Dadès und Todra
Rosenhecken im Tal, rote Felsen mit Fingerform und eine Schlucht, die sich bis auf wenige Meter verengt: zwei Tage zwischen Kelaat M'Gouna, Boumalne und Tinghir.
Auf einen Blick
Flusstäler im Süden
Dadès und Todgha haben Täler in den Fels geschnitten, in denen Oasen, Lehmdörfer und Strassen nebeneinander liegen. Die Fahrt folgt diesen Tälern von Kelaat M'Gouna bis nach Tinghir.
Rosen, Felsen, Schluchten
Das Rosental bringt Duft und Blüte in die trockene Landschaft, die Dadès-Schlucht Serpentinen und Felsformen, die Todra-Schlucht hohe Wände auf engem Raum. Alle drei Orte lassen sich mit dem Mietwagen erreichen.
Die Strasse der Kasbahs
Zwischen Ouarzazate und Tinghir führt die N10 durch eine Landschaft, die als «Strasse der tausend Kasbahs» bekannt ist. Es sind nicht tausend, aber viele: Lehmburgen, die einst Familienclans, Händler und Karawanen schützten. Sie stehen am Rand der Palmenoasen, manche sind bewohnt, andere zerfallen, und jedes Jahr verschwindet ein Stück Mauer im Regen. Der Lehm hält nur, wenn er gepflegt wird.
Die Oasen sind schmal. Das Wasser kommt aus den Flüssen und wird in Kanälen auf die Felder geleitet. Auf kleinen Parzellen wachsen Weizen, Gerste, Luzerne, Granatapfel und Dattelpalmen übereinander in drei Stockwerken: unten das Getreide, in der Mitte die Bäume, oben die Palme.
Rosen im Mai
In Kelaat M’Gouna blühen im April und Mai die Damaszener-Rosen, die in langen Hecken die Felder säumen. Die Blüten werden früh am Morgen gepflückt und zu Rosenwasser und Rosenöl verarbeitet, das in der Küche und in der Kosmetik verwendet wird. Anfang Mai feiert der Ort das Rosenfest, mit Umzügen und Musik, das genaue Datum ändert sich von Jahr zu Jahr. Wer in dieser Zeit durchs Tal fährt, riecht die Rosen schon, bevor er sie sieht. Verkauft werden Rosenwasser, Seife, Cremes und Kränze.
Zwei Schluchten, zwei Gesichter
Die Dadès-Schlucht ist weit und rötlich, mit Felsen, die an Finger erinnern, den «Affenfingern», und einer Strasse, die sich in engen Kehren am Hang hinaufwindet. Im Abendlicht färbt sich der Stein von Rosa bis Dunkelrot. Die Todra-Schlucht ist enger, die Wände steigen auf beiden Seiten bis zu rund 300 Meter hoch, an der engsten Stelle trennen nur wenige Meter die beiden Felsen. Ein Fluss fliesst durch die Mitte, in dem Kinder und Touristen die Füsse kühlen.
Beide Schluchten sind Wanderziele. Wer mehr Zeit hat, geht ein Stück zu Fuss, zwischen den Mauern, hört das Wasser und beobachtet die Kletterer an den Wänden. Am Eingang der Todra-Schlucht sitzen Händler mit Teppichen, Schmuck und Fossilien. Die Preise sind verhandelbar.
Tinghir und die Oase
Tinghir liegt am Ausgang der Todra-Schlucht und ist die grösste Stadt der Gegend. Unterhalb erstreckt sich eine Palmenoase von mehreren Kilometern Länge, die man zu Fuss erkunden kann. Zwischen den Mauern führen Wege, Wasserkanäle begleiten sie, und Kinder grüssen auf Berberisch. Wer abends Zeit hat, setzt sich auf eine Terrasse und sieht der Sonne zu, wie sie hinter dem Atlas verschwindet.
Reisen mit dem Mietwagen
Die Tage im Tal bedeuten kurvige Strecken, viele Halte und Zeit für Tee. Strassenzustand und Wetter sind vor der Fahrt zu prüfen, nach Regen können die Bäche in den Schluchten schnell steigen.
Unsere Reise
Orte in Dadès und Todra
Rosental (Vallée des Roses)
Das Rosental liegt im Tal des Dadès in der Provinz Tinghir, und es erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Die Rosen stehen nicht in Beeten, sondern als dichte Hecken am Rand der Felder und entlang der Bewässerungsgräben, zwischen Gerste, Luzerne und Obstbäumen. Wer im Mai kommt, sieht sie in Blüte, und frühmorgens liegt der Duft über dem Dorf. Hauptort ist Kelaat M'Gouna an der N10 zwischen Ouarzazate und Tinghir, eine Stadt mit knapp 38'000 Einwohnern (Zählung 2018/19), die vom Beinamen Rosental lebt.

Angebaut wird die Duftrose, in der Regel als Damaszener Rose (Rosa damascena) bezeichnet. Die Zahlen sind für marokkanische Verhältnisse gross: Für die Kampagne 2024/25 meldete die Landwirtschaftsbehörde ORMVA Ouarzazate eine erwartete Ernte von über 4800 Tonnen Blüten, nach 3500 Tonnen im Vorjahr, auf rund 1020 Hektar in der Provinz Tinghir. Der Hauptteil entfällt dabei auf die Gemeinden Aït Sedrate und Khémis Dadès, Kelaat M'Gouna selbst trägt gut zehn Prozent bei. Rund 60 Tonnen gehen in den Export.
Aus den Blüten entstehen Rosenwasser, ätherisches Öl, Seife und Kosmetik. Die Mengen zeigen, warum das Öl teuer ist: Für einen Liter ätherisches Öl braucht es nach den Angaben der Behörde 3500 bis 4000 Kilogramm frische Blüten. Verarbeitet wird in Familienbetrieben, Genossenschaften und in Fabriken im Ort, eine davon ist Florose. Gepflückt wird von Hand, die Blüten müssen rasch in die Destillation. Wie viele Destillerien es genau gibt, schwankt je nach Quelle.
Woher die Rosen stammen, erzählt eine Legende: Pilger, die im 10. Jahrhundert aus Mekka zurückkehrten, sollen die ersten Setzlinge mitgebracht haben. Historisch belegt ist das nicht, und andere Überlieferungen nennen andere Wege. Gesichert ist, dass der Anbau über Generationen in kleinen Parzellen betrieben wurde und erst in den letzten Jahren mit Tröpfchenbewässerung und neuen Verarbeitungseinheiten ausgebaut wird. Die bewässerte Fläche mit Tropfsystemen stieg nach Behördenangaben von 106 Hektar im Jahr 2008 auf 2284 Hektar im Jahr 2025.
Höhepunkt des Jahres ist das Rosenfest (Moussem des Roses) in Kelaat M'Gouna, das jeweils im Mai um die Erntezeit stattfindet und bis zu einer Woche dauert. Für 2015 werden rund 300'000 Besucher genannt. Auf dem Programm stehen Umzüge in traditionellen Trachten unter einem Regen aus Blütenblättern und Rosenwasser, Ahidous-Tänze, Schwertertanz, Kunsthandwerk und die Wahl einer Rosenkönigin. Die Termine folgen der Blüte und wechseln von Jahr zu Jahr; auch eine Ausgabe in Ouarzazate wird genannt.
Gut zu wissen: Die Blüte fällt in den Frühling, meist rund um den Mai, der genaue Zeitpunkt hängt von Witterung und Höhenlage ab, im Zweifel vor Ort nachfragen. Die Hecken stehen auf Privatland, nicht pflücken und vor Fotos zwischen den Feldern um Erlaubnis bitten. Echtes Rosenwasser riecht frisch und nach Blüte, Parfümseifen aus Zusatzstoffen riechen schärfer; Preise vor Ort vergleichen. Flüssigkeiten im Handgepäck unterliegen den Flughafenregeln. Kelaat M'Gouna hat Läden, Cafés und Tankstellen und liegt am Weg zur Dadès-Schlucht, die bei Boumalne Dadès beginnt. Öffnungszeiten der Destillerien vor Ort prüfen.
Dadès-Schlucht
Die Dadès-Schlucht beginnt bei Boumalne Dadès, wo der Fluss aus dem Hohen Atlas in die Ebene tritt, und führt von dort nordwärts bis in das Dorf M'semrir. Die Strecke wird mit rund 45 Kilometern angegeben, manche Führer rechnen nur den spektakulären Abschnitt mit rund 25 Kilometern. Die Wände erreichen nach einer Reiseführer-Angabe 200 bis 500 Meter Höhe. Das Gestein leuchtet in Rot, Orange und Braun, und unten im Tal säumen Palmen, Oleander und Felder den Fluss, an dessen Hängen Lehmdörfer und Kasbahs kleben.

Die Felsen bestehen aus Sand- und Kalkstein. Das Gebiet lag nach der geologischen Beschreibung einst unter dem Meer, Ablagerungen an Korallenriffen verfestigten sich zu Gestein und wurden bei der Hebung des Atlas über den Meeresspiegel gehoben. Der Dadès führt die meiste Zeit nur wenig Wasser. Bei Unwettern aber trägt er Geröll mit sich, das die Schlucht vertieft und weitet. Dieselbe Landschaft ist im Dadès-Tal als Route der Kasbahs bekannt, ein Name, der unter Reisenden verbreitet ist.
Rund 9 Kilometer hinter Boumalne liegt auf der rechten Strassenseite der Aussichtspunkt bei den Affenfingern (Monkey Fingers), Felsnadeln, die im Gegenlicht an Finger oder Zehen erinnern. Sie haben ihren Namen allein von der Form. Ein Parkplatz und Teestuben bieten den Zugang, von hier führen Wege in die Schlucht und in die Dörfer des Tals. Wie lange eine Wanderung dauert, hängt von der Route ab, Angaben von etwa drei Stunden und sieben Kilometern sind üblich, aber nicht einheitlich.
Der bekannteste Abschnitt sind die Serpentinen gegen das Ende der Fahrt, die sogenannte Zickzackstrasse. Sie windet sich in engen Kehren die Felswand hinauf und gibt den Blick auf das tiefer liegende Band der Strasse frei. Wer weiterfährt, erreicht nach einem Reisebericht gut 15 Kilometer weiter eine enge Passage und danach ein Bergpanorama. Die Hänge sind im Frühling grün, im Sommer überwiegen die Ockertöne, und nach Regen führt das Wasser den Staub aus den Hängen.
Die Dörfer im Tal leben von Landwirtschaft, Schafen und Ziegen sowie vom Tourismus. An der Strasse reihen sich Gästehäuser, einige mit Terrassen über dem Tal, und Cafés, in denen Tee, Brot und Tajine auf der Karte stehen. Die Nachbarorte ergänzen das Bild: Kelaat M'Gouna mit dem Rosenanbau liegt talabwärts Richtung Ouarzazate, die Todra-Schlucht lässt sich von Boumalne Dadès über Tinghir erreichen und wird oft mit dem Dadès in einer Rundfahrt verbunden.
Gut zu wissen: Die Strasse ist asphaltiert, aber schmal, mit engen Kehren und Gegenverkehr; Zustand und Wetter vor der Fahrt prüfen. Haltebuchten für Fotos gibt es vor allem bei den Affenfingern und an den Serpentinen. Tankstellen und Geldautomaten finden sich in Boumalne Dadès, im Tal selbst kaum. Für die Fahrt bis zu den Serpentinen und zurück sind mehrere Stunden einzuplanen. Für Wanderungen Wasser und feste Schuhe mitnehmen, einen lokalen Führer vor Ort klären. Das Licht ist am späten Nachmittag am weichsten. Gebühren für Parkplätze vor Ort prüfen.
Todra-Schlucht
Die Todra-Schlucht, auch Todgha-Schlucht genannt, liegt bei Tinghir im östlichen Hohen Atlas, rund 12 Kilometer von der Stadt entfernt. Die Strasse beginnt am Palmenhain von Tinghir und folgt dem Fluss Todgha nach Norden. Im oberen Teil rücken die Wände zusammen, bis im letzten, rund 600 Meter langen Abschnitt der Talgrund nur etwa 10 Meter misst und glatte Platten bis zu 160 Meter senkrecht aufragen. Die Wände insgesamt erreichen an einigen Stellen bis rund 300, nach anderen Angaben bis 400 Meter. Der Talgrund liegt auf rund 1500 Metern.

Das Gestein ist Kalkstein mit Tonschichten. Die Region lag nach geologischer Beschreibung im Erdzeitalter des Mesozoikums unter dem Meer, später hob sich der Atlas und der Todgha schnitt sich in diese Schichten. Meist führt der Fluss nur einen Bach, der in der Regenzeit rasch zu einem reissenden Strom werden kann. Die Länge der Schlucht wird je nach Quelle mit rund 20 bis 24 Kilometern angegeben, ab dem engen Abschnitt flussaufwärts liegen weitere Täler mit Dörfern und Weiden.
Unterhalb der Schlucht liegt die Oase von Tinghir. Sie ist rund 30 Kilometer lang und 4 Kilometer breit, der Palmenhain zieht sich über etwa 38 Kilometer am Wadi Todgha entlang und wird über ein Netz aus Kanälen und Leitungen bewässert. Zwischen den Palmen wachsen Feldfrüchte in mehreren Stockwerken, und Lehmdörfer, Ksour, stehen am Rand. Nach der Schlucht fliesst das Wadi etwa 20 Kilometer durch die Ebene bis nach Ferkla. Tinghir hat nach der Volkszählung 2024 gut 44'000 Einwohner und liegt auf rund 1430 Metern.
Seit 2009 ist Tinghir Verwaltungssitz der gleichnamigen Provinz, nachdem König Mohammed VI. dies am 21. Januar 2009 bestätigt hatte. Die Schlucht gehört zu den bekannten Klettergebieten Marokkos, die Routen reichen von leichten Platten bis zu langen Wandklettereien, und oft sieht man Seilschaften weit oben an den Wänden. Anbieter vor Ort vermitteln Führer. Dazu kommt ein Rundweg von drei bis vier Stunden, der am Parkplatz hinter der Schlucht beginnt und teils anstrengend ist.
Im engsten Abschnitt stehen Teestuben, Hotels und Stände mit Teppichen, Tüchern und Silberschmuck. Der Bach lässt sich zu Fuss queren. Am Vormittag liegt der Talgrund meist im Schatten. Wer früh am Morgen oder nach 17 Uhr kommt, trifft nach Reiseberichten weniger Reisebusse. Als Rundfahrt lässt sich die Schlucht mit der Dadès-Schlucht verbinden, beide liegen an der Route der Kasbahs und sind über Boumalne Dadès und Tinghir verbunden.
Gut zu wissen: Die Zufahrt von Tinghir ist asphaltiert und windet sich, im engen Teil wird es bei Gegenverkehr und Fussgängern eng. Parkplätze am Ende der Strasse kosten nach Reiseberichten einen kleinen Betrag, die Höhe vor Ort prüfen. Für eine Fahrt mit kurzem Spaziergang rechnet man zwei bis drei Stunden, für Wanderung oder Klettern einen ganzen Tag. Nach Regen kann der Bach schnell steigen, dann nicht im Flussbett bleiben. Auf nasse Steine achten, Schuhe mit Profil tragen. In Tinghir gibt es Läden, Geldautomaten und Restaurants; einzelne Hotels in der Schlucht sind nicht immer geöffnet.