Provence
Zwischen Rhône und Luberon liegen römische Brücken, Papstmauern, Ockerhänge und Felsdörfer. Sieben Orte der Provence, von der Pont du Gard bis Aix, als Auswahl für eine Reise im Frühling.
Auf einen Blick
Stein, Licht und Wasser
Die Provence ist eine Landschaft, in der Geschichte sichtbar bleibt. Römische Ingenieure bauten Brücken und Arenen, die bis heute stehen, mittelalterliche Päpste und Fürsten hinterliessen Paläste und Festungen, und Maler wie Cézanne und Van Gogh hielten das Licht der Gegend fest. Dazwischen liegen Olivenhaine, Weinfelder, Lavendelfelder und Zypressen.
Ein Landstrich, mehrere Gesichter
Wer von Ort zu Ort fährt, merkt, wie unterschiedlich die Provence ist. Im Luberon dominieren Kalkstein und Hügel, bei Roussillon rote und gelbe Erde, in den Alpilles kahle Felsen, in der Camargue Wasser und Weite. Die Distanzen sind überschaubar, sodass sich viele Orte an einem Tag verbinden lassen.
Römer, Päpste und ein Name
Der Name der Provence stammt aus der Römerzeit: Die Römer nannten das Gebiet zwischen Alpen und Rhône «Provincia Romana», die erste Provinz jenseits der Alpen. Die Spuren sind überall zu finden, in der Arena von Arles, im Theater von Orange, im Pont du Gard, dem Brückenstück eines rund 50 Kilometer langen Aquädukts nach Nîmes. Im Mittelalter gehörte die Region zum Königreich Arelat, später zu den Grafen der Provence, und erst 1481 kam sie zu Frankreich. Von 1309 bis 1377 residierten die Päpste in Avignon, und der Palast, den sie bauten, gilt als eine der grössten gotischen Anlagen Europas.
Mistral, Garrigue und Olivenöl
Die Provence hat ein eigenes Klima. Der Mistral, ein kalter, trockener Nordwind, weht an manchen Tagen stundenlang durch das Rhônetal und macht den Himmel klar und hart. Die Bauern pflanzten Zypressen als Windschutz, die Häuser haben die Fenster auf der Südseite, und die Fensterläden sind nicht Zierde, sondern Notwendigkeit. Die Hügel tragen die Garrigue, ein Gestrüpp aus Thymian, Rosmarin, Lavendel und Eichen, das nach Kräutern duftet, wenn die Sonne darauf steht. Daraus entstand die Mischung, die man als Kräuter der Provence kennt.
Der Olivenbaum ist der Brotbaum des Südens. Rund um Les Baux und in den Alpilles entsteht Öl mit geschützter Herkunftsbezeichnung, im Spätherbst werden die Früchte gepflückt. Wer den Lavendel sehen will, fährt im Juni und Juli auf das Plateau von Valensole oder zur Abtei Sénanque, im Frühling blüht dafür vieles andere.
Maler und Märkte
Das Licht zog Künstler an. Vincent van Gogh lebte 1888 bis 1889 in Arles und malte dort in kurzer Zeit zahlreiche Bilder, danach ging er in die Heilanstalt von Saint-Rémy. Paul Cézanne wuchs in Aix auf und malte ein Leben lang den Berg Sainte-Victoire vor der Stadt. Wer ihre Orte besucht, sieht, wie wenig sich verändert hat, ausser den Schildern.
Die Märkte sind ein Teil des Alltags. In Aix, Apt, Arles und Isle-sur-la-Sorgue werden Oliven, Tapenade, Ziegenkäse, Seifen und Tischdecken verkauft, jede Stadt hat ihren Wochentag. Zum Essen gehören Ratatouille, Aïoli mit Gemüse und Fisch, Pissaladière, Pastis als Aperitif und Calissons, Mandelkonfekt aus Aix. Der Rosé der Provence ist trocken und blass und kommt kalt auf den Tisch, zu Châteauneuf-du-Pape nördlich von Avignon gehört dagegen kräftiger Rotwein.
Mit dem Auto durch den Frühling
Der Roadtrip führte im Frühling durch Frankreich, und die Provence zeigt sich dann von ihrer ruhigen Seite. Die Felder sind grün, die Terrassen noch nicht überfüllt und die Temperaturen angenehm. Der Lavendel blüht erst im Sommer, dafür zeigen sich Mohn, Ginster und frisches Laub.
Unsere Reise
Orte in der Provence
Avignon: Die Stadt der Päpste an der Rhône
Der Place du Palais wird von einer Mauer aus hellem Kalkstein beherrscht, die fast ohne Schmuck aus dem Felsen des Doms aufsteigt. Der Palais des Papes gilt als eine der grössten gotischen Profanbauten Europas und bedeckt rund 15'000 Quadratmeter Geschossfläche. Zu seinen Füssen liegt die Rhône, und im Fluss endet ein Brückenstummel, der das andere Ufer nie mehr erreicht. Dass hier einmal die Christenheit regiert wurde, erklärt sich aus einer Zeit, in der Rom als unsicher galt.

Papst Clemens V. verlegte die Kurie 1309 nach Avignon und wohnte zunächst im Dominikanerkloster. Insgesamt residierten sieben Päpste bis 1377 in der Stadt. Benedikt XII. begann ab 1334 mit dem Alten Palast, einem strengen Bau, der mehr Festung als Wohnsitz war. Clemens VI. liess durch Jean de Louvres den Neuen Palast anfügen, mit einer 52 Meter langen Grossen Kapelle, in der Musik von Guillaume de Machaut erklungen sein soll. Innozenz VI. ergänzte zwei Türme, Urban V. vollendete den Ehrenhof. Die Stadt selbst blieb auch nach der Rückkehr der Kurie nach Rom päpstliches Gebiet.
Die Brücke Saint-Bénézet, das Pont d'Avignon, hatte ursprünglich 22 Bögen und war rund 900 Meter lang. Einer Legende nach sah der Hirte Bénézet im Jahr 1177 in einer Vision den Auftrag, die Rhône zu überbrücken, und wurde später in der Kapelle Saint-Nicolas auf einem der Pfeiler beigesetzt. Gesichert ist eine Holzbrücke zwischen 1177 und 1185, die 1226 bei der Belagerung zerstört wurde, und der Steinbau ab 1234. Hochwasser rissen immer wieder Bögen weg, bis die Brücke Mitte des 17. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Vier Bögen stehen noch.
Nach der Französischen Revolution nutzte der Staat den Palast als Kaserne und Gefängnis, erst 1906 wurde er geräumt und zum Museum. Heute gehören Palast, Brücke, die romanische Kathedrale Notre-Dame des Doms und der Petit Palais zum UNESCO-Welterbe, seit 1995. Rund 650'000 Besucher kommen im Jahr. Der Ehrenhof ist im Juli Hauptbühne des Festival d'Avignon, das 1947 mit einer Ausstellung des Dichters René Char in der Grossen Kapelle begann und mit Jean Vilars Theaterwochen im Hof zum Theaterfestival wuchs.
Hinter dem Palast steigt der Park auf dem Rocher des Doms an, von dem man über die Rhône bis nach Villeneuve-lès-Avignon blickt. In der Altstadt, die von einer gut erhaltenen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert umgeben ist, erinnert die Rue des Teinturiers mit ihren Wasserrädern an die Tuchfärber am Sorgue-Arm. Der Pont du Gard liegt rund 25 Kilometer westlich und lässt sich gut mit Avignon verbinden, ebenso Arles im Süden und die Dörfer des Luberon im Osten.
Gut zu wissen: Eintritt und Öffnungszeiten für Palast und Brücke ändern sich je nach Saison und sollten vor Ort oder online geprüft werden. Das Festival im Juli füllt Unterkünfte und Parkplätze, die frühe Buchung lohnt sich. Wer mit dem Auto kommt, parkt am besten ausserhalb der Stadtmauer. Der Mistral kann auf dem Rocher des Doms und auf der Brücke kräftig wehen. Für Palast und Altstadt reicht ein halber Tag, mit Brücke und Park wird es ein ganzer. Mehr dazu im Reisebericht.
Pont du Gard: Römische Brücke über den Gardon
Der Pont du Gard überspannt den Gardon in drei Reihen sandfarbener Bögen und ragt rund 48,8 Meter über das Wasser. Er gilt als höchste erhaltene römische Brücke und trägt eine Wasserleitung, keinen Verkehr. Die untere Reihe zählt 6, die mittlere 11 und die obere 35 Bögen. Die Quader aus lokalem Muschelkalk wiegen teils bis zu sechs Tonnen und wurden ohne Mörtel aufeinandergesetzt, insgesamt rund 50'000 Tonnen Stein.

Die Brücke war nur ein Stück eines etwa 50 Kilometer langen Aquädukts, das Quellwasser aus der Gegend von Uzès nach Nîmes führte, das römische Nemausus. Das Gefälle betrug im Mittel nur etwa 1 zu 3000, stellenweise noch weniger. Rund 40'000 Kubikmeter Wasser sollen täglich geflossen sein, für Brunnen, Bäder und Haushalte. Die Leitung folgte den Höhenlinien, querte Täler auf Brücken und verlief streckenweise unterirdisch. Am Pont du Gard musste sie den Fluss in grosser Höhe überwinden, um das Gefälle zu halten.
Lange wurde der Bau Agrippa und dem Jahr 19 vor Christus zugeschrieben. Neuere Grabungen datieren die Fertigstellung in die Mitte des 1. Jahrhunderts nach Christus, grob in die Jahre 40 bis 60. Die Brücke blieb stehen, weil sie im Mittelalter als Flussübergang diente: Im 13. Jahrhundert erhielten die Herren von Uzès das Recht, dort Zoll zu erheben, später lag es bei den Bischöfen von Uzès, die auch für den Unterhalt zuständig waren. Die Wasserleitung selbst blieb nach dem Ende der römischen Nutzung ungenutzt.
Napoleon III. besuchte den Ort 1850, in den Jahren 1855 bis 1858 wurde die Brücke restauriert. An die untere Bogenreihe wurde im 18. Jahrhundert eine Strassenbrücke angebaut, die bis ins 20. Jahrhundert den Verkehr trug. Seit 1985 steht der Pont du Gard auf der UNESCO-Welterbeliste. Rund um das Jahr 2000 wurde die Umgebung neu gestaltet, Autos und Gebäude verschwanden vom Gelände, und ein Besucherzentrum mit Museum entstand.
Die obere Reihe misst heute 275 Meter, ursprünglich waren es rund 360 Meter mit 47 statt 35 Bögen, Beschädigungen im Lauf der Jahrhunderte haben sie verkürzt. Das Gefälle sinkt stellenweise auf 1 zu 20'000, das entspricht fünf Zentimetern Höhenunterschied auf einen Kilometer. Dass die Römer so flach bauen konnten, zeigt, wie genau sie das Gelände vermassen. Im Jahr 2001 zählte man rund 1,4 Millionen Besucher.
Heute führen Wege an beiden Ufern an die Brücke heran, vom Besucherzentrum aus auch durch Garrigue mit Thymian, Steineichen und Kiefern. Im Sommer wird im Gardon gebadet, wo die Strömung es zulässt. Die Brücke wirkt am frühen Morgen und gegen Abend am ruhigsten, wenn das Licht den Kalkstein golden färbt. Nîmes mit seiner Arena und dem Tempel Maison Carrée liegt gut 20 Kilometer südöstlich, Avignon rund 25 Kilometer östlich.
Gut zu wissen: Parkplatz, Eintritt und Öffnungszeiten des Besucherzentrums hängen von der Saison ab und sind vor Ort zu prüfen. Die Wege am Ufer sind steinig und im Sommer schattenarm, festes Schuhwerk und Wasser helfen. Das Baden im Gardon ist nur an ausgewiesenen Stellen möglich, die Regeln gelten vor Ort. Für Brücke, Spaziergang und Museum reichen zwei bis drei Stunden. Mehr dazu im Reisebericht.
Gordes: Das Dorf am Hang des Luberon
Gordes liegt auf einem Felssporn am Rand des Plateau de Vaucluse, die Häuser aus hellem Kalkstein sind in Terrassen übereinander an den Hang gestuft. Darüber steht das Schloss, das heute das Rathaus und das Museum Pol Mara beherbergt. Der Ort hat gut 2000 Einwohner und gehört zu den Plus Beaux Villages de France. Vom Hang aus reicht der Blick über das Tal des Calavon bis zu den Höhen des Grand Luberon.

Das Schloss gilt als Nachfolger einer Festung, die bereits 1031 erwähnt wird und mit der Familie d'Agoult verbunden ist. Der heutige Bau stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert und zeigt Elemente der Renaissance über der mittelalterlichen Anlage. Die Lage auf dem Felsen machte den Ort lange gut verteidigbar, die Bewohner lebten von Landwirtschaft, Oliven und Schafzucht. Im 20. Jahrhundert zog das Licht der Gegend Künstler an, darunter Marc Chagall, André Lhote und Victor Vasarely.
Rund vier Kilometer ausserhalb Richtung Cavaillon liegt das Village des Bories, eine Gruppe von Hirtenhütten aus aufgeschichteten, nicht verermörtelten Steinplatten, die Bories heissen. Dazu gehören Pferche, Mauern und Weinkeltern. Wann die einzelnen Hütten entstanden, ist nicht sicher geklärt. In denselben Hügeln stehen Trockenmauern, die einst Felder und Weiden trennten und das Landschaftsbild der Gegend bis heute prägen.
Etwa vier Kilometer Richtung Venasque liegt die Abtei Notre-Dame de Sénanque, eine Zisterzienserabtei, die 1148 gegründet wurde und noch von Mönchen bewohnt wird. Sie stellen Honig, Lavendelessenz und Likör her. Das Tal mit den Lavendelfeldern vor der schlichten romanischen Kirche gehört zu den bekanntesten Motiven der Provence, der Lavendel blüht aber erst im Sommer. Im Frühling zeigen sich die Felder grün, dazwischen stehen Mohn und Ginster.
Der Ort überstand Religionskriege, Pest und mehrere Erdbeben, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er bombardiert, blieb aber weitgehend erhalten. Im Schloss zeigt das Museum Pol Mara Werke des Malers, der sich im Dorf niederliess. Von den Aussichtspunkten an der Strasse nach Cavaillon wirkt Gordes wie ein einziger, geschlossener Block aus hellem Stein, der aus dem Hang wächst. Aus der Nähe lösen sich daraus enge Gassen, Treppen und kleine Plätze.
Heute ist Gordes ein Dorf mit Galerien, kleinen Läden und Restaurants, das im Sommer sehr stark besucht wird. Am Morgen und gegen Abend sind die Gassen ruhiger. Dienstags findet ein Wochenmarkt statt, auf dem Produzenten aus der Gegend Gemüse, Käse und Oliven anbieten. Roussillon mit seinen Ockerfelsen liegt rund zehn Kilometer östlich, und auch Fontaine-de-Vaucluse ist von hier aus gut erreichbar.
Gut zu wissen: Die Zufahrt ist eng, und die Parkplätze am Ortsrand füllen sich im Sommer früh, ein Besuch am Morgen lohnt sich. Die Gassen sind steil und gepflastert, bequeme Schuhe helfen. Eintritt und Zeiten für Schloss, Bories und Abtei sind vor Ort zu prüfen. Der Wochenmarkt ist am Dienstagvormittag. Sénanque ist ein Kloster mit aktivem Gebetsleben, was bei einem Besuch zu beachten ist. Mehr dazu im Reisebericht.
Roussillon: Das Dorf in Rot und Ocker
Roussillon liegt auf einem Hügel im Luberon, und seine Häuser tragen die Farben des Bodens: Gelb, Orange und Rotbraun, von blassen Tönen bis zu tiefem Rost. Der Ort hat gut 1300 Einwohner. Am Rand fallen Sandwände und Felsnadeln in denselben Farben steil ab, dazwischen stehen dunkle Kiefern. Die Fassaden sind kein Zufall, denn die Farbpalette wird bis heute gepflegt und ist Teil des Ortsbilds.

Der Ocker besteht aus eisenhaltigem Sand, der in grossen Schichten im Boden lag. Je nach Eisenverbindung ergeben sich Gelb, Orange oder Rot. Wegen der Nachfrage der Textilindustrie wurde im 18. Jahrhundert intensiv abgebaut, und von Ende des 18. Jahrhunderts bis 1930 arbeiteten in den grossen Steinbrüchen Tausende Menschen. Die Usine Mathieu, eine Ockerfabrik, die von 1870 bis 1901 der Familie Mathieu gehörte, ist heute ein Conservatoire, ein Museum in einer Werkstatt. Der Abbau ist inzwischen verboten, um die Felsen zu schützen.
Für die Pigmentgewinnung wurde der Sand ausgewaschen, die Farbe absetzen gelassen, getrocknet und gemahlen. Eine lokale Legende erklärt die rote Farbe des Berges mit einer Liebesgeschichte: Die Dame Sermonde soll sich in den Troubadour Guillaume de Cabestanh verliebt haben, ihr Gatte Raimond habe den Sänger getötet und ihr das Herz zu essen gegeben, worauf sie sich vom Felsen gestürzt habe und ihr Blut den Boden gefärbt habe. Historisch belegt ist das nicht, es ist eine Erzählung.
Der Sentier des Ocres führt als Rundweg durch die ehemaligen Steinbrüche, in einer Variante von rund 30 und einer von rund 60 Minuten. Auf Tafeln wird erklärt, wie der Ocker entstand und gewonnen wurde. Der Boden ist feiner Sand, der an Schuhen und Kleidern haftet, helle Kleidung färbt sich schnell. Bei Regen kann der Weg rutschig sein. Der Weg ist kostenpflichtig, die Zeiten sind je nach Saison verschieden.
Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich der irische Schriftsteller Samuel Beckett von 1942 bis 1945 in Roussillon versteckt und schrieb hier seinen Roman Watt. Der Ort taucht später in Warten auf Godot auf. Der amerikanische Gelehrte Laurence Wylie beschrieb das Leben im Dorf in den 1950er-Jahren unter dem Namen Peyrane. Georges Brassens schrieb ein Chanson für einen Film, der 1970 im Dorf gedreht wurde.
Im Dorf gibt es Läden mit Pigmenten, Stoffen und Keramik, und auf dem kleinen Platz mit Uhrturm reihen sich Cafés. Von der Aussichtsterrasse am Dorfrand überblickt man die Ockerhügel, das Tal des Calavon und die Höhen des Luberon. Gordes liegt rund zehn Kilometer westlich und lässt sich gut am selben Tag besuchen, ebenso andere Orte des Luberon wie Bonnieux oder Lourmarin.
Gut zu wissen: Der Sentier des Ocres hat einen Eintritt und ist zu bestimmten Zeiten geschlossen, aktuelle Zeiten und Preise vor Ort prüfen. Helle Schuhe und Kleidung können sich dauerhaft rot färben, dunkle Kleidung ist besser. Der Parkplatz am Ortseingang ist begrenzt, im Ort geht es zu Fuss weiter. Am Vormittag ist es ruhiger als am frühen Nachmittag. Für Pfad und Dorf sind etwa zwei Stunden einzuplanen. Mehr dazu im Reisebericht.
Les Baux-de-Provence: Das Dorf im Felsen
Les Baux-de-Provence liegt auf einem Kalkfelsen der Alpilles, 52 bis 310 Meter über dem Meer, und seine Mauern gehen fast nahtlos in den Stein über. In der Gemeinde wohnen rund 260 Menschen, im oberen Teil nur etwa zwanzig. Dem stehen mehr als 1,5 Millionen Besucher im Jahr gegenüber. Vom Plateau mit den Ruinen reicht die Sicht über Olivenhaine und Zypressen bis in die Ebene, an klaren Tagen weit nach Süden.

Die Herren von Les Baux beherrschten im Mittelalter grosse Teile der Provence. Sie führten ihre Herkunft auf Balthasar, einen der drei Weisen aus dem Morgenland, zurück, was als Selbstdarstellung der Familie gilt und nicht als historisch belegt. Ihr Wappen zeigt einen silbernen Stern mit sechzehn Strahlen, der an den Stern von Bethlehem erinnern soll, ihr Wahlspruch lautete Au hasard, Balthazar. Im 15. Jahrhundert endete die Linie, 1481 fiel die Provence an Frankreich.
Die Burg wuchs im Mittelalter zu einer weitläufigen Anlage mit Türmen, Kapellen und Wohnräumen, vieles ist direkt in den Fels geschlagen. 1631 gab Ludwig XIII. dem Ort die Erlaubnis, die Festungsanlagen abzutragen, deren Reste man heute sieht. Die Ruinen vermitteln eine Vorstellung vom Umfang der einstigen Burgstadt. Der Ort gab zudem einem Mineral den Namen: Bauxit, das der Geologe Pierre Berthier 1821 oder 1822 in der Gegend beschrieb und das Rohstoff für Aluminium ist.
Im Val d'Enfer, dem Höllental, liegen ehemalige Steinbrüche, die seit 1976 als Cathédrale d'Images mit Projektionen bespielt werden. Heute betreibt Culturespaces das Haus als Carrières de Lumières, die Programme wechseln, und die Bilder laufen über Wände, Boden und Pfeiler. Der Film Das Testament des Orpheus von Jean Cocteau aus dem Jahr 1959 gehört zu den Filmen, die mit dem Ort verbunden werden. Die Anlage zählt zu den beliebtesten Zielen der Alpilles.
Die Steinbrüche lieferten über Jahrhunderte Kalkstein für Bauten der Gegend, bevor sie stillgelegt wurden. Nach Norden öffnet sich der Blick auf die Ebene, in Richtung Saint-Rémy-de-Provence, wo Vincent van Gogh nach seiner Zeit in Arles von Mai 1889 bis Mai 1890 in der Klinik Saint-Paul-de-Mausole lebte. Die Gemeinde produziert zudem Wein der AOC Coteaux-des-Baux-en-Provence, meist Rotwein, und Olivenöl, das seit 1997 eine geschützte Herkunftsbezeichnung trägt.
Im Dorf, das zu den Plus Beaux Villages de France zählt, reihen sich Läden mit Seifen, Öl und Keramik in Steinhäusern. Rund um das Dorf führen Wanderwege und kleine Strassen durch die Alpilles. Arles liegt rund 20 Kilometer südwestlich, Avignon etwa 30 Kilometer nördlich, und beide lassen sich gut mit einem Besuch verbinden.
Gut zu wissen: Die Parkplätze liegen unterhalb des Dorfes, der Aufstieg ist steil, und das Dorf ist weitgehend verkehrsberuhigt. Eintritt und Zeiten der Burg sowie die Programme der Carrières de Lumières sind vor Ort zu prüfen. In den Steinbrüchen ist es auch im Sommer kühl, eine Jacke ist sinnvoll. Auf dem Plateau ist der Boden uneben und der Wind kann stark sein, Kinder bleiben an den Felskanten besser an der Hand. Mehr dazu im Reisebericht.
Arles: Römische Steine und Van Goghs Licht
Arles liegt an der Rhône, an der Spitze des Deltas, und ist flächenmässig die grösste Gemeinde des französischen Mutterlands, da ein grosser Teil der Camargue zu ihrem Gebiet gehört. Im Stadtkern stehen das römische Amphitheater, das Theater und die Thermen Konstantins. Die UNESCO nahm 1981 die römischen und romanischen Bauten der Stadt in die Welterbeliste auf. Der Name Arelate wird mit gallischen Wurzeln verbunden und bedeutet etwa Stadt am Sumpf.

Das Amphitheater entstand um 90 nach Christus, ist 136 Meter lang und 109 Meter breit und hat zwei Geschosse mit zusammen 120 Arkaden. Es fasste über 20'000 Zuschauer. Nach dem Ende des Weströmischen Reiches wurde es zur Festung mit vier Türmen ausgebaut, und im Inneren entstand eine kleine Stadt mit über 200 Häusern und zwei Kapellen. Drei Türme stehen noch. Im 19. Jahrhundert wurden die Häuser entfernt, Prosper Mérimée setzte sich für den Erhalt ein. Heute finden hier Stierkämpfe der Feria, Theater und Konzerte statt.
Das römische Theater stammt vom Ende des 1. Jahrhunderts vor Christus, die unterirdischen Kryptoportiken unter dem Forum gehören zur selben Epoche. Das Museum Musée départemental Arles antique zeigt Funde, darunter viele römische Sarkophage. Die romanische Kirche Saint-Trophime besitzt ein Portal mit dem Jüngsten Gericht. Die Nekropole Alyscamps, ursprünglich eine Gräberstrasse vor der Stadt, gehört ebenfalls zum Welterbe. Im Mittelalter blieb Arles ein bedeutender Hafen am Fluss.
Julius Caesar machte Arles zur Veteranenkolonie, und in der Spätantike stieg die Stadt weiter auf: Kaiser Konstantin hielt sich hier auf, und 314 tagte in Arles ein Konzil der Kirche. Die Thermen Konstantins am Rhône-Ufer sind ein Zeugnis dieser Zeit. Bei Barbegal nördlich der Stadt betrieben die Römer eine Mühlenanlage, die zu den frühen Beispielen industrieller Nutzung der Wasserkraft zählt.
Vincent van Gogh lebte von Februar 1888 bis Mai 1889 in Arles und schuf hier mehr als 300 Gemälde und Zeichnungen, darunter das Nachtcafé und die Caféterrasse am Abend. Im Dezember 1888 kam es nach einem Besuch von Paul Gauguin zum Streit und zur Verletzung seines Ohrs. Das gelbe Haus, in dem er wohnte, steht nicht mehr. Das ehemalige Hospital, in dem er behandelt wurde, ist heute als Espace Van Gogh ein Kulturzentrum mit Garten, und Tafeln in der Stadt zeigen seine Motive.
Seit 1970 finden die Rencontres d'Arles statt, ein Fotografiefestival, das im Sommer Ausstellungen an Orten in der ganzen Stadt zeigt. Dazu kam der Kunstkomplex LUMA Arles mit einem 56 Meter hohen Turm. Samstags und mittwochs ist Markt auf dem Boulevard des Lices. Südlich der Stadt beginnt die Camargue mit Flamingos, weissen Pferden und schwarzen Stieren, Les Baux liegt etwa 20 Kilometer nordöstlich.
Gut zu wissen: Die Altstadt ist gut zu Fuss zu erkunden, Parkplätze liegen ausserhalb der Altstadt. Eintrittspreise für Amphitheater, Theater und weitere Monumente und mögliche Sammeltickets sind vor Ort zu prüfen. Wochenmärkte sind samstags und mittwochs jeweils am Vormittag. Im Hochsommer lohnen sich Besuche früh am Tag oder am Abend. Für die römischen Bauten und Van Gogh sind rund ein bis zwei Tage sinnvoll. Mehr dazu im Reisebericht.
Aix-en-Provence: Platanen, Brunnen und Cézannes Stadt
Aix-en-Provence wurde 123 vor Christus vom römischen Konsul Sextius Calvinus als Aquae Sextiae gegründet, nach den warmen Quellen am Ort. Andere Quellen nennen 122 vor Christus. Heute zählt die Stadt knapp 150'000 Einwohner und gilt als Stadt der tausend Brunnen. Die Thermes Sextius, ein Bad von 1705, liegen nahe den antiken Quellen. Aix war über Jahrhunderte Hauptstadt der Provence, und davon zeugen die Stadthäuser der Altstadt.

Der Cours Mirabeau ist rund 440 Meter lang und 42 Meter breit und entstand ab 1650 als Fahrstrasse, wo zuvor ein verfallener Mauerring stand. Doppelte Platanenreihen beschatten die breiten Gehsteige, am unteren Ende steht die Fontaine de la Rotonde von 1860 mit drei Figuren für Kunst, Gerechtigkeit und Landwirtschaft. Dazu kommen die Fontaine Moussue, die Fontaine des Neuf Canons und die Fontaine du Roi René. In den Cafés, etwa im Les Deux Garçons, verkehrten Paul Cézanne, Émile Zola und Albert Camus.
Das Mazarin-Viertel südlich des Cours wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts vom Erzbischof Michele Mazzarino für den lokalen Adel angelegt, mit regelmässigem Strassenraster und der Fontaine des Quatre Dauphins. 1409 erteilte Ludwig II. von Anjou das Privileg für eine Universität, 1501 richtete Ludwig XII. das Parlament der Provence ein, das bis 1789 bestand. Das Musée Granet zeigt Malerei, Skulptur und Archäologie, die Kathedrale Saint-Sauveur verbindet Bauteile mehrerer Epochen.
Paul Cézanne wurde 1839 in Aix geboren und malte den Mont Sainte-Victoire, der 1011 Meter hoch ist, in vielen Fassungen. Ein Weg verbindet das Landgut Jas de Bouffan, das Cézannes Familie gehörte, mit dem Atelier Cézanne am Hügel Les Lauves nördlich der Altstadt. Das Atelier wurde um 1901 errichtet und ist mit Werkzeugen, Krügen und Gegenständen erhalten, die er für seine Stillleben nutzte.
Émile Zola verbrachte seine Kindheit in Aix und war mit Cézanne befreundet. Die Freundschaft zerbrach 1886 nach dem Erscheinen von Zolas Roman L'Œuvre, dessen gescheiterter Maler Cézanne zu zeichnen schien. Die Stadt erinnert beide mit Wegen, Namen und Gedenktafeln. Der Mont Sainte-Victoire ist von Aix aus als heller Kalkrücken im Osten zu sehen und mit dem Auto in rund 20 Minuten erreichbar.
Als Spezialität gelten die Calissons, rautenförmige Süssigkeiten aus Mandeln und kandierter Melone, die jedes Jahr im September in einer Zeremonie gesegnet werden. Seit 1948 findet im Sommer das Festival d'Aix für Oper und Musik statt. Auf den Plätzen der Altstadt gibt es mehrmals pro Woche Märkte mit Blumen, Früchten und Gewürzen. Marseille liegt rund 30 Kilometer südlich, Arles etwa 80 Kilometer westlich.
Gut zu wissen: Das Zentrum ist weitgehend verkehrsberuhigt, Parkhäuser liegen am Rand der Altstadt. Das Atelier Cézanne ist zu Fuss oder mit dem Bus erreichbar, Zeiten und Eintritt vor Ort prüfen. Wochenmarkttage und Festivalzeiten sind vor Ort zu prüfen. Für die Altstadt genügt ein halber Tag, mit Atelier und Märkten ein ganzer. Mehr dazu im Reisebericht.