Marokko

Marrakesch

Marrakesch ist die rote Stadt am Fuss des Atlas, mit einer Altstadt, in der Paläste, Gräber und Märkte dicht beieinander liegen. Eine Auswahl von acht Orten, die sich zu Fuss und mit kurzen Taxifahrten gut verbinden lassen.

Auf einen Blick

LandMarokko
RegionMarrakesch-Safi
Einwohnerrund 1 Million (Stadt, Angabe 2024)
Gründungum 1070 durch die Almoraviden
WelterbeMedina seit 1985

Stadt aus rotem Lehm

Marrakesch gehört zu den vier Königsstädten Marokkos und ist Hauptstadt der Region Marrakesch-Safi. Die Mauern der Altstadt bestehen aus rötlichem Lehm und Kalk, nach ihrer Farbe heisst die Stadt auch «Rote Stadt». Die Medina ist seit 1985 Welterbe der UNESCO.

Geschichte der Dynastien

Almoraviden, Almohaden und Saadier haben die Stadt geprägt, später kamen Bauten des 19. Jahrhunderts dazu. Die Auswahl führt von der Gründerzeit über saadische Gräber und Ruinen bis zum Wesirspalast und zu einem Garten des 20. Jahrhunderts.

Von den Almoraviden zu den Alawiten

Die Almoraviden gründeten Marrakesch um 1070, als Lager und Stützpunkt zwischen Atlas und Sahara. Ihr Herrscher Yusuf ibn Taschfin baute die erste Stadtmauer. Die Almohaden eroberten die Stadt 1147, zerstörten viele Bauten und errichteten im 12. Jahrhundert die Koutoubia-Moschee, deren Minarett rund 77 Meter hoch ist. Die Saadier machten Marrakesch im 16. Jahrhundert zur Hauptstadt eines reichen Reiches, bauten den El-Badi-Palast und die Gräber. Die Alawiten, die seit dem 17. Jahrhundert regieren, verlegten den Hof oft nach Fès und Meknès, Marrakesch blieb aber eine der Königsstädte.

Souks, Gerber und Handwerk

Die Souks der Medina sind nach Handwerk geordnet. Es gibt Viertel für Gewürze, Lederwaren, Kupfer, Teppiche, Schmiedearbeiten und Laternen. Die Gassen sind überdacht, mit Latten, durch die das Licht in Streifen fällt. Die Gerberei am Bab Debbagh arbeitet bis heute nach alter Methode, mit Kalk und Taubenkot, und riecht entsprechend. Wer sich nicht auskennt, lässt sich einen Führer vermitteln oder geht ohne Plan und fragt unterwegs.

Gehandelt wird immer. Als Faustregel gilt: Man bietet etwa die Hälfte des ersten Preises und trifft sich irgendwo in der Mitte. Wer nicht kaufen will, sagt höflich «la, shukran» und geht weiter. Höflichkeit hilft, Druck nicht.

Abends auf dem Djemaa el-Fna

Der Platz Djemaa el-Fna gehört seit 2008 zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Tagsüber sieht man Schlangenbeschwörer, Wasserverkäufer in roten Gewändern und Stände mit frisch gepresstem Orangensaft. Am Abend werden Dutzende Garküchen aufgebaut, Rauch steigt auf, Geschichtenerzähler und Gnaoua-Musiker sammeln Zuhörer um sich. Es ist laut, voll und ein wenig chaotisch, und gerade das macht den Reiz aus. Wer essen will, sucht sich einen Stand mit vielen Einheimischen und klaren Preisen.

Spezialitäten der Stadt sind Tanjia, Fleisch, das in einem Tonkrug stundenlang in der Glut gegart wird, und Tajine mit Trockenfrüchten. Freitags gibt es traditionell Couscous.

Gärten und Stille

Marrakesch ist auch eine grüne Stadt. Der Jardin Majorelle wurde ab den Zwanzigerjahren vom Maler Jacques Majorelle angelegt, 1980 kauften ihn Yves Saint Laurent und Pierre Bergé und retteten ihn vor dem Abriss. Der Menara-Garten mit seinem grossen Becken und den Olivenhainen liegt am Stadtrand, die Palmerie nördlich der Stadt. In den Riads, den Häusern mit Innenhof, findet man Ruhe: ein Brunnen, ein Orangenbaum, eine Terrasse mit Blick auf die Dächer. Im Hochsommer wird es über 40 Grad heiss, Frühling und Herbst sind die beste Zeit.

Unterwegs in der Medina

Die meisten Orte liegen in oder nahe der Medina und sind zu Fuss erreichbar, nur der Jardin Majorelle liegt im Viertel Guéliz. Es bedeutet viel Gehen, Pausen im Schatten und etwas Gelassenheit beim Handeln. Die Koutoubia-Moschee gehört als Blick von aussen dazu.

Unsere Reise

Orte in Marrakesch

Djemaa el-Fna

Der Djemaa el-Fna ist ein offener, unregelmässiger Platz im Herzen der Medina, und er ist nie zweimal derselbe. Tagsüber stehen Saftstände mit Orangenpyramiden, Wasserverkäufer in bunten Gewändern und Händler mit Datteln und Nüssen auf der Fläche. Gegen Abend baut man Dutzende Garküchen auf, Rauch zieht über die Tische, und um Erzähler, Musiker und Akrobaten bilden sich Kreise von Zuschauern. Der Platz ist das Scharnier der Altstadt: Im Norden beginnen die Souks, im Westen weist das Minarett der Koutoubia die Richtung.

Djemaa el-Fna

Woher der Name stammt, ist nicht gesichert. Die verbreitetste Deutung führt ihn auf eine unvollendete Moschee zurück, die der Saadier-Sultan Ahmad al-Mansur im späten 16. Jahrhundert begonnen haben soll. «Djemaa el-Fna» liesse sich dann als «Moschee der Ruinen» lesen. Der Platz war Markt, Festplatz, Ort für Truppenparaden und über Jahrhunderte auch für öffentliche Hinrichtungen. 1864 explodierte hier ein Pulvervorrat, nach manchen Angaben starben rund 300 Menschen. Gegründet wurde Marrakesch selbst um 1070 von den Almoraviden.

Was den Platz ausmacht, ist weniger ein Bauwerk als eine Tradition des Erzählens, Singens und Spielens. Halqa heissen die Kreise, die sich um einen Geschichtenerzähler oder eine Gnawa-Musikgruppe bilden, und sie sind im Kern mündliche Überlieferung. 2001 erklärte die UNESCO den Platz zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit, 2008 folgte die Aufnahme in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes. Geschützt wird also die Praxis, nicht die Fläche. Verschwänden die Erzähler und Musiker, bliebe eine leere Fläche zwischen Cafés, daher verbindet sich der Schutz mit der Frage, wie viele Menschen diese Kunst weitertragen.

Rund um den Platz liegen Café-Terrassen, Hotels und Gassen, die in die Souks führen. Von den Dachterrassen sieht man den Wechsel besonders gut: Am späten Nachmittag leert sich der Platz von den Saftverkäufern, die Essensstände füllen ihn, und im Licht der Lampen verschwimmen die Konturen. Schlangenbeschwörer und Besitzer angeketteter Makaken gehören zum Bild, obwohl die Tiere geschützt sind. Wer sie nicht unterstützen will, lehnt Fotos mit Tieren freundlich ab, denn sie werden stets gegen Geld angeboten.

Zu Fuss erreicht man von hier in wenigen Minuten die Souks und die Koutoubia, die sich an der Westseite der Altstadt erhebt. Die Paläste und Gräber im Süden der Medina, Bahia, El Badi und die Saadier-Gräber, liegen gut zwanzig bis dreissig Gehminuten entfernt, mit dem Taxi deutlich näher. Der Platz eignet sich deshalb als Ausgangspunkt für jeden Tag in der Altstadt. Wer ihn zweimal besucht, einmal am Vormittag und einmal nach Sonnenuntergang, versteht, warum er als Ort gilt, der erst am Abend zu sich selbst findet.

Gut zu wissen: Der Platz ist öffentlicher Raum, der Zutritt kostet nichts und ist jederzeit möglich. Am lebhaftesten ist er vom späten Nachmittag bis in die Nacht. Preise für Fotos, Musik und Getränke klärt man vorher, an den Garküchen steht meist eine Preisliste. Taschen trägt man vorne und lässt Wertsachen im Hotel. Für den Überblick eignen sich Café-Terrassen, die man mit einem Getränk nutzt, die Preise vor Ort prüfen. Das Gedränge ist dicht, kleine Kinder bleiben an der Hand. Wer die Garküchen probiert, wählt gut besuchte Stände mit frischem Umschlag. Fotografieren von Personen ist nur mit Zustimmung üblich, Darbietende erwarten dafür meist ein Trinkgeld.

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Souks und Medina

Nördlich des Djemaa el-Fna verengt sich das Gassengeflecht der Souks, und das Licht fällt nur noch in Streifen auf den Boden. Rund 18 Souks sollen in Marrakesch Arbeit für mehr als 40 000 Menschen bieten, von Lederwaren über Kupfer bis zu Keramik. Aus einer Werkstatt klingt Hämmern, aus der nächsten weht Gewürzduft, dazwischen schiebt sich ein Moped durch die Menge. Die Medina ist kein Freilichtmuseum, sondern ein Stadtviertel, in dem eingekauft, gearbeitet und gewohnt wird, und das merkt man an jeder Ecke.

Souks und Medina

Die Struktur ist einfacher, als sie wirkt. Hauptachse ist der Souk Semmarine, der nach Norden führt und sich dann in den Souk el-Kebir und den Gewürzmarkt Souk el-Attarine gabelt. Nach Handwerken geordnet liegen Lederwaren, Metallarbeiten, Teppiche und Lampen jeweils in eigenen Bereichen, eine Ordnung, die bis heute lose besteht. Die Qissaria, ein überdachtes Geviert aus vier parallelen Gassen, geht möglicherweise auf die Almohadenzeit zurück und handelte mit Stoffen. Im Souk der Färber hängen gefärbte Wolle und Seide zum Trocknen über den Gassen.

Östlich des Souk Semmarine öffnet sich die Rahba Kedima, ein dreieckiger Platz. Er war einst Ort von Versteigerungen für Wolle, Teppiche und Waffen, heute werden dort Körbe, Naturparfums und Kräuter verkauft. Im Süden, zwischen Bahia- und El-Badi-Palast, liegt der Place des Ferblantiers, wo früher Blechschmiede arbeiteten. Im Viertel Mouassine steht die Moschee, die der Saadier-Sultan Abdallah al-Ghalib 1562/63 errichten liess, mit Brunnen, Bibliothek und Hammam. Ein Rundgang verbindet also Handel, Gebet und Handwerk auf engem Raum.

Die Altstadt ist von Mauern aus rötlichem Lehm und Kalk umgeben, die Marrakesch den Namen «Rote Stadt» eingebracht haben. Sie sind rund 19 Kilometer lang, bis zu etwa sechs Meter hoch und haben 20 Tore und rund 200 Türme. Gebaut wurden sie im 12. Jahrhundert unter den Almoraviden, die Quellen nennen für den Beginn unterschiedliche Jahre. Die Medina umfasst gut 1100 Hektar und wurde 1985 in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen. Das Bab Agnaou im Süden, ein Almohadentor aus dem späten 12. Jahrhundert, bildete den Zugang zur Kasbah und trägt Blumenmotive in einem Rahmen aus kufischer Schrift.

Die Souks liegen zwischen den anderen Orten dieser Seite. Südlich schliessen die Paläste und Gräber der Kasbah an, nördlich liegt die Medersa Ben Youssef, die man zu Fuss durch die Gassen erreicht. Wer von der Medersa wieder zum Platz zurückgeht, nimmt dieselbe Hauptachse in umgekehrter Richtung und erkennt sie beim zweiten Mal besser. Stadtpläne helfen nur begrenzt, die Gassen ändern ihren Verlauf, und vieles ist überdacht. Als Anhaltspunkte dienen die Moscheen, der Platz im Süden und gelegentlich der Ruf des Muezzins.

Gut zu wissen: Am Vormittag sind die Souks ruhiger als am späten Nachmittag. Handeln gehört dazu: Man beginnt freundlich mit einem deutlich tieferen Gebot und bleibt gelassen, wer nichts kaufen will, sagt höflich Nein. Feste Schuhe und eine Offline-Karte lohnen sich, weil das Netz in den engen Gassen schwanken kann. Zur Kleidung passen bedeckte Schultern und Knie. Spontane «Wegweiser» erwarten oft ein Trinkgeld, einen Preis vorher zu nennen schützt vor Streit. Mopeds und Karren fahren auch in den engsten Gassen, also auf Zurufe achten.

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Bahia-Palast

Der Bahia-Palast ist weniger ein einzelnes Gebäude als eine Folge von Höfen, Gärten und Räumen, die nahezu auf einer Ebene liegen. Niedrige Gänge führen in den grossen Ehrenhof, der rund 50 mal 30 Meter misst und mit Carrara-Marmor gepflastert ist. Rundherum ziehen sich Galerien, hinter denen sich etwa 80 Räume öffnen, die zum Haushalt des Bauherrn gehörten. Aus den Nebenhöfen duftet es nach Orangen und Jasmin, irgendwo plätschert ein Brunnen. Der Palast liegt im südlichen Teil der Medina, zwischen Kasbah und Mellah.

Bahia-Palast

Er ist verhältnismässig jung. Si Musa, Grosswesir unter Sultan Muhammad ibn Abd al-Rahman, liess in den 1860er-Jahren den ersten Teil errichten. Sein Sohn Ba Ahmed, Grosswesir unter Sultan Abdelaziz, baute die Anlage zwischen 1894 und 1900 zu ihrer heutigen Grösse aus, mit rund 150 Räumen auf etwa zwei Hektar. Als Architekt wird Muhammad ibn Makki al-Misfiwi genannt, geboren 1857 in Safi. Der Name «Bahia» heisst «die Strahlende» und soll der Name von Ba Ahmeds Lieblingsfrau gewesen sein, so die Überlieferung.

Ba Ahmed starb 1900. Einer Überlieferung nach liess Sultan Abdelaziz den Palast nur Stunden später plündern. Die Erzählung, der Wesir sei beleibt gewesen und habe deshalb auf Treppen verzichtet, wird zur Erklärung des einstöckigen Grundrisses genannt, belegt ist sie nicht. 1908 übernahm Madani el-Glaoui den Palast und empfing dort ausländische Gäste, er liess Teile aufstocken. Nach der Errichtung des französischen Protektorats wurde der Palast 1912 Residenz des Generalresidenten Lyautey.

Zu sehen sind Fliesenmosaike, geschnitzter Stuck und bemalte Zedernholzdecken in kräftigen Farben, dazu eine Salle d'Honneur von etwa 20 mal 8 Metern am Ostende des grossen Hofes. Der Palast war nie als Museum gedacht, daher sind die meisten Räume leer und die Wirkung entsteht aus Licht, Ornament und Raumfolge. Das Kulturministerium betreut die Anlage. Das Erdbeben vom September 2023 beschädigte den Palast, er wurde repariert und im Oktober 2023 wieder geöffnet. Von Januar bis April 2019 zählte der Palast über 410 000 Besucher, er gehört damit zu den meistbesuchten Stätten der Stadt.

Die Umgebung lässt sich gut verbinden. Nördlich liegt der Place des Ferblantiers, wo früher Blechschmiede arbeiteten, und von dort ist der El-Badi-Palast nur wenige Minuten entfernt. Wer die Anlagen vergleicht, sieht zwei Epochen: Hier ein Wohnpalast des späten 19. Jahrhunderts, der aus Familienbedarf wuchs, dort ein saadischer Repräsentationsbau, der aus Siegesgeld und Zuckerhandel entstand. Die Saadier-Gräber, ebenfalls zu Fuss erreichbar, liegen etwas westlich in der Kasbah. Zusammen ergeben die drei Orte einen Halbtag im Süden der Altstadt.

Gut zu wissen: Der Palast ist tagsüber geöffnet und verlangt Eintritt, Zeiten und Preise vor Ort prüfen. Am ruhigsten ist es früh am Morgen, später ziehen Gruppen durch die Höfe. Für einen Rundgang reicht etwa eine Stunde. Schatten gibt es nur in den Galerien, Sonnenschutz und Wasser sind sinnvoll. Die Böden sind teils uneben, feste Schuhe helfen. Zur Kleidung passen bedeckte Schultern und Knie. Wer es ruhiger mag, plant den Besuch vor den Reisebussen, die meist am späten Vormittag eintreffen.

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Saadier-Gräber

Die Saadier-Gräber liegen im Kasbah-Viertel, unmittelbar hinter der Kiblamauer der Kasbah-Moschee. Der Zugang führt durch einen schmalen Durchgang neben der Moschee, hohe Mauern auf beiden Seiten, bevor sich ein Garten mit Zypressen, Blumen und niedrigen Grabsteinen öffnet. Die Anlage ist klein, und gerade das macht sie eindrücklich: Grabbauten aus Marmor, Zedernholz und Stuck, die kaum grösser als ein Wohnzimmer sind, und die Stuckarbeiten gehören zu den feinsten, die in Marrakesch erhalten sind.

Saadier-Gräber

Sultan Ahmad al-Mansur, der von 1578 bis 1603 regierte, erweiterte eine ältere Grabstätte der Dynastie und liess daneben ein neues Mausoleum für sich errichten. Er trägt in der Überlieferung den Beinamen «ed-Dhahabi», der Goldene, nach dem Reichtum aus Zuckerhandel und dem Lösegeld nach der Schlacht der drei Könige. 1603 wurde er in der Mitte des Mausoleums beigesetzt. Seine Mutter Lalla Messaouda, die 1591 starb, ruht im östlichen Mausoleum in einer Nische mit gut erhaltener Marmortafel.

Im Zentrum steht die Kammer der zwölf Säulen, ein quadratischer Raum von etwa zehn Metern Seitenlänge. Zwölf Säulen aus Carrara-Marmor stehen in vier Dreiergruppen, darüber liegt eine Decke aus bemaltem Zedernholz in Rot und Gold. Im Boden liegen heute auch Gräber aus der Alawidenzeit, deshalb betritt man den Raum nicht, sondern blickt von der Öffnung in der Wand hinein. Im Garten liegen 56 Grabsteine mit Marmorepitaphien und rund hundert weitere Gräber, die durch farbige Fliesen gekennzeichnet sind.

Dass die Gräber so lange verborgen blieben, geht auf Sultan Moulay Ismail zurück, der von 1672 bis 1727 regierte. Er plünderte die saadischen Paläste und riegelte die Nekropole von den umliegenden Gebäuden ab, den Zugang gab es nur noch durch einen Gang an der Moschee. 1917 stellte der französische Denkmaldienst fest, dass die Gräber noch vorhanden waren, liess sie restaurieren und öffnete sie für Besucher. Nach dem Erdbeben vom September 2023 war die Stätte vorübergehend geschlossen und öffnete im Oktober 2023 wieder.

Die Nachbarschaft gehört zu den ältesten Teilen der Stadt. Die Kasbah-Moschee stammt aus dem späten 12. Jahrhundert und wurde unter dem Almohaden Abu Yusuf Ya'qub al-Mansur gebaut, das Tor Bab Agnaou, das den Zugang zur Kasbah bildete, aus derselben Zeit. Die Gräber der Saadier ergänzen sie um eine zweite Epoche. Zu Fuss erreicht man von hier den Bahia-Palast und den El-Badi-Palast in wenigen Minuten. Al-Mansur, der hier liegt, liess auch den El-Badi-Palast bauen. Zusammen lesen sich die drei Orte wie ein Lebenslauf der Dynastie, vom Prunk über den Tod bis zum Abbruch unter den Nachfolgern.

Gut zu wissen: Die Anlage ist klein, ein Besuch dauert meist weniger als eine Stunde. Vor der Hauptkammer entsteht oft eine Schlange, am ehesten ruhig ist es kurz nach der Öffnung. Eintritt wird erhoben, Preise und Zeiten vor Ort prüfen. Es handelt sich um eine Grabstätte, deshalb sind ruhiges Verhalten und bedeckte Schultern und Knie angemessen. Der Zugang ist seitlich der Kasbah-Moschee und nicht auf den ersten Blick erkennbar, eine Karte hilft. Der Weg ist schmal, Kinderwagen sind unpraktisch.

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El-Badi-Palast

Von den Mauern des El-Badi-Palastes sind heute rote Lehmwände, ein riesiger leerer Hof und lange Wasserbecken geblieben. Der zentrale Hof misst rund 135 mal 110 Meter, das Hauptbecken etwa 90 mal 22 Meter. Vier eingesenkte Gartenflächen liegen symmetrisch um das Wasser, weitere Becken an den Seiten. Es gibt kaum Schatten, das Licht prallt von den Mauern zurück. Der Name bedeutet «der Unvergleichliche», und wer die Weite sieht, ahnt, was einmal gemeint war. Die Fläche liegt am Südrand der Medina, nahe dem Place des Ferblantiers, und ist von den Mauern der Kasbah umgeben.

El-Badi-Palast

Sultan Ahmad al-Mansur aus der Dynastie der Saadier liess den Palast kurz nach seinem Amtsantritt 1578 beginnen. Nach al-Ifrani dauerten die Arbeiten bis 1593, Verschönerungen liefen bis zu seinem Tod 1603 weiter. Finanziert wurde der Bau wahrscheinlich mit dem Lösegeld, das Portugal nach der Schlacht der drei Könige 1578 zahlte, und dem Gewinn aus dem Zuckerhandel. Marmor kam aus Italien, nach der Überlieferung im Tausch gegen Zucker von gleichem Gewicht. Der Palast diente nach den Chroniken vor allem Empfängen und Festen des Hofes.

Nach al-Mansurs Tod verfiel der Palast, und die Bauherren der nächsten Dynastie nutzten ihn als Steinbruch. Nach al-Ifrani liess Sultan Moulay Ismail ihn 1707/08 abtragen und das Material für seinen Palast in Meknès verwenden. Wahrscheinlich geschah der Abbau schrittweise und schon vor und nach seiner Regierungszeit. Zurück blieben Mauern, deren Schmuck entfernt wurde, und Hallen, die Jahrhunderte als Weideland oder Tierunterschlupf dienten. Eine Legende von «360 Räumen» wird gern erzählt, ist aber nicht belegt.

Heute zeigt ein Teil der Anlage Ausstellungen. Im Ausstellungsbereich steht der Minbar der Koutoubia-Moschee aus dem 12. Jahrhundert, eine Kanzel aus Holz mit Intarsien, die in Marrakesch entstand. Weitere Ausstellungsräume öffneten 2018. Man kann auf die Mauerkronen steigen und über die Dächer der Medina blicken. Auf den Mauern nisten Störche, die zum festen Bild der Anlage gehören, besonders in der Frühjahrssaison. Das Marrakesch Folklore-Festival nutzt den Hof seit Jahren als Bühne.

Ein Besuch lässt sich gut mit dem Bahia-Palast und den Saadier-Gräbern verbinden. Vom Place des Ferblantiers, wo früher Blechschmiede arbeiteten, ist der Eingang nur wenige Gehminuten entfernt. Wer die drei Orte hintereinander sieht, erlebt das Zusammenspiel von Verfall und Pracht in der Kasbah: das zerstörte Werk des Sultans, sein Grab und der später errichtete Palast des Wesirs. Nach dem Erdbeben vom September 2023 gab es Reparaturen, die Stätte öffnete im Oktober 2023 wieder.

Gut zu wissen: Das Gelände bietet kaum Schatten, Sonnenhut, Sonnenschutz und Wasser gehören mit. Angenehm ist ein Besuch am Morgen oder am späten Nachmittag. Eintritt wird verlangt, Preise und Zeiten vor Ort prüfen. Der Boden ist uneben, feste Schuhe sind sinnvoll. Die Treppen zu den Mauerkronen sind steil, an den Becken ist Vorsicht geboten. Für Fotos eignet sich das späte Licht, wenn die roten Mauern wärmer wirken. Mit Pausen auf den Mauerkronen und einem Blick in die Ausstellungsräume dauert der Besuch gut eine Stunde.

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Medersa Ben Youssef

Von der Gasse führt ein einziger Eingang durch einen Korridor in die Medersa Ben Youssef, und dahinter ändert sich alles. Der Innenhof ist still, in einem flachen Becken spiegeln sich zweistöckige Galerien, die Wände sind bis zum Dach mit Zellij-Fliesen, Stuck und Zedernholz bedeckt. Der Grundriss ist annähernd quadratisch, rund 40 mal 43 Meter. Die Kühle des Hauses nach dem Lärm der Souks ist spürbar, und viele Besucher sprechen unwillkürlich leiser. Die Medersa gilt als eine der grössten Koranschulen Marokkos.

Medersa Ben Youssef

Sie liegt neben der Ben-Youssef-Moschee, die der Almoravide Ali ibn Yusuf im 12. Jahrhundert gründen liess. Nach al-Ifrani bestand an dieser Stelle schon unter dem Meriniden-Sultan Abu al-Hasan (1331 bis 1348) eine Koranschule. Das heutige Gebäude liess der Saadier-Sultan Abdallah al-Ghalib errichten, fertiggestellt wurde es 1564/65, wie eine Inschrift belegt. Auf dem Zedernbalken über der Strassentür steht der Name des Sultans. Die Moschee wurde im 19. Jahrhundert neu gebaut, das Minarett um 1819/20 vollendet.

Rund 130 Zimmer gruppieren sich auf zwei Stockwerken um den Hof und sechs kleinere Höfe. Bis zu 800 Studenten sollen hier gelebt haben, die Zahl ist nicht gesichert. Die Zimmer sind klein und öffnen sich nach innen zu den Höfen und Galerien. Wer hier unterkam, studierte Koran, Recht und Grammatik, wie es in den Koranschulen der Stadt üblich war. 1960 wurde die Schule geschlossen, 1982 öffnete sie als Denkmal für Besucher. Von November 2018 bis April 2022 war sie wegen Restaurierung erneut geschlossen.

Am Südostende des Hofes liegt der Gebetssaal. Seine Gebetsnische (Mihrab) ist mit Stuck besonders reich geschmückt, ein breiter kufischer Schriftfries umläuft den Bogen, darüber sitzt eine Muqarnas-Kuppel. Im Hof dominieren Zellij-Mosaike an den unteren Wänden, darüber folgen Stuckfriese mit Schriftzeichen und geschnitztes Zedernholz, vor allem am Holzschirm (Maschrabiya) am Hofeingang und über dem Vestibül. Die Muster folgen strengen geometrischen Regeln, Figürliches fehlt, und gerade diese Beschränkung bringt die Fülle hervor.

In der Nähe liegen weitere Orte aus der Frühzeit der Stadt. Die Almoravidische Qubba, ein kleiner Kuppelbau mit Waschräumen aus dem frühen 12. Jahrhundert, wurde 1948 bei Grabungen neben der Moschee entdeckt. Im Umfeld liegt auch das Museum of Marrakech. Der Weg zur Medersa führt durch die nördlichen Souks. Die Qubba trägt eine achteckige Kuppel mit Schnitzwerk und kufischer Inschrift und ist das älteste Zeugnis almoravidischer Baukunst in der Stadt, wie die Fachliteratur meist festhält. Ob und wie sie besichtigt werden kann, ist vor Ort zu prüfen. Von der Djemaa el-Fna sind es zu Fuss etwa 15 bis 20 Minuten.

Gut zu wissen: Die Medersa ist tagsüber geöffnet, Eintritt wird erhoben, aktuelle Zeiten und Preise vor Ort prüfen. Ruhig ist es früh am Morgen, später drängen die Gruppen in den Hof. Es gibt viele enge Treppen, ein Kinderwagen ist unpraktisch. Stuck und Fliesen fasst man nicht an. Zur Kleidung passen bedeckte Schultern und Knie. Der Besuch lässt sich mit den nördlichen Souks und dem Museum of Marrakech verbinden. Mit Pausen im Hof braucht man gut eine Stunde.

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Jardin Majorelle

Hinter dem Eingang des Jardin Majorelle leuchtet es kobaltblau: Mauern, Töpfe, Bänke und Fensterrahmen in derselben Farbe, davor das Grün von Kakteen und Bäumen. Auf schmalen Wegen gehen die Besucher an Becken vorbei, in denen sich das Blau spiegelt. Der Garten liegt nicht in der Medina, sondern im Viertel Guéliz, der französischen Neustadt. Nach dem Trubel der Altstadt wirkt er wie ein Zimmer unter freiem Himmel. Mit rund 700 000 Besuchern im Jahr zählt er zu den meistbesuchten Orten der Stadt.

Jardin Majorelle

Der französische Maler Jacques Majorelle kaufte 1923 ein Grundstück in Marrakesch und gestaltete es zum Werk seines Lebens. 1931 beauftragte er den Architekten Paul Sinoir mit einer kubistischen Villa. Das kräftige Blau, das später seinen Namen trug, soll von Fliesen der Stadt und den Gewändern der Berber inspiriert sein, er liess es patentieren. 1947 öffnete er den Garten gegen Eintritt, um den Unterhalt zu bezahlen. Nach seinem Tod 1962 verfiel die Anlage zusehends. Die Villa ist bis heute ein Beispiel für den Stil der Zwischenkriegszeit in Marrakesch.

In den frühen 1980er-Jahren kauften Yves Saint Laurent und Pierre Bergé das verwahrloste Anwesen, nach gängiger Angabe 1980, um es vor einem Hotelprojekt zu bewahren. Sie liessen die Anlage wiederherstellen und bepflanzten sie neu. Die Villa nannten sie Villa Oasis. Saint Laurent starb 2008, seine Asche wurde im Garten verstreut. Heute gehört der Garten einer Stiftung, die ihn unterhält. Mehr als 700 000 Besucher kommen jedes Jahr, entsprechend lebhaft ist es zwischen den Beeten.

Zu sehen sind eine grosse Kakteensammlung, Brunnen und Wasserbecken, dazu Pflanzen aus verschiedenen Regionen der Erde. Mehr als 15 in Nordafrika heimische Vogelarten leben im Garten, im Gewirr der Blätter hört man sie öfter, als man sie sieht. In der früheren Villa befindet sich seit 2011 das Museum Pierre Bergé der Berberkunst, das Schmuck, Textilien und Werkzeuge der Amazigh zeigt. Ein Rundgang durch die Wege dauert nicht lang, doch viele Besucher bleiben länger, um zu fotografieren oder sich im Schatten der Bäume auszuruhen. Die Pflanzung ist dicht, und an den Becken sitzen Gäste, die dem Wasser zuhören.

In unmittelbarer Nähe eröffnete 2017 das Yves-Saint-Laurent-Museum, das Entwürfe und Kleider des Couturiers zeigt. Das Viertel Guéliz bietet Cafés, Galerien und Boutiquen, ein Kontrast zu den Souks. Die Entfernung zur Medina beträgt einige Kilometer, am einfachsten erreicht man den Garten mit dem Taxi. Wer die Altstadt am Vormittag besucht, plant den Garten am besten für den späten Nachmittag, wenn der grösste Andrang vorbei ist. Von der Djemaa el-Fna liegt der Garten gut drei Kilometer entfernt.

Gut zu wissen: Tickets für den Garten werden nach den offiziellen Angaben online verkauft, ein Zeitfenster vorab zu buchen ist sinnvoll, Zeiten und Preise vor Ort prüfen. Die Wege sind schmal, ein Kinderwagen ist hinderlich. Das Museum der Berberkunst und das Yves-Saint-Laurent-Museum haben eigene Eintritte, die man vor Ort prüft. Leichte Kleidung, Sonnenschutz und Wasser sind sinnvoll. Kakteen berührt man nicht, die Stacheln sind spitz. Für ruhige Fotos lohnt sich der Besuch gleich nach der Öffnung.

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Koutoubia-Moschee

Die Koutoubia-Moschee ist im Stadtbild von Marrakesch kaum zu übersehen. Das Minarett ragt aus Sandstein über die Dächer der Medina, 77 Meter hoch mit Spitze. Der Schaft ist rund 55,7 Meter hoch, die Grundfläche misst etwa 12,8 Meter pro Seite. Es ist das Wahrzeichen der Stadt und liegt am westlichen Rand der Altstadt, nur wenige Minuten vom Djemaa el-Fna entfernt. Das Gebäude selbst ist für Nichtmuslime geschlossen, zu sehen ist der Turm von aussen und aus der Umgebung.

Koutoubia-Moschee

Der Almohaden-Kalif Abd al-Mu'min liess die Moschee 1147 nach der Eroberung von Marrakesch gründen. Um 1158 wurde sie neu errichtet, und diese zweite Moschee steht bis heute. Das Minarett vollendete wohl um 1195 Ya'qub al-Mansur. Der Name leitet sich vom arabischen Wort für Buchhändler ab, denn am Fuss der Moschee soll sich ein Büchermarkt befunden haben, auf dem bis zu hundert Händler tätig waren. Von der ersten Moschee sind Grundmauern neben dem heutigen Bau erhalten, die Archäologen freigelegt haben.

Nach einer verbreiteten Erzählung soll die erste Moschee nicht genau nach Mekka ausgerichtet gewesen sein, weshalb Abd al-Mu'min eine zweite daneben bauen liess. Die Forschung ist sich da nicht sicher, die Ausrichtung der zweiten Moschee weicht sogar stärker ab. Gesichert ist, dass beide Gebäude dicht nebeneinanderstanden und zeitweise gemeinsam genutzt worden sein könnten. Auch das Minarett erzählt Geschichten: Eine breite Rampe im Inneren soll dem Muezzin erlaubt haben, hoch zu Pferd bis zur Spitze zu reiten.

Die Spitze trägt drei bis vier Kugeln, die nach einer verbreiteten Legende aus massivem Gold bestehen. Tatsächlich sind es vernietete Kupferplatten, die grösste hat rund zwei Meter Durchmesser. Eine Legende erzählt, die Frau von Ya'qub al-Mansur habe als Busse für ein gebrochenes Ramadan-Fasten ihren goldenen Schmuck einschmelzen lassen, woraus die vierte Kugel entstanden sei. Diese Erzählung war ursprünglich an die Kasbah-Moschee geknüpft. Sie zeigt, wie früh sich Geschichten um das Bauwerk legten.

Das Minarett gilt als Vorbild für spätere Türme. Die Giralda in Sevilla, das erhaltene Minarett der früheren Grossen Moschee, entstand kurz danach und folgt dem gleichen Aufbau, ebenso der unvollendete Hassan-Turm in Rabat, den Ya'qub al-Mansur begann. Die Fassade zeigt auf jeder Seite andere Fensterformen und Ornamente, ein Merkmal almohadischer Baukunst. Wer von aussen rund um das Gelände geht, sieht den Turm aus mehreren Winkeln und erkennt, wie sich Dekor und Proportionen verändern.

Gut zu wissen: Nichtmuslime dürfen die Moschee nicht betreten, der Turm und das Umfeld lassen sich von aussen ansehen, ohne Eintritt. Rund um die Gebetszeiten ist der Ruf des Muezzins zu hören und der Bereich belebter. Zur Kleidung passen auch im Umfeld bedeckte Schultern und Knie. Zu Fuss ist die Moschee von der Djemaa el-Fna aus in einigen Minuten erreichbar. Wer fotografiert, hält Abstand zu Betenden und fragt vor Aufnahmen von Personen. Am frühen Abend wirkt der Stein im weicheren Licht wärmer, das ist die beliebteste Zeit für Fotos.

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