Gebaut auf Holz und Wasser.
Venedig steht auf Inseln in einer Lagune, ohne Strassen und mit mehr Brücken, als man zählen mag. Aus einer Zuflucht wurde eine Republik, die über tausend Jahre bestand.
Auf einen Blick
Eine Stadt im Wasser
Venedig liegt in einer flachen Lagune von etwa 550 Quadratkilometern, die durch lange Sandbänke, die Lidi, vom Golf von Venedig getrennt ist. Die Altstadt steht auf rund 118 Inseln, durchzogen von Kanälen, über die gut 400 Brücken führen. Wie viele es genau sind, hängt davon ab, wie man zählt: Je nach Quelle schwanken die Angaben für Inseln, Kanäle und Brücken.
Gebaut wurde auf Holz. Die Baumeister schlugen Erlenstämme in den Schlamm, bis sie eine festere Tonschicht erreichten, und legten darauf Platten aus istrischem Kalkstein. Auf diesem Fundament stehen Paläste, Kirchen und Wohnhäuser. Als Gründungstag der Stadt gilt der Überlieferung nach der 25. März 421, an dem die erste Kirche auf der Insel Rialto geweiht worden sein soll.
Eine Republik auf Inseln
Als im 6. Jahrhundert die Langobarden vorrückten, zog sich ein Teil der Bevölkerung des Festlandes auf die Inseln der Lagune zurück. Aus diesen Siedlungen entstand ein Stadtstaat, der von Dogen geführt wurde, gewählt auf Lebenszeit. Die Republik Venedig bestand von 697 bis 1797. Nach 829, als die Gebeine des heiligen Markus nach Venedig kamen, nannte man sie auch die Republik des heiligen Markus.
Das Rückgrat der Macht bildete die Flotte, gebaut im Arsenal, das manche Historiker als erste Fabrik der Geschichte bezeichnen. 1797 setzten französische Truppen unter Napoleon der Republik ein Ende. Was sie hinterliess, ist heute noch zu sehen: ein Stadtbild, in dem Staat, Handel und Glaube eng nebeneinander gebaut wurden.
Wasser, Hochwasser, Besucher
Venedig ist von dem Element bedroht, das es geformt hat. Der Boden sinkt, das Meer steigt, und bei Acqua alta steht das Wasser in den Gassen. 1966 erreichte die Flut 1,94 Meter, am 13. November 2019 waren es 1,87 Meter, und mehr als vier Fünftel der Stadt standen unter Wasser. Seit 2003 wurde an einer Hochwassersperre gebaut, dem MOSE-System mit 78 beweglichen Schotten an den drei Lagunenzugängen. Zum ersten Mal in Betrieb war sie am 3. Oktober 2020.
Dazu kommt der Andrang. Die Altstadt hat nur noch rund 50’000 Einwohner, und seit dem 25. April 2024 erhebt die Stadt an Spitzentagen eine Zugangsgebühr von fünf Euro von Tagesgästen.
Wie man Venedig begeht
Venedig ist eine Stadt zum Gehen. Die wichtigsten Wege führen vom Bahnhof Santa Lucia entlang des Canal Grande zum Markusplatz, und wer von der Hauptroute abbiegt, ist schnell allein in engen Gassen. Zum Hauptschiff der Stadt gehören die Wasserbusse, die Vaporetti, mit denen sich der Canal Grande, der Lido und die Inseln der Lagune erreichen lassen. Nach Burano fährt man ab San Marco rund 45 Minuten.
Die Lagune ist Teil der Reise. Murano, Burano und Torcello lassen sich in einem Tag verbinden und zeigen eine ruhigere, flachere Seite des Wassers. Wer die grossen Plätze möglichst leer sehen will, kommt früh am Morgen. Autos gibt es in der Altstadt nicht.
Orte
Neun Orte in der Stadt und der Lagune, vom Markusdom bis nach Torcello.
Markusdom
Die Basilika San Marco ist der Kern des venezianischen Selbstverständnisses. Nach den Chroniken holten zwei venezianische Kaufleute 828 oder 829 den Leichnam des Evangelisten Markus aus Alexandria in die Lagune. Spätestens 836 war eine erste Kirche fertig, in die die Gebeine überführt wurden. Ein Brand bei einem Aufstand gegen Doge Pietro IV. Candiano beschädigte sie 976, sie wurde binnen zwei Jahren auf Kosten der Familie Orseolo wiederhergestellt.
Der heutige Bau wurde wohl 1063 unter Doge Domenico Contarini begonnen und am 8. Oktober 1094 geweiht. Die Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriss mit fünf Kuppeln und folgt in ihrer Anlage der Apostelkirche in Konstantinopel, angepasst an den Ort und an die Zeremonien des Staates. Bis 1797 war sie die Kapelle des Dogen, ein Staatsheiligtum, und erst 1807 wurde sie Kathedrale des Patriarchen von Venedig, als Nachfolgerin von San Pietro di Castello.
Im Innern erscheint der Raum durch die Mosaiken golden. Der Boden ist überwiegend in Opus sectile gelegt, mit geometrischen Mustern und Tierfiguren, und stammt aus dem späten 11. oder der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Hinter dem Hochaltar steht die Pala d’Oro, ein byzantinischer Emailaltar auf vergoldetem Silber, der 1102 in Konstantinopel bestellt und 1105 aufgestellt wurde.
An der Fassade stehen über dem Hauptportal vier vergoldete Bronzepferde. Es sind Kopien. Die Originale stammen aus Konstantinopel, wurden nach dem Vierten Kreuzzug nach Venedig gebracht und in der Mitte des 13. Jahrhunderts an der Fassade aufgestellt. Seit 1974 werden sie im Innern aufbewahrt. Neben der Basilika erhebt sich der Campanile, 99 Meter hoch, 1912 wiederaufgebaut, nachdem der alte Turm eingestürzt war.
Dogenpalast und Seufzerbrücke
Im Jahr 810 verlegte Doge Agnello Participazio den Regierungssitz in das Gebiet von Rialto, und es wurde ein Palast geplant. Von diesem ersten Gebäude ist nichts erhalten, ein Brand im 10. Jahrhundert zerstörte es teilweise. Der gotische Neubau begann um 1340 auf der Lagunenseite. 1424 liess Doge Francesco Foscari den Flügel zur Piazzetta anfügen, und zwischen 1438 und 1442 schufen Giovanni und Bartolomeo Bon die Porta della Carta, den zeremoniellen Eingang.
In den Hof führt die Treppe der Riesen, die seit 1567 von Sansovinos Statuen von Mars und Neptun bewacht wird, sinnbildlich für die Macht der Republik zu Land und zu Wasser. 1577 zerstörte ein Feuer den Saal des Grossen Rates und den Saal des Scrutinio, mit Werken von Tizian und Bellini. Beide Räume wurden im gotischen Stil neu aufgebaut. Der Saal des Grossen Rates misst 53 mal 25 Meter. Dort hängt Tintorettos «Paradies», gemalt zwischen 1588 und 1592 und nach der Beschreibung vieler Quellen das grösste Ölgemälde der Welt.
Die Seufzerbrücke verbindet den Palast mit den Neuen Gefängnissen. Gebaut wurde sie zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Wer vom Verhör ins Gefängnis geführt wurde, ging über sie hinüber. Im Palast selbst lagen früher die Pozzi, die «Brunnen», Zellen im Erdgeschoss, und unter dem Dach die Piombi, die Bleikammern, errichtet 1591. Zu den bekanntesten Häftlingen zählt Giacomo Casanova.
Seit 1923 ist der Palast ein Museum, seit 2008 verwaltet ihn die Stiftung der städtischen Museen Venedigs. Zwischen Fassade, Hof und den Sälen ist er der beste Ort, um zu verstehen, wie diese Republik sich selbst darstellte.
Canal Grande
Der Canal Grande ist die Hauptstrasse Venedigs. Er verläuft in einem grossen umgekehrten S rund 3,8 Kilometer von der Lagune beim Bahnhof Santa Lucia bis zum Markusbecken. Seine Breite schwankt zwischen etwa 30 und 90 Metern, die durchschnittliche Tiefe liegt bei etwa fünf Metern. Mehr als 170 Gebäude säumen seine Ufer, die meisten aus dem 13. bis 18. Jahrhundert.
Lange führte nur die Rialtobrücke über den Kanal. Erst im 19. Jahrhundert kamen weitere Übergänge dazu: Heute gibt es den Ponte degli Scalzi, den Ponte dell’Accademia und, seit 2008, den Ponte della Costituzione, entworfen von Santiago Calatrava. Wer die andere Seite erreichen will, nimmt sonst eines der Traghetti, Gondelfähren, bei denen die Passagiere stehend übersetzen. Der Dienst ist seltener geworden als früher.
Entlang des Wassers lässt sich Baugeschichte ablesen. Die Ca’ d’Oro aus dem 15. Jahrhundert zeigt noch ihr ursprüngliches Aussehen, die Ca’ Rezzonico begann Baldassare Longhena und vollendete später Giorgio Massari, und im Palazzo Venier dei Leoni befindet sich die Sammlung Peggy Guggenheim. Die Paläste wenden ihre Hauptfassaden dem Wasser zu, denn über den Kanal kamen Gäste und Waren.
Am ersten Sonntag im September findet auf dem Kanal die Regata Storica statt, ein Wettrudern historischer venezianischer Boote, das Tausende am Ufer verfolgen. Die Fahrt auf dem Wasserbus entlang der ganzen Strecke gehört zu den einfachsten Arten, Venedig kennenzulernen: Alles, was die Stadt ausmacht, zieht langsam am Fenster vorbei.
Am Ausgang des Kanals ins Markusbecken liegt die Kirche Santa Maria della Salute, deren Bau 1631 begann. Gotische Fenster, Renaissancefassaden und barocke Paläste stehen an diesen Ufern Wand an Wand, weil an derselben Stelle über Jahrhunderte weitergebaut wurde.
Rialtobrücke
Rialto ist der älteste Teil des Stadtkerns und lange das wirtschaftliche Zentrum der Republik. Nach der Überlieferung wurde hier um 421 die erste Kirche der Stadt geweiht, und 810 zog der Regierungssitz hierher. Die Brücke über den Canal Grande war lange die einzige Verbindung der beiden Ufer.
Die erste Brücke entstand 1181 als einfache Holzkonstruktion. 1255 folgte ein stabilerer Holzbau. Er stürzte zweimal ein und brannte 1310 teilweise nieder. Im 16. Jahrhundert wurde der Ersatz in Stein beschlossen. Es gab einen Wettbewerb, an dem sich bedeutende Architekten beteiligten, und den Zuschlag erhielt Antonio da Ponte. Seine Brücke entstand zwischen 1588 und 1591. Der Hauptbogen überspannt 28 Meter, Baustoff ist istrischer Stein.
Auf der Brücke selbst drängen sich Läden. Schon im 16. und 17. Jahrhundert säumten Geschäfte und Marktstände die Treppen, und auch heute sind die mittleren Stufen von Läden gesäumt. Die Brücke ist daher immer voll: ein Durchgang, ein Aussichtspunkt, ein Markt.
Besser als auf der Brücke selbst sieht man ihre Form vom Wasser oder vom Ufer aus. Von dort erkennt man den flachen Bogen, der Schiffe passieren lässt, und die zwei Reihen Läden, die ihn säumen. In der Umgebung liegt das alte Marktviertel von Rialto, in dem seit Jahrhunderten Fisch, Obst und Gemüse verkauft werden. Wer früh morgens kommt, findet dort das Venedig der Händler, nicht das der Besucher.
Bis ins 19. Jahrhundert blieb die Brücke die einzige feste Verbindung zwischen den Ufern des Canal Grande. Die Entscheidung für Stein statt Holz erwies sich als dauerhaft: Das Bauwerk steht seit mehr als 430 Jahren.
Santa Maria della Salute
Die Kirche Santa Maria della Salute geht auf ein Gelübde zurück. Nach der verheerenden Pest von 1630 beschloss der Senat am 22. Oktober des Jahres, der Jungfrau Maria eine Kirche zu bauen. Den Auftrag erhielt Baldassare Longhena, der sie im Stil des Barock entwarf. Der Bau begann 1631 und war in den 1680er-Jahren vollendet, die Angaben zur Weihe schwanken zwischen 1681 und 1687.
Die Kirche hat einen achteckigen Grundriss mit zwei Kuppeln und, im hinteren Teil, zwei Glockentürmen. Acht Kapellen strahlen vom Hauptraum aus. Im Boden steckt, wie in ganz Venedig, ein Wald aus Holzpfählen: Die Rede ist von rund einer Million.
Im Innern hängt auf dem dritten Altar links Tizians «Herabkunft des Heiligen Geistes». Auch die grosse Sakristei enthält Werke Tizians, dazu Tintorettos «Hochzeit zu Kana» von 1561. Auf den Altären rechts vom Eingang stehen drei Marienszenen von Luca Giordano.
Der Dank an Maria wird jedes Jahr erneuert. Am 21. November findet das Fest der Madonna della Salute statt: Die Behörden ziehen vom Markusplatz zur Kirche, und über den Canal Grande wird dafür eine Pontonbrücke gespannt. Die Salute steht an der Mündung des Kanals ins Markusbecken und gehört zu den Gebäuden, die man vom Wasser aus am besten erkennt: eine grosse Kuppel, davor eine breite Treppe zum Wasser.
Die Pest von 1630 gilt als eine der schwersten Epidemien, die Venedig erlebte. Entsprechend aufwendig wurde das Gelübde eingelöst: Für das Fundament und den Bau wurden grosse Mengen Holz und Stein gebraucht, und die Kuppel prägt bis heute die Silhouette am Eingang des Canal Grande.
Ghetto
Am 29. März 1516 beschlossen Doge Leonardo Loredan und der Senat, dass Juden im Ghetto Nuovo wohnen mussten. Venedig führte damit die abgeschlossene jüdische Wohnzone ein, deren Name später zum Begriff wurde. Woher das Wort «Ghetto» kommt, ist nicht geklärt: Diskutiert werden Giessereien, das italienische Wort für «werfen» und das hebräische «get». Alle Erklärungen gelten als spekulativ.
Zwischen 1541 und 1633 wurden das Ghetto Vecchio und das Ghetto Nuovo erweitert, um eine wachsende jüdische Bevölkerung aufzunehmen. Die Tore wurden nachts verschlossen, die beiden Brücken zum Rest der Stadt öffneten sich nur tagsüber, und die Bewohner bezahlten die Bewachung selbst.
Im Ghetto entstanden fünf Synagogen, die Scole, für unterschiedliche Gemeinschaften. Zwei davon sind noch heute Orte regelmässiger Gottesdienste, die anderen drei können im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Die Gemeinde unterhält ein Museum und eine Bibliothek.
Die Republik wurde am 12. Mai 1797 aufgelöst, die Trennung des Ghettos vom Rest der Stadt endete am 11. Juli 1797, nachdem französische Truppen unter Napoleon Venedig besetzt hatten. Die jüdische Gemeinde Venedigs zählt heute etwa 450 Mitglieder. Wegen der hohen Kosten leben nur wenige von ihnen im Ghetto, viele kommen aber zu Gottesdiensten und Veranstaltungen. Das Viertel gehört zu den ruhigeren Gegenden der Stadt und lässt sich gut zu Fuss entdecken.
Das Viertel liegt im Norden der Stadt im Sestiere Cannaregio. Es besteht im Kern aus dem grossen Campo del Ghetto Nuovo und den Gassen darum. Wer es besucht, sieht einen Ort, der nicht auf Schaubilder angelegt ist, sondern eine Gemeinde, die ihn bis heute nutzt.
Murano
Murano besteht aus sieben Inseln, die durch Brücken über acht Kanäle verbunden sind. Es liegt etwa 1,5 Kilometer nördlich von Venedig und hatte 2004 knapp über 5000 Einwohner. Berühmt ist die Insel für ihr Glas. 1291 ordnete die Republik an, dass die Glasmacher ihre Öfen aus Venedig nach Murano verlegen mussten, vor allem, um die Holzstadt vor Feuer zu schützen.
Aus dieser Auflage entstand ein Monopol auf hochwertiges Glas. Die Glasmacher entwickelten oder verfeinerten Techniken wie Millefiori, Lattimo, ein milchiges Glas, und Aventurin und stellten Perlen, Spiegel und Kronleuchter her. Die Republik hütete ihre Geheimnisse und gewährte den Meistern Vorrechte, verbot ihnen aber, die Republik zu verlassen. Dennoch wanderten viele aus und gründeten anderswo Werkstätten, sodass sich die Techniken im späten 16. Jahrhundert in Europa verbreiteten.
Das Glasmuseum, das Museo del Vetro, ist im Palazzo Giustinian untergebracht und zeigt die Geschichte des Glases von den Ägyptern bis zur Gegenwart. Die Kirche Santa Maria e San Donato ist für ihren byzantinischen Mosaikboden aus dem 12. Jahrhundert bekannt.
Noch immer bestehen auf der Insel rund 260 Betriebe mit etwa 1100 Beschäftigten (Stand 2016). Wer ein Stück kauft, sollte auf Herkunftsangaben achten, denn nicht alles, was als Muranoglas verkauft wird, stammt von der Insel. Im Gegensatz zum Gedränge in Venedig ist Murano an den Seitenkanälen ruhig.
Die Verlegung von 1291 verringerte nicht nur das Brandrisiko, sie erleichterte der Republik auch die Kontrolle über das Wissen der Glasmacher. Mit dem Wasserbus ist Murano von Venedig aus in kurzer Zeit zu erreichen.
Burano
Burano liegt im nördlichen Teil der Lagune, in der Nähe von Torcello, rund sieben Kilometer von Venedig entfernt. Etwa 2800 Menschen leben auf der Insel. Eine Brücke verbindet sie mit der Nachbarinsel Mazzorbo, und mit dem Wasserbus braucht man ab dem Markusplatz rund 45 Minuten.
Bekannt ist Burano für Spitze. Im 16. Jahrhundert begannen die Frauen der Insel zu klöppeln, nachdem Kaufleute Nadeln aus dem venezianisch beherrschten Zypern mitgebracht hatten. Im 18. Jahrhundert ging das Handwerk zurück. 1872 eröffnete eine Spitzenschule, die es wieder belebte. Das Museum für Spitze befindet sich an der Piazza Baldassare Galuppi, dem Hauptplatz der Insel.
Die Häuser sind farbig gestrichen. Wer ein Haus neu streichen will, muss bei der Behörde eine Erlaubnis einholen, die festlegt, welche Farben für das Grundstück zulässig sind. Die Häuser stehen an schmalen Kanälen, darunter Rio della Giudecca, Rio di Terranova und Rio del Pontinello.
Die Kirche San Martino besitzt einen schiefen Glockenturm und ein Gemälde, Giambattista Tiepolos «Kreuzigung» von 1727. Der Turm fällt vom Wasser aus schon von weitem auf.
Burano wirkt klein und überschaubar. Wer ruhig gehen mag, braucht keine Route: Ein Rundgang entlang der Kanäle, über den Hauptplatz und zurück zur Anlegestelle dauert nicht lange. Am besten besucht man die Insel früh oder spät am Tag, wenn die Tagesgäste fehlen.
Die Nadeln für die Spitze kamen aus Zypern, das damals zur Republik gehörte, der Handel hing also eng mit Venedigs Netz zusammen. Oft wird erzählt, die Farben hätten Fischern geholfen, ihr Haus im Nebel zu erkennen. Belegt ist das nicht.
Torcello
Torcello ist heute fast menschenleer, war aber einmal eine der bedeutendsten Siedlungen der Lagune. Besiedelt wurde die Insel schon im Jahr 452, 638 wurde sie Bischofssitz, und der Dom Santa Maria Assunta wurde 639 gegründet. Im 10. Jahrhundert reichen die Schätzungen für die Einwohnerzahl von 10’000 bis 35’000, meist wird von 20’000 gesprochen. Neuere archäologische Schätzungen kommen auf höchstens rund 3000.
Der Niedergang begann im 14. Jahrhundert. Das Land sank, die Gewässer verlandeten, Schiffe konnten nicht mehr anlegen, und die Sümpfe verschärften die Malaria. Viele Bewohner zogen nach Murano, Burano oder Rialto. Der Bischof wechselte 1689 nach Murano, 1797 lebten noch rund 300 Menschen auf der Insel. Heute sind es nur etwa zehn bis zwölf.
Die Kathedrale ist die älteste der Lagune, eine Basilika mit Seitenschiffen. Sie enthält byzantinische Arbeiten des 11. und 12. Jahrhunderts, darunter Mosaiken, von denen das Weltgericht besonders eindrücklich ist. Daneben steht die Kirche Santa Fosca aus dem 11. und 12. Jahrhundert, ein Zentralbau in Form eines griechischen Kreuzes, umgeben von einem halbachteckigen Säulengang.
Auf dem Platz steht der sogenannte Thron des Attila, ein Steinstuhl, der mit dem Hunnenkönig nichts zu tun hat. Er diente wohl als Sitz eines Podestà, eines Bischofs oder von Richtern. Ernest Hemingway hielt sich 1948 auf Torcello auf und schrieb hier Teile seines Romans «Über den Fluss und in die Wälder». Torcello zeigt, wie klein die Dimensionen waren, in denen sich Venedigs Geschichte begann.
Von Burano aus ist Torcello mit dem Wasserbus in wenigen Minuten erreicht. Ein kurzer Weg führt von der Anlegestelle am Kanal entlang zur Kathedrale.