Marokko

Hoher Atlas

Von Marrakesch über den Tizi n'Tichka in den Süden: ein Flusstal mit Wasserfällen, ein Pass, eine halb verfallene Kasbah und zwei Orte aus Lehm am Rand der Wüste.

Auf einen Blick

LandMarokko
GebirgeHoher Atlas
RouteOurika-Tal, Tichka-Pass (N9), Telouet, Ouarzazate, Aït Benhaddou
Unterwegs mitMietwagen, Familie mit einem Kind
BauweiseLehm: Kasbahs und Ksour

Berge als Durchgang

Der Hohe Atlas trennt Marrakesch von den Oasen des Südens. Die Route führt aus einem grünen Flusstal über die Passhöhe in trockenere Landschaften, in denen Lehmbauten die Farbe des Bodens tragen.

Orte aus Lehm

Telouet, die Kasbah Taourirt in Ouarzazate und der Ksar von Aït Benhaddou zeigen, wie Familien, Händler und Karawanen die Region geprägt haben. Zwei dieser Orte sind eng mit der Familie Glaoua verbunden.

Das Gebirge

Der Atlas zieht sich über rund 2500 Kilometer durch Marokko, Algerien und Tunesien. Im Hohen Atlas steigen die Gipfel über 4000 Meter, der höchste ist der Toubkal mit 4’167 Metern, rund 60 Kilometer südlich von Marrakesch. Ausgangsort für Besteigungen ist das Dorf Imlil. Im Winter liegt auf den Gipfeln Schnee, bei Oukaïmeden gibt es sogar ein kleines Skigebiet. Im Frühling schmilzt der Schnee, die Flüsse führen viel Wasser, Terrassenfelder werden bewässert, und Mandel- und Walnussbäume blühen.

Die Menschen, die hier leben, sind Berber. Sie bauen Terrassen, halten Ziegen und Schafe und pflegen die Häuser aus Lehm und Stein. Die Dörfer wirken wie aus dem Hang gewachsen, in einer Farbe, die sich kaum von der Erde unterscheidet.

Das Ourika-Tal und Setti Fatma

Das Ourika-Tal liegt südlich von Marrakesch und ist ein beliebter Ausflug. Am Fluss stehen Cafés und Restaurants, an den Hängen Terrassenfelder und Lehmhäuser. Am Ende der Strasse liegt Setti Fatma, von wo aus man zu den sieben Wasserfällen aufsteigt. Der Weg führt über Felsen und Bäche, die Wasserstände ändern sich mit der Jahreszeit. Wer gut zu Fuss ist, kann bis zum obersten Fall gehen, andere bleiben beim ersten. Der Aufstieg ist nicht lang, aber steil und rutschig.

Bei starkem Regen kann der Fluss schnell steigen. Das Tal hat in der Vergangenheit Überschwemmungen erlebt, deshalb gilt: bei schlechtem Wetter nicht hineinfahren.

Die Glaoua und der Tichka

Der Tizi n’Tichka ist mit rund 2’260 Metern einer der höchsten Pässe Nordafrikas, über den eine asphaltierte Strasse führt. Früher gehörte die Strecke zu den Karawanenrouten, auf denen Salz, Gold, Datteln und Sklaven in beide Richtungen wanderten. Die Familie der Glaoua kontrollierte den Pass und wurde reich. Thami el-Glaoui, Pascha von Marrakesch bis 1956, regierte unter dem französischen Protektorat und liess die Kasbah von Telouet ausbauen. Mit der Unabhängigkeit fiel die Familie in Ungnade, die Kasbah wurde verlassen, und der Verfall begann.

Im Innern von Telouet sind noch heute Räume mit bemalten Zedernholzdecken und Stuck zu sehen. Ein Teil wurde restauriert, andere Teile sind einsturzgefährdet. Das Licht, das durch die Löcher in den Decken fällt, macht die Besichtigung eindrücklich.

Ouarzazate und Aït Benhaddou im Film

Ouarzazate wird «Hollywood Marokkos» genannt, weil hier mehrere Filmstudios stehen. Die Landschaft zwischen Wüste und Bergen diente als Kulisse für zahlreiche Filme, darunter «Lawrence von Arabien», «Gladiator» und Serien wie «Game of Thrones». Der Ksar von Aït Benhaddou, seit 1987 Welterbe, ist die bekannteste Kulisse. Er ist eine befestigte Siedlung, deren Lehmhäuser und Türme sich an den Hang schmiegen. Nur noch wenige Familien leben im Ksar, die meisten sind ans andere Ufer gezogen.

Reisen mit dem Mietwagen

Die Etappe beginnt im Ourika-Tal und endet in der Gegend von Aït Benhaddou. Zwischen den Stationen liegen kurvenreiche Strassen, die Zeit brauchen, und der Tichka-Pass ist die einzige Verbindung, die ohne grosse Umwege nach Süden führt.

Unsere Reise

Orte im Hohen Atlas

Ourika-Tal und Setti Fatma

Das Ourika-Tal beginnt rund 30 Kilometer südlich von Marrakesch und folgt dem gleichnamigen Fluss tief in den Hohen Atlas. Zwischen roten Felswänden kleben Terrassenfelder und Dörfer, im Talgrund stehen Walnussbäume. Der Talbeginn liegt bei Souk Tnine de l'Ourika, wo montags Markt gehalten wird; tnine ist das arabische Wort für Montag. Die Strasse endet in Setti Fatma, dem letzten Dorf mit Asphaltzufahrt. Von dort führt ein Pfad aus Steinstufen zwischen Teestuben und Verkaufsständen am Wasser entlang nach oben, bis das Donnern der Fälle zu hören ist.

Ourika-Tal und Setti Fatma

Setti Fatma wurde nach den verheerenden Überschwemmungen von 1995 wieder aufgebaut, bei denen Berichten zufolge mindestens hundert Menschen ums Leben kamen. Das erklärt das Nebeneinander von Betonhäusern und traditionellen Lehmbauten. Die Bevölkerung des Tals ist überwiegend berberisch und spricht Tashelhit. Der Ortsname geht auf eine Frau zurück, deren Grab im Dorf verehrt wird. Jedes Jahr im August findet über vier Tage ein Moussem statt, ein religiöses Fest mit Markt, das zu den bedeutenderen Marokkos zählt und Besucher aus der ganzen Region anzieht.

Die Cascades de Setti Fatma liegen in den felsigen Ausläufern oberhalb des Dorfes. Der Weg zu den ersten Fällen dauert etwa eine halbe Stunde und führt über Stufen und glatte Felsplatten. Die unteren Stufen sind verhältnismässig leicht erreichbar, die oberen sind schwieriger und werden oft mit einem lokalen Führer begangen. Unterwegs stehen Tische direkt über dem Fluss, an denen Tee, Tajine und gegrilltes Fleisch serviert werden. Im Frühling führt der Fluss viel Wasser, im Sommer geht er deutlich zurück.

Vom Tal aus erschliessen sich weitere Ziele im Hohen Atlas. Von Setti Fatma beginnen Wanderungen in Richtung Toubkal, mit 4167 Metern der höchste Berg Nordafrikas. Auf einer eigenen Stichstrasse erreicht man Oukaïmeden, ein Skigebiet auf über 2600 Metern, dessen Gipfel 3263 Meter hoch ist. Der Skilift dort galt lange als der höchste der Welt. Im Sommer liegen die Temperaturen im Gebirge spürbar unter denen von Marrakesch, weshalb das Tal bei Städtern als Ausflugsziel beliebt ist.

Das Ourika-Tal ist eine Sackgasse und gehört nicht zur Route über den Pass. Wer weiter nach Süden will, fährt zurück Richtung Marrakesch und nimmt dort die N9 über den Tichka-Pass. Die Ausflüge aus der Stadt sind ein Tagesprogramm, auch wegen des dichten Verkehrs im unteren Tal. Heftige Sommergewitter in den Bergen können den Fluss binnen kurzer Zeit anschwellen lassen, wie 1995 und bei einem Unwetter im August 2018, als im Dorf die Ufer geräumt wurden.

Gut zu wissen: Der Aufstieg zu den ersten Fällen dauert rund 30 Minuten, feste Schuhe mit Profil sind sinnvoll, nach Regen ist der Fels rutschig. Die unteren Fälle sind einfacher, die oberen anspruchsvoller. Preise für Tee und Mahlzeiten vor dem Bestellen erfragen, kleine Scheine bereithalten. Lokale Führer bieten sich unterwegs an; ein freundliches Nein genügt. Der Markt in Souk Tnine ist montags, der Moussem im August. Bei Gewitterwarnungen oder Hochwasser nicht in Flussnähe bleiben. Eintritt und Parkgebühren vor Ort prüfen.

Zurück zu allen Orten

Tichka-Pass

Der Tizi n'Tichka verbindet Marrakesch mit Ouarzazate und führt über den Kamm des Hohen Atlas. Die Passhöhe liegt bei rund 2200 Metern; die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen 2200 und 2260 Metern. Die Strecke gehört zur Nationalstrasse N9, der Abschnitt zwischen Zerkten im Norden und Agouim im Süden misst etwa 54 Kilometer. Er ist durchgehend asphaltiert, aber knapp eineinhalb Fahrspuren breit, mit mehr als hundert Kurven, steilen Abbrüchen und wenigen Leitplanken. Der Name bedeutet auf Berberisch ungefähr schwierige Bergweide.

Tichka-Pass

Gebaut wurde die heutige Strasse 1936 als Militärstrasse der französischen Armee. Sie folgt einer älteren Karawanenroute, auf der Händler zwischen der Sahara und Marrakesch Salz, Datteln, Gold und andere Waren transportierten. Die Pässe des Hohen Atlas waren politische Schlüsselstellen: Wer sie kontrollierte, kontrollierte den Handel. Die Glaoua, die von Telouet aus eine der wichtigsten Routen beherrschten, bauten darauf ihre Macht auf. Die Erinnerung daran ist auf der Südseite bis heute an den Kasbahs entlang der Strecke sichtbar.

Der Anstieg von Norden führt durch Dörfer, Wälder und Terrassenfelder, die Luft wird kühler, die Vegetation spärlicher. Am Pass stehen Verkaufsstände für Mineralien, Fossilien und Geoden. Ob die Stücke natürlich sind oder nachbehandelt wurden, lässt sich für Laien schwer beurteilen. Die Passstrasse ist stark befahren: Lastwagen kriechen im niedrigen Gang, Busse, Mopeds, Fussgänger und Maultiere teilen sich die Fahrbahn, dazu kommen Baustellen und neu belegte Abschnitte, die sich mit älteren Teilen abwechseln.

Auf der Südseite verändert sich die Landschaft rasch: Die Hänge färben sich ocker bis rot, die Vegetation lichtet sich, die Dörfer aus Lehm verschmelzen farblich mit dem Gestein. Von der N9 zweigt auf der Nordseite bei Aguelmous die Nebenstrasse nach Telouet ab, auf der Südseite bei Tazentout eine zweite Zufahrt. Weiter talabwärts liegen Kasbahs wie Aït Benhaddou, das nahe an der Route liegt, und schliesslich die Ebene von Ouarzazate. Im Winter kann Schnee fallen, zwischen November und März wird der Pass bei Schneefall gelegentlich gesperrt, bis geräumt ist.

Der Tichka ist heute die wichtigste Strassenverbindung zwischen Marrakesch und dem Süden. Busse, Sammeltaxis und Lastwagen fahren ihn täglich, entsprechend zahlreich sind die Halteplätze mit Tee, Brot und gegrilltem Fleisch. Wer von Marrakesch aus früh am Morgen startet, hat weniger Verkehr und kann Telouet und Aït Benhaddou noch am selben Tag erreichen, ohne die Kurven im Dunkeln zu fahren.

Gut zu wissen: Zwischen November und März ist Schnee möglich, Wetter und Strassenzustand vor der Fahrt prüfen. Auf der Passhöhe ist es merklich kühler als in Marrakesch, eine Jacke gehört ins Handgepäck. Die Strecke hat viele Kurven und Lastwagen, wer zu Übelkeit neigt, plant Pausen ein. Tanken am besten vor dem Anstieg. Polizeikontrollen kommen vor, Ausweis und Fahrzeugpapiere bereithalten. Fahrzeit von Marrakesch nach Ouarzazate mit Pausen mehrere Stunden einplanen.

Zurück zu allen Orten

Telouet

Die Kasbah von Telouet liegt auf rund 1800 Metern Höhe im Norden der Provinz Ouarzazate, etwa 80 Kilometer nordwestlich der Stadt, abseits der Passstrasse. Von der Nationalstrasse N9 führt eine Nebenstrasse hinauf zum Dorf. Am Ende der Zufahrt taucht zwischen kahlen Hügeln eine lange Lehmmauer auf, durchbrochen von kleinen Fenstern und flachen Türmen. Von aussen wirkt der Bau wie eine Festung, innen reiht sich ein Saal an den anderen mit Zedernholzdecken, Stuck und Mosaiken aus glasierten Fliesen, die in Marokko Zellige heissen.

Telouet

Der Bau begann 1860 unter Mohammed Ibiyet, dem Oberhaupt des Glaoua-Clans im Hohen Atlas, und dauerte etwa fünf Jahre. Rund 300 Handwerker aus verschiedenen Teilen Marokkos, auch aus Fès, sollen beteiligt gewesen sein. Die Lage an der Karawanenroute zwischen der Sahara und Marrakesch und die Nähe zu Salzminen brachten dem Clan Reichtum. In späteren Jahrzehnten wurde die Anlage immer weiter ausgebaut. Die Dekoration verbindet andalusisch-marokkanische Formen mit Mustern der Amazigh, wie die Berber sich selbst nennen.

Nach 1912 verbündeten sich die Glaoua mit der französischen Protektoratsmacht. Madani El Glaoui starb 1918, sein Bruder Thami wurde Pascha von Marrakesch und einer der reichsten Männer des Landes. In Europa kannte man ihn als Herrn des Atlas. Thami spielte eine Rolle bei der Absetzung von Sultan Mohammed V. 1953, was der Familie nach der Unabhängigkeit zum Verhängnis wurde. Er starb 1956 in Marrakesch, kurz bevor der Sultan zurückkehrte. 1957 wurden Vermögen und Paläste der Glaoua eingezogen. Telouet war noch im Ausbau begriffen und blieb unvollendet.

Heute gehört die Kasbah der Dorfgemeinde, und grosse Teile sind Ruinen. Erhalten und restauriert ist ein Obergeschoss mit Empfangsräumen, das für Besucher geöffnet ist. Dort zeigen sich Zedernholzdecken mit Bemalung, geschnitzter Stuck und Fliesenmosaike in Grün und Blau. Restaurierungsarbeiten liefen bereits 2010. Das Erdbeben vom September 2023 hat auch diesen Palast beschädigt, auch den restaurierten Teil. Die Anlage verfällt langsam weiter, deshalb kann sich der Zustand und die Zugänglichkeit einzelner Räume von Besuch zu Besuch ändern.

Rund um die Kasbah liegt das Dorf mit Lehmhäusern, kleinen Läden und Feldern im Tal. Die Strasse von Telouet führt durch das Ounila-Tal weiter nach Süden in Richtung Aït Benhaddou, der Route folgend, auf der früher die Karawanen zogen; dort wird das Gegenstück zum Palast sichtbar, der Ksar als Siedlung der Händler und Bauern. Wer von Marrakesch über den Tichka-Pass kommt, kann Telouet deshalb als Abstecher einplanen und von dort zur Kasbah Taourirt in Ouarzazate weiterfahren, dem zweiten Bau der Glaoua auf dieser Strecke.

Gut zu wissen: Der Besuch von Telouet ist ein Abstecher von der N9, rund 80 Kilometer von Ouarzazate. Den Betrieb führt eine lokale Kooperative, der Eintritt gilt als gering, Preis und Öffnungszeiten vor Ort prüfen. Führer bieten Rundgänge an, den Preis vorher klären. Treppen sind steil und teils ohne Geländer. Die Räume sind dunkel, eine Handylampe hilft. Wegen der Erdbebenschäden können einzelne Bereiche gesperrt sein. Strassenzustand der Weiterfahrt nach Aït Benhaddou vor Ort prüfen. Buslinien gibt es kaum, ein Auto oder Sammeltaxi ist nötig.

Zurück zu allen Orten

Ouarzazate

Ouarzazate liegt auf 1151 Metern Höhe auf einer weiten Hochebene südlich des Hohen Atlas. Breite Strassen, rosafarbene Häuser, Palmen auf den Mittelstreifen und die fernen Hügel des Atlas prägen das Bild. Bei der Volkszählung 2024 zählte die Stadt 79 218 Einwohner. Das Klima ist heiss und trocken, im Jahr fallen im Mittel gut 115 Millimeter Regen, die Sonne scheint über 3400 Stunden. Im Sommer sind bis 44 Grad gemessen worden, im Januar bis minus 7 Grad, gelegentlich fällt Schnee.

Ouarzazate

Unter der französischen Verwaltung wuchs der Ort zu einer Garnison, einem Verwaltungszentrum und einem Zollposten heran. Aus dieser Zeit stammt die Kirche Sainte-Thérèse von 1931. Der historische Kern ist die Kasbah Taourirt, eine Residenz aus gestampftem Lehm, die im 19. und 20. Jahrhundert von der Familie Glaoua genutzt und ausgebaut wurde, zuletzt von Thami El Glaoui. Vor dem Eingang steht ein Krupp-Feldgeschütz, das den Glaoua zur Macht verholfen haben soll; das ist eine Überlieferung, die sich nicht gesichert belegen lässt.

Seit 1983 bestehen in Ouarzazate die Atlas Studios, die als eines der flächenmässig grössten Filmstudios der Welt gelten. 2004 kamen die CLA Studios dazu. In der Gegend entstanden unter anderem Lawrence von Arabien (1962), Die letzte Versuchung Christi (1988), Kundun (1997), Gladiator (2000) und Königreich der Himmel (2005); auch Teile von Game of Thrones wurden hier gedreht. Der Film ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftszweig. 2023 nahm die UNESCO Ouarzazate in ihr Netzwerk der Kreativstädte auf.

Ausserhalb der Stadt wurde der Solarkomplex Noor gebaut. Das erste Kraftwerk, Noor I, ein Parabolrinnen-Kraftwerk mit 160 Megawatt und drei Stunden Speicherkapazität, ging im Februar 2016 ans Netz. Mit drei weiteren Anlagen, Noor II bis IV, sollte die Gesamtleistung auf rund 580 Megawatt wachsen; die Fertigstellung war für 2018 geplant. Der Komplex gilt als eines der grössten Solarprojekte der Welt und liegt in der Landschaft vor der Stadt als Feld aus Spiegeln und einem Turm.

Für viele Reisende ist Ouarzazate vor allem ein Zwischenhalt zum Tanken, Essen und Geldabheben. Wer die Zeit hat, geht zur Kasbah Taourirt und durch das anschliessende Viertel, wo das Alltagsleben noch zwischen den Lehmmauern stattfindet. Die Oase Fint und das Tal des Drâa sind Ziele für Tagesausflüge. Aït Benhaddou liegt rund 30 Kilometer nordwestlich, Telouet weiter in den Bergen. Die Stadt dient damit als Ausgangspunkt für alles, was auf dieser Route noch folgt, sowie für Fahrten in die Wüste.

Gut zu wissen: Für die Kasbah Taourirt wird Eintritt verlangt, Preis und Öffnungszeiten vor Ort prüfen. Offizielle Führer tragen ein Abzeichen, auf Angebote auf der Strasse nicht eingehen. Geldautomaten gibt es in der Stadt, auf dem Land wird es dünner. Auch tanken lohnt sich vor der Weiterfahrt. Die Atlas Studios liegen ausserhalb der Stadt, Öffnungszeiten und Preise vorab prüfen. Mittags wird es heiss, Wasser mitnehmen. Parkplätze finden sich an den Hauptstrassen, kleine Münzen für die Parkwächter bereithalten.

Zurück zu allen Orten

Aït Benhaddou

Am Ufer des Ounila steht der Ksar von Aït Benhaddou wie ein gestaffelter Berg aus rotem Lehm: Türme mit Zinnen, Mauern mit Rautenmustern, schmale Treppen dazwischen. Die Siedlung zieht sich einen Hang hinauf und wird von einer Mauer mit Ecktürmen und einem Tor umschlossen. Gebaut ist sie aus Stampflehm, Lehmziegeln und Holz: die unteren Geschosse aus Stampflehm, darüber leichtere Lehmziegel, um das Gewicht der Wände zu senken. Mit dem Fluss davor und den Palmen dahinter ergibt sich ein Bild, das auf Reisebroschüren ebenso zu sehen ist wie in Filmen.

Aït Benhaddou

Befestigt war der Ort wohl schon seit der Zeit der Almoraviden im 11. Jahrhundert. Die heutigen Gebäude stammen jedoch frühestens aus dem 17. Jahrhundert, gebaut nach älteren Methoden. Der Ksar lag an der Handelsroute zwischen dem Sudan, der Sahara und Marrakesch, die über den Tizi n'Tichka führte. 1987 nahm die UNESCO ihn in die Welterbeliste auf, nach den Kriterien iv und v: als herausragendes Beispiel für die Lehmbauweise der südmarokkanischen Täler und für die traditionelle Lebensform, die heute durch wirtschaftlichen und kulturellen Wandel gefährdet ist.

Zum Ksar gehören eine Moschee, ein Dorfplatz, eine Karawanserei, mehrere Kasbahs, ein muslimischer und ein jüdischer Friedhof und das Heiligtum von Sidi Ali oder Amer. Ausserhalb der Mauern liegen die Dreschplätze. Auf dem Hügel oberhalb stehen die Reste eines grossen befestigten Kornspeichers, des Agadir. Wer den Aufstieg nimmt, sieht von dort auf die Dächer, auf das Flusstal und die Berge. Am frühen Morgen und gegen Abend ist das Licht weicher, die Lehmfassaden wechseln dann von Ocker nach Rot.

Heute wohnen nur noch wenige Familien im alten Ksar, Schätzungen sprechen von rund zehn. Die meisten Einwohner leben im neuen Dorf am anderen Ufer und verdienen ihr Einkommen mit Landwirtschaft und Tourismus. Seit 2011 verbindet eine Fussgängerbrücke beide Teile; bei niedrigem Wasser kann der Ounila auch über Trittsteine überquert werden. Ein lokales Komitee wacht über den Erhalt und achtet auf traditionelle Materialien. Neue Betonbauten wurden weitgehend vermieden. Weil der Lehm ständig gepflegt werden muss, kommt dem Unterhalt grosse Bedeutung zu.

Rund zwei Dutzend Filme entstanden hier, darunter Lawrence von Arabien (1962), Gladiator (2000), Königreich der Himmel (2005) und Prince of Persia (2010); auch Game of Thrones nutzte den Ort als Kulisse. Ein Teil des heutigen Aussehens geht auf Restaurierungen zurück, die durch diese Nutzung und die Welterbe-Listung gefördert wurden. Das Erdbeben vom September 2023 verursachte Risse und teilweise Einstürze; wie weit die Schäden behoben sind, ist vor Ort zu klären. Ouarzazate liegt rund 30 Kilometer südöstlich, Telouet weiter nördlich im selben Tal.

Gut zu wissen: Der Zugang zu den Gassen gilt als frei, für einzelne Häuser und Aussichtspunkte werden kleine Beträge verlangt, vor Ort prüfen. Der Aufstieg zum Agadir dauert nicht lange, die Stufen sind unregelmässig und staubig, feste Schuhe helfen. Bei Hochwasser des Ounila dient die Brücke. Die Parkplätze am Dorfrand sind bewacht, kleine Münzen mitnehmen. Händler am Eingang nennen oft hohe Preise, freundliches Verhandeln ist üblich. Im Ksar gibt es kaum Schatten, Wasser und Kopfbedeckung einplanen. Wegen der Erdbebenschäden können Bereiche gesperrt sein.

Zurück zu allen Orten