Elsass
Zwischen Rhein und Vogesen liegt ein Landstrich, der mal deutsch, mal französisch war und heute beides ein wenig ist.
Auf einen Blick
Zwischen Rhein und Vogesen
Das Elsass ist ein schmaler Streifen Land: rund 190 Kilometer lang von Nord nach Süd, aber nur etwa 50 Kilometer breit. Im Osten bildet der Rhein die Grenze zu Deutschland, dahinter liegt der Schwarzwald. Im Westen steigen die Vogesen an, mit dem Grand Ballon (deutsch Grosser Belchen, 1424 Meter) als höchstem Gipfel der Region. Dazwischen breitet sich die Rheinebene aus, im Südwesten schliesst der hügelige Sundgau an.
Die Vogesen halten einen Teil der Niederschläge zurück. Auf der Ostseite fällt deshalb vergleichsweise wenig Regen, Colmar gehört mit rund 595 Millimetern im Jahr zu den trockensten Städten Frankreichs. Für den Weinbau ist das eine gute Ausgangslage, und es erklärt, warum sich die Reben an den Vorbergen so dicht reihen. Das Elsass umfasst 8280 Quadratkilometer, etwa 1,3 Prozent der Fläche Frankreichs, und zählt knapp 1,92 Millionen Einwohner.
Ein Land, das oft den Besitzer wechselte
Kaum eine Region Europas hat ihre Zugehörigkeit so häufig gewechselt. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 trat Habsburg seine elsässischen Rechte ab, bis 1681 folgte Annexion um Annexion durch Frankreich, zuletzt Strassburg. 1871 wurde das Elsass nach dem Frankfurter Frieden Teil des Reichslands Elsass-Lothringen, 1918 kehrte es zu Frankreich zurück. Von 1940 bis 1945 stand es unter deutscher Besetzung und Annexion.
Spuren davon sind bis heute sichtbar: in den Ortsnamen, in der Architektur der Strassburger Neustadt, in den Familiennamen. Gesprochen wird Französisch, das die einzige Amtssprache ist, daneben das Elsässische, ein alemannischer Dialekt. Sein Anteil ist deutlich gesunken, von 91 Prozent der Bevölkerung im Jahr 1946 auf 43 Prozent im Jahr 2022. Seit 2016 gehört das Elsass zur Region Grand Est, seit 2021 bilden Bas-Rhin und Haut-Rhin wieder eine gemeinsame Gebietskörperschaft.
Wein an den Vorbergen
Der Weinbau konzentriert sich zwischen Schlettstadt und Colmar, an den Hängen am Fuss der Vogesen. Das Weinbaugebiet hat AOC-Status. Die Elsässer Weinstrasse, 1953 eröffnet, führt auf mehr als 170 Kilometern von Marlenheim im Norden nach Thann im Süden und verbindet die Weindörfer am Fuss des Gebirges.
Angebaut werden sieben Rebsorten: Sylvaner, Pinot Blanc, Riesling, Muscat, Pinot Gris, Gewürztraminer und, als einzige rote, Pinot Noir. Die Weine sind überwiegend weiss und tragen in der Regel den Namen der Rebsorte auf dem Etikett. Dazu kommt der Crémant d'Alsace, der Schaumwein der Region. Wer die Strasse abfährt, kommt an Obernai, Ribeauvillé, Riquewihr, Kaysersberg, Colmar und Eguisheim vorbei, um nur einige Stationen zu nennen.
Auf dem Teller
Die Küche steht zwischen deutschen und französischen Traditionen. Zu den bekannten Gerichten gehören Flammkuchen, Baeckeoffe, Sauerkraut und, als Süsses, Kougelhopf und die Weihnachtsguetzli, auf Elsässisch Bredele. Gegessen wird oft in einer Winstub, einem traditionellen Wirtshaus, in dem der Wein aus der Nachbarschaft ausgeschenkt wird.
Auch das Bier hat im Elsass seinen Platz, Hopfenanbau und Brauwesen haben hier eine lange Geschichte. Zu den Bildern der Region gehört ausserdem der Weissstorch, der als Wahrzeichen des Elsass gilt und in vielen Dörfern nistet. In Hunawihr bei Ribeauvillé widmet sich das Zentrum NaturOparC den Störchen. In Colmar bieten Weingüter wie das Domaine Martin Jund, ein Familienbetrieb mit Bio-Anbau, Verkostungen von Riesling, Gewürztraminer und Crémant an, und in Obernai wird Kronenbourg-Bier hergestellt. Der Strassburger Weihnachtsmarkt findet seit 1570 statt.
Strassburg im Norden, Mulhouse im Süden
Strassburg ist die Hauptstadt der Region und Sitz des Europäischen Parlaments. Rund 64 Kilometer südlich liegt Colmar, das Zentrum der Weinstrasse. Zwischen den beiden Städten reihen sich Obernai, Schlettstadt, die Burg Haut-Koenigsbourg und die Dörfer Ribeauvillé und Riquewihr. Weiter südlich folgt Mulhouse, rund 100 Kilometer von Strassburg entfernt und nahe an der Grenze zur Schweiz.
Der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg liegt etwa 25 Kilometer südlich von Mulhouse und ist für das südliche Elsass der nächste grosse Flughafen, für den Norden kommt der Flughafen Strassburg-Entzheim in Frage. Die Route des Crêtes verläuft auf dem Kamm der Vogesen und lässt sich als Ausflug von Colmar oder Mulhouse aus fahren. Die wichtigsten Orte stehen unten in kurzen Porträts.
Reiseziele
Eine Stadt, ein Dorf, eine Burg: kurze Porträts der wichtigsten Stationen im Elsass.
Strassburg
Strassburg liegt am Rhein, der hier die Grenze zu Deutschland bildet, und ist die Hauptstadt des Elsass und seit 2016 auch der Region Grand Est. Die Stadt zählt rund 294'000 Einwohner. Ihr historischer Kern, die Grande Île, ist eine Insel in der Ill, etwa 1,25 mal 0,75 Kilometer gross, begrenzt vom Hauptarm des Flusses und vom Canal du Faux-Rempart. Seit 1988 steht sie auf der Welterbeliste der UNESCO, als erstes Stadtzentrum Frankreichs, 2017 kam die Neustadt dazu. Über mehr als 20 Brücken und Stege ist die Insel mit dem Rest der Stadt verbunden.
Die Geschichte reicht bis in die Römerzeit zurück, als an dieser Stelle das Lager Argentoratum stand. 842 wurden hier die Strassburger Eide geschworen, 1262 wurde Strassburg nach einem Aufstand gegen den Bischof freie Reichsstadt, 1681 kam es unter Ludwig XIV. an Frankreich, von 1871 bis 1918 war es wieder deutsch. Johannes Gutenberg gilt als Pionier des frühen Buchdrucks der Stadt.
Das Münster ist von weit her zu sehen. Der Grundstein wurde 1015 gelegt, ab 1190 wurde neu gebaut, fertig war die Kirche 1439. Der Turm misst 142 Meter, von 1647 bis 1874 war das Münster das höchste Gebäude der Welt. Die astronomische Uhr im südlichen Querschiff stammt von Jean-Baptiste Schwilgué (1837 bis 1842). Am westlichen Ende der Insel liegt Petite France mit Fachwerkhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, in denen einst Gerber, Müller und Fischer lebten. Die Neustadt entstand in der deutschen Zeit, rund um den Place de la République stehen der Palais du Rhin, die Universitätsbibliothek und das Nationaltheater. Der Europarat ist seit 1949 in Strassburg, das Europäische Parlament tagt hier seit 1979. Einen Weihnachtsmarkt gibt es seit 1570.
Weinstrasse
Die Elsässer Weinstrasse wurde 1953 eröffnet, das Gründungsfest fand am 30. Mai 1953 statt. Sie führt auf mehr als 170 Kilometern von Marlenheim im Norden nach Thann im Süden, am Fuss der Vogesen entlang, und berührt Dutzende Weindörfer. Initiiert wurde sie von Bürgermeistern und Gemeinderäten der Region, der Tourismus gehörte von Anfang an zum Konzept. Burgund hatte schon 1937 eine Route des Grands Crus eingerichtet, das Elsass folgte also einem bestehenden Vorbild.
Entlang der Strecke liegen unter anderem Obernai, Barr, Mittelbergheim, Dambach-la-Ville, Bergheim, Ribeauvillé, Hunawihr, Riquewihr, Kaysersberg, Colmar, Eguisheim, Turckheim, Rouffach, Guebwiller und Thann. Im Süden beim Rangen de Thann liegt der südlichste Grand-Cru-Weinberg des Elsass. In der Nähe von Colmar verbindet die Route des Cinq Châteaux die Drei Burgen von Eguisheim, die Hohlandsbourg und die Pflixbourg. Der Weinbau konzentriert sich zwischen Schlettstadt und Colmar, das Gebiet hat AOC-Status.
Angebaut werden sieben Rebsorten: Sylvaner, Pinot Blanc, Riesling, Muscat, Pinot Gris, Gewürztraminer und Pinot Noir als einzige rote Sorte. Die Region ist vor allem für Weisswein bekannt. Nach Angaben der regionalen Tourismusstellen öffnen rund 750 Winzer ihre Keller für Besucher, etwa 70 Prozent der Gäste kommen aus Frankreich, 30 Prozent aus Nachbarländern wie Deutschland und Belgien. Das Elsass soll damit nach Bordeaux und der Champagne die meistbesuchte Weinregion Frankreichs sein. Colmar bezeichnet sich als inoffizielle Hauptstadt des Elsässer Weins und veranstaltet seit 1947 jedes Jahr die Foire aux vins d'Alsace. Wer die Strasse nicht an einem Stück fährt, teilt sie am besten in Abschnitte: im Norden die Dörfer um Obernai und Barr, in der Mitte die Strecke zwischen Ribeauvillé und Colmar, im Süden Eguisheim, Rouffach und Thann.
Riquewihr
Riquewihr liegt etwa 11 Kilometer von Colmar entfernt, mitten an der Weinstrasse, und hat knapp 1000 Einwohner (999 im Jahr 2023). Der Ort gehört zu den Plus Beaux Villages de France. Im Mittelalter hiess er Reichenweier und stand unter der Herrschaft der Grafen von Württemberg, im 16. Jahrhundert wurde er protestantisch. Das Renaissanceschloss der Württemberg-Mömpelgard-Grafen entstand um 1540 unter Georg I. Der Wein brachte dem Ort seinen Wohlstand, bekannt ist Riquewihr vor allem für Riesling.
Die meisten Fachwerkhäuser stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Um 1500 bauten die Bewohner eine zweite Befestigungsmauer, die den Ort ausser im Norden umschloss, Bastionen und Türme kamen Anfang des 17. Jahrhunderts dazu. Im Zweiten Weltkrieg blieb Riquewihr weitgehend verschont, und das Dorf sieht heute noch ungefähr so aus wie im 16. Jahrhundert.
Das Wahrzeichen ist der Dolder, ein Turm von 1291, der mit der ersten Befestigung entstand. Er ist 25 Meter hoch, hat vier Stockwerke und diente dem Stadtwächter, der bei Gefahr die Alarmglocke läutete. Heute ist ein kleines Museum darin untergebracht, das Riquewihr als befestigte mittelalterliche Stadt vom 13. bis zum 17. Jahrhundert zeigt, mit Stadtkanonen aus dem 16. Jahrhundert und einer Nachtwächterglocke von 1590. Von oben reicht der Blick über die Dächer und die Ebene bis zum Schwarzwald. Durch das Obertor aus dem 13. Jahrhundert gelangt man in die Rue du Général de Gaulle, die zentrale Strasse des Dorfes. Der 18 Meter hohe Diebesturm von 1291 diente als Gefängnis. Wer die Reben aus der Nähe sehen will, kann dem Sentier Viticole folgen, einem Rundweg von etwa zwei Stunden. Im November und Dezember findet ein Weihnachtsmarkt statt.
Haut-Koenigsbourg
Die Burg Haut-Koenigsbourg (deutsch Hohkönigsburg) steht auf einem 757 Meter hohen Felssporn der Vogesen und überblickt die Rheinebene. Der Berg wird in einer Urkunde Karls des Grossen von 774 erstmals erwähnt. 1147 beschwerten sich Mönche, dass Herzog Friedrich II. von Schwaben, ein Hohenstaufer, dort eine Burg baue. Später ging sie an die Herzöge von Lothringen und von diesen an eine örtliche Familie. Danach besetzten Räuber die Ruine, bis die umliegenden Städte sie 1462 vertrieben.
1633 endete im Dreissigjährigen Krieg eine Belagerung von 52 Tagen, die Burg wurde niedergebrannt und geplündert, nach Angaben von Wikipedia durch schwedische Truppen. Danach blieb sie eine Ruine. 1899 schenkte die Stadt Schlettstadt die Reste Kaiser Wilhelm II. Er liess sie von 1900 bis 1908 durch den Architekten Bodo Ebhardt wiederaufbauen. Die Einweihung fand am 13. Mai 1908 in Anwesenheit des Kaisers statt.
Das Ziel war eine Burg im Aussehen des 15. Jahrhunderts, doch die Ansprüche des Kaisers führten zu einer grosszügigeren Anlage als im Original. Der Bergfried soll heute um rund 14 Meter zu hoch sein. Der Speisesaal sollte die Dynastien der Hohenstaufer, Habsburger und Hohenzollern würdigen. Grabungen zwischen 2008 und 2016 haben allerdings erhebliche mittelalterliche Reste ans Licht gebracht, sodass die Rekonstruktion heute als genauer gilt, als man lange annahm. Seit 2007 gehört die Burg dem Département Bas-Rhin. Der Felssporn heisst Staufenberg. Die Besucherzahlen liegen bei mehreren Hunderttausend im Jahr. Von Colmar aus beträgt die Fahrt mit dem Auto etwa 30 Minuten, in der Nähe liegen Schlettstadt und die Weindörfer an der Strasse.
Mulhouse
Mulhouse (deutsch Mülhausen) liegt im Süden des Elsass, nahe an der Schweizer und der deutschen Grenze, rund 100 Kilometer von Strassburg und von Zürich entfernt. Die Stadt hat etwa 105'000 Einwohner (2023). Ihre Geschichte unterscheidet sich von der des übrigen Elsass: Mulhouse schloss sich 1515 als zugewandter Ort der Eidgenossenschaft an, blieb nach dem Westfälischen Frieden von 1648 ausserhalb Frankreichs und war eine freie, reformierte Republik. Erst eine Abstimmung am 4. Januar 1798 und ein Vertrag vom 28. Januar 1798 machten die Stadt französisch. Der Place de la Réunion, früher Place Saint-Étienne, erinnert im Namen an diese Vereinigung.
Das Rathaus entstand 1552 im Stil der Renaissance, der Temple Saint-Étienne wurde zwischen 1859 und 1869 gebaut. Wirtschaftlich prägte die Textilindustrie die Stadt: 1746 wurde hier die erste Manufaktur für Stoffdruck gegründet, Mulhouse galt später als das «Manchester» Frankreichs. Das Musée de l'Impression sur Étoffes führt diese Geschichte weiter, sein Archiv soll über sechs Millionen Motive umfassen.
Auch die grossen technischen Museen sind in Mulhouse zu finden. Die Cité de l'Automobile zeigt die Sammlung Schlumpf mit rund 500 Fahrzeugen und gilt als grösstes Automobilmuseum Europas, die Cité du Train versteht sich als grösstes Eisenbahnmuseum Europas, rund 100 Lokomotiven sind ausgestellt. 2008 erhielt Mulhouse als erste elsässische Stadt das Label «Ville d'art et d'histoire». Die Strassenbahn fährt seit 2006, eine Tram-Train-Linie führt nach Thann. Der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg liegt rund 25 Kilometer südlich der Stadt. Mulhouse besteht aus einer Unterstadt, die im Mittelalter für Händler und Handwerker entstand, und einer Oberstadt aus dem 13. Jahrhundert. Zu den Zielen in der Umgebung gehört das Ecomusée d'Alsace mit über 70 originalgetreuen Häusern.
Ribeauvillé
Ribeauvillé (deutsch Rappoltsweiler) liegt am Fuss der Vogesen, etwa 16 Kilometer nördlich von Colmar und rund 75 Kilometer südlich von Strassburg. Die Stadt hat knapp 4700 Einwohner (4685 im Jahr 2023). Über Jahrhunderte gehörte sie den Herren von Ribeaupierre, im Deutschen Rappoltstein genannt. Ihre Linie erlosch 1673, der Titel des «Königs der Pfeifer» ging danach an die Pfalzgrafen von Zweibrücken-Birkenfeld.
Aus dieser Zeit stammen die drei Burgruinen oberhalb der Stadt: St-Ulrich, Girsberg und Haut-Ribeaupierre, errichtet zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert. St-Ulrich ist die am besten erhaltene. Ein Wanderweg verbindet sie. In der Altstadt säumen Fachwerkhäuser die Grand'Rue, die Hauptstrasse. Dazu kommen das Renaissance-Rathaus, ein Stadtbrunnen aus dem 16. Jahrhundert und der Metzgerturm aus dem 13. Jahrhundert, der früher zur Stadtbefestigung gehörte und später als Zunfthaus der Metzger diente. Die gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz.
Der Pfifferdaj, der Pfeifertag, erinnert an die Tradition der Spielleute. Das Fest findet am ersten Wochenende im September statt, die Wurzeln reichen ins Mittelalter. Wein ist wichtig für die Stadt: Die Winzergenossenschaft Cave de Ribeauvillé wurde 1895 gegründet und gehört zu den ältesten Frankreichs, bekannt ist der Grand Cru Kirchberg de Ribeauvillé. Nur wenige Kilometer entfernt liegen Riquewihr (etwa 4 Kilometer) und Hunawihr (etwa 2 Kilometer), wo das NaturOparC den Störchen gewidmet ist. Der nächste Bahnhof befindet sich in Schlettstadt, rund 10 Kilometer entfernt. Der Flughafen Strassburg liegt etwa 50 Kilometer entfernt, der EuroAirport Basel-Mulhouse etwa 70 Kilometer. Für Spaziergänger gibt es den Pfaffenheimer Pfad, einen rund sieben Kilometer langen Rundweg durch die Reben, und Führungen und Verkostungen in der Weinkellerei Jean Sipp.
Obernai
Obernai (deutsch Oberehnheim) liegt im Unterelsass, in der Rheinebene und am Fuss des Odilienbergs, rund 25 Kilometer südwestlich von Strassburg. Die Stadt hat gut 12'000 Einwohner (12'216 im Jahr 2021). Der Name geht auf den Fluss Ehn zurück. Vom 13. bis zum 17. Jahrhundert war Obernai freie Reichsstadt, Frankreich nahm sie 1679 in Besitz und annektierte sie 1680.
Das Zentrum bildet der Marktplatz. Hier steht der Renaissancebrunnen mit sechs Eimern, der Sechseimerbrunnen von 1579, daneben die ehemalige Kornhalle von 1554. Der Kappelturm, ein rund 60 Meter hoher Turm aus dem 16. Jahrhundert, dient heute als Glockenturm, direkt daneben steht das Rathaus. Die Stadtmauer ist weitgehend erhalten, die Kirche Saints-Pierre-et-Paul ist neugotisch.
Der Odilienberg erinnert an die heilige Odilia. Nach der Überlieferung schenkte Herzog Eticho seiner Tochter Odilia das Kloster Hohenburg auf dem Berg, der heute Mont Sainte-Odile heisst. Obernai liegt ausserdem im Norden der Weinstrasse, deren Strecke ab Marlenheim an der Stadt vorbeiführt. Obst- und Weinbau haben die Umgebung historisch geprägt. Heute werden in Obernai Kronenbourg-Bier und Produkte der Hager Group hergestellt. Die Stadt gehört zum Département Bas-Rhin und liegt damit im nördlichen Teil des Elsass, im Unterschied zu Colmar, Ribeauvillé und Riquewihr im Haut-Rhin. Von Strassburg aus ist sie in rund 25 Kilometern erreichbar, der Flughafen Strassburg-Entzheim liegt etwa 10 Kilometer vom Strassburger Zentrum entfernt. Ein Rundgang durch die Altstadt lässt sich mit der Fahrt zum Odilienberg oder einem Abstecher auf die Weinstrasse verbinden.
Route des Crêtes
Die Route des Crêtes, die Kammstrasse der Vogesen, ist 89 Kilometer lang und führt von Sainte-Marie-aux-Mines im Norden nach Cernay im Süden. Sie wurde im Ersten Weltkrieg vom französischen Militär gebaut, um die Täler beiderseits des Kamms besser zu erreichen und Truppen rascher zu verlegen. Man legte sie knapp unterhalb des Kamms auf der Westseite an, wo sie vor deutschem Beschuss geschützt war.
Der grösste Teil der Strecke liegt über 950 Metern, der Ausgangspunkt in Sainte-Marie-aux-Mines nur auf 282 Metern. Höchster Punkt ist der Col du Grand Ballon auf 1343 Metern. In kurzer Folge passiert die Strasse den Hohneck (rund 1360 Meter), den Kastelberg (1350), den Rotenbachkopf (1316) und den Rainkopf (1305). Der Gazon du Faing (1303 Meter) gilt als bekannter Aussichtspunkt. Die Strasse ist in der Regel von April bis November offen und im Winter wegen Schnee grösstenteils gesperrt.
Von der Strecke aus reicht der Blick über das Rheintal bis zum Schwarzwald und zu den Gipfeln von Hohneck, Petit Ballon und Grand Ballon. Auf dem Weg liegen die Ruine Freundstein, die höchstgelegene Burg des Elsass, und der Soldatenfriedhof am Hartmannswillerkopf, der an die Kämpfe des Ersten Weltkriegs in den Vogesen erinnert. Die Route lässt sich als Tagesausflug von Colmar oder Mulhouse aus fahren, im Süden endet sie bei Cernay, nahe Mulhouse. Wer plant, sollte die Strassenlage vorab prüfen, denn Sperrungen im Frühjahr und Herbst hängen vom Schnee ab. Die Strecke zeigt das Elsass von oben, im Gegensatz zu den Weindörfern in der Ebene.