Mauritius · Der Norden · Unterkunft

Unser Zuhause auf Zeit.

Die Villa in Balaclava: ein Haus hinter dem Tor, ohne Meerblick, aber mit sehr viel Platz und einer Ruhe, die aus einem gemieteten Haus nach wenigen Tagen ein Zuhause machte.

Hinter dem Tor

Nach der Fahrt vom Flughafen ist es ein Tor, das sich hinter uns schliesst: der abgeschlossene Bereich der Wohnanlage, Wachpersonal am Eingang, dahinter ruhige Strassen zwischen privaten Villen, jede mit eigenem Garten, eigenem Pool, eigener kleiner Welt. Eine grosse Anlage, die zahlreiche solcher Villen beherbergt, die meisten davon im Besitz von Privatpersonen statt einer Hotelkette. Kein Meerblick, kein Wellenrauschen – dafür ein Rückzugsort, der uns für zwei Wochen so sehr gehörte wie sonst nur das eigene Zuhause.

Mitten durch die Anlage zieht sich ein gemeinschaftlicher Park mit gewaltigen Bäumen – dieselben indischen «Lebensbäume» mit den herabhängenden Luftwurzeln, die uns schon auf der Fahrt vom Flughafen aufgefallen waren. Ging man am Abend daran vorbei, klang es, als wohnten in einer einzigen dieser Kronen Tausende Vögel: ein dichtes, anschwellendes Zwitschern und Rauschen, das man mitten in einer Wohnsiedlung nicht erwarten würde. Kein grosses Ereignis, über das man viele Worte verloren hätte – aber eines der Bilder, die am längsten hängen blieben, gerade weil es mit dem eigenen Grundstück gar nichts zu tun hatte.

Von aussen nach innen

Von aussen wirkt das Haus denkbar zurückhaltend: flache Dächer, anthrazitgraue Fassaden, schmale, dunkel gerahmte Fenster, dazwischen ein Sichtschutz aus Holzlamellen. Kein Kolonialstil, keine geschwungenen Balustraden, wie man sie sich unter «Villa in den Tropen» vielleicht vorstellt – eher reduziert, fast nordisch-minimalistisch, wären da nicht die Kieswege zwischen Ziergräsern und die Trittsteine, die von einer Einheit zur nächsten führen. Schon die Zufahrt kündigt an, was einen erwartet: eine schnurgerade, von Königspalmen und roten Hibiskushecken gesäumte Strasse, die morgens im hellen Licht genauso wirkt wie abends, wenn die tiefstehende Sonne die menschenleere Allee golden einfärbt. Am Hauseingang selbst empfangen einen zwei steinerne Figuren – ein erster kleiner Vorgeschmack darauf, dass hinter der reduzierten Fassade nicht alles ganz so nüchtern bleibt, wie es von aussen scheint.

Die Zufahrt zwischen Königspalmen
Die Zufahrt zwischen Königspalmen
Die zurückhaltende Aussenansicht
Die zurückhaltende Aussenansicht
Zwei Figuren am Eingang
Zwei Figuren am Eingang
Trittsteine zwischen den Häusern
Trittsteine zwischen den Häusern

Platz für den Alltag

Was uns beim ersten Rundgang endgültig für das Haus einnahm, war aber nicht die Fassade, sondern das, was dahinter lag: drei Schlafzimmer, zwei Bäder, ein begehbarer Kleiderschrank, ein eigener Waschraum – und, als eigentliches Herzstück, ein offener Wohn-, Ess- und Küchenbereich, ineinander übergehend und gross genug für eine ganze Grossfamilie. Genau hier hielten wir uns am meisten auf, wenn wir überhaupt einmal im Haus waren – meistens waren wir ja unterwegs. So viel Platz, wie ihn keine Hotelsuite je hätte bieten können, in einem Haus, das eher nach einem Zuhause aussah als nach einer Ferienunterkunft – wir hatten uns noch am ersten Tag in dieses Haus verliebt, und dieses Gefühl hielt bis zum letzten.

Die Küche wurde zum eigentlichen Zentrum unseres Alltags. Jeden Morgen frühstückten wir dort wie zuhause – mal Birchermüesli, mal Eier, Brot und etwas Fleisch, ganz nach Lust –, während draussen vor der Terrassentür der Tag noch kühl und still war. Die ruhigen Stunden nutzte, wer wollte, für ein kleines Fitnessprogramm, die anderen liessen es gemächlicher angehen. Kein Buffet, keine festen Zeiten, nur die eigene Küche, mit Blick auf Palmen statt auf die gewohnte Aussicht zuhause – und, ganz nebenbei, das stärkste WLAN im ganzen Haus, das abends seinen eigenen Nutzen hatte, wenn wieder die Fotos und Videos des Tages in die Cloud wanderten.

Nachmittage am Pool

Im Garten setzt sich dieser Zug zum Detail fort: Zwischen Latanien- und Fächerpalmen, vor einer dunklen Trockenmauer aus gestapeltem Lavastein, sitzt ein weiterer, grösserer steinerner Buddha, und er gehörte schon nach wenigen Tagen so selbstverständlich zum Bild wie der rechteckige Pool davor, an dessen Rand die Nachmittage vergingen: ein Buch, ein Handtuch über der Liege, sonst nichts. Geheizt war das Wasser allerdings nicht, und da wir im mauritischen Winter dort waren, blieb der Pool spürbar kühler, als man es aus wärmeren Reisezielen kennt – bei etwa 25 Grad Lufttemperatur vielleicht 24 Grad Wasser, weit entfernt von den 30 Grad, an die man sich aus Thailand oder Florida gewöhnt ist. Ein kurzer, erfrischender Sprung war es allemal wert, ein gemütliches Bad eher selten.

Pool und Palmen
Pool und Palmen
Die Figur im Garten
Die Figur im Garten
Palmen im Garten
Palmen im Garten

Alltag hinter dem Tor

Ihren festen Platz im Tagesablauf hatte auch die riesige, überdachte Terrasse – nicht tagsüber, dafür waren wir meistens zu sehr unterwegs, sondern am Vormittag, bevor es uns wieder hinauszog, oder am frühen Abend, kurz bevor wir zum Essen aufbrachen: ein Sofa und ein Sessel aus grob gezimmertem, recyceltem Holz, weisse Kissen darauf, durch die Schiebetüren der Blick auf eine dunkle Akzentwand im Inneren. Wurde es später am Abend spürbar kühler, zog es uns ohnehin zurück ins offene Wohnzimmer. Kleine Überraschungen gehörten trotzdem dazu: ein türkis-pink gestreifter Taggecko etwa, der sich immer wieder an denselben dunklen Holzbalken klammerte, so unbeeindruckt von uns wie wir zunehmend von ihm.

Der Taggecko als regelmässiger Gast
Der Taggecko als regelmässiger Gast

In einem der Schlafzimmer wiederholte sich derselbe rustikale Ton: ein Bett aus grob gelattetem Holz, schwarze Käfiglampen, die von der Decke hingen, helle Vorhänge vor der Schiebetür zum Garten, polierter Betonboden. Eine Klimaanlage gab es auch, die aber die meiste Zeit ungenutzt blieb – der mauritische Winter liess uns kaum je das Bedürfnis danach spüren.

Gebaut hatte das Haus ein Einheimischer für seine Familie, die inzwischen anderswo wohnt. Wir waren die ersten Gäste, die das leerstehende Haus für die vergleichsweise kurze Zeit von zwei Wochen mieten durften, bevor der Besitzer es für deutlich längere Zeiträume weitervermietete – ein Zufall des Timings, für den wir im Rückblick sehr dankbar waren. Der Besitzer selbst, freundlich und zuvorkommend, erklärte uns auf Englisch und Französisch alles rund ums Haus.

Ein Zuhause auf Zeit

Beim Sicherheitspersonal am Eingang der Anlage brauchte es zunächst ein, zwei Tage, in denen wir uns vorstellen und sagen mussten, wo wir wohnen – danach kannte man uns von Weitem und begrüsste uns jedes Mal wie selbstverständlich. Eine kleine Geste, die wir mit mitgebrachter Schweizer Schokolade erwiderten, worüber sich alle sichtlich freuten. Nur einmal gab es eine kleine Ermahnung: Drohnenflüge waren innerhalb der Anlage eigentlich nicht erlaubt, was wir nicht wussten – wir liessen unsere trotzdem steigen und bekamen ein paar schöne Aufnahmen, bevor uns der Besitzer freundlich darauf aufmerksam machte. Kein Vergleich zu dem, was zuhause in der Schweiz wohl passiert wäre, wo bei so etwas rasch die Polizei anrückt: Hier war es eine entspannte, fast beiläufige Angelegenheit, mit der die Sache auch schon erledigt war.

Garten und Pool im Nachmittagslicht
Garten und Pool im Nachmittagslicht

Vor der Tür stand unser kleiner grauer Mietwagen, meist einfach auf dem Rasen geparkt, keine hundert Meter von der Lavasteinmauer entfernt – unscheinbar, aber unser Gefährt zu jedem Strand und jedem Ausflug dieses Kapitels. Es war dieses Zusammenspiel aus zurückhaltender Architektur, grosszügigem Raum und der immer gleichen Ruhe hinter dem Tor, das aus einem gemieteten Haus nach wenigen Tagen zu einem echten Zuhause wurde – und genau diese Kombination war es auch, die den Norden für uns ausmachte: auf der einen Seite dieser stille, luxuriöse Rückzugsort, auf der anderen Seite, nur eine kurze Fahrt entfernt, die Drinks, das Essen und die Strandspaziergänge bei den Resorts der Umgebung.