Mauritius · Der Norden · Balaclava bis Pointe aux Piments

Ein Streifen Küste, viele Gesichter.

Diese Küste zeigt Mauritius im Kleinen: sorgfältig inszenierte Resortwelten neben öffentlichem Sand, schwarze Lava zwischen hellen Stränden, Fischerboote vor Fünf-Sterne-Hotels. Wer ihr zu Fuss folgt, wechselt in wenigen Minuten vom polierten Ferienbild zum gelebten Alltag – und merkt, dass beides denselben schmalen Rand zwischen Land und Meer beansprucht.

Der erste Tag gehört dem Ankommen, nicht dem Meer. Einrichten, ein erster Einkauf, das Frühstück, das von nun an zuhause stattfinden wird statt im Hotel – erst der Nachmittag gehört dem Wasser, eine kurze Fahrt von keinen fünf Minuten hinunter zum Strand bei Turtle Bay. Und der Abend gehört bereits einem anderen Ort: Wir ziehen weiter, ein paar Kilometer die Küste hinauf nach Pointe aux Piments, und stehen am Strand des Le Méridien, während die Sonne hinter dem Wasser verschwindet. Kein greller Feuerball, eher ein langsames Verblassen – erst Gelb, dann ein sattes Orange, das sich im nassen Sand spiegelt, während die Palmensilhouetten davor fast schwarz werden, die Luft nach der Hitze des Tages spürbar kühler wird und irgendwo hinter uns leise Gläser klirren, wo die Bar des Resorts längst geöffnet hat. Dass wir keine Gäste dieses Resorts sind, spielt in diesem Moment keine Rolle.

Bei Ebbe zeigt der Strand von Balaclava eine andere Seite: Zwischen dem hellen Sand tauchen dunkle, fast schwarze Steinformationen auf, glattes vulkanisches Gestein, das die Insel selbst preisgibt, sobald sich das Wasser weit genug zurückzieht. Einheimische erzählten uns, genau darauf gehe der Ortsname zurück – von «Black Lava» zu «Balaclava». Eine hübsche Geschichte, die zum Anblick passt; historisch belegt ist allerdings eher die britische Kolonialzeit nach 1810 als Ursprung, benannt nach der Schlacht von Balaklava im Krimkrieg, wie es für etliche Ortsnamen jener Zeit typisch ist. Welche Version stimmt, wissen wir nicht – die schwarzen Felsen im Sand sieht man so oder so.

Balaclava · Lavagestein und Fischerboote
Balaclava · Lavagestein und Fischerboote
Pointe aux Piments · Resortstrand
Pointe aux Piments · Resortstrand

Öffentlicher Sand, private Kulissen.

Genau das ist die Eigenheit dieser Küste zwischen Balaclava und Pointe aux Piments: Sie gehört offiziell niemandem allein. Ein Hotel reiht sich hier an das nächste, Mauer an Mauer, Portier an Portier – und doch bleibt gesetzlich ein Streifen von gut 81 Metern ab der Wasserlinie öffentliches Land, die sogenannten «pas géométriques». Man kann von einem Strand zum nächsten laufen, an Liegestuhlreihen und Beachclubs vorbei, ohne irgendwo Gast sein zu müssen – fünf Minuten Fussweg reichen manchmal, um von einer gepflegten Poolanlage in einen ganz anders gestalteten Garten zu wechseln. Wir machten in den folgenden Tagen ausgiebig davon Gebrauch, wanderten von Resort zu Resort, tranken hier einen Kaffee, schauten dort kurz in eine Lobby – und kehrten abends jeweils zurück in unsere eigene, deutlich stillere Villa mit ihrem Pool, dem Gegenstück zu all dem polierten Resortglanz nebenan.

Was auf diesen Spaziergängen auffällt, ist nicht nur, was die Resorts zeigen, sondern was zwischen ihnen unabhängig davon weiterläuft: Dieselben Fischerboote, die wir an ruhigen Morgen vor unserer eigenen Bucht gesehen hatten, liegen auch hier vor den Fünf-Sterne-Stränden vertäut, und die Männer, die sie frühmorgens hinausfahren, tun das nach allem, was man hört, seit Generationen – lange bevor hier ein einziges Hotel stand. Zwei Welten, die sich denselben Streifen Sand teilen, ohne sich wirklich zu berühren.

Am eindrücklichsten blieb uns trotzdem jener erste Abend: Nach dem Sonnenuntergang ging es weiter nach Trou aux Biches, zum ersten richtigen Abendessen auf der Insel – Plastikstühle im Sand, eine Lichterkette zwischen zwei Pfosten, das Rauschen der Wellen kaum einen Steinwurf entfernt. Fangfrischer Fisch, so einfach serviert, dass man merkte, hier kocht jemand, der das Meer vor der Tür ernst nimmt und nicht nur als Kulisse. Die übrigen Tage an dieser Küste verschwimmen im Rückblick eher zu einem Gefühl als zu einzelnen Szenen: Strand, Schatten unter Filaobäumen, ein Wechsel zwischen ruhig und belebt, der sich beliebig oft wiederholen liess. Genau das ist wohl die treffendste Zusammenfassung für diesen Küstenabschnitt.

Trou aux Biches · Abendessen am Strand
Trou aux Biches · Abendessen am Strand

Weiter nördlich wartete mit Grand Baie und Pereybère eine andere Seite derselben Küste: lauter, dichter, und bei Weitem nicht mehr so leicht zu übersehen.