Berlin, Schicht für Schicht.
Zwei Städte wuchsen an der Spree zusammen, eine Mauer trennte die Hälfte davon wieder ab, und seit 1990 ist es wieder eine einzige. Wer heute durch Berlin geht, sieht alle drei Kapitel nebeneinander.
Auf einen Blick
Zwei Städte an der Spree
Die Anfänge sind unscheinbar. Cölln auf der Spreeinsel wird 1237 erstmals urkundlich erwähnt, Berlin am nördlichen Flussufer 1244. 1307 schlossen sich die beiden Siedlungen zur Doppelstadt Berlin-Cölln zusammen. Mit der Krönung Friedrichs I. zum ersten König in Preussen 1701 wurde Berlin Residenz eines Königreichs, und nach der Reichsgründung 1871 Hauptstadt des Deutschen Reichs. Aus der kleinen Doppelstadt an der Spree war damit eine Metropole geworden.
Heute leben in Berlin rund 3,7 Millionen Menschen auf 892 Quadratkilometern. Die Stadt liegt flach: Zwischen ihrem tiefsten und ihrem höchsten Punkt liegen nur gut 80 Höhenmeter. Neben der Spree prägt die Havel das Stadtgebiet.
Geteilt und wieder vereint
Am 13. August 1961 riegelte die DDR Ost- von West-Berlin ab. Die Mauer teilte die Stadt 28 Jahre lang. Am 9. November 1989 wurde sie geöffnet, am 3. Oktober 1990 folgte die staatliche Wiedervereinigung. Einen Tag später trat der erste gesamtdeutsche Bundestag im Reichstag zusammen.
Am 20. Juni 1991 beschloss das Parlament, seinen Sitz und den der Regierung nach Berlin zu verlegen. Der Umbau des Reichstags dauerte bis 1999. Bis heute lässt sich diese Geschichte in der Stadt ablesen: Manche Stellen sind zu Gedenkorten geworden, andere zu Parks oder Neubauquartieren. Wer Berlin verstehen will, kommt an der Teilung nicht vorbei, auch wenn sie nur einen Teil der Geschichte erzählt.
Eine Stadt aus vielen Zentren
Berlin besteht aus zwölf Bezirken mit zusammen 95 Ortsteilen. Bis zum 1. Januar 2001 waren es 23 Bezirke, dann wurden sie bei einer Gebietsreform zusammengelegt. Die Sehenswürdigkeiten verteilen sich entsprechend weit: Regierungsviertel, Museumsinsel und Alexanderplatz liegen im Bezirk Mitte, die East Side Gallery zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, Schloss Charlottenburg im Westen und das Tempelhofer Feld im Süden.
Wer mehrere Orte an einem Tag besuchen will, sollte die Wege einplanen. Gerade die Gedenkorte zur Teilung liegen nicht nebeneinander. Das Regierungsviertel mit Reichstag und Brandenburger Tor liegt nahe beieinander, die Museumsinsel, die Bernauer Strasse und das Tempelhofer Feld dagegen in ganz verschiedenen Teilen der Stadt.
Welterbe und Anreise
Berlin hat drei UNESCO-Welterbestätten: die Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin (1990), die Museumsinsel (1999) und sechs Siedlungen der Berliner Moderne (2008). Für die Museumsinsel werden vier bis sechs Stunden für einen Überblick empfohlen, für die Vertiefung einzelner Häuser mindestens ein ganzer Tag.
Der Flughafen Berlin Brandenburg liegt bei Schönefeld und wurde 2020 eröffnet, mehr als ein Jahrzehnt nach der Schliessung des Flughafens Tempelhof. Für die Planung eines Besuchs hilft es, Berlin nicht als einen Ort zu betrachten, sondern als mehrere, zwischen denen man pendelt. Ein Tag im Regierungsviertel, einer auf der Museumsinsel und einer an den Gedenkorten der Teilung geben dem Aufenthalt eine gute Struktur.
Orte
Zehn Orte, an denen sich Berlins Geschichte vom Barock bis zur Teilung ablesen lässt.
Brandenburger Tor
Das Brandenburger Tor steht am Pariser Platz, am westlichen Ende der Allee Unter den Linden, und ist das bekannteste Bauwerk der Stadt. Der königliche Architekt Carl Gotthard Langhans entwarf es für den preussischen König Friedrich Wilhelm II. und baute es von 1788 bis 1791. Das Tor ist 26 Meter hoch und 62,5 Meter breit. Es wurde im August 1791 für den Verkehr freigegeben, noch bevor es ganz fertig war.
Die Quadriga auf dem Dach schuf Johann Gottfried Schadow. Nach dem Einzug Napoleons in Berlin 1806 wurde sie nach Paris gebracht und kehrte nach seiner Niederlage 1814 zurück. Karl Friedrich Schinkel gestaltete sie danach um, die Göttin auf dem Wagen wurde zur Siegesgöttin Victoria.
Im 20. Jahrhundert wurde das Tor zum Sinnbild der Teilung. Die Mauer verlief unmittelbar an seiner Westseite, und von August 1961 an war der Durchgang gesperrt. Als die Grenze am 9. November 1989 fiel, versammelten sich Tausende an der Mauer; der Durchgang selbst wurde am 22. Dezember 1989 geöffnet. Die Quadriga wurde 1990 zur Restaurierung abgebaut, und die offizielle Feier zur Wiedervereinigung fand am 2. und 3. Oktober 1990 statt. 2009 feierte Berlin hier mit dem «Fest der Freiheit» den 20. Jahrestag des Mauerfalls.
Nach einer privat finanzierten Sanierung ab Dezember 2000, die rund sechs Millionen Euro kostete, wurde das Tor am 3. Oktober 2002 mit einem neuen Beleuchtungskonzept wiedererröffnet. Der Pariser Platz davor ist ein beliebter Treffpunkt, und das Tor liegt in Gehdistanz zum Reichstag und zum Holocaust-Mahnmal, sodass sich alle drei zu einem Rundgang verbinden lassen.
Reichstag
Der Reichstag in Berlin-Mitte, an der Spree, ist der Sitz des Deutschen Bundestags. Der Architekt Paul Wallot baute das Haus von 1884 bis 1894 als Parlamentsgebäude für das Deutsche Kaiserreich, Berlin war nach der Reichsgründung 1871 Hauptstadt geworden. Wallot verband Elemente der Renaissance, des Barock und des Klassizismus zu einem monumentalen Bau. Die Inschrift «Dem Deutschen Volke» im Giebel kam erst 1916 hinzu.
Das Gebäude hat die Geschichte des 20. Jahrhunderts aus nächster Nähe erlebt. Am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann vom Balkon des Westportals die Republik aus. Am Abend des 27. Februar 1933 brannte der Plenarsaal, vermutlich gelegt vom niederländischen Kommunisten van der Lubbe. Am 30. April 1945 hissten zwei Rotarmisten eine sowjetische Fahne auf dem Dach. Die beschädigte Kuppel wurde nach dem Krieg gesprengt, der Wiederaufbau unter Paul Baumgarten begann 1957 und war bis 1973 abgeschlossen. 1995 verhüllten Christo und Jeanne-Claude das gesamte Gebäude zwei Wochen lang in silbernem Stoff; Millionen Menschen kamen.
Seit 1990 tagt der Bundestag im Reichstag. Nach dem Beschluss vom 20. Juni 1991, Parlament und Regierung nach Berlin zu verlegen, baute der britische Architekt Norman Foster das Haus ab 1994 um. Die von ihm entworfene Glaskuppel aus Stahl und Glas wiegt 800 Tonnen, misst 40 Meter im Durchmesser und ist 23,5 Meter hoch. Zwei spiralförmige Wege führen im Inneren zur Aussichtsplattform und wieder hinunter. Die erste Sitzung im umgebauten Haus fand am 19. April 1999 statt.
Der Besuch der Kuppel und der Dachterrasse ist kostenlos, setzt aber eine Anmeldung voraus, die über die Website des Bundestags läuft; spontane Besuche sind manchmal möglich. Sperrungen werden dort ebenfalls bekannt gegeben. Von oben sieht man auf das Regierungsviertel, den Tiergarten und die Stadt.
Museumsinsel
Die Museumsinsel am Lustgarten vereint fünf Museen, die zwischen 1823 und 1930 gebaut wurden. Sie ist seit 1999 UNESCO-Welterbe. Das Alte Museum von Karl Friedrich Schinkel (1823 bis 1830) war das erste Haus der Insel. Es entstand im Auftrag von Friedrich Wilhelm III., um die königlichen Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und zeigt Kunst der griechischen und römischen Antike.
Das Neue Museum von Friedrich August Stüler (1843 bis 1855) wurde nach langer Restaurierung durch David Chipperfield 2009 wiedereröffnet. Dort stehen die Büste der Nofretete und der Berliner Goldhut. Die Alte Nationalgalerie von 1876 zeigt Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, darunter Caspar David Friedrichs «Mönch am Meer». Im Bode-Museum (1897 bis 1904) sind Skulpturen von der Spätantike bis ins 18. Jahrhundert zu sehen, dazu das Münzkabinett und Donatellos Madonna Pazzi. Das Pergamonmuseum, von 1910 bis 1930 nach Plänen von Alfred Messel gebaut, birgt den Pergamonaltar, das Ischtar-Tor und die Mschatta-Fassade.
Für den Besuch gilt eine Einschränkung: Das Pergamonmuseum wird saniert, der Saal mit dem Pergamonaltar ist seit 2013 geschlossen, und seit dem 23. Oktober 2023 ist auch der Südflügel mit dem Ischtar-Tor zu. Eine teilweise Wiedereröffnung ist für den 4. Juni 2027 angekündigt. Welche Teile aktuell geöffnet sind, ändert sich mit dem Baufortschritt; die Staatlichen Museen zu Berlin informieren darüber.
Zentraler Eingang der Insel ist die James-Simon-Galerie von David Chipperfield Architects, die 2019 eröffnet wurde und nach dem Mäzen James Simon (1851 bis 1932) benannt ist. Hier gibt es Tickets, ein Café und einen Shop. Sie ist auch der einzige Zugang zum Pergamonmuseum. Gegenüber der Insel liegt das Humboldt Forum, am Lustgarten der Berliner Dom.
East Side Gallery
Die East Side Gallery ist ein 1,3 Kilometer langer Abschnitt der Berliner Mauer entlang der Mühlenstrasse, nördlich der Oberbaumbrücke im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Es ist das längste erhaltene Stück der Mauer. Im Frühjahr 1990, kurz nach dem Fall der Grenze, bemalten Künstlerinnen und Künstler aus 21 Ländern die Betonsegmente mit 106 grossformatigen Bildern. Angeregt hatten das Projekt zwei Künstlerverbände, die sich damals bereits vereint hatten; es galt als erstes gesamtdeutsches Kunstprojekt. Im September 1990 wurde die Galerie offiziell eröffnet.
Das bekannteste Bild stammt vom russischen Künstler Dmitri Vrubel. «Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben» zeigt den Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker. Thierry Noir, ein französischer Maler, der die Mauer schon vor der Wiedervereinigung illegal bemalt hatte, schuf die «Hommage an die junge Generation». Seit November 1991 steht die Anlage mit ihren 832 Betonelementen, jedes 1,20 Meter breit und 3,60 Meter hoch, an ihrem ursprünglichen Ort unter Denkmalschutz.
Die Bilder litten früh, denn sie waren ohne Grundierung und mit empfindlichen Farben gemalt, dazu kamen Graffiti. 2009 wurde der gesamte Abschnitt saniert, wobei die Originale verloren gingen; die meisten Künstler malten ihre Werke neu. Das Vorgehen ist bis heute umstritten, einige Künstler sehen im Erneuern ihrer Werke eine Verletzung ihres Urheberrechts. 2013 gab es heftige Proteste gegen ein Hochhausprojekt hinter der Mauer, weil Gegner weitere Schäden am Denkmal befürchteten.
Die Galerie liegt im Freien, die Oberbaumbrücke ist gleich daneben. Beides lässt sich zu einem kurzen Spaziergang an der Spree verbinden. Zur Geschichte der Grenzanlagen selbst informiert die Gedenkstätte an der Bernauer Strasse ausführlicher.
Fernsehturm und Alexanderplatz
Der Alexanderplatz trägt den Namen von Zar Alexander I., der 1805 die preussische Hauptstadt besuchte. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Platz weitgehend zerstört, seine heutige Gestalt erhielt er in den 1960er-Jahren als Fussgängerzone, fertiggestellt 1971. Während der Märzrevolution 1848 gab es hier Strassenkämpfe, und im November 1989, kurz vor dem Fall der Mauer, erreichten friedliche Demonstrationen gegen die DDR-Regierung ihren Höhepunkt. Die Weltzeituhr wurde im September 1969 aufgestellt und steht seit 2015 unter Denkmalschutz.
Über dem Platz erhebt sich der Fernsehturm. Gebaut wurde er von 1965 bis 1969, die offizielle Einweihung war am 3. Oktober 1969, für das Publikum öffnete er am 7. Oktober. Mit Antenne misst er 368 Meter; ursprünglich waren es 365, die neue Antenne von 1997 fügte drei Meter hinzu. Die Aussichtsplattform liegt auf etwa 203 Metern, das Drehrestaurant «Sphere» wenige Meter darüber. Seit 1979 steht der Turm unter Denkmalschutz, der Status blieb auch nach der Wiedervereinigung erhalten.
Neben dem Turm steht die Marienkirche, möglicherweise die meistfotografierte Kirche Berlins. Das Drehrestaurant dreht sich langsam um die eigene Achse, ein Umlauf dauert je nach Angabe 30 oder 60 Minuten. Wenn die Sonne auf die Kugel des Turms fällt, bildet das Licht oft ein helles Kreuz, das die Berliner «Rache des Papstes» nannten. Seit 2004 gehört der Turm zur Beleuchtung beim Festival of Lights.
Der Turm gehört der Deutschen Telekom, Aussichtsplattform und Restaurant werden von einem französischen Unternehmen betrieben. Ein Besuch der Plattform lässt sich gut mit einem Gang über den Alexanderplatz und zur Marienkirche verbinden.
Bernauer Strasse
An der Bernauer Strasse erinnert die Gedenkstätte Berliner Mauer an die Teilung der Stadt. Im August 1961 mauerten Grenztruppen die Erdgeschossfenster der Häuser auf der Südseite zu, die Bewohner flohen durch die oberen Stockwerke. Fotos dieser Fluchtversuche, bei denen Menschen aus Fenstern in die Sprungtücher der Feuerwehr sprangen, gingen um die Welt. 1965 wurden die Häuser abgerissen, die Fassaden der Erdgeschosse dienten bis 1979 als Grenzmauer.
Der Grenzstreifen zwischen Ackerstrasse und Bergstrasse ist 212 Meter lang und seit dem 2. Oktober 1990 als Denkmal geschützt. Darin ist ein 64 Meter langer Abschnitt der Grenzanlagen erhalten, der einzige in Berlin. Zwei etwa sechs Meter hohe Stahlwände fassen ihn ein, ihre Innenseiten aus poliertem Edelstahl sollen den Grenzstreifen endlos spiegeln. Die Gedenkstätte wurde am 9. November 1999 eingeweiht. Auf dem Gelände zeigt ein Fenster des Gedenkens die rund 130 Menschen, die an der Mauer erschossen wurden oder verunglückten, und ein fünfstöckiger Aussichtsturm erlaubt den Blick auf die erhaltenen Grenzanlagen.
Zum Ensemble gehört die Kapelle der Versöhnung. Die ursprüngliche Versöhnungskirche von 1894 lag nach dem Mauerbau im Todesstreifen und wurde 1985 gesprengt, die neue Kapelle wurde im Jahr 2000 geweiht. Dort finden regelmässig Andachten zum Gedenken an die Mauertoten statt. Auf der anderen Strassenseite steht das Dokumentationszentrum Berliner Mauer, das die Geschichte des Mauerbaus 1961 erklärt.
Anders als an anderen Mauerorten sind hier Strasse, Wohnhäuser und Grenzanlage im Zusammenhang zu sehen. Wer nur einen Ort zur Berliner Mauer besuchen möchte, ist an der Bernauer Strasse gut aufgehoben.
Checkpoint Charlie
Checkpoint Charlie lag an der Kreuzung von Friedrichstrasse und Zimmerstrasse und war bis 1990 der bekannteste Grenzübergang im geteilten Berlin. Er verband den sowjetischen mit dem amerikanischen Sektor. Nach dem Mauerbau im August 1961 stellten amerikanische Soldaten eine Holzbaracke mitten auf die Strasse. Ohne Kontrolle durch DDR-Soldaten durften hier nur Militärangehörige, Diplomaten und andere Amtspersonen passieren. Für West-Berliner war der Übergang gesperrt.
Am 27. Oktober 1961 standen sich hier amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber, die Welt sah zu. Auslöser war ein amerikanischer Offizier, der eine Theateraufführung in Ost-Berlin besuchen wollte und von DDR-Grenzern aufgehalten wurde. General Lucius Clay liess Panzer auf der Westseite auffahren, der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow antwortete mit eigenen. Die Truppen standen sich stundenlang mit Feuerbefehl gegenüber, ein Telefonat zwischen Chruschtschow und Präsident Kennedy führte zur Entspannung, und die Panzer zogen sich in Schritten von etwa zehn Metern zurück.
Die originale Kontrollbaracke wurde kurz nach dem Mauerfall entfernt und steht heute im Alliiertenmuseum in Berlin-Dahlem. Am 13. August 2000 wurde an der Kreuzung eine Nachbildung eingeweiht, eine weisse Baracke mit Lautsprechern, Suchscheinwerfern, einem Schild «US Army Checkpoint» auf dem Dach und einer Sandsackbarrikade, die mit Beton statt Erde gefüllt ist. Sie ist heute vor allem Fotomotiv und kann jederzeit kostenlos besucht werden.
Inhaltlicher wird es in der Nähe. An der Schützenstrasse und der Zimmerstrasse zeigt eine Freiluftausstellung Fluchtversuche, dazu eine Installation des Künstlers Frank Thiel. Das Mauermuseum am Checkpoint Charlie konzentriert sich auf Fluchtgeschichten aus der DDR, in kleinen, oft vollen Räumen mit Texten, Bildern, Videos und Originalobjekten. Wer hier einen authentischen Grenzübergang erwartet, findet eher eine Inszenierung. Als Ausgangspunkt für einen Gang entlang der ehemaligen Grenze ist die Kreuzung dennoch sinnvoll.
Holocaust-Mahnmal
Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, in Berlin meist Holocaust-Mahnmal genannt, erinnert an bis zu sechs Millionen jüdische Opfer des Nationalsozialismus. Es liegt im Bezirk Mitte am Rand des Tiergartens, in der Nähe des Brandenburger Tors. Die Forderung nach einem solchen Denkmal wurde Ende der 1980er-Jahre laut, über Ort, Aussage und Form wurde fast ein Jahrzehnt gestritten. 1995 gab es einen ersten Wettbewerb mit 528 Einsendungen, 1997 einen zweiten. Im Juni 1999 beschloss der Bundestag den Bau in der Nähe des Brandenburger Tors und die Ergänzung durch einen «Ort der Information».
Der New Yorker Architekt Peter Eisenman entwarf ein Feld aus 2711 Betonstelen auf rund 19'000 Quadratmetern. Die Stelen unterscheiden sich nur in ihrer Höhe und bilden ein wellenförmiges Muster. Man kann das Feld von jeder Seite betreten. Wer durch die Gänge geht, verliert zeitweise die Orientierung, was nach der Beschreibung des Hauses Raum für Gespräche öffnen soll. Am 10. Mai 2005 wurde das Denkmal nach zwei Jahren Bauzeit eröffnet.
Das Stelenfeld ist jederzeit zugänglich, der Eintritt ist frei, und für Rollstuhlfahrer und Personen mit Gehbehinderung gibt es besondere Durchgänge. Unter dem Feld liegt der Ort der Information. Er dokumentiert in einem Foyer und vier thematischen Räumen die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden aus historischer und persönlicher Sicht und ist per Aufzug erreichbar. Die Öffnungszeiten des Ortes der Information ändern sich, zeitweise ist er wegen Umbauten geschlossen; aktuelle Angaben stehen auf der Website der Stiftung.
Das Denkmal liegt im Zentrum der Stadt und verbindet sich gut mit den anderen Orten des Regierungsviertels. Es ist ein Ort, an dem man sich ruhig verhält.
Schloss Charlottenburg
Schloss Charlottenburg ist die grösste Schlossanlage Berlins. Es entstand Ende des 17. Jahrhunderts als kleines Sommerschloss für Sophie Charlotte, die Gattin des Kurfürsten Friedrich III., nach Plänen von Johann Arnold Nering. Der Ort hiess zunächst Lützenburg und wurde nach dem Tod der Königin 1705 in Charlottenburg umbenannt. Der Garten wurde 1697 von Simon Godeau angelegt, einem Schüler des französischen Gärtenkünstlers André Le Nôtre.
Nach der Krönung Friedrichs zum ersten König in Preussen 1701 erweiterte Johann Friedrich Eosander von Göthe das Schloss zu einer repräsentativen Residenz nach dem Vorbild von Versailles, mit Seitenflügeln, Ehrenhof und Kuppel. Mit dem Tod Friedrichs I. 1713 stockten die Arbeiten, unter Friedrich dem Grossen wurden sie 1740 wieder aufgenommen. Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff baute von 1740 bis 1746 den Neuen Flügel als östliches Gegenstück zum älteren Westflügel. 1791 kam das Schlosstheater von Carl Gotthard Langhans hinzu und beendete die rund hundertjährige Bauzeit.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss 1943 und 1945 schwer beschädigt. Der Wiederaufbau dauerte mehr als zwei Jahrzehnte, die Innenräume wurden teilweise bis in die frühen 1980er-Jahre rekonstruiert. Das Parterre vor dem Schloss entstand 1952 bis 1958 neu. Im Park liegt ein bis zu acht Meter hoher Hügel aus Kriegsschutt, der später zur Erholungsfläche umgestaltet wurde. Der Garten wurde zwischen 1787 und 1833 zum Landschaftsgarten umgestaltet, aus dieser Zeit stammen Belvedere und Mausoleum.
Im Schloss zeigen zwei Dauerausstellungen Silber und Schätze aus der Silberkammer der Hohenzollern, rund 600 Objekte, und geben einen Überblick über die Herrschaft der Familie. Im Winter findet vor dem Schloss ein Weihnachtsmarkt statt. Zum Welterbe «Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin» gehört die Anlage allerdings nicht. Sie liegt im Westen der Stadt, abseits der Wege durch die Mitte.
Tempelhofer Feld
Das Tempelhofer Feld ist mit rund 350 Hektar eine der grössten innerstädtischen Freiflächen der Welt und Berlins grösster Park. Eine feste Bestimmung hatte die Fläche nie. Im 17. Jahrhundert bewirtschafteten Bauern aus Schöneberg das Land, im frühen 18. Jahrhundert nutzte es das preussische Heer als Exerzierplatz, in den 1830er-Jahren fanden Pferderennen statt. Später wurde es zum Eisenbahnknoten, und es gab frühe Flugversuche: 1901 erreichte der Ballon «Preussen» 10,8 Kilometer Höhe und lieferte damit einen Beleg für die Stratosphäre.
Die Arbeiten zum Flughafen begannen 1922, bis 1928 war ein erster Ausbau fertig. Das heutige Flughafengebäude entstand von 1936 bis 1941. Von 1934 bis 1936 betrieben SS und Gestapo auf dem Gelände ein Gefängnis, darunter das Konzentrationslager Columbia, und ab 1940 diente der Flughafen der Rüstungsindustrie, mit Zwangsarbeitern in Baracken. Während der Berliner Blockade 1948 und 1949 wurde Tempelhof zum Hauptflughafen der Luftbrücke, rund 278'000 Flüge versorgten die Stadt, zeitweise landeten die Maschinen im Abstand von 90 Sekunden.
Der Flugbetrieb endete 2008, und am 8. Mai 2010 öffnete das Gelände als Tempelhofer Park. Am ersten Wochenende kamen rund 235'000 Menschen. Bei einem Volksentscheid am 25. Mai 2014 stimmten 64,3 Prozent dafür, das Feld unbebaut zu lassen, und stoppten damit Pläne für eine Gartenschau, eine Landesbibliothek und Wohnungen. 2015 dienten die Hangars zeitweise als Unterkunft für Geflüchtete.
Heute wird das Feld zum Skaten über die frühere Start- und Landebahn, zum Radfahren, Picknicken und Drachensteigen genutzt. Auf der offenen Fläche leben auch Feldlerchen und rund 40 Arten von Wildbienen und Wespen. Sechs der zehn Eingänge liegen im Osten an den ehemaligen Landebahnen an der Oderstrasse. Das Flughafengebäude am Rand ist 1200 Meter lang.