Österreich · Stadt

Wien. Kaiserstadt am Strom.

Wien war sechs Jahrhunderte lang Sitz der Habsburger und ist heute Hauptstadt und Millionenstadt zugleich. Kirchen, Paläste, der Ring und die Kaffeehäuser liegen hier so dicht beieinander, dass man sie zu Fuss verbinden kann.

Auf einen Blick

BundeslandWien, zugleich Hauptstadt Österreichs
FlussDonau
Einwohnerrund 2,03 Millionen (2025)
Bezirke23
WelterbeSchönbrunn (1996), Historisches Zentrum (2001)
VerkehrU-Bahn mit fünf Linien, dazu Tram
ReisezeitFrühling bis Herbst

Vom Römerlager zur Residenz

Wien beginnt als Militärlager. Die Römer errichteten im 1. Jahrhundert n. Chr. das Lager Vindobona, dessen Lage noch heute im Strassenverlauf der Innenstadt zu erahnen ist. Die Stadt in ihrer heutigen Form wächst aber erst im Mittelalter: 1155 verlegte Heinrich II. aus dem Haus Babenberg seine Residenz hierher. Im 16. Jahrhundert machten die Habsburger Wien zu ihrem festen Sitz, und das blieb so bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806.

Zweimal stand ein osmanisches Heer vor der Stadt, 1529 und 1683. Beide Male hielt Wien stand. Man sieht den Bastionen und Stadtmauern nichts mehr an, doch die Frage, wie man eine so grosse Stadt verteidigt, hat ihre Gestalt über Jahrhunderte bestimmt.

Der Ring und das lange 19. Jahrhundert

1857 ordnete Kaiser Franz Joseph I. an, die mittelalterlichen Stadtmauern samt Gräben abzutragen. Auf dem frei gewordenen Gelände entstand die Ringstrasse, ein Boulevard von rund fünf Kilometern Länge um die Innenstadt, gesäumt von Oper, Museen, Parlament, Rathaus und Universität. Die Bauarbeiten zogen sich bis 1913 hin.

Wien blieb nach dem Ausgleich von 1867 Hauptstadt der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Nach deren Ende 1918 wurde die Stadt Hauptstadt einer kleinen Republik, und das Missverhältnis zwischen der Grösse der Bauten und der des Landes ist bis heute zu spüren. In den 1970er-Jahren eröffnete Bundeskanzler Bruno Kreisky das Vienna International Centre, in dem Organisationen der Vereinten Nationen sitzen.

Wie die Stadt gegliedert ist

Wien hat 23 Bezirke, die sich ringförmig um die Innere Stadt legen. Innerhalb des Rings liegen Stephansdom, Hofburg und die meisten Plätze und Gassen der Altstadt. Schönbrunn, Belvedere und Prater liegen ausserhalb, sind aber mit U-Bahn oder Tram gut erreichbar. Die U-Bahn wurde 1978 in ihrer heutigen Form eröffnet und hat fünf Linien: U1, U2, U3, U4 und U6.

Die Donau berührt das Stadtgebiet, der Altstadt aber bleibt sie fern. Durch die Stadt selbst fliesst der stark regulierte Wienfluss. Der höchste Punkt des Stadtgebiets liegt auf 542 Metern, der tiefste auf 151 Metern, darum fühlt sich Wien trotz seiner Grösse auch von Weinbergen und Wäldern umgeben an.

Klima, Sprache, Rhythmus

Das Klima ist im Stadtkern mild bis warm, an den höher gelegenen Rändern im Norden und Westen etwas kühler. Das Jahresmittel in der Innenstadt lag in den Jahren 1991 bis 2020 bei 12,6 Grad, der Niederschlag bei rund 600 Millimetern im Jahr. Auf Ungarisch heisst die Stadt Bécs, auf Slowenisch Dunaj.

Das Wienerische gehört zu den mittelbairischen Mundarten, und klingt auch für deutschsprachige Ohren aus der Schweiz deutlich anders als das Hochdeutsche. Die Stadt lässt sich Zeit mit dem Essen, dem Kaffee und der Zeitung. Wer die Sehenswürdigkeiten in einem Tempo abarbeiten will, merkt schnell, dass Wien dafür nicht gebaut ist.

Orte

Zehn Orte, an denen sich die Geschichte der Stadt ablesen lässt.

Stephansdom

Der Stephansdom steht mitten in der Wiener Innenstadt und gilt als das Wahrzeichen der Stadt. Die Kirche ist in ihrer Erscheinung gotisch, ihre Ursprünge sind aber älter: 1147 wurde hier eine romanische Kirche geweiht, und Teile der Westfassade, darunter das Riesentor, stammen noch aus dem 13. Jahrhundert. Als Herzog Rudolf IV. 1359 den gotischen Ausbau begann, legte er auch den Grundstein für den Südturm. Dieser ist rund 136 Meter hoch und gilt als einer der höchsten gotischen Kirchtürme der Welt.

Der Nordturm blieb dagegen unvollendet. Die Arbeiten daran wurden 1511 eingestellt, 1556 erhielt er eine Renaissancehaube. Zur Kathedrale wurde die Kirche 1469 erhoben. Das Dach ist mit farbig glasierten Ziegeln gedeckt, die ein Mosaik aus dem Doppeladler und den Wappen von Wien und Österreich bilden. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Dom schwer beschädigt, der Wiederaufbau zog sich bis 1952 hin.

Die Baugeschichte ist lang. Nach einem Brand 1258 wurde die Kirche 1263 wieder aufgebaut, 1304 begann König Albrecht I. mit einer Erweiterung, und 1359 legte Rudolf IV. den Grundstein für die nächste. Südturm und Langhaus wurden 1455 vollendet. Zu den Kunstwerken im Inneren gehört auch der Wiener Neustädter Altar von 1447, der im späten 19. Jahrhundert in den Dom kam.

Im Inneren fallen die gotische Kanzel auf, die 1514 von Anton Pilgram geschaffen wurde, und das Grabmal Kaiser Friedrichs III., an dem von 1467 bis 1513 gearbeitet wurde. Im Nordturm hängt die Pummerin, eine der grössten freischwingenden Glocken Europas, die nur zu besonderen Anlässen läutet. Unter dem Stephansplatz liegt die Virgilkapelle, ein Raum aus dem 13. Jahrhundert, der erst 1973 beim Bau der U-Bahn entdeckt wurde. Unter dem Dom befinden sich ausserdem Katakomben. Wer die Stadt von oben sehen möchte, kann den Südturm besteigen. Die Türmerstube liegt auf etwa 72 Metern Höhe und ist über 343 Stufen zu erreichen. Der Dom ist eine aktive Kirche, bei Gottesdiensten sind Besichtigungen nur eingeschränkt möglich.

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Hofburg

Die Hofburg ist kein einzelnes Gebäude, sondern eine Anlage aus vielen Trakten, Höfen und Plätzen, die im Lauf von rund 700 Jahren gewachsen ist. Ihre ältesten Teile gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, seit 1279 ist die Burg als Sitz der Regierenden belegt. Die Habsburger bewohnten sie als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zwischen 1438 und 1583 sowie von 1612 bis 1806 und danach als Kaiser von Österreich bis 1918.

Jede Epoche hat ihren Flügel hinterlassen. Der Schweizerhof erinnert mit dem Schweizertor an Ferdinand I., der Michaelertrakt entstand zwischen 1889 und 1893, und die Neue Burg am Heldenplatz wurde von 1881 bis 1913 gebaut. Der Heldenplatz selbst wurde unter Franz Joseph I. angelegt. Das schlägt sich in der Anlage nieder: Wer durch die Hofburg geht, bewegt sich durch Jahrhunderte, ohne dass es dafür eine Beschilderung braucht.

Die Neue Burg am Heldenplatz enthält heute mehrere Museen und Lesesäle der Nationalbibliothek. Der grösste Saal der Anlage misst rund 1’000 Quadratmeter. Der Heldenplatz erhielt seine Gartenanlagen, nachdem 1817 die Mauern gebaut worden waren. Die Hofburg ist damit gleichzeitig Regierungssitz, Museum und Kongresszentrum.

Heute ist die Hofburg Arbeitsplatz und Residenz des österreichischen Bundespräsidenten, das ist sie seit 1946. Die Spanische Hofreitschule nutzt die ehemalige kaiserliche Stallburg. Die Schatzkammer im Schweizerhof zeigt Kleinodien der Habsburger und gehört zum Kunsthistorischen Museum, die Hofbibliothek steht unter dem Dach der Nationalbibliothek. Ein Kongresszentrum hält pro Jahr etwa 300 bis 350 Veranstaltungen ab, in den Sälen findet unter anderem der Kaffeesiederball statt. In der Herzgruft werden die Herzen von 54 Mitgliedern der Familie Habsburg aufbewahrt. Die Anlage ist weitläufig und besteht aus mehreren Eingängen und Museen. Wer sie besuchen möchte, plant besser einen Vor- oder Nachmittag dafür ein.

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Schloss Schönbrunn

Schönbrunn war die Sommerresidenz der Habsburger und ist heute eines der meistbesuchten Bauwerke Österreichs. Kaiser Maximilian II. erwarb das Gelände 1569 als Jagdrevier. Der Name Schönbrunn taucht erstmals 1642 auf, als Eleonora Gonzaga ein Schloss an das bestehende Landhaus Katterburg anbauen liess. Seine heutige Gestalt erhielt der Bau unter Maria Theresia in den 1740er- und 1750er-Jahren, der sie das Anwesen als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte.

Der Park ist im französischen Stil angelegt, ein erster Plan stammt von 1695. Auf dem 60 Meter hohen Hügel krönt die Gloriette den Garten, die 1775 vollendet wurde und die Macht der Habsburger verherrlichen sollte. Die Römische Ruine entstand 1778, das Alte Palmenhaus kam 1828 hinzu. Der Tiergarten Schönbrunn nimmt für sich in Anspruch, der älteste Zoo der Welt zu sein.

Auch kulturgeschichtlich hat das Schloss Spuren hinterlassen: 1786 fand hier ein Wettstreit zwischen Mozart und Salieri statt. Die Orangerie entstand um 1755. Im Jahr 2017 zählte die Anlage fast vier Millionen Besucher, und die Habsburger nutzten sie bis 1918 als Sommerresidenz.

Das Schloss ist auch ein Ort der Ereignisse. 1916 starb hier Kaiser Franz Joseph I., der auch hier geboren worden war. Nach dem Ende der Monarchie 1918 ging es in den Besitz der Republik über und wurde Museum. Im Februar 1945 wurde es bei einem Luftangriff getroffen, danach diente es in der Besatzungszeit bis 1955 als Bürogebäude. 1961 trafen sich hier Kennedy und Chruschtschow. Die UNESCO nahm Schloss und Garten 1996 in die Welterbeliste auf, das Gelände umfasst 160 Hektar. Der Garten ist zu Fuss gut zu erkunden, die Wege sind weit und der Hügel mit der Gloriette lohnt den Aufstieg. Schönbrunn hat eine eigene U-Bahn-Station.

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Ringstrasse

Die Ringstrasse ist rund 5,3 Kilometer lang und läuft in einem Bogen um die Wiener Innenstadt. Sie entstand, weil der Kaiser es so wollte: Im Dezember 1857 erliess Franz Joseph I. das Handschreiben mit den berühmten Worten «Es ist Mein Wille», in dem er den Abbruch der Stadtmauern und Gräben anordnete und die Masse der neuen Strasse festlegte. Die Mauern stammten aus dem 13. Jahrhundert, das Gelände davor, das Glacis, war rund 500 Meter breit und musste frei von Bebauung bleiben.

Was darauf entstand, ist ein Museum der Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Entlang des Rings stehen Parlament, Rathaus, Burgtheater, Universität, Votivkirche, Staatsoper sowie das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum, dazu das Museum für angewandte Kunst. Fast alle Bauten greifen historische Stile auf, Gotik, Renaissance, Klassik, und jeder erhielt den Stil, der zu seiner Aufgabe passte. Vollendet wurde der Ring erst 1913 mit dem Kriegsministerium, die Postsparkasse von Otto Wagner von 1906 zeigt dagegen schon den Jugendstil.

Die Staatsoper wurde 1869 eröffnet, das Kunsthistorische Museum 1891, und als letzter grosser Bau kam 1913 das Kriegsministerium hinzu. Der Ring wuchs also über mehr als vier Jahrzehnte, und das sieht man an den Stilen, die sich von Bau zu Bau ändern. Wo früher Graben und Mauer standen, laufen heute Fahrbahnen, Baumreihen und Gleise.

Die Strasse ist Teil des Welterbes Historisches Zentrum von Wien. Am besten erschliesst man den Ring auf einem Spaziergang oder mit der Strassenbahn: Die Linien 1 und 2 fahren zum Teil um den Ring. Wer nur ein paar Abschnitte sehen möchte, beginnt an der Staatsoper und geht Richtung Parlament.

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Prater und Riesenrad

Der Prater liegt im zweiten Bezirk, in der Leopoldstadt, und ist mit rund sechs Quadratkilometern eine der grössten Grünflächen der Stadt. Er wird 1403 erstmals erwähnt und war seit dem 16. Jahrhundert kaiserliches Jagdgebiet, das nur Adel und Hofbeamte betreten durften. 1766 öffnete Kaiser Joseph II. ihn für alle. Danach siedelten sich Schaukeln, Karussells und Kegelbahnen an, aus denen der Wurstelprater wurde, so heisst der Vergnügungspark im Volksmund. 1945 wurde er zum Teil zerstört und danach wieder aufgebaut. Der Prater ist seit 1766 für alle zugänglich, und diese Offenheit prägt ihn bis heute.

Das Wahrzeichen ist das Riesenrad, das 1897 zum goldenen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. gebaut wurde. Es ist 64,75 Meter hoch. Ursprünglich trug es 30 Gondeln, nach den Schäden des Zweiten Weltkriegs wurden nur 15 ersetzt. Bekannt wurde es auch durch den Film «Der dritte Mann» von 1949, in dem eine Szene in einer der Gondeln spielt.

Im Alltag steht der Name Prater oft für den Vergnügungspark, gemeint ist aber das ganze Gebiet mit Wiesen, Seen und Sportanlagen, zu dem auch eine Disc-Golf-Anlage und das Stadionbad gehören. Die Hauptallee geht auf das Jahr 1538 zurück. Am Praterstern steht ein Planetarium, das 1930 eröffnet wurde.

Der Prater ist aber mehr als Rummel. Die Hauptallee, eine etwa 4,4 Kilometer lange, gerade Allee, führt vom Praterstern zum Lusthaus, einem ehemaligen Jagdschloss, in dem heute ein Kaffeehaus und ein Restaurant betrieben werden. Privater Autoverkehr ist hier seit 1964 weitgehend verboten. Im Prater liegen ausserdem das Ernst-Happel-Stadion, Rennbahnen und die Liliputbahn. Der Praterstern ist ein Verkehrsknoten mit U-Bahn und S-Bahn.

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Kunsthistorisches Museum

Das Kunsthistorische Museum steht am Ring, gegenüber dem Naturhistorischen Museum, und beide Häuser sind einander so ähnlich, dass man sie von der Strasse aus leicht verwechselt. Dazwischen liegt der Maria-Theresien-Platz. Gebaut wurde das Haus von 1871 bis 1891 nach Plänen von Gottfried Semper und Karl von Hasenauer im Stil der Neorenaissance, Kaiser Franz Joseph I. eröffnete es um 1891. Über dem Gebäude erhebt sich eine achteckige Kuppel von rund 60 Metern Höhe. Das Haus ist ein Beispiel für den Historismus der Ringstrasse.

Der Anlass war ein praktischer. Die Habsburger hatten über Jahrhunderte Kunst gesammelt, und diese Sammlungen sollten nun für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Zu den Schwerpunkten der Gemäldegalerie gehören Werke von Raffael, Tizian, Velázquez und Vermeer, dessen «Die Malkunst» hier hängt. Die Sammlung von Pieter Bruegel dem Älteren ist die grösste der Welt, darunter der «Turmbau zu Babel». Ein eigener Schwerpunkt ist die Ägyptisch-Orientalische Sammlung.

Von Oktober 2018 bis Januar 2019 zeigte das Haus nach eigener Darstellung die bisher grösste Ausstellung von Werken Pieter Bruegels. Gegenüber, auf der anderen Seite des Maria-Theresien-Platzes, steht das Naturhistorische Museum mit ähnlicher Architektur, beide Bauten bilden zusammen ein Paar. Das Kunsthistorische Museum liegt am Ring und ist mit der Strassenbahn gut zu erreichen.

Die Kunstkammer wurde nach einer Renovierung und Erweiterung 2013 wiedereröffnet. Zu ihren Objekten zählt die Saliera von Benvenuto Cellini, die 2003 gestohlen und 2006 wiedergefunden wurde. Das Treppenhaus mit seinen Gemälden und der Kuppel gehört selbst zu den Sehenswürdigkeiten des Museums. Wer wenig Zeit mitbringt, wählt besser einen Schwerpunkt, etwa die Gemäldegalerie, als alle Abteilungen zu streifen.

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Belvedere

Das Belvedere besteht aus zwei Schlössern, dem Oberen und dem Unteren Belvedere, die durch einen barocken Garten verbunden sind. Erbaut wurde es als Sommerresidenz für Prinz Eugen von Savoyen, den erfolgreichen Feldherrn des Kaiserhauses. Chefarchitekt war Johann Lukas von Hildebrandt, das Obere Belvedere wurde 1723 fertiggestellt. Der Garten ist im französischen Stil nach Plänen von Dominique Girard angelegt und steigt vom unteren zum oberen Schloss an.

1752 erwarb Maria Theresia die Anlage für die Habsburger. Das Obere Belvedere diente später als Gemäldegalerie und ab 1896 als Residenz des Thronfolgers. Heute ist das Belvedere eines der grossen Kunstmuseen Österreichs. Im Oberen Belvedere hängt die ständige Sammlung, im Unteren finden Sonderausstellungen statt. Bekannt ist die Gustav-Klimt-Sammlung, zu der «Der Kuss» gehört. Auch Werke von Egon Schiele sind hier zu sehen.

Zur Anlage gehören ausser den beiden Schlössern auch die Orangerie und die Stallungen. Die Sammlung hat auch eine Seite, die mit der Zeitgeschichte zu tun hat: 2020 empfahl ein Rückgabebeirat, Egon Schieles «Vier Bäume / Herbstallee» an die Erben von Josef Morgenstern zurückzugeben. Prinz Eugen liess die Anlage als Sommerresidenz ausserhalb der damaligen Stadtmauern bauen. Das Belvedere ist damit zugleich Kunstmuseum, Gartenanlage und ein Ort der Republikgeschichte.

Das Obere Belvedere ist zudem ein Ort der Zeitgeschichte: Am 15. Mai 1955 wurde hier der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet, der das Land wieder zu einem unabhängigen, demokratischen Staat machte. Der Garten ist ein guter Ort, um nach dem Museum Luft zu holen, und von der oberen Terrasse sieht man über den Park bis zur Innenstadt.

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Staatsoper

Die Wiener Staatsoper am Ring wurde am 25. Mai 1869 als Wiener Hofoper mit Mozarts «Don Giovanni» eröffnet. Gebaut wurde sie von den Architekten August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll; Josef Hlávka lieferte zusätzliche Entwürfe und führte den Bau als Unternehmer aus. Das Haus im Stil der Neorenaissance gehörte zu den ersten grossen Bauten an der neuen Ringstrasse.

Das Haus hiess zunächst Wiener Hofoper. Nach der Zerstörung 1945 wurde der Zuschauerraum neu gebaut; nach einer anderen Angabe fasst er mit den Stehplätzen insgesamt rund 2’276 Personen. Die Eröffnung 1955 mit «Fidelio», einer Oper über Befreiung, fiel in das Jahr, in dem Österreich seine Unabhängigkeit zurückerhielt. Die Staatsoper liegt am Ring und ist damit Teil des Welterbes Historisches Zentrum, das 2001 eingetragen wurde.

Im März 1945 setzte ein Bombenangriff das Gebäude in Brand, der Zuschauerraum und die Bühne wurden zerstört. Der Wiederaufbau dauerte zehn Jahre. Am 5. November 1955 wurde die Oper mit Beethovens «Fidelio» unter der Leitung von Karl Böhm wiedereröffnet, wenige Monate nach dem Staatsvertrag. Das Haus fasst 1’709 Sitzplätze und 567 Stehplätze.

Die Staatsoper hat einen Spielplan, der das ganze Jahr über mit etwa 50 bis 60 Opern im Repertoire und rund zehn Ballettproduktionen bestückt ist. Die Mitglieder der Wiener Philharmoniker kommen aus dem Orchester des Hauses. Der Opernball findet jedes Jahr am letzten Donnerstag des Faschings statt. Für Besucher ohne Karte gibt es Stehplätze, die erst kurz vor Beginn verkauft werden, über Preise und Zeiten informiert man sich am besten beim Haus selbst.

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Karlskirche

Die Karlskirche am Karlsplatz ist die bedeutendste Barockkirche Wiens. Ihr Ursprung ist ein Gelübde: 1713, ein Jahr nach der letzten grossen Pestepidemie, versprach Kaiser Karl VI. den Bau einer Kirche zu Ehren des heiligen Karl Borromäus, der als Helfer der Pestkranken verehrt wurde. Der Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach gewann den Wettbewerb. Gebaut wurde von 1716 bis 1737, und nach dem Tod des Vaters 1723 führte sein Sohn Joseph Emanuel Fischer von Erlach den Bau mit Änderungen zu Ende.

Die Bauaufsicht führte Anton Erhard Martinelli. Joseph Emanuel Fischer verkürzte die Kuppel und veränderte sie teilweise. Vom Gelübde bis zur Vollendung der Kirche vergingen 24 Jahre. Die Bildsprache verbindet den heiligen Karl Borromäus mit seinem kaiserlichen Stifter Karl VI.

Der Bau verbindet verschiedene Formen: Über einem hohen Tambour erhebt sich die Kuppel, deren äussere Höhe 70 Meter beträgt. Davor liegt ein Portikus wie bei einem antiken Tempel, und links und rechts davon stehen zwei freistehende Säulen. Diese wurden von Lorenzo Mattielli geschaffen und erinnern an die Trajanssäule in Rom. Wie dort winden sich Reliefs spiralförmig nach oben, sie zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Karl Borromäus.

Die Karlskirche steht an einer Stelle, an der sich Verkehr und Kultur treffen: Neben ihr liegen der Karlsplatz, der Musikverein und das Wien Museum in Gehweite. Es lohnt sich, den Bau zunächst von der Rückseite des Platzes aus zu betrachten, da die Fassade dann als Ganzes zu sehen ist.

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Kaffeehauskultur

Das Wiener Kaffeehaus ist eine Institution, die 2011 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Gemeint ist nicht nur das Getränk, sondern ein Ort: ein Raum mit Marmortischen, Polstersitzen und Thonet-Stühlen, in dem man lange sitzen darf. Der Thonet-Stuhl Nr. 14 wurde 1859 erstmals gefertigt. Zu jedem Kaffee wird auf einem Silbertablett ein Glas Wasser gereicht, ursprünglich wohl, um den Löffel darauf abzulegen. Ihre Hochblüte erlebten die Häuser um 1900, in den 1910er-Jahren soll es rund 600 gegeben haben.

Die Anfänge sind umstritten. Eine bekannte Legende verbindet sie mit der Osmanischen Belagerung von 1683, als nach der Schlacht Säcke mit Kaffeebohnen im verlassenen Lager gefunden worden sein sollen. Belegt ist das nicht. Gesichert ist dagegen, dass die Weltausstellung 1873 und die Eröffnung der Hochquellenwasserleitung im gleichen Jahr den Ruf der Wiener Kaffeehäuser über die Stadt hinaus trugen. Im selben Jahr eröffnete das Café Landtmann am Ring. Das Café Frauenhuber, in dem ab 1824 Gäste zum Schachspielen zusammenkamen, wird als ältestes durchgehend betriebenes Kaffeehaus der Stadt genannt.

Mehrere Cafés sind mit Namen und Geschichten verbunden. Im Café Griensteidl traf sich ab 1890 die Gruppe Jung-Wien, das Haus besteht heute nicht mehr. Im Café Sperl gehören Zeitungen und Billardtische zum Alltag. Das Café Demel beschäftigt seit mehr als 200 Jahren ausschliesslich Frauen, die sogenannten Demelinerinnen. Von den ursprünglich 27 Ringstrassen-Cafés sind nur wenige erhalten, darunter das Landtmann und das Schwarzenberg.

Zur Karte gehören der Wiener Melange, halb Kaffee, halb Milch, mit Milchschaum, und der Einspänner mit Schlagobers, der auf Kutscher zurückgehen soll. Wer bestellt, bekommt meist auch Mehlspeisen oder warme Gerichte. Zeitungen liegen aus, und niemand drängt zum Aufstehen. Wer das Kaffeehaus verstehen will, setzt sich am besten eine Stunde hin und tut nichts weiter.

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Reisebericht folgt. Unsere Beiträge und Tipps zu Unterkunft und Essen schreiben wir noch auf.