Burgund
Wo Herzöge, Mönche und Winzer ihre Spuren in Stein und Hänge gelegt haben.
Auf einen Blick
Land der Herzöge und Mönche
Burgund war lange mehr als eine Provinz. Von 1364 bis 1477 regierten die Herzöge aus dem Haus Valois von Dijon aus, Philipp der Kühne, Johann Ohnefurcht, Philipp der Gute und Karl der Kühne, und sie bauten ihre Hauptstadt zu einem Hof aus, der sich mit dem des Königs messen wollte. Nach dem Tod Karls des Kühnen zog der französische König das Herzogtum ein. Was blieb, sind Paläste, Kirchen und Hospitäler aus dieser Zeit.
Neben den Herzögen prägten die Klöster das Land. 910 entstand Cluny, das über Jahrhunderte zu den mächtigsten Zentren der Christenheit zählte. 1098 gründeten Mönche in Cîteaux ein neues Kloster, das das Gegenteil wollte: Einfachheit, Arbeit und Stille. Beide Orte lassen sich gut auf einer Reise verbinden.
Wein und Tisch
Südlich von Dijon beginnt die Côte d’Or, eine Kette von Hängen, die sich nach Osten neigen und aus zwei Teilen besteht, der Côte de Nuits im Norden und der Côte de Beaune im Süden. Hier wachsen vor allem Pinot Noir und Chardonnay. Die Weinberge sind in einzelne Parzellen gegliedert, die Climats, von denen 1247 seit 2015 zum UNESCO-Welterbe zählen.
Auf den Tisch kommt dazu, was die Region seit Langem prägt: Dijon-Senf, Schnecken, Cassislikör aus schwarzen Johannisbeeren und Pain d’épices, ein Gewürzkuchen. Die Halles in Dijon sind der einfachste Ort, um vieles davon an einem Vormittag zu sehen.
Der Weinberg als Karte
In Burgund wird Wein nach dem Ort eingeteilt, nicht nach der Rebsorte. Die Mönche von Cluny und Cîteaux beobachteten über Jahrhunderte, welche Parzelle welchen Wein ergibt, und teilten das Land entsprechend auf. Daraus wurde eine Pyramide: unten der einfache Bourgogne, darüber die Dorfweine wie Gevrey-Chambertin oder Meursault, darüber die Premiers Crus und an der Spitze die Grands Crus, von denen es in der Côte d’Or 33 gibt. Dazu gehören so berühmte Namen wie Romanée-Conti und Chambertin.
Rot wird in Burgund aus Pinot Noir gekeltert, Weiss aus Chardonnay, daneben gibt es Aligoté für einfache Weine. Chablis liegt deutlich weiter nordwestlich, ein Chardonnay mit viel Stein und Frische. Die Weinberge sind klein, die Güter oft noch kleiner, und das Etikett nennt zuerst die Lage und dann das Haus. Man muss das nicht studieren, um es zu geniessen, aber wer zwei Dörfer nebeneinander probiert, schmeckt den Unterschied.
Küche und Käse
Die Küche ist deftig und stammt aus den Töpfen der Winzer. Boeuf bourguignon schmort in Rotwein, Coq au vin im selben Wein, Œufs en meurette, pochierte Eier in einer Rotweinsauce, und Jambon persillé, kalter Schinken in Petersiliengelee, stehen auf vielen Karten. Dazu kommen Gougères, kleine Käsebrandteigkugeln, zum Aperitif. Schnecken werden mit Knoblauch und Petersilie überbacken.
Berühmt ist auch der Käse. Der Époisses ist ein weicher Rotschmierkäse, der mit Marc de Bourgogne gewaschen wird und einen kräftigen Geruch hat, Langres, Soumaintrain und Ami du Chambertin gehören zur selben Familie. Zum Aperitif wird Kir getrunken, ein Weisswein mit Cassis, benannt nach Félix Kir, einem Priester und Bürgermeister von Dijon, der ihn nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt machte.
Kanäle, Radwege und Weinstrasse
Burgund eignet sich zum langsamen Reisen. Der Canal de Bourgogne verbindet Seine und Saône, sein Treidelpfad ist ein Radweg, und die Voie des Vignes führt von Dijon durch die Weinberge bis nach Santenay. Die Landschaft ist offen, die Dörfer sind klein, und zwischen den Reben stehen Steinhütten, die «Cabottes». Dijon liegt mit dem TGV rund anderthalb Stunden von Paris entfernt, der Weg dorthin lohnt sich auch ohne Auto.
Unterwegs und Reisezeit
Dijon und Beaune liegen rund 40 Kilometer auseinander, dazwischen führt die Route des Grands Crus durch die Dörfer der Côte d’Or. Cluny und das Schloss Cormatin liegen weiter südlich, Cormatin etwa 14 Kilometer nördlich von Cluny. Mit dem Auto ist man am flexibelsten, weil viele Orte abseits der grossen Strecken liegen. Am schönsten ist Burgund im Frühling, wenn die Reben austreiben, und im Herbst zur Weinlese. Am dritten Sonntag im November findet in Beaune die Weinversteigerung der Hospices statt, dann ist in der Stadt viel los.
Unsere Reise
Orte in Burgund
Palast der Herzöge und Place de la Libération
Der Palast der Herzöge und Stände von Burgund bildet die Rückwand der Place de la Libération, eines Halbrunds, das um 1692 als Place Royale für Ludwig XIV. angelegt wurde, nach Plänen von Jules Hardouin-Mansart. Die ruhige, klassizistische Fassade lässt kaum ahnen, dass dahinter ein mittelalterlicher Fürstensitz steckt. Der Platz selbst ist heute weitgehend autofrei, mit einem flachen Wasserspiel und Cafés an den Rändern. Das Reiterstandbild des Königs, das einst in der Mitte stand, überlebte die Revolution nicht.

Die Herzöge aus dem Haus Valois machten Dijon im 14. und 15. Jahrhundert zu einer Hauptstadt, die mit den Höfen von Paris und London konkurrierte. Philipp der Kühne begann 1364 mit dem Umbau der älteren Burg, Philipp der Gute liess den Ausbau fortsetzen. Dessen Turm, der Tour Philippe le Bon, wurde 1455 vollendet und ist 46 Meter hoch. Der Aufstieg über die Wendeltreppe (rund 316 Stufen) gilt als beste Möglichkeit, die roten Ziegeldächer der Altstadt, die Türme von Notre-Dame und bei klarer Sicht die Alpen zu überblicken.
Die herzogliche Küche von 1431 ist einer der wenigen Räume, die vom Mittelalter erhalten blieben. Der quadratische Saal misst rund 12 Meter pro Seite, ein Gewölbe auf acht Säulen überspannt den Raum, in dem für die Hofgesellschaft gekocht wurde. Im ersten Stock liegt die Salle des Gardes, 18 Meter lang und nach dem Brand von 1503 wiederhergestellt. Hier stehen seit 1827 die Grabmäler von Philipp dem Kühnen und Johann Ohnefurcht, mit den Trauerzug-Figuren, den Pleurants, die in Kapuzenmänteln um die Verstorbenen ziehen.
Das Ende der burgundischen Selbständigkeit kam 1477. Karl der Kühne fiel bei Nancy, und der französische König Ludwig XI. zog das Herzogtum ein. Später tagten hier die Stände (États) von Burgund, daher der Name des Palasts. Der Saal der Stände wurde 1689 fertig. Heute ist das Gebäude zweigeteilt: Im Ostflügel sitzt das Rathaus, im übrigen Teil das Musée des Beaux-Arts, das aus einer 1765 von François Devosge gegründeten Zeichenschule hervorging und zu den älteren Kunstmuseen Frankreichs zählt.
Von der Place de la Libération gehen die Fussgängerstrassen der Altstadt ab. In wenigen Minuten erreicht man die Kirche Notre-Dame mit der Eule und dem Jacquemart sowie die Markthallen, die Senfläden und die Gassen mit ihren Fachwerkhäusern. Die Altstadt von Dijon gehört zusammen mit den Weinbergen der Côte d'Or seit 2015 zum UNESCO-Welterbe der Climats. Auch die Route des Grands Crus beginnt gleich südlich der Stadt, in den Weinbergen der Côte d'Or.
Gut zu wissen: Der Eintritt in die ständige Sammlung des Musée des Beaux-Arts war zuletzt kostenlos, vor Ort prüfen. Der Turm ist nur zu bestimmten Zeiten und meist mit Führung zugänglich, Zeiten und Preis beim Office de Tourisme erfragen. Die Küche und die Salle des Gardes gehören zum Museumsrundgang. Montags ist das Museum üblicherweise geschlossen, vor Ort prüfen. Der Platz liegt mitten in der Fussgängerzone der Altstadt. Mehr dazu im Reisebericht.
Notre-Dame, die Eule und der Jacquemart
Die Fassade der Kirche Notre-Dame fällt sofort auf: Mehrere Geschosse offener Säulenarkaden übereinander, rund 28 Meter hoch und 19 Meter breit und gut 6 Meter tief. Zwischen den Säulen sitzen 51 Fratzen und Grotesken. Die Kirche wurde ab etwa 1230 im burgundischen Frühgotik-Stil gebaut und in grossen Teilen bis um 1250 fertiggestellt, was für ein Bauwerk dieser Grösse ausgesprochen kurz ist und ihr eine einheitliche Gestalt gibt.

Die steinernen Wasserspeier an der Fassade sind Zierwerk ohne Funktion und stammen aus den Jahren 1880 bis 1882. Die ursprünglichen Figuren soll man um 1240 entfernt haben, nachdem ein herabstürzendes Steinstück einen Geldverleiher erschlagen hatte, so berichtet es die lokale Überlieferung. Echte Wasserspeier sitzen an den Seitenwänden und an der Apsis. Die tiefe Vorhalle ist damit kein Anbau, sondern Teil der Fassade und gibt ihr das Aussehen einer Galerie vor der Kirche.
Auf der Nordseite der Kirche, an der Rue de la Chouette, sitzt an einem Strebepfeiler die Eule, la Chouette, ein kleines, vom Berühren glattpoliertes Steinrelief. Wer sie mit der linken Hand streicht und sich dabei etwas wünscht, dem soll der Wunsch in Erfüllung gehen. Die Eule wurde im Januar 2001 durch Vandalen beschädigt, im Februar repariert und im Mai desselben Jahres neu eingeweiht. Sie gilt als Wahrzeichen der Stadt und ist das Symbol des Parcours de la Chouette, eines markierten Spaziergangs durch die Altstadt, bei dem Markierungen im Pflaster von Station zu Station führen.
Hoch über der Fassade schlagen die Glocken den Takt. Der Jacquemart, eine Uhr mit mechanischen Figuren, stammt aus Kortrijk (französisch Courtrai) in Flandern. Philipp der Kühne eroberte die Stadt 1382 und liess Uhr und Figur nach Dijon bringen. 1383 wurde sie an der Notre-Dame angebracht. Die Glocke soll auf dem Transport gesprungen sein und wurde in Dijon neu gegossen. Die Figur schlägt mit einem Hammer auf die Glocke, und ihr Name ist bis heute der Name der ganzen Uhr.
Heute besteht die Jacquemart-Familie aus vier Figuren. Jacquemart schlägt gemeinsam mit seiner Frau Jacqueline, die 1651 hinzukam, die volle Stunde. Die Kinder Jacquelinet (um 1714) und Jacquelinette (1884) markieren die Viertelstunden. Im Innern der Kirche steht die Statue Notre-Dame de Bon-Espoir, eine hölzerne Madonna aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, die später geschwärzt und 1945 wieder von der dunklen Farbschicht befreit wurde.
Zwischen Notre-Dame und dem Palast der Herzöge liegen nur wenige Gehminuten, und gleich nebenan befinden sich die Halles und die Läden mit dem Senf. Dijon lässt sich so an einem halben Tag zu Fuss erschliessen, und der Rundgang mit der Eule verbindet die Stationen. Herzöge, Kirche und Markt stehen hier dicht beieinander, so wie es die Stadt im 14. Jahrhundert unter Philipp dem Kühnen angelegt hatte. Als Fortsetzung bietet sich die Fahrt in die Weinberge der Côte d'Or an, die gleich südlich der Stadt beginnen.
Gut zu wissen: Die Kirche ist in der Regel tagsüber frei zugänglich, Öffnungszeiten vor Ort prüfen. Die Eule findet man an der Nordseite in der Rue de la Chouette, sie ist nur schwer zu übersehen, weil sie vom Anfassen glänzt. Der Parcours de la Chouette ist ausgeschildert, ein Plan liegt im Office de Tourisme auf. Die Figuren des Jacquemart schlagen zur vollen Stunde und zu den Viertelstunden. Sonntags finden Gottesdienste statt, dann ist die Besichtigung eingeschränkt. Mehr dazu im Reisebericht.
Senf aus Dijon
Moutarde de Dijon ist keine geschützte Herkunftsbezeichnung. Der Name steht für ein Rezept, das 1937 und im Jahr 2000 in französischen Verordnungen festgelegt wurde: Der Senf wird aus braunen oder schwarzen Senfkörnern hergestellt und ist feiner und schärfer als die milde deutsche Variante. Wer in Dijon einen Senf kauft, bekommt ihn also nicht zwingend aus Dijon. Für Senf aus Körnern, die tatsächlich im Burgund gewachsen sind, gibt es seit 2009 die geschützte geografische Angabe Moutarde de Bourgogne (IGP).

Die Wurzeln reichen ins 16. Jahrhundert zurück. Damals schlossen sich in Frankreichs Städten Essighersteller, Saucenmacher und Senfmacher zu Zünften zusammen, neben Dijon auch in Paris, Saint-Maixent und Besançon. Eine Besonderheit kam im 18. Jahrhundert auf: Die Familie Naigeon aus Dijon soll den Senf nicht mit Essig, sondern mit Verjus angesetzt haben, dem sauren Saft unreifer Trauben. Weil Burgund Wein im Überfluss hatte, lag diese Zutat nahe, und sie gab dem Senf seine charakteristische Säure.
Im 19. Jahrhundert machte die Technik aus dem Handwerk ein Gewerbe. Maurice Grey entwickelte eine Maschine, die das Mahlen der Körner beschleunigte. Aus der Verbindung mit Auguste Poupon entstand die Marke Grey Poupon, die Gründung wird meist auf 1866 datiert. Im 20. Jahrhundert verdrängten grosse Marken wie Amora und Maille die kleinen Betriebe. Der Senfanbau im Burgund brach nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend ein, und ein grosser Teil der verwendeten Körner kommt heute aus Kanada.
Eine Ausnahme bildet die Maison Edmond Fallot in Beaune, 1840 gegründet und nach eigener Darstellung das letzte unabhängige Familienunternehmen dieser Art im Burgund. Die Körner werden eingeweicht und zwischen Mühlsteinen zu einer dicken Paste gemahlen, ein Vorgang, den man bei einer Führung durch die Senfmühle verfolgen kann. Fallot ist an der Moutarde de Bourgogne (IGP) beteiligt und führt neben dem klassischen Senf Sorten mit Steinpilzen und Tee oder mit Koriander und kandierter Orange.
Auch Maille, 1747 mit einer Pariser Boutique gegründet, betreibt in Dijon einen eigenen Laden. Daneben stehen in der Altstadt Geschäfte mit Senf in Tonkrügen, mit Cassis-Likör aus schwarzen Johannisbeeren und mit dem Pain d'épices, dem Gewürzkuchen, der ebenfalls zur Stadt gehört. Die kleinen Töpfchen sind das übliche Mitbringsel.
Die Küche der Region nutzt Senf als Zutat und nicht nur als Beilage. Er steckt in der Sauce zum Kaninchen, in der Vinaigrette der Œufs en meurette und im Schinken im Petersilienaspik, dem Jambon persillé. Die übrigen Zutaten dazu gibt es in den Halles. Beaune liegt rund 45 Kilometer südlich von Dijon und lässt sich mit dem Besuch der Hospices verbinden.
Gut zu wissen: Maille hat einen Laden in der Dijoner Altstadt, Öffnungszeiten vor Ort prüfen. Fallot in Beaune bietet Führungen an, Preise und Termine bei der Maison Fallot erfragen (Adresse: 31 Rue du Faubourg Bretonnière). Beim Kauf auf das Etikett achten: IGP Moutarde de Bourgogne bedeutet Körner aus dem Burgund. Die Zugfahrt von Dijon nach Beaune dauert rund 25 Minuten. Mehr dazu im Reisebericht.
Die Halles von Dijon
Die Halles von Dijon wurden von 1873 bis 1875 gebaut, auf dem Gelände des ehemaligen Jacobinerklosters, wo schon zuvor ein Markt stattgefunden hatte. Die Pläne zeichnete der städtische Ingenieur Louis-Clément Weinberger, gebaut wurde das Eisengerüst von den Giessereien und Konstruktionswerkstätten in Fourchambault im Departement Nièvre. Die Anlage besteht aus Gusseisen und Glas und folgt einem Entwurf, den die Firma von Gustave Eiffel bereits 1868 vorgelegt hatte.

Die Konstruktion gliedert sich in vier Pavillons, die von zwei sich kreuzenden Gassen durchzogen werden. Das Glasdach lässt Tageslicht herein, die Eisenträger sind zugleich Gerüst und Schmuck. An den Fassaden zeigt der Dekor Ochsenköpfe, Wildschweine, Fische, Früchte und Rebzweige, also genau das, was drinnen verkauft wird. Eine überdachte Markthalle aus Eisen und Glas war in den 1870er Jahren ein Zeichen städtischer Modernität. Im Innern öffnen die Gassen zwischen den Pavillons den Blick auf die Eisenbögen, und das Tageslicht fällt gleichmässig über die Stände.
Der Betrieb hat sich über anderthalb Jahrhunderte kaum verändert. Metzger, Käser, Fischhändler, Gemüsestände und Weinhändler bieten ihre Ware an, am Rand liegen die Stände der Bauern aus dem Umland. Fleisch vom Charolais-Rind, eine Rasse aus dem südlichen Burgund, gehört ebenso zum Angebot wie Geflügel, Pilze der Saison und Weine der Côte d'Or. Auf dem Markt erkennt man die Produkte der Region: Époisses, der stark riechende Weichkäse aus dem Departement, Schnecken mit Kräuterbutter, Jambon persillé, Lebkuchen und Senf.
An Markttagen füllen sich auch die Gassen rund um die Halle, und in den Bars am Rand wird Weisswein aus der Region ausgeschenkt. Ein Aligoté mit Cassis, der Kir, trägt in Dijon den Namen des früheren Bürgermeisters Félix Kir, der das Getränk nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt machte. Cassis, der Likör aus schwarzen Johannisbeeren, gehört wie der Senf zu den Spezialitäten der Stadt, und beides findet sich in den Läden rund um die Halle.
Die Halles liegen wenige Gehminuten von Notre-Dame und vom Palast der Herzöge entfernt, im Herzen der Altstadt. Wer morgens kommt, kann hier den Proviant für einen Tag in den Weinbergen der Côte d'Or kaufen, mit Käse, Brot und Schinken. Auch Senf in Töpfchen, ein typisches Souvenir aus Dijon, findet man in den umliegenden Läden. Als Rundgang bietet sich an: erst der Markt am Vormittag, dann Notre-Dame mit der Eule, dann der Palast der Herzöge und die Place de la Libération. Wer in Beaune die Hospices besucht, kann dort den Weg zu den Weinhändlern fortsetzen.
Gut zu wissen: Der Markt findet nach einer Quelle dienstags, donnerstags, freitags und samstags jeweils von 7 bis 13 Uhr statt, vor Ort prüfen. Am Vormittag ist die Auswahl am grössten, ab Mittag räumen die Händler ab. Etwas Bargeld erleichtert den Einkauf bei kleinen Ständen. Ein Besuch lässt sich gut mit dem Frühstück oder einem Kaffee in der Altstadt verbinden. Die Halles sind von Notre-Dame zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar. Mehr dazu im Reisebericht.
Hospices de Beaune
Von aussen wirkt das Hôtel-Dieu in Beaune wie ein Stück Spielzeug: steile Dächer aus glasierten Ziegeln, die im Innenhof zu geometrischen Mustern in Rot, Gelb, Grün und Schwarz zusammenlaufen, darunter Holzgalerien und Fachwerk. Die Hospices wurden 1443 gegründet, kurz nach dem Ende der schlimmsten Phase des Hundertjährigen Krieges, als Hunger und Seuchen das Burgund geschwächt hatten. Gestiftet haben sie Nicolas Rolin, Kanzler des Herzogs Philipp des Guten, und seine dritte Frau Guigone de Salins.

Rolin liess das Haus als „palais pour les Pôvres“ errichten, als Palast für die Armen. In der Grande Salle, der grossen Krankenhalle, wurden Kranke bis ins 20. Jahrhundert gepflegt. Der Saal ist rund 50 Meter lang, 14 Meter breit und 16 Meter hoch, die Decke gleicht dem umgedrehten Rumpf eines Schiffs, die bemalten Balken enden in Drachenköpfen. An den Seiten stehen rund dreissig Betten mit roten Vorhängen, am Ende liegt eine Kapelle, sodass Kranke vom Bett aus der Messe folgen konnten.
Das Hauptwerk der Sammlung ist das Weltgerichts-Polyptychon, das Rogier van der Weyden zugeschrieben wird und um 1445 bis 1450 entstand. Rolin bestellte es für die Kapelle. Der Flügelaltar zeigt Christus als Richter mit der Waage des Erzengels Michael, rechts die Verdammten, links die Seligen. Er hängt heute in einem eigenen, klimatisierten Raum. Daneben zeigt die Apotheke eine Sammlung von rund 130 Fayencekrügen aus dem 18. Jahrhundert, in denen die Schwestern Salben und Sirupe aufbewahrten.
Die Hospices finanzierten sich über Stiftungen, und diese bestanden bald aus Weinbergen. Heute gehört der Stiftung ein Gut von rund 60 Hektar in den besten Lagen der Côte de Beaune und der Côte de Nuits, darunter Pommard, Meursault und Corton. Der Wein wird jedes Jahr am dritten Sonntag im November versteigert, in ihrer heutigen Form seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Erlös geht an Spitäler und die Pflege des Hauses. 2026 fällt der Termin auf den 15. November.
Bis 1971 wurden hier noch Patienten betreut, dann zog das Spital in einen Neubau, und aus dem Haus wurde ein Museum. Wie das Haus der Kanzler Rolin mit dem Hof der Herzöge in Dijon verbunden war, so ist es heute mit den Weinbergen der Côte d'Or verbunden: Die Versteigerung im November gilt als Gradmesser für den Jahrgang und die Preise der Region. Die Rebflächen selbst sieht man am besten bei der Fahrt auf der Route des Grands Crus von Dijon her.
Beaune ist von Dijon in rund 25 Minuten mit dem Zug zu erreichen. Die Altstadt ist von Wallanlagen umgeben und lässt sich zu Fuss umrunden, in ihr liegen zahlreiche Weinkeller und Läden. Am Stadtrand steht die Senfmühle Fallot, und im Süden beginnen die Weinorte der Côte de Beaune, die man mit dem Velo oder dem Auto erreicht.
Gut zu wissen: Eintritt laut einer Quelle 12,50 Euro, ermässigt 9,50 Euro, Kinder von 6 bis 17 Jahren 6,25 Euro, vor Ort prüfen. Geöffnet täglich, vom 1. April bis 15. November 9 bis 19.30 Uhr, danach 9 bis 12.30 und 14 bis 18.30 Uhr, letzter Einlass eine Stunde vor Schluss. Für den Besuch mit Audioguide rechnet man rund eine Stunde. Zur Versteigerung im November Programm und Zutritt vorab prüfen. Mehr dazu im Reisebericht.
Die Weinberge der Côte d’Or
Die Côte d'Or ist ein schmaler Hang von nur wenigen hundert Metern Breite, der sich von Dijon nach Süden bis in die Gegend von Santenay zieht, rund 60 Kilometer lang. Östlich davon breitet sich die Ebene der Saône aus. Am Hang stehen fast ausschliesslich zwei Rebsorten, Pinot Noir für die roten und Chardonnay für die weissen Weine. Die Strasse D974, die Route des Grands Crus, führt von Dijon über Gevrey-Chambertin und Vosne-Romanée bis nach Beaune und weiter zu Pommard und Meursault.

Das Besondere ist die Parzellierung. Das Gebiet gliedert sich in rund 1247 Climats, kleine, genau abgegrenzte Lagen, die oft von Mauern umgeben sind und sich in Boden, Ausrichtung und Geschmack unterscheiden. Die Lagen heissen Les Cailles, Clos de Vougeot oder La Romanée, und jede hat einen eigenen Namen. 2015 nahm die UNESCO die „Climats, Terroirs des Burgunds“ in die Liste des Welterbes auf, mit einer Kernfläche von rund 13 200 Hektar. Dazu gehören auch die Altstädte von Dijon und Beaune.
Geprägt haben diese Landschaft die Klöster und die Herzöge. Benediktiner und Zisterzienser rodeten, pflanzten und beobachteten über Jahrhunderte, welche Parzelle welchen Wein ergab. Die Mönche aus Cîteaux legten im 12. Jahrhundert den Clos de Vougeot an, ummauert auf rund 50 Hektar. Philipp der Kühne verbot 1395 per Erlass die Gamay-Rebe, damit der Pinot Noir Vorrang bekam.
Heute ist das Gebiet in zwei Abschnitte geteilt. Die Côte de Nuits mit Gevrey-Chambertin, Morey-Saint-Denis, Chambolle-Musigny, Vougeot und Vosne-Romanée ist für Rotwein bekannt. Die Côte de Beaune beginnt bei Aloxe-Corton und umfasst Pommard, Volnay, Meursault und Puligny-Montrachet, wo auch bedeutende Weissweine entstehen. Jede Gemeinde trägt ihren Namen auf dem Etikett, und die Dörfer sind kleine, steinerne Winzerorte mit Kellern, Tafeln und Degustationsräumen.
Die Hierarchie der Weine folgt dem Boden. Ganz oben stehen die Grands Crus, darunter die Premiers Crus, dann die Dorfweine und die allgemeinen Burgund-Appellationen. Die Preise folgen demselben Muster und sind für viele Lagen hoch. Eine Sonderstellung haben die Hospices de Beaune, deren Stiftungsgut aus Schenkungen in vielen Lagen besteht. Ihre Versteigerung im November gilt als Preisbarometer für den Jahrgang.
Weinberge, Städte und Klöster ergänzen sich: Dijon als Ausgangspunkt, die Hospices in Beaune, Cîteaux am Rand der Ebene und Cluny weiter südlich als Gegenentwurf zu den schlichten Zisterziensern. Mit dem Velo ist die Route des Grands Crus gut zu bewältigen, da der Hang nur sanft ansteigt, und es gibt ausgeschilderte Velorouten durch die Reben. Im Herbst, zur Zeit der Weinlese, sieht man die Reben bunt verfärbt, im Frühjahr ist das Laub frisch und grün. Zwischen den Dörfern liegen kaum mehr als zwei bis fünf Kilometer.
Gut zu wissen: Die Strecke Dijon bis Beaune ist rund 45 Kilometer lang, mit dem Auto etwa eine Dreiviertelstunde. Beaune hat einen Bahnhof, Dörfer wie Gevrey-Chambertin lassen sich mit dem Velo erreichen, Leihvelos vor Ort prüfen. Degustationen in Weingütern erfordern oft eine Voranmeldung, Öffnungszeiten vorher klären. Wer fährt, sollte die Probe ausspucken. Mehr dazu im Reisebericht.
Cîteaux und die Rückkehr zur Einfachheit
Cîteaux liegt in der flachen Ebene südlich von Dijon, zwischen Feldern und Waldstücken, und wirkt eher wie ein grosser Landwirtschaftsbetrieb als wie eine Sehenswürdigkeit. Am 21. März 1098, dem Fest des heiligen Benedikt, gründeten Mönche aus dem Kloster Molesme unter Robert von Molesme hier eine neue Gemeinschaft. Sie wollten die Benediktsregel wieder wörtlicher befolgen, als es die reichen Klöster ihrer Zeit taten. Der Ort hiess lateinisch Cistercium, davon leitet sich der Name Zisterzienser ab.

Die Ideen der Gründer sind schnell erklärt: Arbeit mit den eigenen Händen, Verzicht auf Schmuck, Besitz nur in Form von Land, das die Mönche selbst bewirtschafteten, und dazu der Rhythmus aus Gebet und Arbeit. Der dritte Abt, der Engländer Stephen Harding, verfasste die Carta Caritatis, die Verfassung des Ordens, in der jedes Tochterkloster dem Mutterkloster verbunden blieb, jährlich besucht wurde und sich dem Generalkapitel in Cîteaux stellte. Das Datum der Carta wird meist um 1119 angegeben.
Der Orden wuchs rasch, als Bernhard, Mönch in Cîteaux, 1115 ausgesandt wurde, um Clairvaux zu gründen, und dort erster Abt wurde. Bernhard von Clairvaux wurde zur prägenden Figur des Ordens, predigte, schrieb und kritisierte den Prunk der Cluniazenser, die Skulpturen und den Reichtum in den Kirchen. Bis zum 13. Jahrhundert entstanden in ganz Europa mehrere hundert Zisterzienserklöster. Die Mönche trugen weisse Gewänder, und ihre Kirchen blieben bewusst schlicht, ohne Bildwerk und ohne Turm.
Mit den Weinbergen kam der Reichtum, den der Orden eigentlich vermeiden wollte. Die Mönche von Cîteaux bewirtschafteten Land in der Côte d'Or und legten den Clos de Vougeot an, dessen Mauern noch stehen. Sie beobachteten, welche Lage welchen Wein ergab, und trugen so zur Entstehung der Climats bei. Die Geschichte dieser Landschaft ist ohne die Zisterzienser nicht zu denken, und der Clos de Vougeot mit seinem Schloss aus dem 16. Jahrhundert liegt nur wenige Kilometer von Cîteaux entfernt. Auch der Wein, der unter dem Namen der Mönche verkauft wurde, finanzierte den Orden, was dem Ideal der Armut widersprach.
Die Revolution beendete das Klosterleben von Cîteaux. 1790 wurde der Besitz eingezogen und verkauft, 29 Mönche nahmen die angebotene Pension an, 14 lehnten sie ab. Ein Teil der mittelalterlichen Bauten ging in der Folge verloren. 1898 kehrten Trappisten, der strengere Zweig des Ordens, zurück. Heute leben dort etwa 35 Mönche, die Gemeinschaft stellt einen Käse mit dem Namen der Abtei her, dazu Karamell und Honigbonbons.
Cîteaux ist ein Gegenentwurf zu Cluny und lässt sich gut mit dem Besuch der Weinberge verbinden. Die schlichte Strenge der Zisterzienser steht im Kontrast zur Macht der Benediktiner, die im Süden des Burgunds ihren Sitz hatten. Beide Orden folgten derselben Regel des heiligen Benedikt, legten sie aber verschieden aus: Cluny mit prachtvollem Gottesdienst und grosser Politik, Cîteaux mit Handarbeit, Schweigen und kahlen Wänden. Wer beide Orte besucht, sieht die zwei Gegenpole des mittelalterlichen Mönchtums nacheinander.
Gut zu wissen: Cîteaux liegt rund 20 Kilometer südlich von Dijon, öffentlicher Verkehr ist eingeschränkt, ein Auto oder Velo erleichtert die Anreise. Ein Besuch ist nur teilweise möglich, da der Ort ein aktives Kloster ist, Zeiten und Führungen vor Ort oder online prüfen. Der Klosterladen verkauft Käse und Süsswaren der Mönche. Der Clos de Vougeot, der Weinberg der Zisterzienser, liegt in der Nähe an der Route des Grands Crus. Auf Stille und angemessene Kleidung achten. Mehr dazu im Reisebericht.
Cluny, die Macht aus Stein
Von der Abteikirche, die bis ins 16. Jahrhundert die längste der Christenheit war, steht in Cluny heute nur noch ein Bruchteil. Gegründet wurde die Abtei 910 von Wilhelm I., Herzog von Aquitanien, der Berno als ersten Abt einsetzte. Entscheidend war die Bestimmung, dass Cluny keinem Bischof oder Fürsten unterstand, sondern unmittelbar dem Papst. Diese Freiheit machte aus dem kleinen Kloster das Zentrum einer Reformbewegung, die sich über ganz Europa ausbreitete.

Die zweite Kirche entstand um 955 bis 981, nachdem 953 ungarische Reiter das Burgund heimgesucht hatten. Die dritte, Cluny III, begann 1088 unter Abt Hugo von Semur. Mit 187 Metern Länge war sie bis zum Neubau des Petersdoms in Rom im 16. Jahrhundert die grösste Kirche der Christenheit. Als Architekt wird Hézelon von Lüttich genannt. Auf ihrem Höhepunkt lebten rund 400 Mönche in der Abtei, und Hunderte weiterer Klöster waren ihr unterstellt.
Zu den bedeutenden Äbten zählen Odilo und Hugo, beide wurden heiliggesprochen. Unter Petrus Venerabilis, Abt von 1122 bis 1156, erreichte Cluny den Höhepunkt seiner Macht. Das Kloster war Grundherr, Bank und Kulturort zugleich, und der Reichtum zeigte sich in der Ausstattung der Kirche. Das rief Kritik hervor: Bernhard von Clairvaux warf den Cluniazensern Prunk vor und stellte dem die schlichten Zisterzienser von Cîteaux entgegen.
Mit der Zeit verlor die Abtei an Gewicht. Im 13. Jahrhundert geriet sie unter den Einfluss der französischen Krone, spätere Äbte waren überwiegend Verwalter der Einkünfte. Die Revolution hob das Kloster 1790 auf, die Bibliothek verbrannte 1793, 1798 wurde der Besitz verkauft. Danach diente die Kirche als Steinbruch, der Abbruch dauerte bis 1823. Erhalten blieb nur etwa ein Zehntel der Kirche: der südliche Querhausarm mit seinem Turm und die Sockel der Westtürme.
Das Städtchen selbst bewahrt Bauten aus dem Mittelalter, darunter die Paläste Jean de Bourbon und Jacques d'Amboise aus dem 15. Jahrhundert. Im Hôtel Jean de Bourbon befindet sich das Musée Ochier mit Kapitellen und Modellen. Eine 3D-Rekonstruktion zeigt die Kirche, wie sie im 12. Jahrhundert aussah. So wird sichtbar, wie gross das Bauwerk war und wie viel davon fehlt.
Schloss Cormatin liegt nur wenige Kilometer nördlich, und wer das Land zwischen Dijon und Mâcon durchfährt, findet in Cluny den Gegenpol zu Cîteaux. Während die Zisterzienser Einfachheit suchten, stand Cluny für Pracht und politischen Einfluss. Das Städtchen mit seinen Steinhäusern ist weitgehend um die ehemalige Abtei herum gewachsen, und die Strassen folgen noch dem Verlauf der alten Klostermauern.
Gut zu wissen: Öffnungszeiten laut einer Quelle von April bis Juni und im September 9.30 bis 18 Uhr, Juli und August bis 19 Uhr, Oktober bis März bis 17 Uhr, geschlossen am 1. Januar, 1. Mai, 1. und 11. November und 25. Dezember, vor Ort prüfen. Eintritt zuletzt 9,50 Euro, ermässigt 7,50 Euro, Kinder unter 18 frei, vor Ort prüfen. Für Abtei und Museum sind etwa zwei Stunden einzuplanen. Die Anreise erfolgt am einfachsten mit dem Auto. Mehr dazu im Reisebericht.
Schloss Cormatin
Das Schloss Cormatin steht auf einer Insel im Fluss Grosne, umgeben von breiten Wassergräben, die bei der Restaurierung neu ausgehoben wurden. Antoine du Blé d'Uxelles, von König Heinrich IV. zum Militärgouverneur von Chalon ernannt, begann 1605 mit dem Bau. Die Anlage verbindet Renaissance-Formen mit Elementen der Wehrarchitektur, mit Ecktürmen und Schiessscharten, und wirkt dabei nicht abweisend, sondern ruhig und regelmässig.

Sein Sohn Jacques du Blé richtete ab 1627 das Innere ein und liess über sechzig Gemälde aus Paris kommen. 1629 übernachteten König Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu auf dem Schloss. Diese Gäste erklären den Rang der Räume. Die Ausstattung des Erdgeschosses aus dem 17. Jahrhundert ist weitgehend erhalten.
Das Herzstück ist die Treppe. Der monumentale Treppenturm ist ein Escalier à cage vide, das heisst, die Stufen steigen um einen offenen Schacht, ohne Mittelpfeiler, und gilt als die älteste erhaltene Treppe dieses Typs in Frankreich. Im Erdgeschoss zeigen sich geschnitzte Holzkamine, Ledertapeten und bemalte Decken, dazu Gemälde, die Künstlern wie Claude Gellée, Mignard oder Rigaud zugeschrieben werden. Das Louis-XIII-Appartement gilt in Frankreich als besonders reich erhaltene Raumfolge dieser Zeit.
Zum Schloss gehört ein Park von rund 12 Hektar mit Blumenbeeten, einem Gemüsegarten und einem Buchsbaumlabyrinth, das als Sinnbild der Prüfungen des menschlichen Lebens gedeutet wird. Der ursprüngliche Garten wurde um 1815 zerstört und ab 1990 neu angelegt. Zur Besichtigung gehört auch die Küche aus dem 18. Jahrhundert.
Im 19. Jahrhundert verkehrte hier der Dichter Alphonse de Lamartine, der in der Gegend aufwuchs und in Cormatin einen Teil seiner Geschichte der Girondisten schrieb. Im Hof steht eine kopflose Statue Lamartines, und seit 1981 kam François Mitterrand regelmässig zu Besuch. In den 1980er Jahren war das Schloss fast eine Ruine und wurde mit Hilfe des Kulturministeriums und der Gemeinde gerettet. Seit 1995 ist es als Monument historique geschützt, es bleibt in Privatbesitz und ist für Besucher geöffnet.
Cormatin liegt im Südburgund, nur wenige Kilometer von Cluny entfernt. Die beiden Orte ergänzen sich: hier ein privater Adelssitz des 17. Jahrhunderts, dort die Ruine der mächtigsten Abtei des Mittelalters. In der Gegend sind auch Tournus und der Felsen von Solutré einen Abstecher wert. Die Gartenanlage und die Gräben machen den Besuch auch bei kurzem Aufenthalt lohnend, und wer sich für Kunst des 17. Jahrhunderts interessiert, findet in den Räumen Gemälde, die bekannten Malern zugeschrieben werden.
Gut zu wissen: Das Schloss ist nur saisonal geöffnet, Öffnungszeiten und Eintrittspreise vor Ort oder auf der Website des Schlosses prüfen. Für Schloss und Park sind etwa zwei bis drei Stunden einzuplanen. Cormatin ist mit dem Auto gut erreichbar, öffentlicher Verkehr nur eingeschränkt (Buslinie 7 des Netzes Buscéphale, Fahrplan prüfen). Im Park gibt es das Labyrinth. Cluny ist wenige Autominuten entfernt. Mehr dazu im Reisebericht.