Drei Sprachen, ein Tal nach dem anderen.
Südtirol reicht von Weinbergen auf 250 Metern bis zu Gletschern über 3000 Metern. Deutsch, Italienisch und Ladinisch teilen sich ein Land, das auf engem Raum viele Landschaften zeigt.
Auf einen Blick
Ein Land der Täler
Südtirol ist die nördlichste Provinz Italiens und umfasst rund 7400 Quadratkilometer. Etwa 540’000 Menschen leben hier, verteilt auf 116 Gemeinden, die meisten in den Tälern. Die Nordgrenze folgt weitgehend dem Alpenhauptkamm, die Brennerroute verbindet Deutschland und Österreich mit Oberitalien. Höchster Berg ist der Ortler mit 3905 Metern.
Die grossen Täler sind das Etschtal, das Eisacktal und das Pustertal, dazu kommen zahlreiche Seitentäler. Das Klima ändert sich mit der Höhe: Im Etschtal bei Bozen ist es sommerlich warm und vergleichsweise trocken, in den höheren Lagen herrscht Alpenklima. Wer von Bozen ins Gebirge fährt, durchquert auf wenigen Kilometern mehrere Klimazonen.
Drei Sprachen
Etwa 70 Prozent der Südtiroler haben Deutsch als Muttersprache, rund 26 Prozent Italienisch und etwa 4 Prozent Ladinisch (Zahlen aus der Sprachgruppenzugehörigkeit). Ladinisch wird vor allem in den Dolomitentälern gesprochen, in Gröden und im Gadertal. Alle drei Sprachen sind in der Provinz amtlich. Ladinisch ist eine romanische Sprache.
Die Verteilung ist nicht überall gleich. In Bozen sprechen rund drei Viertel der Einwohner Italienisch, in Meran etwa die Hälfte, in den kleineren Orten der Seitentäler dominiert Deutsch, und in einzelnen Ladinertälern sind es über 90 Prozent Ladinisch. Dieses Nebeneinander prägt Schilder, Speisekarten und den Alltag.
Ein Land mit bewegter Geschichte
Die Grafschaft Tirol gehörte seit 1363 zu den habsburgischen Erblanden. Nach dem Ersten Weltkrieg sprach der Friedensvertrag von Saint-Germain 1919 den südlichen Teil Italien zu, 1927 entstand die Provinz Bozen. Unter dem Faschismus wurde Deutsch im öffentlichen Leben verboten. 1939 einigten sich das Deutsche Reich und Italien auf die «Option»: Die Südtiroler sollten sich zwischen Auswanderung und dem Verbleib unter Aufgabe ihrer Identität entscheiden. Rund 85 Prozent optierten für die Auswanderung, ein grosser Teil blieb am Ende oder kehrte zurück.
Das Gruber-De-Gasperi-Abkommen vom September 1946 bereitete die Autonomie vor, die Autonomiestatute von 1948 und 1972 setzten sie um. 1992 erklärten Italien und Österreich ihren Streit offiziell für beigelegt.
Tisch, Reben, Reisezeit
Typisch sind Speck, Knödel, Gerstensuppe, Schlutzkrapfen und Strauben. Im Herbst folgt das Törggelen, der Besuch bei Winzern mit Kastanien und neuem Wein. Südtirol hat rund 5400 Hektar Rebfläche, davon 64 Prozent Weiss- und 36 Prozent Rotwein, einheimische Sorten sind Vernatsch und Lagrein. Hinzu kommen rund 7000 Apfelbauern.
Die beste Zeit für Reisen ist von Mai bis Oktober, wenn die Niederschläge am geringsten sind. Im Juli und August wird es in den Tälern heiss, und um Mitte August, an Ferragosto, sind viele Italiener unterwegs. Rund 800 Burgen, Schlösser und Ansitze prägen das Land.
Orte
Zehn Orte zwischen Etschtal, Dolomiten und Vinschgau.
Bozen
Bozen ist die Hauptstadt Südtirols und mit 106’357 Einwohnern (Ende 2023) auch die grösste Stadt. Sie liegt in einem Talkessel im Etschtal, wo Etsch, Eisack und Talfer zusammenfliessen, die Altstadt auf 262 Metern. Rundherum steigen Berge auf, im Stadtgebiet bis auf 1616 Meter.
Die Stadt entstand um 1170 bis 1180 als planmässig angelegte Marktsiedlung. Die Initiative ging von den Bischöfen von Trient aus, bald unterstützt von den Grafen von Tirol. 1437 ist ein förmliches Stadtrecht belegt. Der Markt blieb das Rückgrat der Stadt, und davon zeugt noch der Aufbau der Altstadt: Die Bozner Lauben, eine von Arkaden gesäumte Gasse in der Nähe des Kornplatzes, bilden das Herz des Handels.
Der Dom Maria Himmelfahrt ist die Stadtpfarrkirche und entstand aus einer spätantiken Marienkirche. Der Waltherplatz ist der zentrale Treffpunkt der Altstadt. Zu den Burgen der Stadt zählt Schloss Runkelstein. Seit 1948 ist Bozen ausserdem Messestandort mit überregionaler Bedeutung.
Anders als in der übrigen Provinz sprechen in Bozen etwa drei Viertel Italienisch. Das Klima ist mild: Sommertage erreichen im Mittel 28 bis 31 Grad, im Winter sinken die Tiefstwerte nur um den Gefrierpunkt. Oberhalb der Stadt liegt der Ritten, eine Hochfläche, auf der die Erdpyramiden stehen, bis zu 30 Meter hohe Säulen aus Erde mit einem Stein obenauf, die grössten Europas. Eine Seilbahn führt von der Stadt hinauf. Bozen eignet sich als Ausgangspunkt, weil Weinberge, Altstadt und Berge nah beieinanderliegen.
Von den Lauben sind es nur wenige Schritte zum Waltherplatz. Mit rund 735 Millimetern Niederschlag im Jahr ist Bozen trockener als viele Orte in den Bergen darüber.
Ötzi und das Archäologiemuseum
Im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen liegt die weltberühmte Gletschermumie, die als Ötzi bekannt ist. Der Fund gelang im September 1991 Wanderern in den Ötztaler Alpen, nahe der Grenze zu Österreich. Sie entdeckten einen Körper, der aus dem Eis ragte, und hielten ihn zunächst für einen verunglückten Bergsteiger. Bald zeigte sich, dass der Mann vor rund 5300 Jahren gestorben war.
Das Besondere ist die Erhaltung. Ötzi lag im Gletschereis, bis es zurückwich, und wurde dadurch auf natürliche Weise konserviert. Mit ihm kamen Kleidung, Werkzeuge und Waffen zum Vorschein, darunter ein Kupferbeil, ein Bogen und ein Köcher. Aus Mageninhalt, Haut und Knochen konnte die Forschung vieles ablesen, etwa seine letzten Mahlzeiten, seine Tätowierungen und den Pfeil, der in seiner Schulter steckte.
Das Museum zeigt die Mumie in einer Kühlkammer, in der Temperatur und Luftfeuchtigkeit so gehalten werden, wie sie im Eis waren. Besucher sehen den Körper durch ein kleines Fenster. Die Ausstellung führt über mehrere Stockwerke durch die Fundgeschichte, die Lebensumstände der Kupferzeit und die Ergebnisse der Untersuchungen.
Ein Besuch lohnt sich, auch wenn man sonst wenig mit Museen anfängt. Er zeigt Südtirol aus einer Perspektive, die sonst leicht vergessen geht: Die Gegend war schon vor Jahrtausenden begangen, bewirtschaftet und umkämpft, lange bevor es Grenzen gab, die man heute als selbstverständlich ansieht.
Der Name «Ötzi» entstand kurz nach dem Fund in Anlehnung an das Ötztal. Eine Nachmessung ergab, dass die Fundstelle knapp auf italienischer Seite der Grenze liegt, weshalb die Mumie nach Südtirol kam.
Meran
Meran liegt im Etschtal, dort, wo der Vinschgau in die Talsohle mündet; die Töll, der Übergang vom Vinschgau zum Burggrafenamt, liegt auf etwa 500 Metern. Die Stadt hatte 2026 rund 41’700 Einwohner. Italienisch sprechen etwas mehr als die Hälfte, was das Gleichgewicht der Sprachen in der Stadt ausmacht.
Das Klima ist mild und gehört zu den Mittellagen mit ozeanischem Einfluss. Im 19. Jahrhundert wurde Meran als Kurort bekannt, und es siedelten sich verschiedene Gemeinschaften an. 1861 wurde eine evangelische Gemeinde gegründet, 1901 eine Synagoge gebaut. Beides zeigt, dass Meran weltoffener war als viele Orte im Gebirge.
In der Nähe liegt Schloss Tirol, das der Grafschaft Tirol den Namen gab und damit dem ganzen Land. Das Schloss liegt oberhalb des Dorfes Tirol und ist von Meran aus in kurzer Zeit zu erreichen. Von dort lassen sich der Talkessel und der Verlauf der Etsch überblicken.
Die Stadt selbst besteht aus einer überschaubaren Altstadt entlang der Passer, mit Lauben, Cafés und Promenaden. Durch ihre Lage zwischen Weinbergen, Obstgärten und Bergen eignet sie sich als Ausgangspunkt für Ausflüge in den Vinschgau, nach Tirol und in die Weingegenden um Meran. Wer den Wechsel der Landschaften mag, findet hier alles auf kleinem Raum.
In Meran endet der Vinschger Radweg, der von Mals herführt, und in der Umgebung beginnen die Waalwege, Spazierwege entlang historischer Bewässerungskanäle. Bruneck im Pustertal ist mit 17’166 Einwohnern (2026) eine weitere der grösseren Städte des Landes.
Brixen
Brixen liegt an der Stelle, an der sich das Eisacktal und das Pustertal treffen. Die Stadt hatte 2026 rund 23’350 Einwohner und ist seit Langem ein Bischofssitz. Der Dom ist eine der bischöflichen Kirchen der Diözese Bozen-Brixen, deren Gebiet 1964 neu gefasst wurde.
Brixen war Jahrhunderte lang das geistliche Zentrum des Landes. Die Fürstbischöfe hatten hier ihre Residenz, die Hofburg, und regierten ein eigenes Gebiet. Das Kirchliche ist bis heute sichtbar: Dom, Kreuzgang und Pfarrkirche bestimmen das Bild der Altstadt. Eine Mischung aus Barock und älterer Substanz prägt die Fassaden der Gassen.
Das Stadtbild ist kleiner und ruhiger als in Bozen oder Meran. Die Altstadt lässt sich in kurzer Zeit zu Fuss erkunden, mit Lauben, Plätzen und dem Fluss, dem Eisack, der an ihrem Rand fliesst. Ausserhalb der Stadt, auf einer Anhöhe, liegt das Kloster Neustift, eine Anlage mit Stiftskirche und Bibliothek.
Brixen eignet sich als Zwischenstation, wenn man vom Brenner oder aus dem Pustertal kommt. Wegen der Nähe zu den Dolomiten, zum Eisacktal und zur Plose, dem Hausberg der Stadt, lässt sich von hier aus gut wandern. Die Mischung aus Kirchengeschichte, kleinstädtischem Alltag und Landschaft macht den Charakter der Stadt aus.
Der Name der Diözese Bozen-Brixen verbindet die beiden Städte, die in Südtirol Zentren von Kirche und Verwaltung sind. Wer von Brixen das Pustertal hinauffährt, erreicht Bruneck, eine Stadt mit 17’166 Einwohnern (2026).
Die Lage am Zusammenfluss von Eisack und Rienz machte Brixen zu einem natürlichen Verkehrsknoten an der Route über den Brenner.
Seiser Alm
Die Seiser Alm ist die grösste Hochalm Europas und umfasst je nach Angabe etwa 52 bis 57 Quadratkilometer. Sie liegt oberhalb von Seis und Kastelruth am Fuss des Schlern. Der Schlern misst 2563 Meter und gilt als Wahrzeichen Südtirols. Seine Felswände stehen über der Hochfläche, die sich als weites Almland ausbreitet.
Dass die Alm so gross ist, merkt man vor allem beim Gehen. Sanfte Hänge, Wiesen, Weiden und kleine Hütten wechseln sich ab, im Hintergrund steht die Dolomitenkulisse mit Langkofel (3181 Meter) und Rosengarten (2981 Meter). Die Höhe der Alm liegt über 1800 Metern. Im Frühsommer blühen die Wiesen, im Herbst verfärbt sich das Gras.
Im Winter wird die Alm zum Skigebiet, wie auch viele andere Orte Südtirols. Wer sie im Sommer besucht, kann sie zu Fuss oder mit dem Rad durchqueren; für Fahrzeuge gelten Einschränkungen, die sich ändern können und vor der Fahrt geprüft werden sollten. Eine Seilbahn führt von Seis hinauf.
Als Teil der Dolomiten gehört die Gegend zu einer Landschaft, die 2009 teilweise zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Die Alm zeigt eine andere Seite der Dolomiten als die steilen Gipfel: weite Flächen, auf denen der Blick zur Ruhe kommt. Für Familien eignet sie sich gut, weil die Wege kaum steil sind und die Hütten oft in Gehdistanz liegen.
Die Alm gehört zu den Landschaften, in denen im Sommer Vieh weidet, und wer über sie geht, sieht oft Kühe, Pferde und Zäune, die die Weiden gliedern. Für einen Tag reicht ein Teil der Hochfläche; die ganze Alm zu erkunden braucht mehrere.
Gröden
Gröden ist ein Seitental der Südtiroler Dolomiten. Hier wird Grödnerisch gesprochen, eine der ladinischen Sprachen. Ladinisch ist die Muttersprache von etwa 4,4 Prozent der Südtiroler, vor allem in Gröden und im Gadertal. In La Val sind es über 96 Prozent.
Das Tal ist ein beliebtes Skigebiet und im Sommer ein Wandergebiet. Die Landschaft wird vom Langkofel bestimmt, der 3181 Meter hoch ist und zu den westlichen Dolomiten gehört. Das Grödner Joch, der Pass, der Gröden mit dem Gadertal verbindet, liegt auf 2121 Metern.
Die Dolomiten sind seit 2009 teilweise UNESCO-Welterbe. Gröden gehört zu den Tälern, in denen sich die Gebirgslandschaft mit einer eigenen Kultur verbindet. Die Ladiner leben vor allem im Dolomitengebiet und haben ihre eigene Sprache, eigene Namen für Orte und eine Tradition, die sich von der deutschen und der italienischen unterscheidet.
Zu den bekannten Traditionen des Tals zählt die Holzschnitzerei, die in Ortisei (St. Ulrich) gepflegt wird. Wer durch den Ort geht, sieht Werkstätten und Läden mit Figuren, Krippen und Spielzeug. Die Ortsnamen erscheinen oft in drei Sprachen auf dem Schild, deutsch, italienisch und ladinisch. Wer das Tal besucht, erlebt Südtirols Mehrsprachigkeit in ihrer dichtesten Form.
Die Sprache der Ladiner gehört zu den romanischen Sprachen, ist also mit dem Italienischen verwandt, aber eigenständig. Sie ist als Minderheitensprache anerkannt und wird im Alltag, in Schulen und in Medien verwendet.
Hauptorte des Tals sind St. Ulrich (Ortisei), St. Christina und Wolkenstein.
Drei Zinnen
Die Drei Zinnen, italienisch Tre Cime di Lavaredo, sind ein Gipfelmassiv der östlichen Dolomiten. Mit 2999 Metern gelten sie als Zentrum des Alpinkletterns. Die drei Türme stehen eng nebeneinander und wirken, als hätte jemand sie in den Himmel gestellt: senkrechte Wände aus hellem Dolomitgestein, die bei Abendlicht warm gefärbt sind.
In der Nähe liegt die Dreischusterspitze mit 3152 Metern, ebenfalls im östlichen Teil der Dolomiten. Die Gegend gehört zu dem Gebiet, das die UNESCO 2009 teilweise als Welterbe ausgezeichnet hat. Sie ist gut für Wanderungen, die sich von Hütte zu Hütte ziehen und mit festem Schuhwerk auch für Nicht-Kletterer möglich sind.
Das Hochpustertal rund um Toblach hat ein kühles Klima, mit 40 bis 50 Eistagen im Jahr. Der Sommer ist deshalb die Wanderzeit, und im Winter ist das Gebiet ein Langlauf- und Skigebiet. Das Wetter kann in dieser Höhe schnell wechseln, und Nebel kann die Zinnen verbergen.
Die Drei Zinnen gehören zu den meistfotografierten Bergen der Alpen. Wer sie sehen will, rechnet mit Andrang, besonders im Hochsommer, und plant frühe Zeiten ein. Die Zufahrt zur Ausgangshütte ist beschränkt und kostenpflichtig. Das Besondere am Anblick ist nicht die Höhe, sondern die Form: Die Türme sind weder Spitzen noch Kuppen, sondern Säulen, die sich einzeln lesen lassen.
Die Zinnen liegen an der Grenze zwischen Südtirol und der Provinz Belluno. Von Süden, aus Auronzo, und von Norden, aus dem Pustertal, führen unterschiedliche Zugänge hinauf.
Pragser Wildsee
Der Pragser Wildsee liegt auf 1494 Metern und ist als Naturdenkmal geschützt. Er befindet sich im Pragsertal, einem Seitental des Pustertals, umgeben von steilen Dolomitenwänden. Das Wasser ist grün bis blaugrün, je nach Licht und Jahreszeit.
Ein Weg führt rund um den See und lässt sich in kurzer Zeit gehen. Am Ufer stehen ein altes Hotel und ein Bootshaus. Im Sommer sind Ruderboote zu mieten. Auf dem Wasser lässt sich die Spiegelung der Felswände am besten erleben, wenn es windstill ist.
Der See ist im Sommer stark besucht. Die Strasse zum Parkplatz ist zu bestimmten Zeiten gesperrt oder zugangsbeschränkt, dafür verkehren Busse. Wer früh am Morgen oder spät am Nachmittag kommt, erlebt den See ruhiger. Im Herbst färbt sich der Wald an den Hängen, im Winter liegt Schnee, und der See ist zugefroren.
Vom See aus führen Wanderwege in die umliegenden Berge, etwa zu Hütten und Pässen. Für Besucher, die nicht lange wandern wollen, genügt der Rundweg. Der Pragser Wildsee ist ein Ort, an dem sich die Grösse der Dolomiten ohne Anstrengung erschliesst: Man steht auf einem Weg am Wasser, und die Wände ragen vor einem auf.
Über dem See erhebt sich der Seekofel. Seine Wände spiegeln sich im Wasser, und der See ist auch von den Höhenwegen oberhalb gut zu überblicken.
Der Name «Wildsee» bedeutet nicht, dass der See schwer zugänglich wäre: Eine Strasse führt bis in die Nähe des Ufers. Er liegt im Naturpark Fanes-Sennes-Prags, der sich über Hochebenen, Almen und Felsmassive erstreckt.
Südtiroler Weinstrasse
Südtirol ist ein Weinland, auch wenn die Rebfläche mit rund 5400 Hektar klein ist. 64 Prozent der Fläche sind mit weissen, 36 Prozent mit roten Sorten bepflanzt. Einheimisch sind Vernatsch und Lagrein. Der Etschtalboden bei Bozen ist die trockenste und sonnigste Zone des Landes, mit Jahresmittelwerten von rund null Grad im Januar und 23 Grad im Juli.
Die Südtiroler Weinstrasse führt durch die Weinorte südlich von Bozen. Dazu gehört Kaltern an der Weinstrasse mit rund 8300 Einwohnern. In der Nähe liegt der Kalterer See auf etwa 215 Metern Höhe, einer der wärmsten Badeseen der Alpen. Zwischen Bozen und dem Süden stehen Weingüter, Kellereien und Buschenschänke in den Weinbergen, vielerorts mit Aussicht auf die Dolomiten.
Im Herbst kommt das Törggelen. Der Brauch, der mit dem Tourismus der 1960er- und 1970er-Jahre wieder belebt wurde, besteht darin, bei Winzern neuen Wein, gebratene Kastanien und deftige Gerichte zu kosten. Die Küche des Landes wird davon geprägt: Speck, Knödel, Schlutzkrapfen und Gerstensuppe gehören dazu.
Wer die Weinstrasse besucht, kann sie mit dem Auto oder dem Fahrrad erkunden. Die Strecke führt durch Dörfer, in denen alte Ansitze und Kirchen zwischen den Reben stehen. Die Region zeigt, dass Südtirol nicht nur aus Bergen besteht: Hier wachsen auch Äpfel, Trauben und Obst in einer mediterran anmutenden Landschaft, die nur wenige Kilometer von Gletschern entfernt liegt.
Zu den bekannten Weinorten zählen Eppan, Kaltern und Tramin. Der Gewürztraminer trägt seinen Namen nach Tramin.
Vinschgau
Der Vinschgau ist der oberste Abschnitt des Etschtals. Er reicht vom Reschenpass auf 1507 Metern bis zur Töll bei Meran auf etwa 500 Metern. Der Bezirk umfasst 1442 Quadratkilometer, rund 35’000 Menschen leben hier. Im Vinschgau liegt auch der Ortler, mit 3905 Metern der höchste Berg Südtirols, und der Nationalpark Stilfserjoch reicht in das Gebiet hinein.
Das Tal ist trockener als andere Teile des Landes. In Schlanders auf 698 Metern fallen im Jahr etwa 572 Millimeter Niederschlag, bei einer Jahresmitteltemperatur von 10,8 Grad. Das ist der Grund, warum es hier die Waale gibt, historische Bewässerungskanäle, an denen heute Wanderwege entlangführen, die Waalwege.
Der Vinschgau ist eine Gegend des Apfelanbaus. Die Obstwiesen prägen den Talboden und färben ihn im Frühjahr mit Blüten. Auch Weinberge gibt es, und an den Hängen liegen kleine Dörfer, Burgen und Klöster. Der Vinschger Radweg verläuft von Mals bis nach Meran und folgt der Etsch mit nur geringem Gefälle.
Berühmt ist der Reschensee mit seinem Kirchturm, der aus dem Wasser ragt. Der Turm gehört zu einem Dorf, das beim Aufstauen des Sees versank. Wer den Vinschgau bereist, erlebt eine Landschaft, die weniger auf Gipfel und mehr auf das Gehen ausgerichtet ist: ein Tal, das man Stück für Stück erschliesst, mit viel Platz und langen Blicken.
Im Vinschgau liegt auch das Kloster Marienberg, eine Benediktinerabtei hoch über dem Tal. Das Tal bildet eine eigene Welt, abseits der grossen Durchgangsrouten wie dem Brenner.