Lyon: Zwei Flüsse, ein Hügel, viele Fassaden
Wo Rhône und Saône zusammenfliessen, steht eine Stadt in Ocker, Rosa und Gold. Zwei Nächte reichten, um ihr zu verfallen.
Ankommen
Am 29. April erreichten wir Lyon und blieben zwei Nächte im Meininger Hotel Lyon Centre Berthelot, zentral gelegen und damit genau richtig, um die Stadt zu erkunden.
Lyon empfängt einen nicht mit einem einzigen Bild. Es ist eine Stadt der Schichten: Römer auf dem Hügel, Seidenweber an den Hängen, Händler der Renaissance am Fluss, und dazwischen Menschen, die für gutes Essen leben. Man braucht ein paar Stunden, bis man begreift, dass man all das gleichzeitig sieht.
Zwischen zwei Flüssen
Lyon liegt dort, wo sich Rhône und Saône treffen, und man spürt es überall. Wir liefen an den Ufern von Rhône und Saône entlang, über Brücken, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. Das Wasser war an diesen Frühlingstagen so blau wie der Himmel darüber, und auf den Quais lag ein Licht, das die Fassaden in Honig tauchte.



Zwischen den Flüssen liegt die Halbinsel mit dem Place Bellecour, einem der grössten freien Plätze Europas. Roter Kies, kaum Schatten, ein Platz, der sich nicht aufdrängt, sondern Raum lässt. Am Ende der Weite sieht man schon, wohin man als Nächstes will.

Hinauf nach Fourvière
Von fast überall in der Stadt sieht man sie: die Basilika Notre-Dame de Fourvière, weiss auf dem Hügel, mit ihren vier Türmen. Sie entstand im späten 19. Jahrhundert und ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt. Wir stiegen hinauf, und oben liegt Lyon zwischen seinen beiden Flüssen ausgebreitet, Dach an Dach in Rosa und Ocker. Der Aufstieg lohnt sich, und sei es nur für den Blick zurück.
Vieux Lyon: Gassen, Bouchons, Schokolade
Am Fuss des Hügels beginnt die Altstadt, das Vieux Lyon, seit 1998 UNESCO-Welterbe. Pflastergassen, Renaissancehäuser in Ocker und Rosa, Torbögen, Läden mit handgemalten Schildern. Vor den Bouchons, den traditionellen Lyoner Lokalen, stehen rote Stühle in der Sonne, und auf den Tafeln stehen Gerichte, die man nicht übersetzen muss, um sie zu wollen.
Dazwischen lockt eine Chocolaterie neben der anderen. In den Schaufenstern sitzen Schokoladenhähne mit Federn aus Marzipan neben Macarons in allen Farben, und vor einem Laden mit Eis und Feinkost bildet sich eine kleine Schlange. Wir liessen uns treiben, wie man es in dieser Stadt tun sollte.


Wände, die erzählen
Lyon malt seine Wände. Eine ganze Hausfront ist ein Trompe-l’Œil: Balkone, Fenster, Menschen, die nie dort gewohnt haben und doch aussehen, als würden sie gleich winken. Anderswo hat jemand eine Treppe in eine blaue Welle verwandelt, Stufe für Stufe, und man steigt buchstäblich durch das Meer nach oben. Solche Bilder gibt es in der ganzen Stadt, und man entdeckt sie am besten, indem man einfach weitergeht.



Abends: Persien in Lyon
Gegessen haben wir am Abend gleich in der Nähe unserer Unterkunft, im persischen Restaurant Le Père 100. Man reist nach Lyon wegen der Bouchons und landet bei Safranreis, und das war eine der besten Entscheidungen der Reise. Die Bewertungen schwärmen, und sie haben recht.
Auf den Tisch kamen gefüllte Weinblätter mit Joghurt, Auberginen mit Walnüssen, knusprige Bratlinge, ein Olivengericht und zwei Eintöpfe zu goldgelbem Reis mit Berberitzen. Alles war fein abgeschmeckt, mit Kräutern, Säure und Wärme, und so angerichtet, dass man fast zögerte, den Teller anzufassen.






Zwei Nächte in Lyon waren zu wenig und genau richtig: genug, um die Stadt zu mögen, zu wenig, um sie auszuschöpfen. Dann ging es weiter nach Süden, in die Provence.