Trauben, die warten.
Nördlich von Verona liegt ein Hügelland, in dem Trauben monatelang trocknen, bevor sie zu Wein werden. Dazwischen stehen romanische Kirchen, Renaissancevillen und Steinbrüche.
Auf einen Blick
Hügel nördlich von Verona
Das Valpolicella ist ein Hügelstreifen in der Provinz Verona, im Westen vom Gardasee begrenzt und im Norden und Osten von den Lessinischen Bergen geschützt. Die Täler verlaufen von Nord nach Süd und fächern sich von Verona aus auf. Bewachsen sind die Hänge mit Reben, dazu kommen Oliven- und Kirschbäume. Das Klima ist kontinental, in den einzelnen Tälern verschieden.
Die Landschaft gliedert sich in Kalkberge, die Hügelzone, in der die meisten Reben stehen, und den Talboden. Das Weinbaugebiet umfasst 19 Gemeinden und drei Zonen: die Classica als Kernbereich mit den Tälern von Fumane, Marano und Negrar sowie Sant’Ambrogio und San Pietro in Cariano, das Valpantena und die erweiterte DOC-Zone.
Wein seit der Antike
Der Wein dieser Gegend ist alt. Vermutlich brachten die Etrusker die Kulturrebe, römische Autoren wie Cato, Vergil und Plinius lobten den rätischen Wein. Unter Theoderich beschrieb Cassiodor einen Wein aus getrockneten Trauben, den Acinatico, der als Vorläufer des Recioto gilt. 1177 taucht der Name Valpolicellae erstmals offiziell auf, 1276 regelten die Statuten der Scaliger Lese und Traubenhandel.
Seit 1405 stand das Gebiet unter venezianischer Herrschaft. Der Name Recioto ist 1888 zum ersten Mal belegt, Amarone 1936. Ein Weinbaugebiet im heutigen Sinn entstand 1968 mit der DOC Valpolicella. In den 1950er-Jahren wurde der Amarone wiederentdeckt: Die ersten trockenen Amarone-Jahrgänge waren die von 1953 bei Bolla und Bertani.
Trocknen statt Pressen
Das Besondere an den Weinen der Region ist das Trocknen der Trauben, der Appassimento. Nach der Lese liegen die ausgewählten Trauben auf Gestellen, den Arele oder Taoloni, die früher für die Zucht von Seidenraupen dienten. Sie verlieren dort in drei bis vier Monaten mehr als ein Drittel ihres Wassers, Zucker und Aromen konzentrieren sich, die Säure bleibt erhalten. Das passt zu einem Gebiet mit kühlem Klima.
Aus diesem Verfahren entstehen die vier Weine der Region: der einfache Valpolicella, der Ripasso, der trockene Amarone della Valpolicella und der süsse Recioto. Wer die Orte besucht, erlebt die Trauben oft in den luftigen Räumen der Weingüter, den Fruttai, deren Fenster im Herbst offen stehen.
Villen, Pieven und Stein
Die Gegend ist nicht nur Weinland. Patrizierfamilien aus Verona bauten hier Villen, was dem Gebiet den Beinamen «Tal der Dichter» eintrug. Romanische Pfarrkirchen, die Pieven, stehen auf Plätzen, die schon in langobardischer Zeit Kultorte waren. Und in den Hügeln wird seit der Römerzeit Stein gebrochen, aus dem auch Veronas Arena gebaut ist.
Das Konsortium der Valpolicella-Weine hat seinen Verwaltungssitz in der Villa Brenzoni Bassani in Sant’Ambrogio di Valpolicella. Die beste Reisezeit ist der Herbst, wenn gelesen wird und die Trauben auf die Gestelle kommen. Verona ist nah, die meisten Orte liegen in 15 bis 25 Autominuten entfernt.
Orte
Neun Orte, die Wein, Kirchen, Villen und Stein des Valpolicella zeigen.
Valpolicella Classica
Die Classica ist der ursprüngliche Kern des Gebiets. Weine, die ausschliesslich aus Trauben dieser Zone stammen, dürfen den Zusatz «Classico» auf dem Etikett führen. Auf die Classica entfallen mehr als 40 Prozent der Produktion. Sie umfasst fünf Gemeinden: Fumane, Marano, Negrar, Sant’Ambrogio di Valpolicella und San Pietro in Cariano.
Die Täler von Fumane, Marano und Negrar laufen von den Lessinischen Bergen nach Süden in die Ebene. Zwischen ihnen liegen Hügelrücken mit Weinbergen, an den Hängen stehen Olivenbäume und Kirschbäume. Wegen dieser Form ist das Gelände kleinteilig: Die Weingüter haben oft nur wenige Hektar, und die Reben stehen auf Terrassen, die von Trockenmauern gehalten werden.
Die gesamte Rebfläche der vier Herkunftsbezeichnungen betrug 2022 rund 8586 Hektar, der Fünfjahresdurchschnitt der Produktion liegt bei 233’000 Hektolitern. Angebaut werden vor allem Corvina, Corvinone und Rondinella, daneben auch Molinara, die seit 2003 nicht mehr zwingend im Verschnitt sein muss.
Wer die Classica kennenlernen will, fährt am besten von Dorf zu Dorf und lässt sich Zeit. Die Orte sind klein, die Strassen schmal, und fast überall führt ein Weg zwischen die Reben. Im Herbst riecht es nach Most, im Frühjahr blühen die Kirschbäume, und im Winter sind die Hügel kahl und die Einzelheiten der Terrassierung besser zu erkennen als im Sommer.
San Pietro in Cariano liegt rund zwölf Kilometer nordwestlich von Verona, Sant’Ambrogio etwa 15 Kilometer. Beide Gemeinden haben um die 12’000 Einwohner. Die Klassifizierung der Zonen und die Kontrolle der Weine liegen beim Konsortium, dessen Sitz in Sant’Ambrogio ist.
Amarone
Der Amarone della Valpolicella entsteht aus getrockneten Trauben. Die Mischung besteht zu 45 bis 95 Prozent aus Corvina, wobei Corvinone bis zur Hälfte davon ersetzen darf, und zu 5 bis 30 Prozent aus Rondinella. Die Trauben werden nach der Lese mehrere Monate getrocknet und dürfen nicht vor dem 1. Dezember verarbeitet werden, die Region kann auf Antrag frühere Termine erlauben. Durch das Trocknen müssen sie mindestens 14 Prozent natürlichen Alkohol erreichen. Aus der getrockneten Masse darf nur weniger als 40 Prozent Wein gewonnen werden.
Das Ergebnis ist ein kräftiger, dichter Rotwein mit meist 15 bis 16 Prozent Alkohol. Der Amarone muss mindestens zwei Jahre reifen, gerechnet ab dem 1. Januar nach der Lese. Die Riserva braucht vier Jahre, gerechnet ab dem 1. November des Erntejahres. Der Restzucker ist auf 12 Gramm pro Liter bei 14 Prozent Alkohol begrenzt.
Der Wein hat eine kurze Geschichte als eigene Marke, aber eine lange Vorgeschichte. Der Name Amarone ist seit 1936 belegt, die ersten trockenen Jahrgänge, die man heute so bezeichnen würde, waren 1953 die von Bolla und Bertani. Zuvor galt der süsse Recioto als der eigentliche Wein der Gegend. Der Recioto gilt als Vorfahre des Amarone.
Zur Qualität gehört die Auswahl der Trauben für das Trocknen. Höchstens 65 Prozent des erlaubten Ertrags dürfen dafür vorgesehen werden. Der Amarone erhielt Ende 2009 oder Anfang 2010 den Status DOCG, die Quellen nennen beide Jahre. Zu Wild, langsam geschmortem Fleisch und reifem Käse passt er besser als zu leichten Gerichten.
Ripasso
Der Ripasso ist der Wein dazwischen. Er entsteht, indem ein fertiger Valpolicella, meist ein Superiore, auf die Hefe und die Schalen gegeben wird, die nach der Gärung des Amarone oder des Recioto übrig bleiben. Das Wort bedeutet so viel wie «noch einmal darübergehen». In der zweiten Gärung, die mindestens drei Tage dauert, nimmt der Wein Farbe, Tannin, Alkohol und Aromen aus dem Rückstand auf. Eine zweite zulässige Methode arbeitet mit teilgetrockneten Trauben.
Das Ergebnis hat mehr Struktur, mehr Alkohol und weniger Säure als ein einfacher Valpolicella. Vorgeschrieben sind mindestens 12,5 Prozent Alkohol beim Rosso und 13 Prozent beim Superiore, dazu ein Restzucker von höchstens etwa einem Prozent. Der Wein reift mindestens ein Jahr und kommt frühestens am 1. Januar des zweiten Jahres nach der Ernte auf den Markt.
Die Rebsorten entsprechen denen des Amarone: 45 bis 95 Prozent Corvina und Corvinone, 5 bis 30 Prozent Rondinella, bis zu 25 Prozent andere zugelassene rote Sorten. Als eigene Herkunftsbezeichnung besteht der Ripasso seit Ende 2009 oder 2010, die Quellen nennen beide Jahre. Zuvor war er nur ein Zusatz auf dem Etikett.
Viele Winzer sehen im Ripasso das, was man den kleinen Bruder des Amarone nennt. Das passt, weil er aus demselben Material und ähnlichen Vorgängen entsteht, aber ohne die lange Trocknung auskommt. Er ist leichter zu trinken und passt zu Pasta mit Fleischsauce, Gegrilltem und gereiftem Käse. Wer Winzer besucht, bekommt ihn oft als ersten Wein nach dem Basiswein serviert.
Recioto
Der Recioto della Valpolicella ist der älteste Wein der Gegend und der Vorfahre des Amarone. Wie dieser entsteht er aus getrockneten Trauben, die im Fruttaio liegen, bis sie mindestens die Hälfte ihres Gewichts verloren haben. Dann ist die Zuckerkonzentration hoch genug für die Vergärung. Man stoppt die Gärung absichtlich, damit der Wein süss und strukturiert bleibt. Es ist der einzige Süsswein der Region.
Die Säure verhindert, dass er zu schwer schmeckt. Der Wein ist tief rubinrot und wird mit dem Alter granatfarben. Zu den Aromen gehören Balsamisches, Maraschinokirsche und getrocknete Früchte, am Gaumen ist er süss, weich und samtig, mit Anklängen von Vanille und Röstaromen. Serviert wird er bei 14 bis 16 Grad, zu Desserts, Schokolade und Käse.
Der Name soll vom lokalen Wort für die «Ohren» einer Traubendolde stammen, also die äusseren, am meisten besonnten Beeren, die am reifsten sind. Dokumentiert ist der Name Recioto erstmals 1888. Weit älter ist die Tradition, aus getrockneten Trauben Süsswein zu machen: Im 6. Jahrhundert beschrieb Cassiodor den Acinatico, den man als Vorgänger ansieht, am Hof des Gotenkönigs Theoderich.
Der Recioto erhielt Ende 2009 oder 2010 den Status DOCG, die Quellen nennen beide Jahre. Als Wein bleibt er seltener als der Amarone und wird in kleineren Mengen erzeugt. Wer in der Region unterwegs ist, kann ihn in den Weingütern probieren, meist zum Abschluss einer Verkostung. Er erinnert daran, dass am Anfang der Geschichte dieser Weine das Verlangen nach Süsse stand, nicht nach Kraft.
Pieve di San Floriano
Die Pieve di San Floriano steht in San Pietro in Cariano, einem Ort mit knapp 13’000 Einwohnern, zwölf Kilometer nordwestlich von Verona. Die Kirche ist ein romanischer Bau des 11. und 12. Jahrhunderts. Sie wurde auf den Resten eines antiken römischen Friedhofs errichtet, und Quellen erwähnen an derselben Stelle schon im Jahr 905 eine langobardische Pieve.
Die Fassade besteht ganz aus Tuff und ist fast unverändert erhalten. Die zentrale Rosette und die beiden seitlichen Fenster kamen später dazu. Im Innern gliedern abwechselnd Pfeiler und Säulen drei Schiffe. Wahrscheinlich endete die Kirche ursprünglich in drei Apsiden, wie andere romanische Kirchen Veronas, etwa San Zeno. Der Glockenturm steht an der Nordseite, sein Sockel besteht aus hellem Stein, im oberen Teil wechseln Reihen aus Tuff und Backstein.
Spätere Restaurierungen, vor allem im 15. und 18. Jahrhundert, betrafen vor allem den Innenraum und nahmen ihm viel von seinem romanischen Charakter. Zu den Ausstattungsstücken zählen eine hölzerne Madonna, die ihr Kind anbetet, ein Gemälde der Rosenkranzmadonna und ein Taufbecken aus einem einzigen Block roten Marmors.
Pieven waren Pfarrkirchen, die zentrale Orte für mehrere Dörfer bildeten. Diese hier stand am Rand der Weinberge und zeigt, wie lange das Gebiet schon besiedelt ist. Der Eintritt ist frei, die Öffnungszeiten sollte man vorab klären. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die umliegenden Reben verbinden.
San Pietro in Cariano besteht aus mehreren Ortsteilen, darunter Bure, Castelrotto, Corrubbio, Pedemonte und San Floriano. Zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde zählt ausserdem die Villa Serego, die Andrea Palladio entworfen hat.
Pieve di San Giorgio
San Giorgio ist ein Ortsteil von Sant’Ambrogio di Valpolicella und gehört zu den «schönsten Dörfern Italiens». Die Pieve di San Giorgio steht auf einem Platz, der wahrscheinlich schon vorher kultisch genutzt wurde, möglicherweise sogar vor der Römerzeit. Die Basis ihrer Säulen besteht aus wiederverwendeten römischen Altären.
Der Kern ist langobardisch. Die meisten Quellen datieren die erste Kirche ins 8. Jahrhundert, manche Historiker ins 7. Ein Ziborium trägt Inschriften aus der Zeit König Liutprands (712 bis 744) und nennt als Baumeister Meister Orso und seine Schüler. Die Kirche wurde im 11. oder 12. Jahrhundert grösstenteils romanisch neu gebaut. Die erste Urkunde, die sie als christliches Gebäude belegt, ist eine päpstliche Bulle Eugens III. von 1145. Möglicherweise wurde sie zuvor nach dem Erdbeben von 1117 wiederhergestellt.
Die Kirche hat drei Schiffe von gleicher Höhe und im Osten drei Apsiden. Der Glockenturm stammt etwa aus derselben Zeit wie der Bau. Der Kreuzgang aus dem frühen 12. Jahrhundert besitzt Säulengänge mit geschnitzten Kapitellen und einen Brunnen in der Mitte. In der Apsis sind Fresken des 11. Jahrhunderts erhalten, darunter ein Christus als Weltenrichter, später kamen ein Abendmahl aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und weitere Malereien dazu.
Zwischen 15. und 16. Jahrhundert wurde ein gotisches Portal geöffnet, 1923 und 1924 ging es an eine Restaurierung, bei der auch das Ziborium rekonstruiert wurde. Der Weiler ist klein und still, und die Pieve ist das, was man dort sieht: ein Platz mit einer sehr alten Kirche. Wer bleibt, merkt, wie viele Zeitschichten sich hier überlagern.
Villa della Torre
Die Villa della Torre liegt nördlich von Fumane, knapp ausserhalb des Ortes an der Strasse nach Mazzurega. Sie wurde um 1558 begonnen und gegen 1560 vollendet. Bauherr war Giulio della Torre, ein Sammler antiker Stücke und Schriftsteller. Er errichtete sie auf einem älteren Gebäude des 14. oder 15. Jahrhunderts. Im Dorf heisst sie «el palasso», der Palast.
Wer den Bau entworfen hat, ist ungeklärt. Früher wurde er Giulio Romano zugeschrieben, später Michele Sanmicheli, der sicher die achteckige Kapelle neben der Villa entwarf. Der Grundriss ist ungewöhnlich für seine Zeit: ein geschlossenes Schema, das an römische Domus-Häuser erinnert, mit drei Höfen, die auf verschiedenen Ebenen liegen, und einer geschwungenen Treppe, die vom ersten Hof zum Säulenhof führt.
Berühmt sind vier Kamine mit allegorischen Stuckfiguren, die dem Dekorateur Giovanni Battista Scultori zugeschrieben werden. Sie zeigen Satan, einen brüllenden Löwen, ein Einhorn als Sinnbild Christi und eine Gestalt, die zum Himmel blickt. Das Haus soll eine Reise von der Unterwelt hinauf ins Paradies spiegeln, in einer Mischung aus Humanismus und biblischen Bildern. Im Garten gibt es einen Fischteich mit einer kleinen Steinbrücke und eine Tuffgrotte, die mit einer Dämonenmaske geschmückt ist.
Die Familie della Torre besass das Anwesen bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach Jahren des Verfalls kaufte es 1952 Girolamo Cazzola, 2008 ging es an die Familie Allegrini über, die in der Gegend Wein macht. Die Villa ist nur nach Voranmeldung zugänglich.
Heute gehört die Villa zur Gruppe von Marilisa Allegrini und ist mit dem Palazzo Te in Mantua verbunden, in dem Giulio Romano wirkte: Drei Weine tragen Etiketten mit Fresken aus dem Palazzo Te, und ein Bistro dort wird gemeinsam betrieben.
Giardino di Pojega
Der Garten von Pojega liegt in Negrar di Valpolicella und gehört zum Besitz der Grafen Rizzardi, die das Anwesen seit 1649 halten. 1783 beauftragte Graf Antonio Rizzardi den Architekten Luigi Trezza mit der Anlage. Der Garten umfasst rund 54’000 Quadratmeter, also etwa 5,4 Hektar, und verteilt sich auf drei Ebenen.
Er gilt als eines der letzten Beispiele eines formalen italienischen Gartens. Zu seinen Elementen gehören ein grünes Theater, Tempel und verschlungene Wege zwischen Hainbuchen, Buchs und Zypressen. Die Zypressenallee, der Viale dei Cipressi, verbindet den formalen Teil mit dem Theater. Ein Rundtempel mit grüner Kuppel ist innen mit Tropfsteinen, Steinen und Schwämmen verkleidet, eine klassizistische Antwort auf die künstlichen Grotten des 16. Jahrhunderts.
Das Wohnhaus, die Villa Rizzardi, entstand erst später: 1868 bis 1870 baute Filippo Messedaglia sie in einem eklektischen Stil. Von einem Aussichtspunkt, dem Belvedere, öffnet sich der Blick über die Weinberge des Valpolicella. Zum Besitz gehört auch ein Weingut, bei dem Besucher den Garten mit einer Weinprobe verbinden können.
Wegen der Anordnung auf drei Ebenen lässt sich der Garten wie ein Stück Architektur lesen, mit Sichtachsen, Treppen und ausgewählten Blickpunkten. Die Öffnungszeiten richten sich nach der Saison und werden vom Garten selbst bekannt gegeben. Ein Besuch zeigt eine andere Seite des Valpolicella: nicht die der Weinberge, sondern die der Gärten, die sich Familien als Zeichen von Wohlstand und Bildung anlegten.
Die Anlage entstand im späten 18. Jahrhundert, in einer Zeit, in der anderswo der formale Gartenstil schon zugunsten englischer Landschaftsgärten aufgegeben wurde. Gerade darum gilt Pojega heute als Seltenheit.
Stein aus dem Valpolicella
Nicht nur der Wein macht das Valpolicella bekannt. In den Hügeln um Sant’Ambrogio wird seit Jahrhunderten Stein gebrochen. Die Verarbeitung begann schon in vorgeschichtlicher Zeit, einen grossen Aufschwung brachte die römische Epoche. Veronas Arena wurde zu einem grossen Teil aus rotem Ammonitenkalk errichtet, der aus den Brüchen von San Giorgio und Prun stammt, und auch der Gavi-Bogen besteht aus diesem Gestein.
Der bekannteste Stein ist der Rosso Verona, auch Rosso Ammonitico Veronese genannt. Er wird hauptsächlich am Monte Pastello und in den Hügeln zwischen Sant’Ambrogio und Monte gebrochen. Seine Farbe reicht von tiefem Rot bis zu hellem Rosa, und er enthält viele Ammoniten, versteinerte Gehäuse von Meerestieren. Daneben steht die Pietra di Prun, auch Scaglia Rossa Veneta genannt, ein Kalkstein in Rosa-, Haselnuss- und Weisstönen. Er spaltet sich natürlich in Platten, die durch Ton getrennt sind, und diente deshalb lange als Dachplatte für Häuser in den Bergen nördlich von Verona.
Dazu kommt der Biancone, ein milchweisser, manchmal beiger Stein. Zusammen mit dem roten Gestein wird er für Kontrast genutzt, etwa im Boden von San Zeno in Verona. Auch bei den Grabmälern der Scaliger und in Bauten des Mittelalters und der Renaissance findet sich Veroneser Stein.
Noch heute arbeiten Hunderte von Firmen in Sant’Ambrogio di Valpolicella, Affi und Cavaion mit einheimischem und eingeführtem Stein. Die Marmomac, die weltweit führende Messe der Branche, findet jeden Herbst in Verona statt. Wer durch das Gebiet fährt, sieht die Brüche an den Hängen und die Steinmetzbetriebe an den Ortsrändern. Der Stein des Valpolicella steht auch in Hotels und Luxusbauten weltweit.