Metern über dem Meer und hat in der Stadt rund 5800 Einwohner, in der Gemeinde über 10’400. Es war das Zentrum des grössten Kohlebergbaureviers Kroatiens, zur Hochzeit mit vier Gruben. Die Grube im Stadtgebiet schloss 1989. Das Kraftwerk Plomin bezieht seine Kohle heute von auswärts.

Die Altstadt auf dem Hügel über Rabac wird 285 n. Chr. erstmals als Albona erwähnt. Zum Stadttor Porta Sanfior von 1589 gehört das Labiner Wappen mit dem venezianischen Löwen, die Loggia von 1550 war früher der Ort, an dem Bekanntmachungen und Gerichtsurteile verlesen wurden. Die dreischiffige Kirche der Geburt Mariens wurde 1336 begonnen, im Palazzo Battiala-Lazzarini, einem Barockbau, ist seit 1960 das Volkskundemuseum untergebracht.

Im März und April 1921 wuchs ein Streik der Bergleute zu einem antifaschistischen Aufstand aus, der als erster dieser Art gilt und zur kurzlebigen Labiner Republik führte. In Labin wurde ausserdem der lutherische Reformator Matthias Flacius Illyricus geboren, im früheren Wohnhaus erinnert eine kleine Ausstellung an ihn. Rabac hat eine eigene Grundschule, weiterführende Schulen besuchen die Kinder in Labin.

Zurück zu den Orten

Hum

Hum gilt als eine der kleinsten Städte der Welt. Der Ort gehört zur Gemeinde Buzet, bei der Volkszählung 2021 wurden 52 Einwohner gezählt, 2011 waren es 30, 2001 sollen es 17 gewesen sein. Der Ort liegt auf einem Hügel, 349 Meter über dem Tal der Mirna, 14 Kilometer südöstlich von Buzet. Eine Quelle führt Hum als Rekordhalter des Guinness-Buchs als kleinste Stadt der Welt. Erstmals erwähnt ist er 1102 unter dem Namen Cholm, der auf das italienische «colmo» zurückgeht. Die Westseite schützt eine Mauer, an den anderen Seiten sind die Häuser in die Verteidigungsmauer eingebaut. Neben der Loggia entstand 1552 ein Glocken- und Wachturm.

Die Pfarrkirche erhielt 1802 eine klassizistische Fassade, an der Stelle einer älteren Kirche des einheimischen Baumeisters Juraj Gržinić. Im Innern sind Wandschriften in glagolitischer Schrift aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erhalten, sie zählen zu den ältesten Zeugnissen der kroatischen glagolitischen Schriftkultur. Das Stadtmuseum zeigt einige weitere glagolitische Texte.

Mit der Glagoliza verbindet Hum auch die «Glagolitische Allee», die von Roč nach Hum führt. Zehn Denkmäler, zwischen 1977 und 1981 errichtet, zeichnen entlang des Wegs die Geschichte der glagolitischen Schrift nach. In der Kirche des heiligen Antonius in Roč wird das Glagolitische Abecedarium von Roč aus dem 13. Jahrhundert aufbewahrt. Roč liegt sieben Kilometer von Hum entfernt und hatte 2011 153 Einwohner.

Buzet, zu dem beide Orte gehören, hatte 2021 insgesamt 5999 Einwohner, 2339 davon in der Stadt. Die Gemeinde gilt als Stadt der Trüffel und erstreckt sich auf 169 Quadratkilometern. Buzet ist ausserdem als Heimat des kroatischen Motorsports bekannt, jedes Jahr findet dort das Bergrennen «Buzetski dani» statt.

Zurück zu den Orten

Grožnjan

Grožnjan wird erstmals 1102 erwähnt: Markgraf Ulrich II. und seine Frau Adelheid übergaben ihr Land dem Patriarchen von Aquileia, die Urkunde nennt die Befestigung «Castrum Grisiniana». 1857 zählte der Ort 3223 Einwohner, 1910 mit rund 4000 den höchsten Stand. Im Siedlungskern lebten damals 1658 Menschen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Abwanderung stark an. Bis April 1956 waren zwei Drittel der Bewohner nach Italien ausgewandert. 2021 hatte die Gemeinde 656 Einwohner, im Ort selbst waren es 142. Die Zahlen schwanken je nach Quelle. 1965 wurde Grožnjan zur «Stadt der Kunst»: Ein Teil der leeren Häuser ging an Künstler aus Kroatien, Slowenien und der Vojvodina. 1969 erhielt das Kulturzentrum der Internationalen Föderation Musikalischer Jugend einige Gebäude.

Seither gilt der Ort als internationales Zentrum der kroatischen Musikjugend. Rund 20 Galerien stehen im kleinen Ortskern, im Sommer gibt es eine Filmschule. Die Abwanderung hat den Ort verändert: 1910 zählte die Gemeinde rund 4000 Einwohner, 2021 waren es 656. Die Kunst gab den leeren Häusern eine neue Aufgabe. Der gesamte Ort steht als geschützter Siedlungskomplex im Register der kroatischen Kulturdenkmäler, zu den Bauten zählen die Kirche der Heiligen Vitus, Modestus und Crescentia, das Stadttor, das Kastell und der Getreidespeicher mit Loggia. Seit 1999 gibt es das Festival «Jazz is Back!BP», das Boško Petrović gründete und das heute von Jeunesses Musicales Croatia veranstaltet wird, mit Konzerten, Jam-Sessions und Workshops. Ausserdem findet ein internationales Malereitreffen statt, «Ex Tempore». Besucher treffen die Künstler in ihren Werkstätten und bei Ausstellungen. Dorffeste zu Ehren der Ortsheiligen und Veranstaltungen des örtlichen Mountainbike-Clubs gehören ebenfalls zum Jahr. Rund um den Ort liegen Weinberge, Olivenhaine und Wälder.

Zurück zu den Orten

Trüffel, Wein und Olivenöl

Der istrische weisse Trüffel, Tuber magnatum Pico, zählt zu den begehrtesten der Welt. Sein Zentrum liegt im feuchten Wald von Motovun, er wächst im grauen, schweren Lehmboden des Landesinneren, nicht in der dunkelroten Küstenerde. Die Saison dauert von Spätsommer bis Frühwinter. Carlo Zigante fand bei Buje den nach eigenen Angaben grössten weissen Trüffel der Welt mit 1,3 Kilogramm, er kam ins Guinness-Buch der Rekorde und wurde bei einem Essen für hundert Gäste aufgetischt. Die Römer kannten den Trüffel schon vor über 1800 Jahren.

Olivenöl wird in Istrien seit rund 2000 Jahren hergestellt. Elf einheimische Sorten sind bekannt, am weitesten verbreitet ist die Buža. Wird sie gelb geerntet, schmeckt das Öl bitter und scharf, später, wenn die Frucht dunkel ist, süsser und fruchtiger. Der Führer Flos Olei zeichnete Istrien von 2017 bis 2024 acht Jahre in Folge als beste Olivenölregion der Welt aus.

Beim Wein dominieren Weisse, vor allem die Malvazija, die man am Zeichen IQ (Istrian Quality) auf dem Etikett erkennt. Die Malvazija aus Buje und der rote Teran aus Buzet gehören zu den bekannten Weinen der Halbinsel. Die Böden reichen von tiefrot an der Küste bis weiss im Landesinneren. Das Magazin Vogue zählte Istrien zu den besten Weinregionen Kroatiens.

Der Höhepunkt der Saison für weisse Trüffel liegt im Oktober. Im Herbst 2024 liefen die Zigante Truffle Days in Livade vom 5. Oktober bis 3. November, in Motovun das Teran-und-Trüffel-Fest und in Buzet zum Saisonabschluss ein Trüffelfest. Am Ende des Oktobers findet im Dorf Tinjan das Fest des pršut statt, des luftgetrockneten Schinkens, mit freien Verkostungen.

Zurück zu den Orten

Reisebericht folgt. Unsere Beiträge und Tipps zu Unterkunft und Essen schreiben wir noch auf.