Côte d'Azur
Licht, Meer und Dörfer auf den Felsen: Die Küste zwischen Nizza und Cannes verbindet Strandpromenaden mit mittelalterlichen Gassen und Künstlergeschichten.
Auf einen Blick
Eine Küste, viele Gesichter
Die Côte d'Azur zieht sich als schmales Band zwischen Meer und Bergen durch den Südosten Frankreichs. Hier stehen Palmen vor Belle-Époque-Fassaden, Fischer neben Yachten, Kiesstrände neben Sand. Das Licht, das Maler wie Matisse, Picasso und Chagall anzog, ist bis heute der Grund, warum viele immer wieder zurückkehren.
Geschichte zwischen Italien und Frankreich
Griechische Händler gründeten Nikaia und Antipolis, später prägte das Haus Savoyen die Gegend. Nizza kam erst 1860 zu Frankreich. Im 19. Jahrhundert entdeckten englische Winterurlauber die Küste, und die Promenaden, Hotels und Villen von damals bestimmen das Bild bis heute. 2021 wurde Nizza als Winterkurort der Riviera ins UNESCO-Welterbe aufgenommen.
Der Name und das Licht
Den Namen «Côte d’Azur» hat ein Schriftsteller erfunden: Stéphen Liégeard nannte 1887 sein Buch über die Küste so, und das Wort blieb hängen. Das Blau meint das Wasser und den Himmel, und beides stimmt. Im Winter ist es hier mild, im Februar blühen die Mimosen, in Menton feiert man im selben Monat das Zitronenfest. Im Sommer sind die Strände voll und die Hotels teuer, im Frühling und Herbst hat man die Küste fast für sich.
Nizza und die Promenade
Nizza ist die Hauptstadt der Küste und fühlt sich noch immer ein wenig italienisch an: ockerfarbene Fassaden mit grünen Läden, barocke Kirchen, Gassen, in denen Wäsche hängt. Die Promenade des Anglais entstand Anfang des 19. Jahrhunderts, als die englische Winterkolonie einen Weg am Meer bezahlte, daher der Name. Im Februar verwandelt der Karneval die Stadt, mit Umzügen und Blumenschlachten. Der Hügel des Schlossbergs trägt keine Burg mehr, dafür Wasserfall, Gärten und den besten Blick über die Bucht.
Maler am Meer
Die Künstler kamen wegen des Lichts. Henri Matisse lebte und arbeitete in Nizza, Pablo Picasso malte in Antibes und töpferte in Vallauris, Marc Chagall liess sich in Saint-Paul-de-Vence nieder und ist dort begraben, Auguste Renoir verbrachte seine letzten Jahre in Cagnes-sur-Mer. In Vence gestaltete Matisse die Rosenkranzkapelle, ein weisser Raum mit buntem Licht. Viele Museen der Küste zeigen deshalb nicht nur Bilder, sondern auch die Orte, an denen sie entstanden.
Küche zwischen Berg und Meer
Die Küche ist die von Nizza: Salade niçoise mit rohem Gemüse, Socca, ein Pfannkuchen aus Kichererbsenmehl, der heiss aus dem Ofen kommt, Pissaladière mit Zwiebeln und Sardellen, Pan bagnat, ein belegtes Brötchen, das mit Olivenöl getränkt ist, und gefüllte Gemüse. Dazu kommt der Wein aus Bellet, einer kleinen Appellation hinter Nizza. Auf dem Cours Saleya findet jeden Morgen ein Markt statt, ausser montags, dann ersetzt ihn dort der Antiquitätenmarkt.
Cannes, Festival und Strand
Cannes war ein Fischerdorf, bis ein englischer Lordkanzler 1834 hier hängen blieb und die Gegend bekannt machte. Heute prägt das Filmfestival im Mai das Bild, das erste fand 1946 statt. Die Promenade «La Croisette» ist dann kaum zu betreten. Ausserhalb der Festivalzeit ist die Stadt ruhiger, und das alte Viertel Le Suquet bietet einen Blick über die Bucht.
Die Küstenorte sind mit dem Regionalzug gut verbunden, Nizza, Antibes und Cannes liegen im dichten Takt an derselben Linie. Das spart im Sommer Nerven, denn die Küstenstrasse ist dann oft verstopft.
Unterwegs an der Küste
Von Nizza aus lassen sich Èze, Antibes, Cannes und Saint-Paul-de-Vence gut erreichen. Die Auswahl zeigt Orte, die zum Flanieren, Schauen und Geniessen einladen, vom Markt am Morgen bis zum Sonnenuntergang über der Bucht. Die Küstenstrassen sind im Sommer stark befahren, früh starten lohnt sich.
Unsere Reise
Orte an der Côte d'Azur
Promenade des Anglais
Die Promenade des Anglais folgt der Baie des Anges auf rund sieben Kilometern, vom Flughafen im Westen bis zum Quai des États-Unis am Fuss des Schlossbergs. Zwischen Fahrbahn und Meer liegt ein breiter Streifen mit Gehweg, Radstreifen und Palmen, auf der Seeseite der Kiesstrand mit den blauen Stühlen. Auf der Landseite stehen die Hotelfassaden der Belle Époque in Rosa, Ocker und Weiss, dazwischen Cafés und Strandrestaurants. Wer am frühen Morgen kommt, teilt sich den Weg mit Läufern, Hundebesitzern und Möwen.

Der Name verweist auf die ersten Wintergäste. Im 18. Jahrhundert begannen wohlhabende Engländer, sich in Nizza Winterquartiere zu bauen. Vor 1820 war der Weg am Meer kaum breit genug, dass zwei Pferde aneinander vorbeikamen. Nach der gängigen Darstellung liess der Reverend Lewis Way ihn 1820 nach einem strengen Winter auf eigene Kosten ausbauen, im Volksmund hiess er Chemin des Anglais. Die Stadt führte die Arbeiten später fort, und die Strasse erhielt zu Ehren ihrer Erbauer den offiziellen Namen Promenade des Anglais.
Nizza gehörte damals zum Königreich Sardinien und kam erst 1860 zu Frankreich. Mit den Gästen wuchs die Küste: Hotels, Villen und Kuranlagen entstanden entlang der Bucht, darunter das Hotel Negresco, benannt nach seinem Gründer Henri Negresco und bis heute die bekannteste Adresse der Promenade. Diese Bauten aus der Zeit der Winterkurgäste trugen dazu bei, dass die UNESCO 2021 Nizza als Winterkurort der Riviera ins Welterbe aufnahm. Die Gäste aus dem Norden blieben meist von November bis in den Frühling.
Ein weiterer Bau prägt das Bild des Westabschnitts: der Palais de la Méditerranée, 1929 für den amerikanischen Millionär Frank Jay Gould eröffnet und von den Architekten Charles und Marcel Dalmas entworfen. Das Haus enthielt ein Casino und war lange auch Ort von Ausstellungen. Das ursprüngliche Hotel schloss 1978. Die Art-déco-Fassaden an der Promenade und an der Rue du Congrès stehen seit 1989 unter Denkmalschutz; 1990 wurde der Rest abgerissen und hinter den erhaltenen Fassaden ein neues Hotel mit Casino gebaut.
Am 14. Juli 2016 fuhr während der Feiern zum Nationalfeiertag ein Lastwagen in die Menschenmenge auf der Promenade. 86 Menschen starben, 458 wurden verletzt. Das Fahrzeug wurde in der Nähe des Palais de la Méditerranée gestoppt, der Fahrer erschossen. Die Promenade ist seither wieder Ort von Stadtfesten, Läufen und Abendspaziergängen, doch für viele Einwohner bleibt sie auch mit diesem Datum verbunden. Auf dem Schlossberg wird deshalb der tägliche Mittagsschuss am 14. Juli ausgesetzt.
Am Ostende schliesst die Promenade an den Quai des États-Unis an. Von dort sind es wenige Minuten zum Cours Saleya und zur Altstadt (siehe Vieux-Nice), und über Treppen und Aufzug gelangt man auf die Colline du Château. Westwärts liegen Antibes und Cannes, östlich zieht die Küstenstrasse zum Dorf Èze und weiter nach Monaco. Wer abends an der Bucht sitzt, sieht die Sonne hinter dem Cap d'Antibes sinken.
Gut zu wissen: Die Promenade ist rund um die Uhr frei zugänglich und rund sieben Kilometer lang. Am Westende liegt der Flughafen Nice Côte d'Azur. Der Strand besteht aus Kieseln, Badeschuhe sind praktisch. Welche Strandabschnitte öffentlich sind und welche zu Strandrestaurants mit Liegen gehören, vor Ort prüfen. Früh am Morgen und kurz vor Sonnenuntergang ist es ruhiger und kühler. Mehr dazu im Reisebericht.
Vieux-Nice und Cours Saleya
Vieux-Nice liegt zwischen Schlossberg, Cours Saleya und Place Garibaldi und hat den Grundriss des 17. Jahrhunderts fast unverändert bewahrt. Die Häuser sind in Ocker und Lachsrot gestrichen, ragen teils bis zu sechs Stockwerke auf und lassen in den schmalen Gassen kaum Mittagssonne aufs Pflaster. Aus offenen Türen riecht es nach Olivenöl und Gebäck, und fast jede Gasse mündet unvermittelt auf einen kleinen Platz mit Brunnen und Café. Die Anfänge des Viertels reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück.

Politisch war Nizza lange nach Osten ausgerichtet. Ab 1388 stand die Stadt unter der Herrschaft des Hauses Savoyen, dem Farbgebung und Bauweise bis heute anzusehen sind. 1706 liess Ludwig XIV. die Zitadelle auf dem Schlossberg schleifen. 1860 kam Nizza nach dem Vertrag von Turin und einer Volksabstimmung im April zu Frankreich. 1887 beschädigte ein Erdbeben viele Fassaden. Die Küche zeigt die Zwischenstellung bis heute: Olivenöl, Kichererbsen und Gemüse bestimmen sie, ligurisch wie provenzalisch.
Der Cours Saleya ist die Marktgasse des Viertels. Der Blumenmarkt besteht seit 1861 und beginnt ausser montags schon um sechs Uhr; montags übernehmen Antiquitäten- und Trödelhändler. Der Fischmarkt findet morgens an der Place Saint-François statt, die Versteigerungen sind gegen sieben Uhr zu hören. Bunte Stände mit Tomaten, Zitronen und Blumen reihen sich entlang der Terrassen, auf denen später am Tag Mittagsgäste sitzen.
Typisch für Nizza ist Socca, ein Fladen aus Kichererbsenmehl, der heiss und oft im Stehen gegessen wird; eine Portion kostet nach einer Angabe sechs bis zwölf Euro. Dazu gehören Pissaladière, ein Fladen mit Zwiebeln, und ein Kaffee auf einer der Terrassen. Wer mehr als einen Imbiss möchte, findet in den Seitengassen Lokale mit regionaler Karte; die Küche bleibt nahe an dem, was auf den Märkten der Umgebung zu haben ist.
Am Ostende des Cours Saleya steht die Chapelle de la Miséricorde, deren Fassade aus dem 18. Jahrhundert ein vergoldetes barockes Inneres verbirgt. Die Kathedrale Sainte-Réparate an der Place Rossetti wurde 1699 vollendet und trägt eine Kuppel aus grün und gelb glasierten Ziegeln. Der Palais Lascaris entstand in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ist heute ein städtisches Museum mit historischen Musikinstrumenten. Die Opéra de Nice von 1885 nach Plänen von François Aune hat mehr als 1100 Plätze.
Abends verlagert sich das Leben auf die Place Garibaldi, den grossen offenen Platz mit Bar- und Restaurantterrassen. Zu Fuss ist der Rest von Nizza schnell erreicht: Am Ostende der Altstadt führen Treppen und ein Aufzug auf die Colline du Château, in der Gegenrichtung liegt die Promenade des Anglais nur wenige Gehminuten entfernt. Wer Ruhe sucht, geht in den Seitengassen abseits der Marktzeile.
Gut zu wissen: Die Altstadt lässt sich nur zu Fuss erkunden. Die Tramlinie 1 hält nach bisherigen Angaben bei Opéra-Vieille Ville und Cathédrale-Vieille Ville, Fahrplan vor Ort prüfen. Das Pflaster ist uneben, für Kinderwagen sind manche Gassen mühsam. Der Blumenmarkt läuft morgens, am Montag mit Trödel statt Blumen. Für einen ersten Besuch genügt ein halber Tag. Mehr dazu im Reisebericht.
Colline du Château
Die Colline du Château ragt 92 Meter über dem östlichen Ende der Altstadt auf. Zugang haben Besucher über Treppen oder mit einem Aufzug vom Ostende von Vieux-Nice. Oben liegt ein Park mit Pinien, Zypressen, Terrassen und Wiesen, und von den Aussichtspunkten sieht man auf die roten Dächer der Altstadt, die weite Kurve der Baie des Anges, den Hafen und bei klarer Luft die Berge des Hinterlands. Eine Burg gibt es nicht mehr, der Hügel ist heute Naherholungsgebiet mit Spielplatz.

Hier liegt der Ursprung der Stadt. Um das 3. Jahrhundert v. Chr. entstand auf dem Hügel die griechische Handelskolonie Nikaia, die mit Massalia, dem heutigen Marseille, Handel trieb. Im 5. Jahrhundert stand hier ein früher Sakralbau von etwa 22 mal 10 Metern, aus dem die Kathedrale Sainte-Marie hervorging; sie wurde im 15. Jahrhundert erweitert und bestand bis 1706. Ihre Reste mit Säulenbasen und Apsiden sind noch zu sehen. 1436 entstand der Turm Saint-Elme, an dessen Stelle heute die Tour Bellanda steht.
Der Hügel war über Jahrhunderte Festung. 1388 kam Nizza an Savoyen, im 16. Jahrhundert wurde eine Bastionszitadelle gebaut. 1691 nahm Marschall Catinat die Burg für Ludwig XIV., als eine Kanonenkugel das Pulvermagazin traf, starben Hunderte. Im Januar 1706 kapitulierte die Zitadelle nach 54 Tagen Beschuss, am 12. Juli begann auf Befehl des Königs die Schleifung, die etwa ein halbes Jahr dauerte. Der Wiederaufbau wurde nach dem Frieden von Utrecht 1713 aufgegeben.
1783 wurde der Hügel als Friedhof bestimmt, der christliche Friedhof liegt in Terrassen mit weiter Aussicht und zählt rund 2250 Gräber. Dort liegen unter anderem der Politiker Léon Gambetta und der Schriftsteller Gaston Leroux. Daneben liegt der jüdische Friedhof, mit einer Mauer, auf der die Namen von 3602 aus Nizza deportierten Menschen stehen. 1830 liess König Karl Felix einen Park mit Wegen und Wasserfall anlegen. Die Cascade wurde am 27. Juni 1885 eingeweiht und erinnert an die Wasserleitung aus dem Tal der Vésubie, rund 50 Kilometer nördlich.
Die heutige Tour Bellanda entstand um die Mitte des 19. Jahrhunderts als Teil des Hotels von Honoré Clerissi; das Bellandarium im oberen Teil ist nach der Quelle samstags geöffnet. 1943 und 1944 befestigte die deutsche Wehrmacht den Hügel mit Geschützen und Stollen. Täglich um zwölf Uhr fällt ein Kanonenschuss, dessen Tradition auf Sir Thomas Coventry im Jahr 1862 zurückgeführt wird; der 14. Juli ist wegen des Anschlags von 2016 ausgenommen.
Am Abend färbt sich die Bucht im tiefen Licht, und die Promenade des Anglais zeichnet sich als helle Linie ab, vom Hafen bis zum Flughafen. Auf der anderen Seite des Hügels liegt der Hafen mit seinen Fassaden, dahinter die Hänge Richtung Èze und Monaco. Zum Abstieg nehmen viele die Treppen, die in die Altstadt und zum Cours Saleya führen; wer den Hügel am Vormittag besucht, kann danach direkt auf den Markt gehen.
Gut zu wissen: Der Park ist tagsüber frei zugänglich, Zeiten vor Ort prüfen. Der Aufstieg zu Fuss dauert von der Altstadt je nach Tempo etwa 15 bis 20 Minuten. Der Aufzug ist nach Angaben aus einer Quelle in der Regel kostenlos, im Sommer von 8 bis 20 Uhr, im Winter von 8 bis 18 Uhr; Betrieb vor Ort prüfen. Wasser mitnehmen, im Sommer ist der Weg schattenarm. Mehr dazu im Reisebericht.
Èze
Èze sitzt auf einem Felsgrat rund 427 Meter über dem Mittelmeer und trägt den Beinamen Adlernest. Die Steinhäuser stehen so dicht, dass die Gassen nur aus Stufen, Bögen und Durchgängen bestehen, und Blumentöpfe stehen auf fast jeder Treppe. Von der Moyenne Corniche führt eine Strasse zum Dorfeingang. Von oben reicht der Blick über das Meer bis zur Halbinsel von Saint-Jean-Cap-Ferrat, die rund sieben Kilometer entfernt liegt. 2023 lebten in der Gemeinde 2144 Menschen.

Besiedelt war die Gegend um 200 v. Chr. Die Mauren hielten sie rund 80 Jahre, bis Wilhelm von Provence sie 973 vertrieb. 1388 kam Èze unter die Herrschaft des Hauses Savoyen. 1543 nahmen osmanische Truppen unter Hayreddin Barbarossa das Dorf ein. 1706 liess Ludwig XIV. die Burg aus dem 12. Jahrhundert und die Mauern zerstören, wie auf dem Schlossberg in Nizza. Im April 1860 stimmten die Einwohner einstimmig für den Anschluss an Frankreich.
Die Kapelle Sainte-Croix von 1306 gilt als ältestes Gebäude des Dorfes. Die Pfarrkirche Notre-Dame de l'Assomption wurde 1764 gebaut, sie ist klassizistisch, ockerfarben und hat einen quadratischen Glockenturm. Die Gassen unter den Torbögen sind kaum verändert, weil der steile Fels wenig Platz für Neubauten lässt. Das einzige Tor zum alten Dorf ist das gewölbte Tor am Place du Centenaire.
Oben, wo die Burg stand, liegt der Jardin Exotique, 1949 auf den Ruinen angelegt. Kakteen, Agaven und Aloen wachsen dort zwischen Steinen, und die Pfade führen in Kehren hinauf bis zu einer Terrasse mit Rundblick. Der Eintritt kostete 2017 zwölf Euro, Kinder unter zwölf Jahren waren frei; aktuelle Preise vor Ort prüfen. Der Gipfel der Burganlage liegt bei 429 Metern.
Das Château Eza besteht aus rund 400 Jahre alten Häusern entlang der Dorfmauer. Prinz Wilhelm von Schweden liess sie in den 1920er-Jahren zu einer Privatresidenz zusammenfügen; heute ist es ein Hotel mit neun Zimmern und Suiten. Der Hotelier Robert Wolf erwarb um 1953 das Château de la Chèvre d'Or, das später zu einem Haus der Relais & Châteaux wurde. Im Dorf zeigen Galerien und kleine Läden ihre Arbeiten.
Ein Weg verbindet das Dorf mit der Küste: der Chemin Friedrich Nietzsche, rund 1,6 Kilometer lang, mit etwa 400 Metern Gefälle bis nach Èze-sur-Mer. Nietzsche soll ihn in den 1880er-Jahren begangen haben. Der Abstieg dauert ungefähr eine bis anderthalb Stunden. Unten liegen der Kiesstrand und ein Bahnhof mit Zügen nach Nizza, das elf Kilometer entfernt ist, und nach Monaco. Wer wandern will, findet am Fort de la Revère einen Naturpfad von rund 1,5 Kilometern.
Gut zu wissen: Der Zugang zum alten Dorf führt nur durch das gewölbte Tor am Place du Centenaire. Die Gassen sind steil und gestuft, für Kinderwagen oder eingeschränkte Mobilität ist der Besuch mühsam. Im Sommer lohnt es sich, vor zehn Uhr anzukommen. Eintritt und Öffnungszeiten des Jardin Exotique vor Ort prüfen. Die Parfümerie Fragonard bietet nach einer Angabe kostenlose Führungen von etwa einer halben Stunde an. Mehr dazu im Reisebericht.
Antibes
Die Altstadt von Antibes liegt hinter Mauern direkt am Meer, mit der Markthalle am Cours Masséna als Mittelpunkt. Am Morgen rufen unter dem Eisen- und Glasdach aus dem 19. Jahrhundert die Händler, Fischer legen ihren Fang auf Eis, und der Duft von Ziegenkäse, Tapenade und Blumen zieht durch die Gänge. Auf den Ringmauern über dem Meer reicht der Blick an klaren Tagen bis zu den Alpen. Mit 77'637 Einwohnern (2023) ist Antibes nach Nizza die zweitgrösste Gemeinde der Alpes-Maritimes.

Die Stadt ist alt. Phokäer aus Massalia gründeten hier nach heutigem Forschungsstand im späten 4. Jahrhundert v. Chr. die Kolonie Antipolis, die «Gegenstadt», weil sie Nizza gegenüberlag. 1550 liess Heinrich II. das Fort Carré errichten, später verstärkte Vauban die Anlage. Als Napoleon am 1. März 1815 bei Golfe-Juan an Land ging, rund fünf Kilometer südwestlich, schlossen die Bewohner von Antibes die Tore, und er zog nach Norden weiter.
Das Château Grimaldi entstand nach 1385, als die Grimaldi die Herrschaft erhielten. 1926 kaufte die Stadt es und richtete ein Museum ein. 1946 wohnte und arbeitete Pablo Picasso sechs Monate lang im Haus. Seit 1966 zeigt das Picasso-Museum seine Werke, es gilt als erstes Museum, das Picasso noch zu Lebzeiten gewidmet wurde, und besitzt über 200 Stücke. Die Terrasse mit Meerblick ist vom Garten aus ohne Ticket zugänglich.
Der Port Vauban hat je nach Quelle rund 1700 bis über 2000 Liegeplätze und nimmt Boote von über hundert Metern Länge auf. Im Osten der Altstadt steht das sternförmige Fort Carré aus dem 16. Jahrhundert, das man in etwa 20 Minuten zu Fuss erreicht und das einen Rundblick über die Baie des Anges bietet. Die Kathedrale Notre-Dame-de-l'Immaculée-Conception hat einen Glockenturm, der früher ein römischer Wachtturm war, und eine barocke Fassade des 18. Jahrhunderts.
Hinter dem Hafen beginnt das Cap d'Antibes, eine bewaldete Halbinsel mit Villen. Der Küstenweg zwischen dem Strand La Garoupe und der Pointe Bacon misst rund fünf Kilometer, mit dem Velo dauert die Umrundung des Caps etwa zwei Stunden. Das Hôtel du Cap ist dort seit 1870 ein Luxushotel, damals unter dem Namen Villa Soleil. Der Leuchtturm La Garoupe brennt seit 1837, daneben steht die Chapelle Notre-Dame-du-Spélugues; die Villa Eilenroc von 1867 hat öffentliche Gärten.
In Juan-les-Pins, das zu Antibes gehört, findet seit 1960 jeden Juli das Festival Jazz à Juan im Freien statt. Die Altstadt hat auch ruhigere Ecken wie den Quartier Le Safranier, dessen Gassen um einen kleinen Platz liegen. Nizza liegt in östlicher Richtung, Cannes in westlicher, beide mit Zug oder Auto erreichbar; Saint-Paul-de-Vence im Hinterland ist von hier gut eine halbe Stunde entfernt.
Gut zu wissen: Die Altstadt ist weitgehend autofrei, am besten parkt man in einem Parkhaus. Der Marché Provençal läuft sechs Tage pro Woche bis etwa 13 Uhr, Wochentage vor Ort prüfen. Das Picasso-Museum ist montags geschlossen, Zeitfenster lassen sich online buchen. Für das Cap d'Antibes mehrere Stunden einplanen und früh starten; im Sommer sind Strassen und Strände stark besucht. Mehr dazu im Reisebericht.
Cannes
Die Croisette, die Uferstrasse von Cannes, misst rund zwei Kilometer. Auf der Meerseite liegen feine Sandstrände, auf der Stadtseite Boutiquen und die grossen Hotels hinter Palmenreihen. An ihr steht das Palais des Festivals, ein moderner Bau aus Beton und Glas, dessen Treppe mit rotem Teppich bedeckt ist, sobald das Filmfestival läuft. Es wurde 1946 gegründet und findet meist im Mai statt. Die Stadt hat 74'350 Einwohner (2023) und liegt in einer Bucht, über der sich im Westen Le Suquet erhebt.

Le Suquet ist das älteste Viertel von Cannes. Auf dem Hügel stand im 11. Jahrhundert ein Turm über den Sümpfen, auf denen heute die Stadt steht, und eine 1035 erbaute Burg sicherte den Ort. Tour du Suquet und Chapelle Sainte-Anne beherbergen das Musée des Explorations du monde. Die Gassen sind eng und steil, am Hang stehen kleine Plätze, und von oben sieht man über den alten Hafen und die Bucht bis zu den Lérins-Inseln.
Cannes blieb lange ein kleiner Fischerort. Das änderte sich im 19. Jahrhundert mit dem englischen Adel. Henry Brougham, der erste Baron Brougham and Vaux, erwarb um 1838 Land bei Croix des Gardes und baute die Villa Eleonore-Louise, errichtet zwischen 1835 und 1839. Sie zog englische Aristokraten an, und die Stadt wuchs zum Winterkurort. Die Villen und Gärten entlang der Küste gehen auf diese Zeit zurück.
Im Alten Hafen liegen Boote an den Kais, und an der Quai Saint-Pierre reihen sich Restaurants. Die Stadt zeigt Filmgeschichte auch an Hauswänden: Ein Wandbild erinnert an Charlie Chaplin am Boulevard Vallombrosa 10, eines an «Plein Soleil» mit Alain Delon an der Avenue Francis Tonner, ein weiteres am Hôtel de la Plage an der Rue Saint-Dizier 7. Wer bummeln will, geht von der Croisette durch die Gassen zum Hafen und weiter hinauf nach Le Suquet.
Vor der Küste liegen die Lérins-Inseln. Auf Sainte-Marguerite steht ein Fort, in dem der Mann mit der eisernen Maske festgehalten worden sein soll; im Haus findet sich heute das Museum Masque de Fer et Fort Royal. Auf Saint-Honorat leben seit dem Jahr 410 Mönche, heute eine Zisterziensergemeinschaft in der Abtei von Lérins. Beide Inseln wirken ruhiger als das Festland, mit Pinien und Wegen am Ufer. Auf Saint-Honorat bauen die Mönche Wein an, der Küstenweg rund um die Insel dauert nach einer Angabe etwa 45 Minuten und führt an sieben Kapellen vorbei. Im Winterhalbjahr verkehren nach einer Angabe weniger Boote.
Südwestlich von Cannes liegt Saint-Tropez (siehe eigener Beitrag), östlich folgen Antibes und Nizza. Cannes bildet damit die Mitte der Küste zwischen Saint-Tropez und der Altstadt von Nizza und eignet sich als Zwischenstation. Wer die Filmgeschichte sucht, findet sie an der Croisette, wer Ruhe sucht, auf den Inseln und in den Gassen von Le Suquet. Der Tag in Cannes lässt sich gut mit der Fahrt nach Antibes verbinden, wo der Markt und das Picasso-Museum warten.
Gut zu wissen: Der Aufstieg nach Le Suquet ist im Sommer anstrengend, am besten geht man am Morgen oder späten Nachmittag. Für die Lérins-Inseln mehrere Stunden einplanen; Fähren, Zeiten und Preise vor Ort prüfen. Während des Festivals im Mai ist die Stadt voll. Die Bahn verbindet Cannes mit Nizza und Antibes, Fahrplan vor Ort prüfen. Mehr dazu im Reisebericht.
Saint-Tropez
Im Hafen von Saint-Tropez laufen die Linien der Stadt zusammen: Ein Halbrund aus ockerfarbenen, rosa und gelben Häusern mit Cafés im Erdgeschoss umschliesst das Becken, in dem Segel- und Motoryachten dicht an dicht liegen, dahinter steigt die Altstadt zur Zitadelle an. Die Stadt liegt im Département Var am Südufer des Golfs von Saint-Tropez, der sich nordwärts bis Sainte-Maxime unterhalb des Massif des Maures zieht, rund 68 Kilometer westlich von Nizza. Ständig wohnen hier nur gut 3500 Menschen (2023). Der Hafen bietet etwa 800 Liegeplätze und gliedert sich in zwei Marinas.

Den Namen trägt der Ort von Saint Torpes, einem frühchristlichen Märtyrer. Nach der Legende war er ein römischer Offizier unter Nero und wurde im Jahr 68 enthauptet. Sein Leichnam sei in einem morschen Boot, zusammen mit einem Hahn und einem Hund, an der Stelle des heutigen Hafens gelandet. Historisch greifbar wird die Siedlung im Jahr 1470: Raphaël de Garesio holte Familien von der italienischen Riviera hierher und liess den Ort befestigen, rund ein Jahrzehnt später standen Mauern und zwei Türme. Bis ins 19. Jahrhundert lebte Saint-Tropez vom Fischfang und vom Schiffbau, nicht vom Tourismus.
Aus dieser Zeit stammt das wichtigste Fest des Ortes, die Bravade. Sie findet jedes Jahr vom 16. bis 18. Mai zu Ehren des Schutzheiligen statt: Bürgermiliz in historischen Uniformen zieht mit Musik und Musketensalven durch die Gassen. Eine weitere Bravade erinnert an den 15. Juni 1637, als eine örtliche Miliz spanische Galeeren zurückschlug. Die Zitadelle über dem Ort, Ende des 16. Jahrhunderts als Schutz gegen Angriffe vom Meer errichtet, ist heute zugänglich und zeigt Ausstellungen zur Stadtgeschichte und zur Seefahrt. Von den Mauern reicht der Blick über Dächer, Hafen und Golf.
Als Künstlerort wurde Saint-Tropez durch Paul Signac bekannt, der den Fischerort im ausgehenden 19. Jahrhundert für sich entdeckte und hier den Pointillismus weiterführte. Sein Gemälde des Hafens von 1899 gehört zu den bekannten Ansichten des Ortes. Nach ihm kamen Maler wie Matisse, Bonnard und Marquet. Das Musée de l'Annonciade am Hafen, in einer ehemaligen Kapelle untergebracht, zeigt Werke dieser Generation und der Fauves und ist das wichtigste Kunstmuseum der Stadt. Wer die Bilder gesehen hat, erkennt das Licht, die Farben und manche Hausfassade am Quai wieder.
Weltbekannt wurde Saint-Tropez im 20. Jahrhundert durch den Film. Brigitte Bardot spielte 1956 in Roger Vadims «Et Dieu créa la femme», der zu einem guten Teil im Ort gedreht wurde und ihn international bekannt machte. Es folgte 1964 «Le Gendarme de Saint-Tropez» mit Louis de Funès, der eine ganze Filmreihe nach sich zog. An beide Filmwelten erinnern heute das Kino- und das Gendarmeriemuseum, das 2016 eröffnet wurde. Zum Ruf des Ortes als Treffpunkt von Yachtbesitzern und Prominenten tragen diese Filme bis heute bei.
Das Alltagsleben spielt sich abseits des Hafens ab, vor allem auf der Place des Lices: Hier findet dienstags und samstags der Markt statt, mit Gemüse, Käse, Blumen und provenzalischen Spezialitäten. Südlich des Orts, schon auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Ramatuelle, erstreckt sich die Plage de Pampelonne mit feinem Sand über etwa fünf Kilometer. Vom Hafen führt die Strasse in wenigen Kilometern dorthin, im Sommer ist sie ebenfalls stark befahren. Wer von Nizza, Antibes oder Cannes herkommt, rechnet für die Strecke mehr Zeit ein als die Kilometer vermuten lassen.
Gut zu wissen: Saint-Tropez hat keinen Bahnhof und keinen Flughafen. Der nächste Bahnhof ist Saint-Raphaël-Valescure, 39 Kilometer entfernt, von dort fahren Busse und Boote. Die nächsten Flughäfen sind La Môle (15 Kilometer) und Toulon-Hyères (52 Kilometer), die grossen Drehkreuze Nizza und Marseille liegen weiter entfernt. Mit dem Auto führt nur eine Küstenstrasse in den Ort, im Sommer staut sie sich stark, und Parkplätze sind knapp. Schneller ist oft die Fähre ab Sainte-Maxime (rund 15 Minuten); im Sommer bestehen Verbindungen auch nach Nizza, Cannes und Saint-Raphaël. Fahrpläne und Preise vor Ort prüfen.
Saint-Paul-de-Vence
Saint-Paul-de-Vence liegt auf einem Hügel rund sieben Kilometer vom Meer entfernt, und die Rue Grande durchzieht das Dorf der Länge nach. In den Gassen reihen sich Galerien, Ateliers und kleine Läden aneinander, Blumenbalkone hängen über Torbögen. Von den Wällen sieht man über Hügel und Olivenhaine bis zum Meer. Am späteren Nachmittag, wenn die Reisebusse abgefahren sind, wird es ruhiger, und auf dem Platz spielen die Männer Boule.

Das Dorf lag zwischen der Grafschaft Provence und dem Herzogtum Savoyen und war deshalb ein strategischer Ort. König Franz I. liess im 16. Jahrhundert die Wälle bauen; sie gehören zu den am besten erhaltenen der Region. Im 20. Jahrhundert wurde aus dem Festungsdorf ein Treffpunkt von Künstlern. Wer heute auf den Wällen geht, sieht die Bastionen, die Terrassen mit Olivenbäumen und bei klarer Sicht den Streifen Meer am Horizont.
In den 1920er-Jahren war das Café Robinson ein einfacher Treffpunkt, aus dem später das Hotel-Restaurant La Colombe d'Or wurde. Gründer Paul Roux freundete sich mit Picasso und anderen Malern an, und auch Matisse gehörte zu den Gästen. Künstler bezahlten Mahlzeiten oft mit Werken, wodurch eine der wertvollsten Restaurantsammlungen entstand. Sein Sohn Francis Roux fasste es später so zusammen: Sie kamen, tranken, assen, schliefen und malten.
Marc Chagall zog 1966 nach Saint-Paul und lebte hier bis zu seinem Tod 1985. Sein Grab liegt auf dem Dorffriedhof, wo Besucher Blumen und kleine Steine ablegen. James Baldwin kaufte 1970 das Haus Chez Lucien und lebte dort bis zu seinem Tod 1987. So entstand ein Dorf, in dem Kunst nicht nur im Museum hängt, sondern zwischen Tischen, Gartenmauern und Eingängen.
Rund zehn Gehminuten vom Dorf entfernt liegt die Fondation Maeght am Chemin des Gardettes 623. Aimé und Marguerite Maeght gründeten sie im Gedenken an ihren Sohn Bernard, der mit elf Jahren an Leukämie starb; am 28. Juli 1964 eröffnete sie André Malraux. Architekt war Josep Lluís Sert, von Joan Miró empfohlen. Zur Anlage gehören Mirós Labyrinth mit einer Wand aus 468 Keramikplatten und einer weissen Linie, die den Weg weist, der Giacometti-Hof mit Bänken, Türen und Laternen von Alberto und Diego Giacometti und Braques Fischmosaik. Braque schuf 1962 auch das südliche Glasfenster der Kapelle Saint-Bernard.
Die Sammlung umfasst über 13'000 Objekte, davon mehr als 1000 Gemälde und Skulpturen, 600 Zeichnungen und 6000 Druckgrafiken, darunter Werke von Arp, Bonnard, Braque, Calder, Chagall, Giacometti, Kandinsky, Léger und Miró. Sert plante die Anlage wie ein mediterranes Dorf rund um die Kapelle, weil zunächst ein Künstlerdorf statt eines Museums vorgesehen war. Von Antibes liegt Saint-Paul gut eine halbe Stunde entfernt, von Nizza etwa 25 Kilometer.
Gut zu wissen: Parkplätze liegen ausserhalb des Dorfkerns, die Gassen sind gepflastert und teils steil. Tagsüber ist das Dorf stark besucht, früh am Morgen oder am Abend ist es ruhiger. Das Touristenbüro befindet sich an der Rue Grande 2. Öffnungszeiten und Eintritt der Fondation Maeght vor Ort prüfen; Fahrzeiten ebenfalls. Mehr dazu im Reisebericht.