Italien · Stadt

Eine Stadt, die arbeitet.

Mailand ist Italiens Stadt für Mode, Design und Finanzen und trägt dennoch eine Geschichte von über zwei Jahrtausenden mit sich. Dom, Scala und das Abendmahl liegen näher beieinander, als der Ruf der Stadt vermuten lässt.

Auf einen Blick

LandItalien
RegionLombardei
EinwohnerRund 1,2 Millionen (Stadt), rund 3,6 Millionen (Provinz)
Antiker NameMediolanum
DomBaubeginn 1386
Teatro alla ScalaEröffnet 1778
WelterbeAbendmahl mit Santa Maria delle Grazie, seit 1980
ReisezeitFrühling und Herbst

Eine Stadt, die arbeitet

Mailand gilt als das Gegenstück zum Postkarten-Italien. Die Stadt liegt in der Lombardei, hat rund 1,2 Millionen Einwohner, in der Provinz leben etwa 3,6 Millionen, und sie ist das führende Finanz-, Handels-, Mode- und Designzentrum des Landes. Dazu kommen Verlage, Industrie und eine grosse Messe. Dieser Ruf erklärt, warum viele Reisende Mailand nur als Durchgangsstation kennen: Flughafen, Bahnhof, Messegelände.

Wer bleibt, findet eine Stadt, in der Geschichte nicht ausgestellt wird, sondern im Alltag mitläuft. Zwischen Bürotürmen und Boutiquen stehen Kirchen aus dem vierten Jahrhundert, Kanäle aus dem Mittelalter und ein Schloss, das Mailänder Herzöge bauten. Nichts davon liegt abseits, vieles nur wenige Gehminuten voneinander entfernt.

Von Mediolanum zu den Habsburgern

Im 4. Jahrhundert v. Chr. gründeten Kelten die Stadt an der Stelle einer etruskischen Siedlung neu, 222 v. Chr. eroberte Rom das Gebiet, und aus der Siedlung wurde Mediolanum. Im Jahr 313 trafen sich hier Konstantin und Licinius und einigten sich auf religiöse Duldung. Den Begriff «Edikt von Mailand» sieht die Forschung kritisch, erhalten ist ein Schreiben des Licinius an die Statthalter der östlichen Provinzen.

Unter Bischof Ambrosius, der von 374 bis 397 amtierte, wurde Mailand zum bedeutendsten Bistum des Römischen Reiches. Später herrschten die Visconti, ab 1450 die Sforza. 1535 fiel die Stadt an die spanischen Habsburger, seit dem Frieden von Utrecht 1714 gehörte sie zu den österreichischen. Jede dieser Herrschaften hat Bauten hinterlassen, und Mailand zeigt sie bis heute nebeneinander.

Marmor, Backstein, Glas

Das Stadtbild lässt sich am Material ablesen. Der Dom ist mit Marmor aus Candoglia verkleidet, die romanische Basilika Sant’Ambrogio besteht aus Backstein, über der Galleria Vittorio Emanuele II spannt sich eine Glaskuppel aus dem 19. Jahrhundert, und die beiden Wohntürme des Bosco Verticale tragen 730 Bäume. Die Epochen folgen nicht auf einer Achse aufeinander, sie liegen verstreut über die Stadt.

Der Kern ist dennoch überschaubar. Dom, Galleria, Scala und Castello Sforzesco lassen sich zu Fuss verbinden. Für die Navigli, Sant’Ambrogio oder das Viertel Porta Nuova braucht es etwas mehr Weg, und wer die Brera mitnehmen will, plant dafür einen eigenen Vormittag ein.

Was sich planen lässt

Einige Orte lassen sich nicht spontan besuchen. Leonardos Abendmahl hängt in einem klimatisierten Refektorium, in das nur wenige Besucher gleichzeitig dürfen. Seit der Wiedereröffnung 1999 gilt eine Reservierungspflicht mit kurzer Besuchszeit. Die Scala eröffnet ihre Saison traditionell am 7. Dezember, dem Festtag des Stadtheiligen Ambrosius.

Auch die Messen, etwa zu Mode oder Design, prägen die Stadt: In diesen Wochen sind Hotels knapp und teuer. Wer Ruhe sucht, wählt Frühling oder Herbst und prüft die Messekalender vor der Buchung. Im Hochsommer liegt die Stadt in der Po-Ebene und kann sehr heiss werden.

Orte

Neun Orte, die Mailand von der Römerzeit bis in die Gegenwart zeigen.

Dom

Der Mailänder Dom ist mit gut 158 Metern Länge und 108 Metern Höhe die grösste Kirche der Italienischen Republik. Er besteht aus Backstein und ist mit Marmor aus Candoglia verkleidet, einem Steinbruch, den Gian Galeazzo Visconti den Bauleuten steuerfrei überliess. Der Baubeginn fällt ins Jahr 1386, unter Erzbischof Antonio da Saluzzo. Der Dom blieb in seiner Grundform gotisch, auch wenn sich der Bau über Jahrhunderte zog und einzelne Teile, etwa der Spitzturm Guglietto von 1507 bis 1510, Renaissanceformen aufnehmen.

1577 weihte Carlo Borromeo das ganze Gebäude als neue Kirche. Die Fassade blieb lange unfertig. 1805 ordnete Napoleon ihre Vollendung an, nachdem er sich im Dom zum König von Italien hatte krönen lassen. Das letzte Portal wurde erst am 6. Januar 1965 eingeweiht, fast sechs Jahrhunderte nach dem ersten Stein.

Von aussen fällt zuerst das Dach auf. Hier steht ein dichter Wald aus Fialen und Spitztürmchen, die Rede ist von 135 Spitzen. Die Dachterrassen sind für Besucher zugänglich, und dort oben kommt man den Figuren und dem Masswerk nahe, die vom Platz aus nur als Silhouette zu erkennen sind. Zuoberst steht die Madonnina, die 1762 auf dem höchsten Turm in gut 108 Metern Höhe aufgestellt wurde.

Unter dem Dom liegt eine archäologische Zone. Dort lässt sich das frühchristliche achteckige Baptisterium besichtigen, das auf das Jahr 335 datiert wird. Der Boden der heutigen Piazza hat damit mehr Schichten, als man beim Blick auf die Fassade ahnt.

Im Innern stehen unter der Kuppel in vier Reihen je 15 Statuen von Heiligen, Propheten und Sibyllen. Dass der Unterhalt eines solchen Baus nie endet, zeigt ein Detail: Die Spitzen auf dem Dach wurden zur Adoption angeboten, um die laufende Restaurierung zu finanzieren. Unter Mailändern heisst es, wer die Madonnina klar sehe, dürfe auf gutes Wetter hoffen.

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Galleria Vittorio Emanuele II

Die Galleria Vittorio Emanuele II verbindet die Piazza del Duomo mit der Piazza della Scala. Zwei glasüberwölbte Arkaden kreuzen sich in einem Oktogon, über dem sich eine Glaskuppel von rund 37,5 Metern Innendurchmesser öffnet. Entworfen hat die Anlage Giuseppe Mengoni, der Entwurf stammt von 1861, gebaut wurde zwischen 1865 und 1877. Der Name erinnert an den ersten König des geeinten Italien.

Im Boden des Oktogons liegen vier Mosaike mit den Wappen von Turin, Florenz, Rom und Mailand. Am Turiner Stier hat sich eine Gewohnheit eingebürgert: Wer sich auf dem Stier einmal dreht, soll Glück haben. Der Stein ist an dieser Stelle durch die vielen Absätze tatsächlich ausgehöhlt, das Mosaik wurde 2017 und erneut 2026 restauriert.

Die Galleria war von Beginn an mehr als eine Passage zum Durchqueren. Das Caffè Biffi besteht seit 1867, die Hutmacher von Borsalino eröffneten hier 1883 ein Geschäft, und auch das Restaurant Savini und die Bar Camparino gehören zu den alten Adressen. Heute mischen sich dazwischen Luxusmarken, Buchhandlungen und Restaurants. Mailänder nennen die Galleria «il salotto di Milano», das Wohnzimmer der Stadt.

Am besten sieht man sie von der Mitte aus, mit dem Blick nach oben auf das Glas und die Fensterreihen. Wer vom Dom kommt, geht durch das Portal in der Fassade und tritt auf der anderen Seite direkt vor die Scala.

Die beiden Arkaden bilden ein Kreuz: Ein Arm führt vom Dom zur Scala, der andere kreuzt ihn im Oktogon. Gebaut wurde die Galleria in den Jahren, in denen Italien zum Königreich zusammenwuchs, und mit den Wappen im Boden wirkt sie wie ein kleines, in Stein gelegtes Bild dieser Zeit. Wer nichts kaufen will, kann sich aufs Schauen beschränken: Die Passage ist öffentlich zugänglich.

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Teatro alla Scala

Das Teatro alla Scala wurde am 3. August 1778 mit Antonio Salieris Oper «Europa riconosciuta» eröffnet. Giuseppe Piermarini baute es im klassizistischen Stil, als Ersatz für das Teatro Regio Ducale, das nach einem Faschingsfest am 25. Februar 1776 abgebrannt war. Den Namen erhielt es von der Kirche Santa Maria della Scala, die für den Neubau weichen musste.

Die Scala ist weniger durch ihre Fassade bekannt als durch das, was auf der Bühne uraufführt wurde. Von Rossini stammen «La pietra del paragone» (1812) und «Il turco in Italia» (1814), von Verdi «Nabucco» (1842), «Otello» (1887) und «Falstaff» (1893), von Puccini «Madama Butterfly» (1904) und «Turandot» (1926). Das Haus fasst rund 2000 Zuschauer.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Theater 1943 durch Bomben schwer beschädigt. Am 11. Mai 1946 öffnete es mit einem Konzert unter Arturo Toscanini wieder. Zwischen 2002 und 2004 wurde es unter der Leitung des Architekten Mario Botta umgebaut, was von Denkmalschützern kritisiert wurde. Die Wiedereröffnung am 7. Dezember 2004 dirigierte Riccardo Muti.

Die Saison beginnt traditionell am 7. Dezember, dem Tag des Mailänder Stadtpatrons Ambrosius. Wer keine Aufführung besucht, kann im Museo Teatrale, das vom Foyer aus zugänglich ist, Gemälde, Kostüme und Dokumente zur Geschichte des Hauses und der Oper sehen.

Von aussen ist das Haus nüchtern, die klassizistische Fassade hält sich zurück, und der Platz davor ist eher klein. Die Wirkung entsteht drinnen und auf der Bühne. Dass die Scala nach den Bombenschäden von 1943 schon am 11. Mai 1946 wieder spielte, zeigt, welchen Stellenwert das Haus für die Stadt hatte.

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Castello Sforzesco

Das Castello Sforzesco geht auf eine Burg der Visconti aus dem 14. Jahrhundert zurück. Ab 1450 liess Francesco Sforza, der neue Herr der Stadt, die Anlage zu einer Residenz und Festung ausbauen. Der Name der Familie blieb, auch als später andere Herrscher die Stadt regierten. Am Ausbau waren Architekten wie Filarete beteiligt, nach dem ein Turm benannt ist, und Bramante und Leonardo da Vinci arbeiteten für den Hof der Sforza.

Spätere Jahrhunderte nutzten das Schloss vor allem militärisch, und es diente lange als Kaserne. Die heutige Gestalt des Gebäudes mit den Türmen und Zinnen geht wesentlich auf Restaurierungen zurück, die der Architekt Luca Beltrami leitete.

Im Inneren sind heute städtische Museen untergebracht, darunter ein Museum der antiken Kunst, ein Museum für Musikinstrumente und eine Gemäldegalerie. Dort hängen Werke von Mantegna, Giovanni Bellini, Filippo Lippi, Correggio und Pontormo. Zu den bekanntesten Stücken zählt die Rondanini-Pietà, Michelangelos letztes und unvollendetes Werk.

Hinter dem Schloss öffnet sich der Parco Sempione, eine grosse Grünfläche, die den Wechsel von Festung zu Stadtpark deutlich macht. Der Innenhof und die Höfe des Schlosses sind zugänglich und gehören zu den ruhigeren Orten im Zentrum, wenn man sie ausserhalb der Stosszeiten betritt.

Am Castello lässt sich ablesen, wie sich in Mailand Herrschaft und Alltag überlagern: Aus dem Sitz der Herzöge wurde eine Kaserne, dann ein Museum, heute ist es ein Ort, an dem Mailänder spazieren gehen. Die Gemäldegalerie zeigt neben italienischer Malerei der Renaissance und des 17. Jahrhunderts auch französische und niederländische Werke.

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Das Abendmahl

Leonardo da Vincis «Abendmahl» bedeckt die Stirnwand des ehemaligen Speisesaals im Kloster der Kirche Santa Maria delle Grazie. Gemalt wurde es um 1495 bis 1498 im Auftrag von Ludovico Sforza, dem Herzog von Mailand, der die Kirche und das Kloster umbauen liess. Das Bild misst rund 4,6 mal 8,8 Meter und zeigt den Augenblick, in dem Jesus ankündigt, dass einer der Jünger ihn verraten wird.

Technisch ist es kein klassisches Fresko. Leonardo malte nicht auf nassen Putz, sondern mit Tempera auf eine mit Gips, Pech und Mastix vorbereitete Wand. So konnte er seine Arbeit immer wieder ändern, doch die Farbschicht begann früh zu zerfallen, auch wegen der Feuchtigkeit der Mauer. Schon 1556 beschrieb Vasari das Bild als Gewirr von Flecken.

Am 15. August 1943 traf eine Bombe das Refektorium. Die Wand war mit Sandsäcken geschützt und blieb stehen. Eine umfassende Restaurierung unter Pinin Brambilla Barcilon dauerte von 1978 bis 1999, 21 Jahre. Seither befindet sich das Bild in einem abgeschlossenen, klimatisierten Raum.

Die Kirche und das Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie gehören zusammen mit dem Wandbild seit 1980 zum Welterbe der UNESCO. Besucher brauchen eine Reservierung, die Zeit vor dem Bild ist kurz bemessen. Wer das Bild gesehen hat, bemerkt, wie viel an Bewegung Leonardo in eine ruhige Tafel legte: In der Reihe der Apostel reagiert jeder Einzelne anders auf den Satz.

Ein Dokument von 1497 belegt, dass das Werk damals bereits fast fertig war. Dargestellt ist der Augenblick nach der Ankündigung des Verrats, wie ihn das Johannesevangelium schildert. Dass das Bild nach all den Schäden überhaupt noch zu sehen ist, verdankt sich vor allem den Restauratoren, die es Schicht für Schicht freilegten.

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Brera und Pinacoteca

Brera ist ein Viertel nördlich des Doms mit engen Gassen, kleinen Galerien und Läden. Seinen Namen trägt es nach dem Palazzo di Brera, der heute die Kunstakademie und die Pinacoteca di Brera beherbergt. Die Pinacoteca ist die wichtigste Gemäldesammlung Mailands.

Zu den bekanntesten Bildern zählt Andrea Mantegnas «Beweinung Christi» von etwa 1483, eine Temperamalerei von 68 mal 81 Zentimetern. Der Leichnam Christi ist extrem verkürzt gezeigt, der Betrachter steht fast auf Höhe der Füsse, und die Wundmale und die Starre des Körpers treten scharf hervor. Das Bild entstand wahrscheinlich für die private Andacht des Künstlers. Nach dem Tod Mantegnas verkaufte sein Sohn es an Kardinal Sigismondo Gonzaga, später verlor sich seine Spur für mehr als ein Jahrhundert. 1824 kam es in die Pinacoteca.

Neben Mantegna hängen in der Sammlung Werke von Raffael, Caravaggio, Piero della Francesca und Francesco Hayez, dessen «Der Kuss» zu den bekanntesten Bildern der italienischen Romantik gehört. Das Haus zeigt die Malerei Italiens vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.

Nach dem Besuch lohnt es, im Viertel zu bleiben. Die Via Brera und die Seitengassen sind ruhig, Cafés und Weinbars füllen sich am frühen Abend. Brera eignet sich als Gegengewicht zum grossen Zentrum um den Dom.

Der Weg des Bildes ist nur teilweise belegt. Nach der Zerstreuung der Sammlung von Kardinal Mazarin galt es als verschollen. 1806 bat Giuseppe Bossi, der Sekretär der Accademia di Brera, den Bildhauer Antonio Canova um Hilfe beim Ankauf, ein Anlauf, der erst 1824 zum Eintritt in die Pinacoteca führte.

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Sant’Ambrogio

Die Basilika Sant’Ambrogio geht auf Ambrosius zurück, den Bischof von Mailand, der sie zwischen 379 und 386 an einem Ort errichten liess, an dem viele Märtyrer begraben waren. Zuerst hiess sie Basilica Martyrum. Ambrosius baute sie auch, um in der Auseinandersetzung mit dem Arianismus die Gegenseite zu stärken. Er wurde in der Kirche beigesetzt, und sie trägt seinen Namen.

Das heutige Gebäude ist ein romanischer Neubau, der im 12. Jahrhundert seine endgültige Form erhielt. Der Grundriss bleibt der einer Basilika mit Mittelschiff, zwei Seitenschiffen, Apsis und Vorhof. Das Atrium stammt aus dem 9. Jahrhundert. Zwei Türme stehen neben der Fassade, der niedrigere, der Torre dei Monaci, aus dem 9. Jahrhundert, der höhere von 1144.

Im Innern liegt der Hochaltar mit einer Vorderseite aus Gold, die Volvinius zwischen 824 und 859 schuf. Die Mosaike in der Apsis stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert und wurden nach Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg stark restauriert. Im Sacello di San Vittore in Ciel d’Oro sind Mosaike aus dem 5. Jahrhundert erhalten, darunter eines der frühesten Bildnisse des Ambrosius.

Unter dem Altar ruhen die Gebeine von Ambrosius, Gervasius und Protasius. Neben der Kirche steht eine Marmorsäule mit zwei Löchern, die als Teufelssäule bekannt ist. Die Basilika wirkt nüchterner als der Dom, ihr Backstein und die einfachen Bögen geben dem Innenraum Ruhe und zeigen, wie viel älter die christliche Stadt ist als ihre berühmteste Kirche.

In der Kirche befindet sich auch das Grab Kaiser Ludwigs II. Dass die Basilika als Vorbild diente, zeigt ein Beispiel in weiter Ferne: Die Royce Hall der University of California in Los Angeles orientiert sich an ihr.

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Bosco Verticale

Der Bosco Verticale, das «vertikale Wäldchen», besteht aus zwei Wohntürmen im Viertel Porta Nuova. Entworfen hat sie das Büro Boeri Studio um Stefano Boeri, Gianandrea Barreca und Giovanni La Varra. Der Bau begann 2009 und wurde im Herbst 2014 fertig. Zum Komplex gehört auch ein elfgeschossiges Bürogebäude.

Auf den Balkonen der beiden Türme wachsen 730 Bäume, rund 5000 Sträucher und etwa 11’000 Stauden und Bodendecker, insgesamt 94 Pflanzenarten. Das Substrat, in dem sie wurzeln, ist Lapilli, poröses vulkanisches Gestein. Die Pflanzen sollen im Sommer Schatten spenden und die Luft in der Umgebung beeinflussen. Gezählt wurden 2014 rund 1600 Vögel und Insekten im Umfeld der Türme, und 59 der gepflanzten Arten gelten als nützlich für Vögel.

Die Türme erhielten mehrere Auszeichnungen, darunter 2014 den International Highrise Award und 2015 den Preis des CTBUH als bestes Hochhaus der Welt. Auch das Aussehen wechselt mit den Jahreszeiten: Im Frühjahr blühen die Balkone, im Herbst färbt sich das Laub.

Porta Nuova selbst ist ein modernes Viertel mit Hochhäusern, Plätzen und Wasserbecken, das neben den Backsteinvierteln der Stadt steht. Wer vom Dom kommt, sieht an einem Nachmittag, wie weit die Stadt zwischen Mittelalter und Gegenwart gespannt ist, und dass beides zu Mailand gehört.

Das Prinzip ist einfach zu beschreiben und aufwendig zu pflegen: Jeder Balkon trägt Pflanzgefässe mit eigenem Substrat, die Fassade wird zum Garten. Wie stark Bäume auf Balkonen die Luftqualität messbar verbessern, wird unterschiedlich beurteilt. Als sichtbarer Gegenakzent zu Glas und Stahl der Nachbartürme wirkt das Grün in jedem Fall.

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Reisebericht folgt. Unsere Beiträge und Tipps zu Unterkunft und Essen schreiben wir noch auf.