Hügel, Türme, Zypressen.
Die Toskana verbindet Städte der Renaissance mit einer Landschaft, die selbst wie komponiert wirkt. Dazwischen liegen Weinberge, Marmorberge und eine Küste mit Inseln.
Auf einen Blick
Eine Region mit vielen Gesichtern
Die Toskana liegt in Mittelitalien, ihre Hauptstadt ist Florenz, und sie umfasst gut 22’900 Quadratkilometer mit rund 3,5 Millionen Einwohnern. Im Norden erheben sich die Apuanischen Alpen und der nördliche Apennin, südlich des unteren Arnotals folgen Hügel mit den Chianti-Bergen, dazu kommen das Erzgebirge der Region und der vulkanische Monte Amiata. An der Küste liegt im Süden die Maremma, vorgelagert sind Elba und der Toskanische Archipel.
Die Apenninen sind von Wald und Weiden bedeckt, auf den Hügeln wächst Getreide, in den Becken, im Chianti und an der Küste Wein, Oliven und Gemüse. Aus der Erde holt man Eisenerz und Marmor. Der Ruf der Region kommt trotzdem aus einer anderen Richtung: aus den Kunstschätzen und den Stränden.
Etrusker, Stadtrepubliken, Medici
Das Gebiet hiess in der Antike Tuscia oder Etrurien, nach den Etruskern. Nach dem Ende des Weströmischen Reiches gehörte es nacheinander Ostgoten, Byzantinern und Langobarden, dann den Franken, und wurde Markgrafschaft. Als Markgräfin Mathilde 1115 starb, wurden Städte wie Florenz, Siena, Pisa, Lucca und Arezzo selbständig. Im 14. und 15. Jahrhundert stieg Florenz zur beherrschenden Macht auf.
1531 wurde Alessandro de’ Medici erblicher Herzog von Florenz, Cosimo I. vergrösserte das Gebiet, auch um Siena, und wurde 1569 Grossherzog der Toskana. Nach dem Aussterben der Medici übernahm 1737 das Haus Lothringen. 1860 setzte die toskanische Versammlung die Dynastie ab, und eine Volksabstimmung führte zum Anschluss an das Königreich Italien.
Was auf den Tisch kommt
Zur Landschaft gehört der Wein. Chianti und Chianti Classico sind die bekanntesten Namen, daneben stehen Brunello di Montalcino, Vino Nobile di Montepulciano und Morellino di Scansano. Auch die Küche ist bodenständig. Die Bistecca fiorentina ist ein grosses, gegrilltes Rindersteak, das nur mit Olivenöl gewürzt wird. Die Ribollita, ein Eintopf aus Bohnen und Kohl, wird traditionell mit altbackenem Brot zubereitet.
Eine Reise durch die Region lässt sich gut an solchen Spezialitäten entlang planen: Jede Stadt und jedes Hügelland hat ihre eigenen Weine, Käse und Gerichte, und was in Siena auf dem Teller liegt, muss in Lucca nicht dasselbe sein.
Reisezeit und Tempo
Die Hauptreisezeit beginnt im Mai. Im Sommer wird es oft sehr heiss, besonders im Val d’Orcia, im September und Oktober ist das Wetter meist angenehm, abends aber kühl. Im Winter ist es kalt, und viele Natursteinhäuser lassen sich nur schwer heizen.
Die Orte liegen weit auseinander, und viele davon, etwa San Gimignano, Volterra oder Pienza, erreicht man ohne Auto nur mit Mühe. Wer Städte und Landschaft verbinden will, nimmt sich lieber weniger vor und bleibt länger an einem Ort. Die Strecken sind kurz, aber die Strassen in den Hügeln sind kurvig und langsam.
Orte
Zehn Orte, die Städte, Hügelländer und Weinbau der Toskana zeigen.
Dom von Florenz
Der Dom von Florenz, Santa Maria del Fiore, wurde am 9. September 1296 begonnen, nach einem Entwurf von Arnolfo di Cambio. Seine Kuppel ist das, woran man sich erinnert: Filippo Brunelleschi baute sie von 1420 bis 1436 und gewann dafür den Wettbewerb gegen Lorenzo Ghiberti. Papst Eugen IV. weihte die Kathedrale am 25. März 1436.
Die Kuppel besteht aus zwei Schalen aus Backstein und wurde ohne Lehrgerüst gemauert, ohne hölzerne Stützen von unten. Ein Fischgrätmuster im Mauerwerk half den Schichten, zu halten, solange der Mörtel noch abband. Ringe aus Stein und Eisen im Inneren nehmen den Schub auf, der die Kuppel nach aussen drücken würde. Die Laterne auf der Spitze wurde nach Brunelleschis Plänen kurz vor seinem Tod 1446 begonnen und 1461 von Michelozzo vollendet. 1469 setzte Verrocchio die vergoldete Kugel samt Kreuz auf.
Die Kirche misst 153 Meter in der Länge und 90 Meter in der Breite am Querhaus. Kuppel und Laterne erreichen zusammen 114,5 Meter. Die Fassade im neugotischen Stil entwarf Emilio De Fabris, ein Wettbewerb dazu fand 1864 statt, und die Arbeiten waren 1887 abgeschlossen. Das erklärt, warum die Fassade mit ihren farbigen Marmorfeldern jünger wirkt als die Seiten des Baus.
Neben dem Dom steht der Campanile, den Giotto begann und Francesco Talenti vollendete. Zum Ensemble auf der Piazza del Duomo gehört ausserdem das Baptisterium. Die Kuppel überragt die Dächer der Altstadt und ist von vielen Punkten der Stadt aus zu sehen.
Der Wettbewerb um die Kuppel war nötig, weil lange unklar blieb, wie sich die gewaltige Öffnung über dem Chor ohne die damals üblichen Holzgerüste schliessen liess.
Uffizien
Die Uffizien tragen ihren Namen zu Recht: Uffizi bedeutet «Büros». Herzog Cosimo I. de’ Medici liess das Gebäude als Verwaltungs- und Gerichtssitz errichten. Giorgio Vasari entwarf es, gebaut wurde zwischen 1560 und 1580. Vasari und Cosimo starben beide 1574, und die Bauarbeiten führten Alfonso Parigi und Bernardo Buontalenti zu Ende.
Zur Galerie wurden die Räume unter Cosimos Sohn Francesco I., der sie zuerst als Kunstgalerie nutzte, und unter Ferdinando I., der das fortsetzte. 1743 vermächte die Familie Medici die Sammlung dem Staat unter der Bedingung, dass sie nie aus Florenz entfernt werden dürfe. Zugänglich war die Sammlung schon seit dem 16. Jahrhundert, offiziell ein Museum wurde sie erst 1865.
Heute zeigt das Haus gotische und Renaissancemalerei, mit Werken unter anderem von Giotto, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Tizian und Caravaggio. Botticelli ist mit einer der wichtigsten Gruppen vertreten, darunter die «Geburt der Venus». Die Ausstellungsfläche umfasst mehr als 13’000 Quadratmeter.
Die Uffizien gehören zum Welterbe des historischen Zentrums von Florenz und ziehen über zwei Millionen Besucher im Jahr an. Das Haus ist deshalb fast immer voll, Tickets reserviert man vorab. Der lange, U-förmige Hof zwischen den beiden Flügeln öffnet sich zum Arno und ist ein Platz, den man auch ohne Eintritt durchqueren kann. Michelangelos «David» steht dagegen nicht hier, sondern in der Accademia.
Die Bauherren dachten zunächst nicht an Kunst: Behörden und Gerichte der Stadt sollten an einem Ort in der Nähe des Palazzo Vecchio arbeiten. Dass aus den Büros eine der grossen Gemäldesammlungen Europas wurde, hat mit der Sammelleidenschaft der Medici zu tun.
Ponte Vecchio
Die Ponte Vecchio, die «Alte Brücke», überquert den Arno an seiner schmalsten Stelle. Vielleicht bestand hier schon in römischer Zeit eine Brücke, sicher belegt ist sie im Mittelalter als Befestigung. 1333 stürzte sie zum letzten Mal ein. Die Florentiner bauten sie 1345 neu auf, mit drei flachen Bögen, und diese Form steht bis heute. Als Baumeister gelten Taddeo Gaddi oder Neri di Fioravante.
Auf der Brücke standen von Anfang an Läden, die auf Konsolen über dem Fluss hängen. Zwischen 1442 und 1495 übernahmen Lebensmittelhändler die Buden, Metzger, Fischhändler und Gemüsehändler. Geruch und Abfälle wurden zum Problem. 1593 verbot Grossherzog Ferdinando I. den Verkauf roher Lebensmittel und förderte Juweliere und Kunsthändler. Damit begann die Geschichte der Brücke als Schmuckmarkt, die bis heute andauert.
Über den Läden verläuft der Vasari-Korridor. Cosimo I. de’ Medici beauftragte 1565 Giorgio Vasari, einen Gang zu bauen, der den Palazzo Pitti mit dem Palazzo Vecchio verbindet. Er entstand in etwa fünf Monaten und erlaubte es dem Herzog, trocken und unbemerkt über den Fluss zu gelangen.
Im Sommer 1944 sprengten deutsche Truppen auf ihrem Rückzug alle Brücken über den Arno in Florenz, mit Ausnahme der Ponte Vecchio. In dieser Zeit war der Korridor der einzige Weg über den Fluss. Dass die Brücke noch steht, gehört zu den Zufällen, die das Bild der Stadt bewahrt haben. Am besten betrachtet man sie von der Ponte Santa Trinita aus, mit der Abendsonne auf dem Wasser.
Die Geschichte der Brücke ist eine Folge von Einstürzen, Umbauten und Reparaturen. Dass sie 1944 als einzige stehen blieb, ändert nichts daran, dass sie ein Werk vieler Jahrhunderte ist.
Pisa und der Schiefe Turm
Pisa war im Mittelalter ein wichtiger Hafen. Aus dieser Zeit stammt das Ensemble auf der Piazza dei Miracoli: Dom, Schiefer Turm, Baptisterium und der historische Friedhof, die zusammen auf einem grossen Rasen stehen. Der Schiefe Turm ist der Glockenturm des Doms, rund 56 Meter hoch.
Gebaut wurde er ab August 1173, zunächst das Erdgeschoss. Als der Bau 1178 das zweite Geschoss erreichte, begann sich der Turm zu neigen. Der Grund ist der Untergrund: Das Fundament ist nur etwa drei Meter tief und liegt auf Boden, der auf einer Seite zu weich war, um das Gewicht zu tragen. Dann ruhte die Arbeit fast hundert Jahre, wegen der Kriege mit Genua und Lucca, bis sie 1272 wieder aufgenommen wurde. Nach der Schlacht von Meloria 1284 stockte sie erneut. Das siebte Geschoss entstand zwischen 1319 und 1372.
Im 20. Jahrhundert wurde die Neigung zur Gefahr. 1990 betrug sie rund 5,5 Grad, der Turm wurde geschlossen. Ingenieure brachten ab 1993 870 Tonnen Blei als Gegengewicht an und entnahmen unter der erhöhten Seite 38 Kubikmeter Erdreich. Die Neigung ging auf knapp vier Grad zurück. Im Dezember 2001 wurde der Turm wieder geöffnet, und im Mai 2008 galt er erstmals seit seinem Bau als zum Stillstand gekommen.
Wer in Pisa ankommt, geht meist zuerst zum Platz. Der Turm steht dort im Verbund mit dem Dom, und man versteht erst vor Ort, dass er als Teil einer Gesamtanlage gedacht war. Die Altstadt am Arno ist ruhiger als der Platz und lohnt einen Gang durch die Gassen.
Piazza del Campo, Siena
Die Piazza del Campo ist der Hauptplatz von Siena und hat die Form einer Muschel. Acht Linien teilen ihn in neun Felder, ein Hinweis auf die Neun, die Noveschi, die Siena von 1292 bis 1355 regierten. Der Platz war schon vor dem 13. Jahrhundert eine offene Fläche, 1169 wurde er für die Bebauung geordnet, und 1349 war er vollständig gepflastert.
Das Pflaster besteht aus Backstein, in jedem der neun Felder im Fischgrätmuster verlegt und von Travertin eingefasst. Der Platz fällt von Norden nach Süden um etwa fünf Meter ab, am tiefsten Punkt liegt ein steingefasster Abfluss, der Gavinone. Wer sich auf den Boden setzt, sitzt also leicht geneigt.
Am tiefsten Punkt steht der Palazzo Pubblico, das alte Rathaus, mit dem Torre del Mangia. Rundherum stehen Paläste mit einheitlicher Dachlinie. Am nordwestlichen Rand liegt die Fonte Gaia. Der Brunnen wurde 1419 als Endpunkt der städtischen Wasserleitungen errichtet. Die ursprünglichen Reliefs von Jacopo della Quercia sind heute im Ospedale di Santa Maria della Scala ausgestellt, die Statuen am Brunnen sind Ersatz von Tito Sarrocchi aus dem Jahr 1866.
Auf dem Campo, genauer an seinem Rand, findet das Pferderennen Palio di Siena statt. Der Platz ist ausserdem das Ziel des Radrennens Strade Bianche. Siena gehört seit 1995 zum Welterbe der UNESCO. Der Zugang zum Platz führt durch enge Gassen, und das macht seinen Anblick umso stärker: Eben noch Stein und Schatten, dann plötzlich die offene Fläche.
Der Torre del Mangia, der Turm des Palazzo Pubblico, prägt die Silhouette der Stadt und ist von vielen Gassen aus zu sehen.
San Gimignano
San Gimignano liegt im Westen der Toskana, etwa 32 Kilometer nordwestlich von Siena. Der Name geht auf einen Bischof von Modena zurück, der 397 starb. Das Städtchen war eine unabhängige Republik, die von zwei verfeindeten Familien gespalten wurde: den Ardinghelli, die zu den Guelfen gehörten, und den Salvucci, den Ghibellinen. Als das Geld ausging, unterstellte sich die Stadt 1352 Florenz.
Berühmt sind die Geschlechtertürme. Ursprünglich standen hier 72, erhalten sind 14. Die meisten gingen verloren, weil ihre Fundamente nicht trugen. Die Türme waren Zeichen von Macht und Reichtum, jede Familie wollte die höchste sein. Heute geben sie dem Ort eine Silhouette, die schon von weitem erkennbar ist.
Der Palazzo del Popolo, 1288 bis 1323 gebaut, beherbergt ein städtisches Museum und eine Gemäldegalerie. Die Collegiata, die frühere Kathedrale, wurde 1148 geweiht und ist mit Fresken ausgemalt. In der Kirche Sant’Agostino, errichtet zwischen 1280 und 1298, finden sich Fresken von Benozzo Gozzoli.
1990 nahm die UNESCO die Altstadt in die Welterbeliste auf. In der Gemeinde lebten 2011 rund 7700 Menschen, und der Ort ist dennoch ein viel besuchtes Ziel. Der Besuch lohnt am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, wenn die Reisegruppen weg sind. Dann sind die Gassen leer und die Türme zeichnen sich gegen das Abendlicht ab. Der Ort ist auch für seinen Wein bekannt.
Auch die Stadtmauer mit ihren Toren ist erhalten. Wer sie abgeht, sieht, wie dicht der Ort auf seinem Hügel gebaut wurde. Guelfen standen im Mittelalter meist auf der Seite des Papstes, Ghibellinen auf der des Kaisers.
Lucca
Lucca liegt am Fluss Serchio und hatte 2017 rund 89’000 Einwohner. Die Stadt war nach einer Urkunde von 1160 fast 500 Jahre lang eine unabhängige Republik. 1799 und 1800 wurde sie zwischen französischen und österreichischen Heeren umkämpft, die Franzosen setzten sich durch und gaben der Stadt 1801 eine demokratische Verfassung.
Das Erkennungszeichen von Lucca ist die Stadtmauer. Sie umgibt die Altstadt ganz und ist erhalten, heute dient sie als Promenade für Fussgänger und Radfahrer. Auf dem Ring, hoch über den Dächern, lässt sich die Stadt in etwa einer Stunde umrunden.
Die Piazza dell’Anfiteatro folgt dem Grundriss eines römischen Amphitheaters aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Der Platz ist rund, an den Rändern stehen die Häuser dicht, wo einst die Ränge standen. Der Torre Guinigi aus dem 14. Jahrhundert ist 45 Meter hoch und trägt auf dem Dach Eichen.
Im Dom San Martino hängt der Volto Santo, ein hölzernes Kruzifix, das nach der Überlieferung 742 nach Lucca kam. Die Kirche San Michele in Foro, romanisch, steht auf dem Platz des antiken Forums. In Lucca wurde 1858 der Komponist Giacomo Puccini geboren, der 1924 starb. Die Stadt ist ruhiger als Florenz oder Pisa und eignet sich gut für einen Aufenthalt von mehr als einem Tag.
Auf einem Abschnitt der ehemaligen Wehrmauer liegt heute ein botanischer Garten. Mit Pisa lag Lucca zeitweise im Krieg; die Auseinandersetzungen mit Lucca gehörten zu den Gründen, warum der Bau des Schiefen Turms lange ruhte. Die beiden Städte sind nur wenige Kilometer voneinander entfernt und lassen sich an einem Tag verbinden.
Val d’Orcia
Das Val d’Orcia liegt in den Provinzen Siena und Grosseto und reicht von den Hügeln südlich von Siena bis zum Monte Amiata. 2004 nahm die UNESCO es als Kulturlandschaft in die Welterbeliste auf. Das Gebiet umfasst 61’188 Hektar, dazu kommt eine Pufferzone von 5660 Hektar.
Typisch sind weite Hügel mit Zypressen und Gehöften, von Menschen geformt und bewirtschaftet. Die Landschaft wurde schon in der Renaissance gemalt und inspiriert bis heute Fotografen. Filme wie «Achteinhalb» und «Der englische Patient» zeigen sie, und Iris Origo hat in ihrem Tagebuch «War in Val d’Orcia» die Kriegsjahre 1943 und 1944 in der Gegend festgehalten.
Pienza wurde im 15. Jahrhundert unter Papst Pius II. zur «Idealstadt» der Renaissance umgebaut und gilt als Perle der Renaissance, die seit dieser Zeit kaum gewachsen ist. Montalcino ist für den Brunello di Montalcino bekannt, Radicofani für den Räuber Ghino di Tacco. In der Nähe von Montalcino liegt die Abtei Sant’Antimo. Thermalquellen gehören ebenfalls zur Gegend.
Der Streifen entlang des Flusses Orcia liegt zwischen den Anbauzonen von Brunello di Montalcino und Vino Nobile di Montepulciano und liefert Weine auf der Basis von Sangiovese und Trebbiano. Zwischen Asciano und Monte Antico verkehrt ein Dampfzug auf einer Strecke aus dem 19. Jahrhundert. Im Sommer wird es hier sehr heiss, im Frühjahr und im Herbst ist das Licht weicher.
Die UNESCO würdigte das Tal als bewusst gestaltetes Bild einer Kultur, die Aufnahme erfolgte nach den Kriterien iv und vi. Wer es kennenlernen will, tut gut daran, sich Zeit zu nehmen und die Dörfer auf den Hügeln einzeln zu besuchen.
Chianti
Das Chianti Classico liegt zwischen Florenz im Norden und Siena im Süden und umfasst rund 260 Quadratkilometer. Hier steht das Herzstück eines der bekanntesten Weinbaugebiete Italiens. 1716 legte Grossherzog Cosimo III. de’ Medici in einem Edikt die Dörfer fest, in denen Chianti erzeugt werden durfte. Dieses Gebiet gilt als Kern des heutigen Chianti Classico.
Zu den Gemeinden gehören Castellina, Gaiole und Radda, die ursprüngliche Lega del Chianti, dazu Greve, das ganz im Gebiet liegt. Auf dem Flaschenhals tragen Weine aus dem Classico-Gebiet den Schwarzen Hahn, das Zeichen des Konsortiums. Nur Weine aus diesem Teil dürfen ihn führen.
Hauptrebsorte ist Sangiovese. Die Vorgaben zum Anteil schwanken in den Quellen zwischen 75 und 100 Prozent, seit 1996 gelten die Regeln der Region. 2014 führte das Konsortium die Stufe Gran Selezione ein, für die nur Trauben aus dem eigenen Weingut verwendet werden dürfen. Manche Kritiker hielten sie für überflüssig.
Baron Ricasoli förderte Mitte des 19. Jahrhunderts ein Rezept auf Sangiovese-Basis. Die oft zitierte Mischung 70 zu 20 zu 10 lässt sich aus seiner Korrespondenz nicht belegen. Die rundliche Flasche im Strohmantel, der Fiasco, gehört zur Geschichte des Chianti, wird aber nur noch von wenigen Erzeugern verwendet. Die Region eignet sich für Fahrten über Land: Die Strassen schlängeln sich zwischen Weinbergen und Olivenhäinen, und in jedem Ort gibt es Weingüter, die Besucher empfangen.
Geografisch gehört das Chianti zu den Hügeln südlich des unteren Arnotals. Wein und Oliven prägen diese Landschaft, dazwischen liegen Wälder und Dörfer auf den Kuppen.
Volterra
Volterra liegt auf einem hohen Sandsteinplateau im Norden der Toskana. Die Etrusker nannten die Stadt Velathri, die Römer Volaterrae. Besiedelt war der Platz schon spätestens im 10. Jahrhundert v. Chr., und er war leicht zu verteidigen. Fruchtbares Ackerland im Tal der Cecina und reiche Bodenschätze trugen zum Wohlstand bei.
Im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. erweiterten die Bewohner die Befestigung auf eine Länge von 7,28 Kilometern. Ein Tor dieser Mauer ist die Porta all’Arco mit drei Köpfen, die heute stark verwittert sind. Bekannt war Volterra für Bronzefiguren, Urnen aus Alabaster mit Reliefs und Grabsteine.
Im 3. Jahrhundert v. Chr. kam die Stadt unter römische Herrschaft. Sulla plünderte sie 80 v. Chr. nach zwei Jahren Belagerung und siedelte Veteranen an. Aus römischer Zeit stammen ein Theater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und eine Thermenanlage, die in der Nähe des Theaters freigelegt wurde.
Heute prägen tonige Hügel und der Alabaster die Stadt, aus dem noch immer Gegenstände gefertigt werden. Die Altstadt ist dicht, mittelalterlich und windig. Volterra liegt abseits der Hauptrouten zwischen Florenz und Siena und wird daher oft ausgelassen, was sich für Reisende bezahlt macht, die ohnehin ein ruhigeres Ziel suchen.
Die Grabkultur der Etrusker hat in Volterra viele Spuren hinterlassen. Die Urnen aus Alabaster dienten der Bestattung, ihre Reliefs sind bis heute ein typisches Beispiel für das Handwerk der Stadt. Die Mauern gehören zu den eindrücklichsten Zeugnissen aus jener Zeit.