Der Trubel und sein Gegenstück.
Grand Baie und Pereybère liegen fast Seite an Seite, aber sie erzählen den Norden in zwei Geschwindigkeiten: dort Bazar, Bars und Verkehr; hier feiner Sand und ruhiges Wasser. Die Entfernung ist klein – der Wechsel fühlt sich trotzdem wie eine Entscheidung an.
Tagsüber ist es der Bazar, der Grand Baie am dichtesten einfängt: schmale Gassen zwischen bunten Stoffen, Strohtaschen und Regalen voller Schmuck aus Stein, Silber und Gold, dazwischen Verkäufer, die mit Sprüchen und kleinen Showeinlagen um jeden vorbeigehenden Blick werben. Feilschen gehört dazu, das spürt man sofort – und irgendwo zwischen zwei Ständen zieht der Duft von gegrilltem Maiskolben oder frittiertem Teig vorbei, der einen unweigerlich innehalten lässt.
Am Abend zeigt sich dieselbe Stadt von einer anderen Seite. Aus dem Handelslärm des Nachmittags wird Musik aus offenen Bars, aus den engen Gassen werden belebte Restaurantterrassen entlang der Promenade, aus Fussgängern Autoschlangen, die sich gemächlich durch die Hauptstrasse schieben. Wer weiss, dass Grand Baie bis vor sechzig, siebzig Jahren ein Fischerdorf war, kann sich das heute kaum vorstellen – nichts an diesem Trubel erinnert mehr an die «Bucht ohne Ende», die die ersten holländischen Seefahrer sahen.


Zwei Orte, zwei Geschwindigkeiten.
Wer davon genug hat, muss nicht weit fahren. Ein paar Kilometer weiter östlich liegt Pereybère, geografisch fast eine Fortsetzung von Grand Baie und doch ein anderes Tempo: flacher abfallendes Wasser, kaum Wellen, mit Bojen markiert, wo der Badebereich endet und die Boote beginnen. Der Sand hier gilt als einer der feinsten im Norden, praktisch ohne Korallenbruch – ein Strand, an dem man Kindern zusehen kann, ohne ständig auf spitze Steine zu achten, während Grand Baie nebenan sein eigenes, lauteres Programm weiterführt.

Diese zwei Orte, kaum einen Kilometer voneinander entfernt und doch mit völlig unterschiedlichem Rhythmus, waren für uns weniger ein Gegensatz als eine Wahlmöglichkeit: mal ein Nachmittag im ruhigeren Wasser von Pereybère, mal ein Abend mitten im Trubel von Grand Baie – je nachdem, wonach an diesem Tag gerade der Sinn stand.
Nördlich davon wird es noch einmal ruhiger, dafür konzentrierter: die rote Kirche von Cap Malheureux und, kurz dahinter, das beschaulichere Grand Gaube.