Hamburg, Backstein und Wasser.
Hamburg liegt an der Elbe, gut hundert Kilometer vor der Nordsee, und ist seit dem Mittelalter eine Hafenstadt. Rote Ziegel, Fleete und Kanäle prägen das Bild bis heute.
Auf einen Blick
Eine Stadt am Wasser
Hamburg zählte Ende 2024 rund 1,86 Millionen Einwohner und ist damit die zweitgrösste Stadt Deutschlands. Die Stadt ist zugleich Bundesland, auf nur 755 Quadratkilometern. Sie liegt an der Elbe, etwa 104 Kilometer vor deren Mündung in die Nordsee, und die Alster fliesst hier in die Norderelbe.
Der Fluss ist an dieser Stelle rund 400 Meter breit. Das Wasser bestimmt, wie die Stadt gebaut ist: Es gibt Kanäle, Fleete und Brücken, einen grossen Hafen und mitten in der Stadt zwei Alsterseen, die Binnenalster und die Aussenalster. Fähren der HADAG verbinden die beiden Elbufer und fahren bis nach Blankenese, sodass man die Stadt auch vom Wasser aus kennenlernen kann.
Von der Hammaburg zur Hansestadt
Die Anfänge reichen ins frühe 9. Jahrhundert. Zwischen 808 und 810 liess Karl der Grosse eine Burg als Schutz gegen slawische und wikingische Angriffe errichten, die Hammaburg. 831 wurde Ansgar zum Erzbischof für die Hammaburg geweiht, 845 zerstörten Wikinger den Ort, der damals rund 500 Einwohner hatte.
Als Gründungstag des Hafens gilt der 7. Mai 1189: Kaiser Friedrich I. Barbarossa gewährte der Kaufmannssiedlung an der unteren Alster Zollfreiheit auf der Unterelbe. Der schriftliche Beleg dafür stammt aus späterer Zeit und gilt als wahrscheinlich gefälscht. 1241 schlossen Hamburg und Lübeck Verträge, die als Ursprung der Hanse gelten. Der Titel «Freie und Hansestadt» erinnert bis heute daran.
Zerstört und neu gebaut
Hamburg hat mehrfach neu angefangen. Der Grosse Brand vom 4. bis 8. Mai 1842 zerstörte etwa ein Drittel der Stadt, kostete 51 Menschen das Leben und machte rund 20'000 obdachlos. Danach entstand das heutige Zentrum, unter anderem das Rathaus, das 1897 eingeweiht wurde. Auch der Michel brannte, 1906, und wurde bis 1912 wieder aufgebaut.
Ab 1883 wurde die Speicherstadt gebaut, für die mehr als 20'000 Menschen umgesiedelt werden mussten. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Luftangriffe grosse Teile der Stadt und töteten etwa 42'000 Zivilisten. Die Speicherstadt verlor dabei etwa die Hälfte ihrer Gebäude, ihr Wiederaufbau war erst 1967 abgeschlossen.
Backstein, Elbe und Kiez
Wer Hamburg besucht, sieht rote Ziegel in vielen Formen: neugotisch in der Speicherstadt, expressionistisch im Kontorhausviertel, glatt und modern in der HafenCity. Seit dem 5. Juli 2015 gehören Speicherstadt und Kontorhausviertel mit dem Chilehaus zum UNESCO-Welterbe, es ist das erste der Stadt. Im Januar 2017 kam die Elbphilharmonie als neues Wahrzeichen hinzu.
Die Sehenswürdigkeiten liegen nah am Wasser und lassen sich gut verbinden: Von den Landungsbrücken fahren Hafenfähren und Barkassen, die Reeperbahn liegt gleich nebenan, und der Fischmarkt findet sonntags direkt an der Elbe statt. Wer weiter hinaus will, nimmt eine Fähre oder die S-Bahn nach Blankenese.
Orte
Zehn Orte, die zeigen, wie Hamburg mit Hafen, Backstein und Wasser gewachsen ist.
Speicherstadt und HafenCity
Die Speicherstadt ist der grösste zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt. Der Bau begann 1883, fünf Jahre vor der Einrichtung des Freihafens, und sollte einen Bereich schaffen, in dem Waren ohne Zoll umgeschlagen werden konnten. Dafür wurde das Wohngebiet Kehrwieder und Wandrahm abgerissen, mehr als 20'000 Menschen mussten umziehen. Das Viertel ist rund 1,5 Kilometer lang und umfasst etwa 26 Hektar.
Die Lagerhäuser stehen auf Holzpfählen und sind aus rotem Backstein im neugotischen Stil gebaut, mit Giebeln, Türmchen und Terrakotta-Schmuck. Dazwischen verlaufen die Fleete, die mit der Tide steigen und fallen. Gelagert wurden unter anderem Orientteppiche, Kaffee, Kakao, Tee und Gewürze. Im Zweiten Weltkrieg wurde etwa die Hälfte der Gebäude zerstört, den Wiederaufbau schloss man 1967 ab. Abends werden die Fassaden und Brücken von rund 800 Scheinwerfern angestrahlt. Zu den beliebtesten Fotomotiven zählen das Wasserschloss und das Fleetschlösschen.
UNESCO-Welterbe ist das Viertel seit dem 5. Juli 2015, gemeinsam mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus. Das Chilehaus von Fritz Höger entstand 1922 bis 1924, hat zehn Geschosse und eine spitze Ecke, die wie ein Schiffsbug in die Strasse ragt. Etwa 4,8 Millionen Ziegel wurden verbaut. Das Welterbekomitee bezeichnete die Speicherstadt als den damals grössten und modernsten Logistikknoten und als noch heute grössten einheitlichen Lagerhauskomplex der Welt.
Neben der Speicherstadt liegt die HafenCity, ein Stadtentwicklungsprojekt, das noch immer im Bau ist und als das grösste innerstädtische Europas gilt. Die Speicherstadt gehört seit 2008 zu diesem Stadtteil. Im Viertel selbst gibt es das Speicherstadtmuseum, das die Arbeit der Quartiersleute und die gelagerten Waren erklärt, ferner Spicy's Gewürzmuseum, das Kaffeemuseum Burg, das Hamburg Dungeon und die Flussschifferkirche, eine schwimmende Kirche. Erkunden lässt sich das Viertel zu Fuss oder mit einer Barkasse, die meist von den Landungsbrücken ablegt.
Elbphilharmonie
Die Elbphilharmonie sitzt auf einem alten Backsteinspeicher, dem Kaispeicher A, den Werner Kallmorgen 1963 bis 1966 gebaut hatte. In ihm lagerten Kakao, Tee und Tabak, zu Beginn der Bauarbeiten wurde er vollständig entkernt. Darüber setzte das Büro Herzog & de Meuron einen gläsernen Aufbau mit 21'000 Quadratmetern Fassade, in der 2200 Scheiben stecken. Der Grundstein wurde am 2. April 2007 gelegt, die Bauarbeiten endeten am 31. Oktober 2016. Das erste öffentliche Probekonzert fand am 25. November 2016 statt, die offizielle Eröffnung war am 11. Januar 2017.
Das Gebäude ist an seiner westlichen Seite 108 Meter hoch und damit das höchste bewohnte Haus der Stadt. Der Grosse Saal fasst 2100 Zuhörer und ist nach dem Weinberg-Prinzip gebaut, mit der Bühne in der Mitte und terrassenförmig ansteigenden Rängen. Seine Hülle wiegt 12'500 Tonnen und ist vom übrigen Gebäude entkoppelt, damit kein Lärm eindringt. Die «Weisse Haut» aus rund 10'000 Gipsfaserplatten, jede einzeln von einer Maschine gefräst, soll die Akustik verbessern, die Yasuhisa Toyota entwarf. Die Orgel von Johannes Klais aus Bonn hat 65 Register. Der Kleine Saal bietet 550 Plätze. Die Baukosten betrugen rund 866 Millionen Euro.
Auch ohne Konzertkarte kann man die Elbphilharmonie besuchen. Die Plaza, eine öffentliche Aussichtsebene in etwa 37 Metern Höhe auf dem Backsteinsockel, ist für die Allgemeinheit zugänglich. Man erreicht sie über die «Tube», eine gebogene Rolltreppe von 82 Metern Länge, auf die eine weitere von 20 Metern folgt. Ein Rundgang führt aussen um das ganze Gebäude. Von dort sieht man auf den Hafen, die Speicherstadt und die Innenstadt.
Im Haus befinden sich ausserdem ein Hotel mit 250 Zimmern, das Westin Hamburg, und Eigentumswohnungen. Wie der Zugang zur Plaza geregelt ist, kann sich ändern; aktuelle Angaben stehen auf der Website des Hauses. Die Elbphilharmonie steht in der HafenCity, nahe der Speicherstadt, und gehört zu den Stationen der Rundgänge durch das neue Viertel.
Michel
Die Hauptkirche St. Michaelis, in Hamburg «Michel» genannt, ist die grösste Kirche der Stadt und eines ihrer Wahrzeichen. Sie ist eine evangelisch-lutherische Hauptkirche im Stil des Barock und hat etwa 2500 Sitzplätze. Der Turm ist 132 Meter hoch, die vier Zifferblätter messen je 8 Meter im Durchmesser, die grössten in Deutschland.
Die Geschichte der Kirche besteht aus Zerstörung und Wiederaufbau. Die erste Kirche wurde 1647 bis 1669 gebaut und am 10. März 1750 durch einen Blitzschlag zerstört. Johann Leonhard Prey und Ernst Georg Sonnin errichteten eine neue, das Kirchenschiff wurde am 19. Oktober 1762 geweiht. Den Turm baute Sonnin allein bis 1786, der Überlieferung nach ohne Gerüst. Sonnin war Ingenieur und Erfinder, er soll für die Verständigung mit den Arbeitern in der Höhe eine Art Megafon entwickelt haben.
Am 3. Juli 1906 brach bei Lötarbeiten im Turm ein Feuer aus, das Turm und Kirchenschiff zerstörte. Am 19. Oktober 1912 wurde die Kirche nach den alten Plänen wiedereröffnet, diesmal mit einer Konstruktion aus Stahl und Beton. 1944 und 1945 trafen Bomben das Haus, 1952 wurde es neu geweiht. Eine grosse Renovierung dauerte von 1983 bis 2009 und kostete rund 33 Millionen Euro.
Die Aussichtsplattform im Turm liegt in rund 83 Metern Höhe, der Aufstieg führt über Treppen. Von dort sieht man auf den Hafen, die Elbe und die Innenstadt. Seit etwa 300 Jahren spielt der Turmwächter einen Choral in alle vier Himmelsrichtungen aus den Turmfenstern, die Zeiten stehen auf der Website der Kirche. In der Krypta, die mit dem zweiten Kirchenbau entstand, sind mehr als 2000 Menschen bestattet, darunter Ernst Georg Sonnin, Johann Mattheson und Carl Philipp Emanuel Bach. Sie ist gegen Eintritt zugänglich und wird auch für Gottesdienste und Konzerte genutzt.
Rathaus und Alster
Das Hamburger Rathaus am Rathausmarkt wurde nach dem Grossen Brand von 1842 gebaut, der das alte Rathaus zerstört hatte. Der erste Stein wurde am 6. Mai 1886 gelegt, am 26. Oktober 1897 erhielt Erster Bürgermeister Johannes Versmann den Schlüssel. Martin Haller leitete den Entwurf, ihm halfen sieben weitere Architekten. Das Gebäude ist im Stil der Neorenaissance gehalten und eines der wenigen vollständig erhaltenen historistischen Bauwerke der Stadt.
Der Turm ist 112 Meter hoch und hat 436 Stufen. Das Haus zählt 647 Räume, möglicherweise mehr, denn 1971 wurde zufällig ein weiterer entdeckt. Der Vergleich mit dem Buckingham-Palast, der oft gemacht wird, ist nach heutigem Stand ein Irrtum. Im Rathaus tagen der Senat und die Bürgerschaft, deren Plenarsaal 121 Abgeordnete fasst. Die Eingangshalle ist öffentlich zugänglich. Der Rathausmarkt davor dient für Veranstaltungen und Feste.
Ganz in der Nähe liegt die Binnenalster. Die Alster wurde im 17. Jahrhundert durch die damaligen Wallanlagen in Binnen- und Aussenalster geteilt. Die Aussenalster misst rund 164 Hektar und ist ein Revier für Segler, Ruderer und Alsterdampfer, an Verleihstationen kann man Kanus, Tretboote und kleine Segelboote mieten. Auf der Binnenalster steigt im Sommer eine Fontäne 60 Meter hoch, im Winter steht dort ein 20 Meter hoher Weihnachtsbaum.
Am Jungfernstieg an der Binnenalster legt die Weisse Flotte der Alster-Touristik zu Rundfahrten ab, sie fährt bis zum Winterhuder Fährhaus. Die Lombardsbrücke gilt als Aussichtspunkt über die Binnenalster. Rathaus und Alster liegen dicht beieinander, ein Besuch lässt sich leicht zu Fuss verbinden.
Landungsbrücken
Die St. Pauli Landungsbrücken sind der Anleger für Hafenfähren, Ausflugsschiffe und Hafenrundfahrten. Sie liegen an der Elbe zwischen Niederhafen, Reeperbahn und Fischmarkt, und der gleichnamige S- und U-Bahnhof befindet sich gleich dabei. Erste Anleger gab es hier schon 1839, weit entfernt von den Häusern, damit Kohledampfer sicher be- und entladen werden konnten.
Die heutige Anlage geht auf 1907 zurück. Damals entstand ein Anleger aus Tuffstein mit schwimmenden Pontons, die über bewegliche Brücken erreicht wurden und ursprünglich den Passagierdampfern der Überseelinien dienten. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört, die heutigen Pontons stammen aus den Jahren 1953 bis 1955. Insgesamt ist die schwimmende Anlage rund 700 Meter lang und hat zehn Pontons. Dach und Beleuchtung wurden 1999 erneuert, das Gebäude steht seit dem 15. September 2003 unter Denkmalschutz.
Das Abfertigungsgebäude, entworfen von Raabe & Wöhlecke, ist 205 Meter lang und hat zwei Türme mit grünen Kuppeln. Die Bauplastik schuf Arthur Bock. Ein Turm zeigt die Uhrzeit und den Wasserstand der Norderelbe an, die Glocke schlägt zur vollen und halben Stunde. Am westlichen Ende liegt der Eingang zum Alten Elbtunnel.
Von den Landungsbrücken verkehren die HADAG-Fähren, unter anderem nach Finkenwerder, Oevelgönne und Blankenese. Die Linie 62 gilt mit einem normalen HVV-Ticket und quert die Elbe zum anderen Ufer, wo die Musicaltheater stehen. Dazu kommen Katamarane nach Stade und Helgoland, Hafenrundfahrten und Barkassen, die in die Fleete der Speicherstadt fahren. Bei den Landungsbrücken liegen zwei Museumsschiffe: die Rickmer Rickmers und die Cap San Diego, ein 1961 gebauter Frachter der Reederei Hamburg Süd, der bis 1981 vor allem nach Südamerika fuhr und heute an der Überseebrücke liegt. Entlang der Promenade sieht man Container- und Kreuzfahrtschiffe.
St. Pauli und Reeperbahn
Die Reeperbahn ist 930 Meter lang, also nicht ganz einen Kilometer, und führt vom Millerntorplatz bis zur Holstenstrasse. Ihr Name stammt von den Reepschlägern, die hier Seile fertigten und dafür viel Platz und eine lange, gerade Bahn brauchten. Die Seilereien zogen in den 1620er-Jahren aus der Neustadt vor die Stadtmauern, auf die Strasse nach Altona. Heute ist die Reeperbahn das Zentrum des Vergnügungsviertels St. Pauli, das in Hamburg einfach «Kiez» heisst.
Bekannt wurde das Viertel auch durch Musik. In den frühen 1960er-Jahren spielten die Beatles, bevor sie weltberühmt waren, in mehreren Clubs an und nahe der Reeperbahn: im Star-Club, im Kaiserkeller, im Top Ten und im Indra. Orte, die an sie erinnern, sind ausserdem die Jägerpassage und Gretel & Alfons. Am Ende der Reeperbahn liegt der Beatles-Platz mit Silhouetten der Band.
Der Spielbudenplatz ist der Platz mit Bühnen und Theatern. Dort steht Schmidts Tivoli, ein Theater mit Gastronomie, das am 1. September 1991 eröffnet wurde und 612 Plätze hat. Am Operettenhaus laufen Musicals, auch das St. Pauli Theater und das Imperial Theater liegen im Viertel. In der Grossen Freiheit, einer Nebenstrasse, liegen Clubs und Bars. Die Davidwache, Hamburgs bekannteste Polizeiwache, steht an der Kreuzung mit der Davidstrasse mitten im Viertel. Im September findet das Reeperbahn Festival statt, mit mehr als 600 Konzerten in über 90 Lokalen.
Wer das Viertel besucht, sollte einige praktische Dinge wissen. In einer Zone beiderseits der Reeperbahn sind Glasflaschen am Wochenende und vor Feiertagen verboten, Verstösse können bis zu 5000 Euro kosten, und in markierten Bereichen gilt ein Waffenverbot. Wie an allen belebten Orten gibt es Taschendiebe. Zu den Eigenheiten gehören ausserdem Anwerber, die für Lokale werben; ein freundliches «Nein, danke!» genügt in der Regel. Von den Landungsbrücken ist es nur ein kurzer Weg ins Viertel.
Fischmarkt
Der Hamburger Fischmarkt findet seit 1703 sonntags am frühen Morgen statt. Im Sommerhalbjahr beginnt er um 5 Uhr, im Winterhalbjahr um 7 Uhr, geschlossen wird jeweils um 9.30 Uhr. Er liegt in Altona direkt an der Elbe, gleich neben der Fischauktionshalle, auf einer offenen Fläche am Ufer. Die Elbe ist an dieser Stelle rund 400 Meter breit. Mehr als 300 Jahre Handelsgeschichte stecken in diesem Markt.
Dass der Markt so früh öffnet, soll einen praktischen Grund haben: Frischer Fisch sollte vor dem Kirchgang in die Küchen des Adels gelangen. Verkauft wurde schon im frühen 18. Jahrhundert nicht nur Fisch, sondern auch Obst, Gemüse und Pflanzen. Heute gibt es Fisch, Obstkörbe, Pflanzen und Souvenirs. Zum Markt gehören die Marktschreier: Sie preisen ihre Ware laut an und legen so lange etwas in den Korb nach, bis jemand zugreift. Ein frisches Fischbrötchen am Ufer gehört für viele dazu.
Das Herzstück ist die Fischauktionshalle, 1894 gebaut und seit 1989 denkmalgeschützt. Sie hat eine filigrane Eisenkonstruktion und wird oft als Veranstaltungsort genutzt. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bomben die Halle, danach erhielt sie ein neues Dach. Die Fischauktionen endeten in den 1950er-Jahren, 1982 wurde die Halle erhalten und für eine neue Nutzung als Markthalle erneuert. Sonntags gibt es dort Livemusik, Brunch und den Frühschoppen. Bei Sturmfluten steht der Markt regelmässig unter Wasser, in Hamburg heisst das «Land unter».
Der Fischmarkt liegt nur wenige Schritte von den Landungsbrücken und St. Pauli entfernt. Wer ihn mit einem Besuch am Hafen verbindet, sieht an einem Vormittag die historische Halle, den Fluss und die Schiffe.
Planten un Blomen
Planten un Blomen ist ein Park im Zentrum Hamburgs, der von St. Pauli bis zur Alster reicht. Der niederdeutsche Name bedeutet «Pflanzen und Blumen». Die Grünanlage geht auf die Wallanlagen zurück, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissen wurden. Zunächst entstand hier ein Zoo, in den 1930er-Jahren wurde der Park nach und nach zur öffentlich zugänglichen Anlage umgebaut.
Zu den Gärten im Park zählen der Japanische Garten, der Rosengarten und die Tropengewächshäuser. Der Japanische Garten wurde 1988 von Yoshikuni Araki gestaltet und gilt als der grösste seiner Art in Europa. Er hat einen See in der Mitte, geschnittene Hecken und ein einfaches Teehaus am Ufer, das seit 1990 dort steht. Von Mai bis September finden Teezeremonien statt. Der Rosengarten ist klassisch angelegt und zeigt rund 300 Rosensorten, darunter historische Rosen, Strauch-, Kletter- und Teehybridrosen, mit Rosenbögen, Sitzplätzen und einem Pavillon.
Die Tropengewächshäuser wurden 1963 für die Internationale Gartenschau eröffnet. Ihre tragende Konstruktion lässt die Innenräume bis zu einer Höhe von 13 Metern frei von Stützen. Die Anlage umfasst 2800 Quadratmeter in fünf Bereichen, darunter Tropen-, Subtropen-, Kakteen- und Farnhaus, und gehört zum Botanischen Garten der Universität Hamburg. Daneben liegen die mediterranen Terrassen, die wie die Gewächshäuser unter Denkmalschutz stehen. Die Eisbahn von über 4300 Quadratmetern wurde 2010 erneuert und dient im Sommer als Rollschuh- und Inlinebahn.
Im Sommer finden abends die Wasserlichtspiele statt. Am Parksee zeigt eine halbstündige Show Fontänen in Farbe und Musik, von Mai bis September um 22 Uhr. Für Kinder gibt es ein tägliches Programm von Puppentheater bis Zirkus, im Alsterpavillon Konzerte für Erwachsene, alle Veranstaltungen sind kostenlos. Die nächsten Haltestellen sind S-Bahn Dammtor, U-Bahn Stephansplatz, Messehallen und St. Pauli. Die Öffnungszeiten richten sich nach der Jahreszeit.
Miniatur Wunderland
Das Miniatur Wunderland in der Speicherstadt ist die grösste Modelleisenbahnanlage der Welt, so verzeichnet es das Guinness-Buch der Rekorde. Gegründet wurde das Unternehmen am 4. Januar 2001 von den Zwillingen Frederik und Gerrit Braun und von Stephan Hertz. Die ersten drei Abschnitte eröffneten am 16. August 2001. Seither ist die Anlage immer weiter gewachsen und wird es weiterhin tun.
Nach den Angaben für Mai 2025 umfasst sie 16'491 Meter Gleis der Spurweite H0, mit 3600 Weichen und 1400 Signalen. Das Gebäude hat 10'000 Quadratmeter Fläche, die Modelle nehmen 1694 Quadratmeter ein. Die Welt ist in zwölf Abschnitte gegliedert, darunter Harz, Knuffingen, Österreich und die Alpen, Hamburg, Amerika, Skandinavien, die Schweiz, ein Nachbau des Hamburger Flughafens, Italien, Rio de Janeiro, Patagonien und Monaco mit der Provence.
Die Zahl der Besucher ist hoch. 2024 kamen rund 1,6 Millionen, am 23. August 2021 begrüsste das Haus seinen zwanzigmillionsten Gast. Es hält zudem den Rekord für die längste von einem Modellzug gespielte Melodie, aufgestellt am 21. März 2021. Wer die Anlage besucht, sollte ausreichend Zeit einplanen: Bei dieser Grösse lässt sich nicht alles in einer Stunde ansehen. Im selben Viertel liegen weitere Museen, etwa das Speicherstadtmuseum, Spicy's Gewürzmuseum und das Kaffeemuseum Burg.
Das Wunderland liegt mitten im Viertel der Speicherstadt und lässt sich gut mit einem Spaziergang durch das Welterbe verbinden. Da sich die Anlage ständig verändert, gelten die genannten Zahlen nur für den jeweils angegebenen Zeitpunkt.
Blankenese
Blankenese ist ein Stadtteil im Westen Hamburgs, direkt an der Elbe. Der Ort war früher ein Fischer- und Lotsendorf und soll 1301 erstmals urkundlich genannt worden sein. Im frühen 18. Jahrhundert hatte Blankenese eine der stärksten Fischereiflotten Dänemarks, das den Ort über zwei Jahrhunderte beherrschte. Zu Hamburg gehört der Stadtteil seit 1937. Das ist an den kleinen Häusern, schmalen Gassen und Gärten bis heute zu erkennen, dazwischen stehen Villen.
Das Treppenviertel zieht sich an einem Hang hinauf und hat zusammen fast 5000 Stufen. Die Gassen sind schmal und teils gepflastert, der Hang ist autofrei: Es gibt keine Einfahrten, Parkplätze oder Garagen, alles muss die Stufen hinaufgetragen werden. Mitten im Treppenviertel liegt der Süllberg, ein Hügel von etwa 72 bis 75 Metern Höhe, von dem sich ein Panorama über die Elbe und den Süden Hamburgs eröffnet. Auf der Kuppe stehen ein Restaurant und ein Biergarten.
Am Fluss führt der Strandweg entlang. Von dort sieht man Containerschiffe, den Leuchtturm und das Airbus-Werk auf Finkenwerder, vom Treppenviertel aus auch das Falkensteiner Ufer. Seit der grossen Sturmflut von 1962 wird der Strandweg häufiger überspült. Viele kleine Restaurants und Cafés liegen an den Wegen, und das Fischbrötchen gilt als lokaler Imbiss.
Die Anreise gelingt mit der S-Bahn bis Bahnhof Blankenese, von dort sind es wenige Minuten zu Fuss zur Strandtreppe am Fluss. Wer nicht alle Stufen laufen will, kann die Buslinie 488 oder den elektrischen Kleinbus «Bergziege» nehmen, der eine Runde von etwa 20 Minuten fährt und seit 2018 im normalen Tarif enthalten ist. Zudem verkehren die HADAG-Fähren von den Landungsbrücken nach Blankenese. Bei den vielen Stufen ist festes Schuhwerk sinnvoll.